{"id":231035,"date":"2025-06-30T11:39:10","date_gmt":"2025-06-30T11:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/231035\/"},"modified":"2025-06-30T11:39:10","modified_gmt":"2025-06-30T11:39:10","slug":"tuerkei-ruestet-sich-zur-gaswaschmaschine-fuer-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/231035\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkei r\u00fcstet sich zur Gaswaschmaschine f\u00fcr Russland"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/gas-chatgpt-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-354135 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/gas-chatgpt-scaled.jpg\" alt=\"T\u00fcrkei- und Russland-Fahnen\" width=\"1200\"\/><\/a>Grafik: ChatGPT<\/p>\n<p>Aktuell liegen zwischen dem t\u00fcrkischen Gasunternehmen BOTA\u015e und dem russischen Gaskonzern Gazprom Gespr\u00e4che zu Vertragsverl\u00e4ngerungen an. Auch LNG-Lieferungen stehen f\u00fcr die T\u00fcrkei zur Debatte. Das soll Ausf\u00e4llen entgegenwirken, die mit dem Ausstieg der Europ\u00e4ischen Union aus Gasimporten von Russland einhergehen.<\/p>\n<p>T\u00fcrkei-Gesch\u00e4fte: Indien dient Russland als Vorlage<\/p>\n<p>Als die Sanktionen gegen russische \u00d6limporte der EU in Kraft traten, entwickelte sich Indien als Drehkreuz f\u00fcr \u00d6lprodukte im Gemisch mit Roh\u00f6l aus Russland, die in Europa Absatz finden. \u00c4hnliche Entwicklungen nehmen in der T\u00fcrkei Gestalt an. Der Weg f\u00fcr russische Gasmolek\u00fcle nach Europa soll jetzt offenbleiben. Im Rahmen des internationalen Petersburger Wirtschaftsforums traf sich der t\u00fcrkische Energieminister Alparslan Bayraktar mit Gazprom Chef Alexej Miller und dem 1. Vizepremier Alexander Nowak. \u201eInsbesondere wurde die Frage der Gasexporte aus Russland in die T\u00fcrkei er\u00f6rtert\u201c, teilte hierzu Gazprom am 19. Juni mit. Es sei um alle Aspekte der Zusammenarbeit im Erdgasbereich gegangen, die einen der <a href=\"https:\/\/x.com\/aBayraktar1\/status\/1935676455226089643\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eckpfeiler der Energiebeziehungen<\/a> zwischen den Staatsunternehmen BOTA\u015e und Gazprom bilden und M\u00f6glichkeiten zur weiteren Vertiefung dieser Zusammenarbeit gegangen, erkl\u00e4rte Bayraktar auf Twitter.<\/p>\n<p>Europa plant den Ausstieg<\/p>\n<p>In der offiziellen Regierungsmitteilung der T\u00fcrkei hie\u00df es, dass Bayraktar und Nowak \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.iletisim.gov.tr\/english\/dis_basinda_turkiye\/detay\/russia-and-turkiye-discuss-establishment-of-natural-gas-distribution-hub-russia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Etablierung eines Gashubs<\/a> in der T\u00fcrkei gesprochen h\u00e4tten. Vorgeschlagen hatte dies Pr\u00e4sident Wladimir Putin bereits im Herbst 2022. Seither folgten verbale Bekr\u00e4ftigungen von beiden Seiten, aber keine konkreten Schritte. Zugleich ist die T\u00fcrkei als Verteilstation f\u00fcr russisches Pipeline-Gas an Europa das letzte verbliebene Eintrittstor, um diesen Markt nicht komplett zu verlieren.<\/p>\n<p>Am 17. Juni legte EU-Kommission einen <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_25_1504\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Legislativvorschlag zum Ausstiegsfahrplan <\/a>aus russischen Energietr\u00e4gern vor. Demnach sollen die russischen Gasimporte per Schiff und Pipeline bis Ende 2027 enden. Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen erkl\u00e4rte: \u201eRussland hat wiederholt versucht, uns zu erpressen, indem es seine Energielieferungen als Waffe eingesetzt hat. Wir haben klare Schritte unternommen, um den \u00d6l- und Gashahn zuzudrehen und die \u00c4ra der fossilen Brennstoffe aus Russland in Europa endg\u00fcltig zu beenden.