{"id":230749,"date":"2025-06-30T09:00:12","date_gmt":"2025-06-30T09:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230749\/"},"modified":"2025-06-30T09:00:12","modified_gmt":"2025-06-30T09:00:12","slug":"us-auslandssender-in-der-krise-radio-freies-europa-75-jahre-und-nun-schluss-bayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230749\/","title":{"rendered":"US-Auslandssender in der Krise &#8211; Radio Freies Europa: 75 Jahre &#8211; und nun Schluss? &#8211; Bayern"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"teaserText\" data-schema-org-speakable=\"true\">Die US-Regierung dreht den Geldhahn zu. Dabei bietet Radio Freies Europa\/Radio Liberty prowestlichen Kr\u00e4ften seit Jahrzehnten eine Plattform &#8211; erst aus M\u00fcnchen, dann aus Prag. Springt nun Europa ein?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Prag (dpa) &#8211; Mit \u201eBarbara\u201c fing alles an. So hie\u00df der mobile Sender, mit dem Radio Freies <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Europa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europa<\/a> vor 75 Jahren sein erstes Testprogramm ausstrahlte. Verteilt auf sieben Lastwagen war im hessischen Lampertheim alles versammelt, was man brauchte, um die H\u00f6rer Hunderte Kilometer weit weg, hinter dem Eisernen Vorhang, zu erreichen. Am 4. Juli 1950 konnten Tschechen und Slowaken erstmals ein halbst\u00fcndiges Programm empfangen, das eine Alternative zum staatlichen sozialistischen Rundfunk bieten wollte. Sp\u00e4ter folgten Testsendungen f\u00fcr Rum\u00e4nen, Ungarn, Polen und Bulgaren.<\/p>\n<p>Schmerzhafte K\u00fcrzungen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Der regul\u00e4re Sendebetrieb begann 1951 aus Studios am Englischen Garten in M\u00fcnchen, 1995 erfolgte der Umzug nach Prag. Heute verbreitet Radio Free Europe\/Radio Liberty (RFE\/RL) Programme in 27 Sprachen, unter anderem f\u00fcr H\u00f6rer in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Russland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a>, der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a>, Ungarn und dem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Iran\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Iran<\/a>. Doch 75 Jahre nach der ersten Testsendung k\u00e4mpft der Sender um sein \u00dcberleben. Denn die Regierung von US-Pr\u00e4sident Donald Trump versucht alles, um den Geldhahn zuzudrehen. Und das, obwohl die Mittel vom US-Parlament genehmigt wurden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Noch arbeiteten alle Fremdsprachendienste weiter, sagt Rowan Humphries, die Sprecherin des Senders. Doch habe man einige Festangestellte freistellen, Vertr\u00e4ge mit freien Mitarbeitern aufl\u00f6sen und den Umfang des Programms reduzieren m\u00fcssen. \u201eUnsere Journalisten stehen mehr als jemals zuvor hinter dem Auftrag von RFE\/RL, Millionen Menschen in geschlossenen Gesellschaften mit Nachrichten und Informationen zu versorgen\u201c, betont Humphries.\u00a0<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Derzeit hangelt sich der Sender von Monat zu Monat, indem er mit einstweiligen Verf\u00fcgungen die Freigabe der Gelder erzwingt. Doch Ende September endet das Fiskaljahr in den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/USA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a>. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Es l\u00e4sst nichts Gutes erahnen, dass der in Washington einflussreiche Elon Musk vor wenigen Monaten \u00fcber die US-Auslandssender schrieb: \u201eYes, shut them down.\u201c<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Bedeutung im Wendejahr 1989<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Viele Beobachter wundern sich dar\u00fcber, dass die US-Regierung freiwillig auf ein solches Mittel der \u201eSoft Power\u201c verzichten will. \u201eSoft Power\u201c &#8211; das ist die Durchsetzung eigener Interessen allein durch \u00dcberzeugungs- und Anziehungskraft. Der Prager Publizist Petr Brod stie\u00df 1987 zu Radio Freies Europa, kurz vor dem Zusammenbruch der sowjetischen Vorherrschaft in Ostmitteleuropa im Wendejahr 1989. \u201eWir hatten gro\u00dfen Einfluss &#8211; auch, weil wir die Petitionen der Opposition verbreiteten\u201c, sagt er r\u00fcckblickend.