{"id":232849,"date":"2025-07-01T04:13:12","date_gmt":"2025-07-01T04:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/232849\/"},"modified":"2025-07-01T04:13:12","modified_gmt":"2025-07-01T04:13:12","slug":"zum-arabischen-coffe-baum-das-museum-ueber-leipzigs-aeltestes-kaffeehaus-ist-wieder-geoeffnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/232849\/","title":{"rendered":"&#8222;Zum Arabischen Coffe Baum&#8220; \u2013 Das Museum \u00fcber Leipzigs \u00e4ltestes Kaffeehaus ist wieder ge\u00f6ffnet"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Leipzigs \u00e4ltestes Kaffeehaus &#8222;Zum Arabischen Coffe Baum&#8220; empfing viele ber\u00fchmte <a href=\"#Literaturpapst\">Pers\u00f6nlichkeiten<\/a>.<\/li>\n<li>Leipzigs Kaffeeh\u00e4user haben auch <a href=\"#Kaffee\">Musikgeschichte<\/a> geschrieben, so bekommt Bachs &#8222;Kaffeekantate&#8220; einen eigenen Raum.<\/li>\n<li>Die neue <a href=\"#Die\">Dauerausstellung<\/a> sch\u00e4rft auch den Blick auf Themen wie Kolonialgeschichte, Welthandel und Fairtrade.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Literaturpapst\">Literaturpapst<\/a> Johann Christoph Gottsched trank hier seinen Kaffee ebenso Max Klinger, Erich K\u00e4stner, Kurt Masur oder US-Pr\u00e4sident Bill Clinton. Seit drei Jahrhunderten ist das barocke Geb\u00e4ude in der Leipziger Innenstadt Anziehungspunkt f\u00fcr Kaffeeliebhaber.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEiner der ersten soll der \u00dcberlieferung nach August der Starke gewesen sein, der angeblich die Plastik \u00fcber dem Eingang stiftete, der der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/coffe-baum-kaffeehaus-sanierung-100.html\" title=\"Traditionsreiches Kaffeehaus &quot;Zum Coffe Baum&quot; in Leipzig wieder ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Coffe Baum&#8220;<\/a> seinen Namen verdankt: ein osmanischer W\u00fcrdentr\u00e4ger unter einem Kaffeebaum, dem ein Putto eine Schale reicht. &#8222;Wir wollen das Kaffeetrinken als ein historisch gewachsenes Kulturgut dieser Region zeigen und zugleich die wunderbaren Wirkungen und Spuren, die der Kaffee in der Kulturgeschichte hinterlassen hat&#8220;, erkl\u00e4rt Anselm Hartinger, Direktor Stadtgeschichtliches Museum Leipzig.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wir wollen das Kaffeetrinken als ein historisch gewachsenes Kulturgut dieser Region zeigen.<\/p>\n<p>Anselm Hartinger, Direktor Stadtgeschichtliches Museum Leipzig<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><a name=\"Kaffee\"><strong>Kaffee<\/strong><\/a><strong> und Musik \u2013 eine lange Leipziger Geschichte<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nEiner der legend\u00e4ren Stammg\u00e4ste zwischen 1833 und 1840 war Robert Schumann. Mit seinem Freundeskreis, den Davidsb\u00fcndlern, gr\u00fcndete er hier die &#8222;Neue Zeitschrift f\u00fcr Musik&#8220;. Die Schumann-Ecke in dem Kaffehaus war noch Jahrzehnte nach dem Tod des Komponisten beliebter Treffpunkt von Musikern. Richard Wagner, Edvard Grieg, Franz Leh\u00e1r sa\u00dfen ebenso hier wie Dirigent Arthur Nikisch und Thomaskantor G\u00fcnther Ramin.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEinen eigenen Raum in der neuen Ausstellung hat das bekannteste Musikwerk \u00fcber den Kaffee bekommen: Bachs Kaffeekantate. Dabei hat Bach sein Werk gar nicht im &#8222;Coffe Baum&#8220; uraufgef\u00fchrt, sondern im Zimmermannschen Kaffeehaus, wo er mit seinem Collegium musicum allw\u00f6chentlich aufspielte. Auch das Zimmermannsche war ein legend\u00e4res Kaffeehaus in Leipzig \u2013 genauso wie das Corso, Felsche, Grundmann oder Richter, in denen auch immer Musik erklang. Schon vor Telemann und Bach musizierten hier Studenten der Uni Leipzig, um 1900 erobern <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/podcast\/weltgeschichte\/erfindung-musikautomaten-leipzig-100.html\" title=\"Die Erfindung des Musikautomaten in Leipzig\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Musikautomaten<\/a> der Leipziger Hupfeld Fabrik die Caf\u00e9s. In der DDR ging man zu Jazz und Liedermacherkonzerten ins Caf\u00e9 Grundmann.