{"id":231563,"date":"2025-06-30T16:25:17","date_gmt":"2025-06-30T16:25:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/231563\/"},"modified":"2025-06-30T16:25:17","modified_gmt":"2025-06-30T16:25:17","slug":"lange-nacht-der-wissenschaften-sterne-ueber-berlin-adlershof-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/231563\/","title":{"rendered":"Lange Nacht der Wissenschaften \u2013 Sterne \u00fcber Berlin-Adlershof"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img307883\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/307883.jpeg\" alt=\"\u00bbDa drinnen stinkt es, es ist dunkel, man sieht nichts\u00ab, sagt Forscher Peter Strunk \u00fcber die Thermo-Kugellabore \u00bbAdlershofer Busen\u00ab.\"\/><\/p>\n<p>\u00bbDa drinnen stinkt es, es ist dunkel, man sieht nichts\u00ab, sagt Forscher Peter Strunk \u00fcber die Thermo-Kugellabore \u00bbAdlershofer Busen\u00ab.<\/p>\n<p>Foto: IMAGO\/Sch\u00f6ning<\/p>\n<p>Samstagabend 21.30 Uhr. Die Sonne geht unter \u00fcber Berlin. Wolken f\u00e4rben sich rot hinter der Silhouette der Stadt. Doch nicht wegen des sch\u00f6nen Sonnenuntergangs stehen Menschen auf der Dachterrasse des Deutschen Zentrums f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) in Adlershof. Sie sind gekommen, um bei der Langen Nacht der Wissenschaften durchs Teleskop in den Sternenhimmel zu schauen.<\/p>\n<p>Leider verkl\u00e4ren ein paar Wolken den Himmel. Um wenigstens einen Stern einzufangen, hat ein Mitarbeiter sein Teleskop auf den Mercedesstern am Europacenter gerichtet. Eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr den Sternenhimmel ist das aber nicht.<\/p>\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter. Berlin ist bereits dunkel. Im Erdgeschoss referiert Ulrich K\u00f6hler \u00fcber Planetenforschung. Er wirft eine mit moderner Kameratechnik erm\u00f6glichte Aufnahme des Saturnmondes Enceladus an die Wand. Die Aufnahmen, die die Adlershofer Forscher*innen gemeinsam mit multinationalen Forscherteams m\u00f6glich gemacht haben, zeigen, dass dieser Mond Gase ausspeit. Gase, die einen bisher unbekannten Ring um den Saturn bilden, wie K\u00f6hler sagt.<\/p>\n<p>Die Adlershofer Forscher*innen sind auch an der Mondforschung beteiligt. F\u00fcr 2029 ist die Landung einer Nasa-Rakete auf dem S\u00fcdpol des Erdtrabanten geplant, wo auch eine europ\u00e4ische Astronautin mit an Bord sein soll. Eigentlich. Denn die Trump-Regierung will die Gelder f\u00fcr Weltraumforschung zusammenstreichen und andere Priorit\u00e4ten setzen. Noch sei das nicht entschieden, sagt K\u00f6hler. Noch hat er Hoffnung, dass diese Forschung in <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192077.nachbarschaftliches-engagement-kiezkasse-in-berlin-adlershof-den-gemeinsinn-wieder-entdecken.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adlershof<\/a> weitergef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<p>Weltraumforschung kann einen praktischen Nutzen f\u00fcr die Menschheit haben. Wenn beispielsweise Asteroiden die Umlaufbahn der Erde kreuzen, kann es zu einem Aufprall mit dramatischen Folgen kommen. K\u00f6hler zufolge sei in diesem Jahrhundert ein solcher Aufprall nicht zu erwarten. Der letzte vergleichsweise kleine Asteroidenaufprall geschah 2013 in der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk und f\u00fchrte zu zahlreichen Verletzten sowie besch\u00e4digten Geb\u00e4uden.<\/p>\n<p>Das DLR hat in seiner Geschichte auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse aus der DDR zur\u00fcckgegriffen. So wurden ganze Abteilungen des ehemaligen Instituts f\u00fcr Kosmosforschung der Akademie der Wissenschaften ins DLR integriert. Insbesondere in der Venusforschung bereicherten Ergebnisse des DDR-Institutes das DLR.<\/p>\n<p>Zu DDR-Zeiten forschten 4400 Wissenschaftler*innen anwendungsorientiert in Adlershof. Doch die meisten wissenschaftlichen Institute wurden nach der Wende abgewickelt: 85 Prozent der Wissenschaftler*innen gingen in den Vorruhestand und in die Arbeitslosigkeit. Dieses wissenschaftliche Potenzial wurde zu wenig genutzt, meint Peter Strunk. Bis er k\u00fcrzlich das Rentenalter erreichte, war Strunk f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der WISTA verantwortlich, die am Standort Adlershof auf landeseigenen Grundst\u00fccken einen Hochtechnologiestandort entwickelt. Heute w\u00fcrden auf dem Gel\u00e4nde 28 000 Menschen arbeiten \u2013 mehr als zu DDR-Zeiten. Sie erwirtschaften einen Umsatz von vier Milliarden Euro. Mehrere Firmen sind in ihrer Branche Weltmarktf\u00fchrer. Das sei eine Erfolgsgeschichte, so Strunk.