\u201c<\/p>\n<p>Vertragsbedingungen sollen vorteilhaft sein<\/p>\n<p>Energieminister Bayraktar unterstrich indes gegen\u00fcber der t\u00fcrkischen Nachrichtenagentur Anadolu, dass Russland f\u00fcr die T\u00fcrkei <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/tr\/ekonomi\/bakan-bayraktar-enerji-sektorumuz-oldukca-guclu-ve-dayanikli-durumda\/3606613\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einer der gr\u00f6\u00dften Energielieferanten<\/a> sei. Das betreffe Lieferungen von \u00d6l, Erdgas und Kernenergie ebenso wie Kohle und \u00d6lprodukte \u201eWir pflegen eine langj\u00e4hrige Energiekooperation mit Russland\u201c, so Bayraktar weiter. \u201eDie t\u00fcrkische Seite beabsichtigt, diese Zusammenarbeit in naher Zukunft fortzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>Auf dieser Grundlage bekr\u00e4ftigten im Sitzungsprotokoll der zwischenstaatlichen russisch-t\u00fcrkischen Kommission f\u00fcr Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit am 27. Juni beide L\u00e4nder ihr Interesse an einer <a href=\"https:\/\/tass.ru\/ekonomika\/24371903\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verl\u00e4ngerung der Vertr\u00e4ge<\/a> \u00fcber die Lieferung und den Export von Erdgas zwischen BOTAS und Gazprom Export zu Bedingungen, die f\u00fcr beide Unternehmen vorteilhaft sind.<\/p>\n<p>In diesem Jahr laufen die aktuellen Vertr\u00e4ge \u00fcber die Lieferung von 16 Milliarden Kubikmetern Gas im Jahr \u00fcber die Schwarzmeergasleitungen Blue Stream und 5,75 Milliarden Kubikmeter Gas \u00fcber Turkstream aus. Au\u00dferdem enden zur kommenden Jahreswende Vertr\u00e4ge mit einigen privaten Importeuren.<\/p>\n<p>Mehr Turkstream-Gas kommt in Europa an<\/p>\n<p>Im letzten Jahr importierte die T\u00fcrkei \u00fcber Blue Stream und Turkstream 2,6 Prozent mehr Gas und somit etwas mehr als 21 Milliarden Kubikmeter Gas. Da der Turkstream-Strang, der den t\u00fcrkischen Markt versorgen soll, nur zu rund einem Drittel ausgelastet ist, sind Kapazit\u00e4ten frei, um mehr russisches Gas nach Europa durchzuleiten.<\/p>\n<p>Bereits im ersten Quartal nutzte die T\u00fcrkei diese M\u00f6glichkeit und leitete<br \/>nach <a href=\"https:\/\/gasdashboard.entsog.eu\/#map-flows\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Daten der europ\u00e4ischen Gastransportnetzbetreiber<\/a> ENTSOG t\u00e4glich steigende Gasmengen von Turkstream nach Bulgarien durch, die rechnerisch ein Jahresvolumen von rund 20 Milliarden Kubikmeter Gas ergeben. Da ein Strang von Turkstream auf eine Jahrestransportmenge von 15,75 Milliarden Kubikmeter ausgelegt ist, l\u00e4sst das den Schluss zu, dass die T\u00fcrkei hier einen Teil der weggefallenen Transitmengen der Ukraine kompensiert hat.<\/p>\n<p>Das ungarische \u00d6l- und Gasunternehmen MVM und die t\u00fcrkische BOTA\u015e h\u00e4tten vereinbart, dass das <a href=\"https:\/\/1prime.ru\/20250626\/gaz-858936766.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transitvolumen<\/a> von russischem Gas \u00fcber Turkstream im Juli um 750.000 Kubikmeter pro Tag erh\u00f6ht werden soll. Anschlie\u00dfend k\u00f6nne der Vertrag f\u00fcr August und September verl\u00e4ngert werden, sagte Ungarns Au\u00dfenminister P\u00e9ter Szijj\u00e1rt\u00f3 in einem Video-Auftritt j\u00fcngst im Juni. Aktuell kommen in Ungarn \u00fcber Turkstream und Bulgarien am Tag 21 Millionen Kubikmeter Gas (rund 7,7 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr) an. Ungarn lehnt wie die Slowakei die Ausstiegspl\u00e4ne der EU strikt ab.<\/p>\n<p>Kapazit\u00e4ten nutzen<\/p>\n<p>Die Durchleitungskapazit\u00e4t der beiden Gas\u00fcbergabestationen Strandzha 1-Malkoclar und Strandzha 2-Malkoclar an der bulgarisch-t\u00fcrkischen Grenze umfasst rund 26 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Um die komplette Transitmenge der Ukraine ausgleichen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsste die Transbalkan-Gasleitung, \u00fcber die die T\u00fcrkei bis zur Inbetriebnahme von Turkstream russisches Gas \u00fcber die Ukraine importierte, f\u00fcr mehr Gasfl\u00fcsse von S\u00fcd nach Nord ert\u00fcchtigt werden.