{"id":230963,"date":"2025-06-30T11:00:25","date_gmt":"2025-06-30T11:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230963\/"},"modified":"2025-06-30T11:00:25","modified_gmt":"2025-06-30T11:00:25","slug":"illusion-autofreie-stadt-berlins-parallelwelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230963\/","title":{"rendered":"Illusion autofreie Stadt: Berlins Parallelwelten"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-sans font-medium\">Berlin. Ein eigenes Auto gilt in Berlin als umweltsch\u00e4dlicher Luxus \u2013 dabei muss man es sich erst mal leisten k\u00f6nnen, darauf zu verzichten.<\/p>\n<p>Es gibt diese Momente im Berliner Alltag, bei denen ich nicht wei\u00df, ob ich lachen oder schreien soll. Diese Woche jubelten einige Innenstadt-Berliner, weil das <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article409348096\/urteil-zu-berlin-autofrei-gefallen-volksentscheid-darf-stattfinden.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1750846805\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berliner Verfassungsgericht den juristischen Weg frei gemacht hat f\u00fcr einen Volksentscheid<\/a>, der so irre klingt, dass man, tja: entweder kurz lacht und dann weitergeht, -f\u00e4hrt oder -denkt. <\/p>\n<p>Oder man fasst sich an den Kopf, mit welchen Debatten sich diese Stadt selbst im Wege steht, Probleme gibt es ja an sich genug. Und ich rede hier nicht mal von der absurden Idee, per Gesetz festzulegen, wer wie oft mit wie vielen Personen in seinem Auto in Berlin herumfahren darf, wie es der Volksentscheid fordert. Selbst, wenn man solche Ausw\u00fcchse wegl\u00e4sst: \u201eAutofrei\u201c \u2013 war diese Idee nicht l\u00e4ngst \u00fcberholt? <\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article229545608\/Vom-sehr-speziellen-Charme-der-Fussgaengerzone.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1595142000\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen, stadtplanerische Erfindung der \u201eautogerechten\u201c Stadt in den 1970er-Jahren,<\/a> sind vielen noch gut Erinnerung. Erst f\u00fcr Autos abgeriegelt, dann mit unz\u00e4hligen Sonderregeln belegt, schlie\u00dflich ver\u00f6det. Heute sehen das selbst Wissenschaftler kritisch, die der autofreien Idee positiv gegen\u00fcberstehen. Etwa das Wissenschaftszentrum Berlins f\u00fcr Sozialforschung (WZB), das eine eigene Forschungsgruppe zur \u201eDigitalen Mobilit\u00e4t und sozialen Differenzierung\u201c hat. Zwar gebe es in Deutschland \u00fcber 3000 St\u00e4dten in Deutschland autofreie Zonen, hei\u00dft es dort \u2013 klassische Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen wiesen allerdings \u201eh\u00e4ufig mehr Probleme als Erfolge\u201c auf. <\/p>\n<p>    Auch interessant<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/409359443_1750937766_v1_1_200.jpeg\" class=\"block w-full aspect-[1\/1] \" alt=\"Parkautomat Handyparken\" title=\"Die Parkgeb\u00fchren f\u00fcr stationslose Carsharing-Autos sind in Berlin erm\u00e4\u00dfigt, wenn sie per Handy-App bezahlt werden.  \" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>   Der politische Kampf um autofreie \u201eZukunftskonzepte\u201c ist nicht mehr als Revierkampf  <\/p>\n<p>Wenn Sie jetzt sagen: Darum geht es den Aktivisten ja gar nicht, dann stimme ich zu. Beim Volksentscheid geht es, ebenso wie bei vielen anderen verkehrspolitischen \u201eProjekten\u201c und \u201eExperimenten\u201c, oft gar nicht darum, wie wir, die echten Menschen, tats\u00e4chlich irgendwo ankommen. Sondern es geht um die Herrschaft im \u201eurbanen Raum\u201c. Also: wer wem was wegnehmen darf, am besten per Gesetz. Ob mit gr\u00fcnen Punkten, Blumenbeeten, Stadtm\u00f6beln oder per \u201e<a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article409024999\/senat-streicht-geld-fuer-poller-streit-um-kiezbloecke-eskaliert.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1747315401\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kiezblock<\/a>\u201c (bin ich die einzige, die sich allein schon an diesem linksalternativ gepr\u00e4gten Begriff st\u00f6rt?).  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/409359448_1750937766_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full aspect-[16\/9] \" alt=\"Parkende Autos\" title=\"\u201eAutofrei\u201c-Initiativen geht es oft nicht um L\u00f6sungen f\u00fcr Mobilit\u00e4t, sondern um die Umverteilung des Stadtraums.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      \u201eAutofrei\u201c-Initiativen geht es oft nicht um L\u00f6sungen f\u00fcr Mobilit\u00e4t, sondern um die Umverteilung des Stadtraums.<br \/>\n      \u00a9 picture alliance\/dpa | Wolfram Steinberg\n    <\/p>\n<p>Der politische Kampf um sogenannte \u201eZukunftskonzepte\u201c ist aktuell nicht mehr als ein Revierkampf \u2013 gef\u00fchrt auf einer intellektuellen Ebene, die mit achtsamen Wortwolken bem\u00e4ntelt, worum es geht. So wird unterstellt, der immer kleiner werdende Stadtraum m\u00fcsse \u201egerettet\u201c werden. Vor dem \u201eFeind\u201c, den selbsts\u00fcchtigen Autofahrern, die mit ihren Blechkisten wertvollen Platz zustellen, der doch \u201eallen\u201c geh\u00f6rt. Damit \u201ealle\u201c dort g\u00e4rtnern, spielen oder einfach herumsitzen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>    Auch interessant<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/409233027_1749673862_v1_1_200.jpeg\" class=\"block w-full aspect-[1\/1] \" alt=\"BVG Anzeigen\" title=\"Ein Wunder? Die Anzeigen der U5 warnen: \u201eHier kein Zugverkehr!