<\/p>\n<p>Als in der Bundesrepublik sozialisierter Historiker spricht er mit gro\u00dfem Respekt von den Wissenschaftler*innen aus der ehemaligen DDR, die den Sprung in die Selbstst\u00e4ndigkeit gewagt und bestanden haben. Zuerst seien das Menschen aus dem wissenschaftlichen Ger\u00e4tebau gewesen. \u00bbDie mussten in der DDR Ger\u00e4te f\u00fcr die Forschung nachbauen, weil die auf der Embargoliste standen. Sie kannten ihr Fach und den Markt sehr gut.\u00ab Wenn Wissenschaftler*innen Unternehmen gr\u00fcnden, so Strunk, \u00bbdenken sie langfristig\u00ab. Nur zwei Prozent dieser Firmen in Adlershof seien insolvent gegangen. Solche Firmeninhaber w\u00fcrden keinen Mercedes fahren, sagt Strunk. \u00bbIn den Arbeitsr\u00e4umen steht vorn ein kaputter IKEA-Tisch und hinten Messinstrumente f\u00fcr 12 Millionen Euro. Sie legen auf \u00e4u\u00dfere Statussymbole keinen Wert.\u00ab Und diese Mentalit\u00e4t h\u00e4tten auch diejenigen Mitarbeiter*innen aus Ost, West und dem Ausland angenommen, \u00bbdie zur Wende noch zur Schule gingen und heute in diesen Firmen arbeiten\u00ab.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbDie mussten in der DDR Ger\u00e4te f\u00fcr die Forschung nachbauen, weil die auf der Embargoliste standen.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nPeter Strunk\u2003Historiker<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer wie Strunk Besucher*innen durch das Wissenschaftsareal in Adlershof f\u00fchrt, ist mit der Frage konfrontiert, wo denn genau Altkanzlerin Angela Merkel einmal arbeitete. Er f\u00fchrt die Gruppe zu einer naturbelassenen Wiese. \u00bbUnd wie sie sehen, sehen sie nichts\u00ab, sagt er. Das langgestreckte flache Geb\u00e4ude des Zentralinstitutes f\u00fcr Physikalische Chemie, wo die Physikerin Merkel einst ihre Doktorarbeit schrieb und forschte, wurde vor wenigen Jahren abgerissen.<\/p>\n<p>Doch von dem Institut ist ein paar Meter weiter ein architektonisches Highlight geblieben: Der \u00bbBusen von Adlershof\u00ab ist so etwas wie das Wahrzeichen des Ortsteils Adlershof. Offiziell hei\u00dfen die beiden durch einen Gang verbundenen Kugeln \u00bbThermokonstante Kugellabore\u00ab. Sie entstanden zwischen 1959 und 1961 f\u00fcr thermodynamische Hochpr\u00e4zionsmessungen f\u00fcr die Luftfahrt. Im Innern sollten stets konstante Temperaturen herrschen. \u00bbDas hat leider nie funktioniert, denn die Laboranten trugen ja ihre eigene K\u00f6rpertemperatur in die Laborr\u00e4ume\u00ab, so Strunk. So wurden die Kugellabore bis 1993 als normale Laborr\u00e4ume genutzt, sp\u00e4ter als Lagerr\u00e4ume f\u00fcr Fotopapier, erl\u00e4utert der Forscher. Den Wunsch vieler Besucher*innen, die Kugeln einmal von innen zu sehen, erf\u00fcllt er nicht. \u00bbDa drinnen stinkt es, es ist dunkel, man sieht nichts\u00ab, sagt Peter Strunk. <\/p>\n<p>Mit der langen Nacht der Wissenschaften wollen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192201.psychoanalyse-vom-verlernen-der-illusionen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Planetenforscher<\/a> wie Ulrich K\u00f6hler der Gesellschaft etwas zur\u00fcckgeben: \u00bbUnd sei es nur, sie an der Faszination unserer Arbeit teilhaben zu lassen.\u00ab K\u00f6hler sieht es als Privileg, \u00bbaus Steuermitteln finanzierte Forschungen durchf\u00fchren zu d\u00fcrfen\u00ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbDa drinnen stinkt es, es ist dunkel, man sieht nichts\u00ab, sagt Forscher Peter Strunk \u00fcber die Thermo-Kugellabore \u00bbAdlershofer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":231405,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,129,29,30,426],"class_list":{"0":"post-231563","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-ddr","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-raumfahrt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114773250935667753","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231563","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=231563"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231563\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/231405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=231563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=231563"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=231563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}