<\/p>\n<p>Die Transbalkan-Gasleitung geh\u00f6rt zum vertikalen Korridor, \u00fcber den <a href=\"https:\/\/ceenergynews.com\/oil-gas\/new-gas-route-to-ukraine-opens-with-major-discounts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LNG-Lieferungen aus Griechenland<\/a> nach S\u00fcdosteuropa bis in die Moldau und Ukraine gelangen sollen. Wenn die T\u00fcrkei daran Anschluss findet und ihn f\u00fcr ihren Turkish Blend aus russischem Gas, eigener Gasf\u00f6rderung, s\u00e4mtlichen LNG- und Gasimporten nutzt, macht das den Ausschluss von russischen Gasimporten unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Vor Inkrafttreten des Importverbots sieht der Legislativorschlag der Kommission au\u00dferdem vor, im Ausnahmefall eine \u00dcbergangsfrist einzuf\u00fchren. Wie beim \u00d6l ist das f\u00fcr Ungarn und die Slowakei ein Trittbrett, um an russischen Gasimporten festzuhalten. Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel. Ein Schlupfloch und Sch\u00fctzenhilfe f\u00fcr Russland sind damit besiegelt.<\/p>\n<p>LNG aus Russland nimmt Kurs auf die T\u00fcrkei<\/p>\n<p>Im besagten zwischenstaatlichen Protokoll bekundete Russland auch sein <a href=\"https:\/\/1prime.ru\/20250627\/novak-858967908.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interesse an stabilen LNG-Lieferungen<\/a> und seine Bereitschaft an Investitionen zur gemeinsamen Entwicklung des t\u00fcrkischen Gasmarkts. \u201e\u201eDie T\u00fcrkei akzeptiert LNG aus aller Welt und verf\u00fcgt \u00fcber Terminals. Unsere Spotlieferungen oder Mengen, die m\u00f6glicherweise auf dem Weltmarkt verf\u00fcgbar sind, k\u00f6nnen daher auch vom t\u00fcrkischen Markt abgenommen werden\u201c, erkl\u00e4rte Nowak. Je nach den kommerziellen Bedingungen k\u00f6nnten das Spot- oder Langzeitvertr\u00e4ge sein.<\/p>\n<p>Sinkt die Abnahme von LNG aus Russland in westeurop\u00e4ischen H\u00e4fen, d\u00fcrfte die T\u00fcrkei ein wichtige Anlaufstation sein, um es im Gemisch mit LNG aus Katar oder den USA \u00fcber das t\u00fcrkische Gasnetz doch noch ins europ\u00e4ische Leitungsnetz zu bringen. Solange keine Drittstaatenregelung in Kraft ist, k\u00f6nnen russische Gasmolek\u00fcle sich mit anderen Quellen im t\u00fcrkischen Gasnetz munter mischen. Indischer Diesel ist schlie\u00dflich auch ganz legal und braucht kein Herkunftszertifikat. Der Bosporus richtet offenbar zwar keinen Gashub ein, aber als Gaswaschmaschine lohnt sich das Gesch\u00e4ft bestimmt.<\/p>\n<p><a class=\"eoc btn\" href=\"#comments\">Kommentare lesen und schreiben, hier klicken<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Grafik: ChatGPT Aktuell liegen zwischen dem t\u00fcrkischen Gasunternehmen BOTA\u015e und dem russischen Gaskonzern Gazprom Gespr\u00e4che zu Vertragsverl\u00e4ngerungen an.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":231036,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,1213,13,14,15,4043,4044,850,307,12,679,143],"class_list":{"0":"post-231035","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-gas","11":"tag-headlines","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-russia","15":"tag-russian-federation","16":"tag-russische-foederation","17":"tag-russland","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-top","20":"tag-tuerkei"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114772126366498873","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231035","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=231035"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231035\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/231036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=231035"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=231035"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=231035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}