\u201c \u2013 Aber was ist das gelbe Ding da am Gleis? \u00a0 \u00a0\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Sicher, auch ich sitze gern drau\u00dfen, auf ruhigen Pl\u00e4tzen ohne L\u00e4rm und Abgas-Gestank. Aber reichen daf\u00fcr unsere Stadtpl\u00e4tze, Parks und breiten Boulevards nicht eigentlich aus? Okay, vielleicht m\u00fcsste man sie mal aufr\u00e4umen. Wie wenig der politische Mutwille gegen Autos tats\u00e4chlich bewirkt, konnte man beim <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article238475631\/Friedrichstrasse-ab-Juli-wieder-fuer-Autos-befahrbar.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1684854478\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gescheiterten Experiment auf der Friedrichstra\u00dfe in <\/a>Mitte gut beobachten. Der Verkehr staute sich chaotisch um die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone herum. <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/409379910_1751184174_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full aspect-[16\/9] \" alt=\"Parken in Kreuzberg\" title=\"Bepflanzte ehemalige Parkpl\u00e4tze im Graefekiez in Kreuzberg: Geparkt wird trotzdem, zur Not offensichtlich sogar in den Beeten. \" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Bepflanzte ehemalige Parkpl\u00e4tze im Graefekiez in Kreuzberg: Geparkt wird trotzdem, zur Not offensichtlich sogar in den Beeten.<br \/>\n      \u00a9 Berlin | Uta Keseling\n    <\/p>\n<p>Aktuell sieht man <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/friedrichshain-kreuzberg\/article239109521\/graefekiez-kreuzberg-projekt-verkehrsberuhigt-keine-parkplaetze-gruenflaechen-anwohner-packen-an.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/friedrichshain-kreuzberg\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1691162220\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Kreuzberger Graefekiez, was passiert, wenn allein das Auto als \u201eFeind\u201c bek\u00e4mpft wird. <\/a>Hier wurden aus Parkpl\u00e4tzen Beete, die mehr oder weniger gepflegt vor sich hinwuchern. Anwohner, G\u00e4ste, Touristen, Rettungswagen, Lieferanten und die allgegenw\u00e4rtigen Filmteams stauen sich durch komplett zugeparkte und zugestellte Stra\u00dfen. Selbst in den Beeten wird geparkt, wovon umgefahrene Z\u00e4une zeugen.   <\/p>\n<p>    Auch interessant<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/409035455_1747626321_v1_1_200.jpeg\" class=\"block w-full aspect-[1\/1] \" alt=\"taxi Keseling\" title=\"Morgenpost-Reporterin Uta Keseling fuhr von 1990 bis 1994 als studentische Taxifahrerin nachts durch Berlin.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>   Geh\u00f6ren Sie auch zu jenen, die das Auto dringend brauchen?  <\/p>\n<p>Was mich an der Autofrei-Debatte st\u00f6rt: Dass sie von Menschen gef\u00fchrt wird, die es sich leisten k\u00f6nnen, in der Innenstadt \u201eautofrei\u201c zu arbeiten und auch zu leben. Und die sich in diesem Lebensstil nat\u00fcrlich auch selbst bel\u00fcgen. Carsharing zum Beispiel ist nicht \u201eautofrei\u201c \u2013 es kann sich bei Preisen um die 50 Euro pro Tag oder 80 Cent pro Kilometer aber bei weitem nicht jeder leisten, auch nicht im Graefekiez. Und es ist sicher kein Zufall, dass der Autofrei-Entscheid eine bestimmte Ausnahme duldet: den Lieferverkehr. Ohne Konsum ist so ein autofreies Luxusleben ja auch irgendwie doof.  Wenn Sie auch zu jenen geh\u00f6ren, die zwar kein Lieferfahrer sind, das Auto aber trotzdem dringend brauchen, mailen Sie mir gern, warum: <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/blogs-kolumnen\/article409365551\/mailto:stadtflucht@funkemedien.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>stadtflucht@funkemedien.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin. Ein eigenes Auto gilt in Berlin als umweltsch\u00e4dlicher Luxus \u2013 dabei muss man es sich erst mal&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":230964,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,30,1940,1938],"class_list":{"0":"post-230963","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-nachrichten-aus-berlin","15":"tag-news-aus-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114771972905242984","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230963","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=230963"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230963\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/230964"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=230963"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=230963"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=230963"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}