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der Prager Publizist Petr Brod sitzt mit einer Zeitung an einem\u00a0Tisch. Brod arbeitete von 1987 bis 1993 f\u00fcr Radio Freies Europa (RFE).\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/790d2828-076e-4bf3-af75-fdaa64b9223b.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Der Prager Publizist Petr Brod sitzt mit einer Zeitung an einem\u00a0Tisch. Brod arbeitete von 1987 bis 1993 f\u00fcr Radio Freies Europa (RFE). (Foto: Michael Heitmann\/dpa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Man wollte eine vollwertige Alternative zu den Staatssendern des Ostblocks bieten. \u201eWir hatten Sendungen f\u00fcr alle m\u00f6glichen Schichten der Bev\u00f6lkerung\u201c, berichtet Brod &#8211; von landwirtschaftlichen Programmen f\u00fcr Traktoristen bis hin zu Musiksendungen f\u00fcr die Jugend. \u201eDie Dissidenten telefonierten mit uns offen, auch Vaclav Havel\u201c, erinnert sich Brod. Die Vorgesetzten aus Washington h\u00e4tten nicht bis ins Detail Vorgaben gemacht. Doch habe man sich an die gro\u00dfen Richtlinien der amerikanischen Au\u00dfenpolitik halten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wird die EU einspringen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Mehr als 35 Jahre sp\u00e4ter bereitet man sich in Europa auf eine wachsende Bedrohung durch Russland vor. Angesichts dessen setzt sich die Regierung in Prag daf\u00fcr ein, dass die EU einspringt, wenn sich die Amerikaner ganz bei RFE\/RL zur\u00fcckziehen. Einen Rettungsring von 5,5 Millionen Euro hat Br\u00fcssel schon zugeworfen. Schweden und die Niederlande spenden zusammen rund 4,8 Millionen Euro. Angesichts eines bisherigen Jahresbudgets von mehr als 120 Millionen Euro ist das freilich nur ein kleiner Baustein.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Brod, der bis 1993 bei Radio Freies Europa blieb und sp\u00e4ter unter anderem f\u00fcr die BBC arbeitete, ist skeptisch. Er sieht f\u00fcr eine komplette \u00dcbernahme der Kosten im Moment keine Mehrheit in Europa: L\u00e4nder am Rande wie Portugal, Griechenland, Malta oder Spanien h\u00e4tten kein Interesse daran, ein solches Unternehmen zu unterst\u00fctzen. \u201eWarum sollten sie nach Kasachstan senden? Oder nach Belarus?\u201c, gibt er zu Bedenken.<\/p>\n<p>Bombenanschlag in M\u00fcnchen und Attentate<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Ungef\u00e4hrlich war die Arbeit f\u00fcr die Journalisten von Radio Freies Europa und Radio Liberty nie. An die Get\u00f6teten erinnert heute ein kleines Mahnmal im Eingangsbereich des Prager Hauptgeb\u00e4udes. Als der Sender noch seinen Sitz in M\u00fcnchen hatte, ersch\u00fctterte 1981 ein Bombenanschlag das Funkhaus, drei Mitarbeiter wurden schwer verletzt.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Blick in einen v\u00f6llig zerst\u00f6rten Redaktionsraum des Senders \u201eRadio freies Europa\u201c in M\u00fcnchen nach dem Bombenanschlag von 1981. (Archivbild)\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/625cdc1b-57f2-4fa6-b955-951feb50872c.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Blick in einen v\u00f6llig zerst\u00f6rten Redaktionsraum des Senders \u201eRadio freies Europa\u201c in M\u00fcnchen nach dem Bombenanschlag von 1981. (Archivbild) (Foto: picture-alliance \/ dpa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Es gab mehrere Attentate &#8211; einmal sollten sogar die Salzstreuer in der Kantine vergiftet werden. \u201eMan wusste, dass man in einer gewissen Gefahr war\u201c, sagt Brod heute. \u201eMan musste damit leben.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:250630-930-735196\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die US-Regierung dreht den Geldhahn zu. 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