\n<\/p>\n<p><strong>Klischee und Kult, Bliemchengaffee und Pl\u00f6rre<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nUm wenige Getr\u00e4nke gibt es so viele Anekdoten und Legenden wie um den Kaffee. Er st\u00e4rke Geist, K\u00f6rper und Magen und verl\u00e4ngere das Leben, behaupteten die Kaffeeliebhaber schon im 18. Jahrhundert, w\u00e4hrend andere ihn als gef\u00e4hrliches Gift sahen, das Kopfschmerz, Schwindel und H\u00e4morrhoiden verursacht. Was wohl kaum beim ber\u00fcchtigten s\u00e4chsischen &#8222;Bliemchengaffee&#8220; passieren konnte, gekocht aus &#8222;sieben Bohnen auf 14 Tassen&#8220;. Dabei stand der Begriff urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Besitz von Kaffeetassen aus wertvollem Porzellan, deren Innenseiten Bl\u00fcmchen zierten. <\/p>\n<p>Noch mit einer anderen Legende r\u00e4umt die neue Ausstellung auf: mit den &#8222;Gaffeesachsen&#8220;. Gepr\u00e4gt von Preu\u00dfenk\u00f6nig Friedrich dem Gro\u00dfen, der so s\u00e4chsische Soldaten beschimpfte, die sich aus dem Schlachtfeldstaub machten, weil sie keinen Kaffee vor dem Kampf bekamen. Allerdings hatte Kaffeeliebhaber Friedrich II. den Bohnenkaffee nur f\u00fcr sich vorgesehen, seine Soldaten bekamen einen Ersatz aus Zichorie und ger\u00f6steter Gerste.\n<\/p>\n<p><a name=\"Die\"><strong>Die<\/strong><\/a><strong> politische Seite des Kaffees<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nNicht nur Preu\u00dfenk\u00f6nig Friedrich hatte \u00c4rger wegen des Ersatzkaffees. Noch gr\u00f6\u00dfer war er f\u00fcr DDR-Chef Erich Honecker in den 80er-Jahren, als das devisenknappe Land den B\u00fcrgern eine Ersatzmischung pr\u00e4sentierte, die zu massiven Beschwerden f\u00fchrte. Die Genossen kamen dann auf die Idee, im befreundeten <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/mdr-sachsen-anhalt\/podcast\/geschichten\/audio-ddr-kaffee-vietnam-100.html\" title=\"Die DDR und der Vietnam-Kaffee \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vietnam Kaffee<\/a> anbauen zu lassen. Bittere Ironie der Kaffeegeschichte: Die erste Ernte 1991 erlebte die DDR nicht mehr. Heute ist Vietnam aber der zweitgr\u00f6\u00dfte Kaffeeproduzent der Welt.<\/p>\n<p>Dass Kaffeeanbau und -verarbeitung auch immer eine politische Seite hatten, wird in der Dauerausstellung deutlicher als fr\u00fcher gezeigt. Man habe die Themen Kolonialgeschichte, Welthandel und Fairtrade deutlich erweitert, sagt Maike G\u00fcnther, Kuratorin Stadtgeschichtliches Museum Leipzig. So schufteten afrikanische Sklaven auf s\u00fcdamerikanischen Kaffeeplantagen, und die Vermarktung arbeitete bis vor wenigen Jahrzehnten mit rassistischen Klischees. Und die Monokulturen haben fatale \u00f6kologische Folgen.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Inhaltlich haben wir die Geschichten zur Kolonialgeschichte, zum Welthandel, zu Fairtrade deutlich erweitert und gesch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Maike G\u00fcnther Kuratorin Stadtgeschichtliches Museum Leipzig<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nAuf Geschichtsst\u00fcrmerei verzichten die Ausstellungsmacher. Die dem osmanischen W\u00fcrdentr\u00e4ger nachempfundene Figur begr\u00fc\u00dft noch immer den Besucher am Eingang zur Ausstellung. Nun aber werden sie und die mit ihr verkn\u00fcpfte &#8222;T\u00fcrkenmode&#8220; hinterfragt und in ihren historischen Kontext eingeordnet.\n<\/p>\n<p><strong>Kaffeegenuss und Kaffeewissen unter einem Dach<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nMit dem &#8222;Zum Arabischen Coffe Baum&#8220; bekommt das Stadtgeschichtliche Museum eine publikumslockende Ausstellung, die das Leipziger Lebensgef\u00fchl feiert und erz\u00e4hlt, wie wichtig Kaffeeh\u00e4user f\u00fcr die Stadt waren und sind. Hier wurden und werden Kontakte gekn\u00fcpft und die besten Ideen entstehen bei einer &#8222;Schale Hee\u00dfen&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nRedaktionelle Bearbeitung: jb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzigs \u00e4ltestes Kaffeehaus &#8222;Zum Arabischen Coffe Baum&#8220; empfing viele ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten. 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