{"id":234341,"date":"2025-07-01T17:51:10","date_gmt":"2025-07-01T17:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/234341\/"},"modified":"2025-07-01T17:51:10","modified_gmt":"2025-07-01T17:51:10","slug":"erzbistum-koeln-haftet-nicht-fuer-missbrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/234341\/","title":{"rendered":"Erzbistum K\u00f6ln haftet nicht f\u00fcr Missbrauch"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Eine Frau fordert vom Erzbistum K\u00f6ln 830.000 Euro Schmerzensgeld wegen sexuellen Missbrauchs durch einen Priester. Das Landgericht wies die Amtshaftungsklage ab \u2013 auch weil die Frau dem T\u00e4ter damals als Pflegekind anvertraut war.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/landgericht-koeln\" target=\"_top\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Landgericht K\u00f6ln\" rel=\"noopener\">Landgericht (LG) K\u00f6ln<\/a> hat die Klage einer Frau abgewiesen, die vom Erzbistum K\u00f6ln Schmerzensgeld in H\u00f6he von 830.000 Euro sowie eine Verpflichtung zum Ersatz zuk\u00fcnftiger materieller Sch\u00e4den wegen sexuellen Missbrauchs durch einen ehemaligen Pfarrer verlangte (Urt. v. 01.07.2025, Az. 5 O 220\/23).<\/p>\n<p>Die heute 58 Jahre alte Kl\u00e4gerin lebte als Pflegekind in den 1970er- und 1980er-Jahren im Haushalt eines Priesters, der dem beklagten Erzbistum K\u00f6ln angeh\u00f6rte. W\u00e4hrend dieser Zeit kam es zu zahlreichen sexuellen Missbrauchstaten. 2022 wurde der ehemalige Priester f\u00fcr den Missbrauch zu zw\u00f6lf Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Nun verlangte die Kl\u00e4gerin vom Erzbistum Schmerzensgeld. Sie st\u00fctzte sich dabei unter anderem auf einen Amtshaftungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7 839 Abs. 1 B\u00fcrgerliches Gesetzbuch (BGB) in Verbindung mit Art. 34 Grundgesetz (GG).<\/p>\n<p>Die 5. Zivilkammer des LG K\u00f6ln wies die Klage jedoch ab, ein Amtshaftungsanspruch bestehe nicht. Der Missbrauch sei nicht Teil der Amtsaus\u00fcbung gewesen, so das Gericht.\u00a0<\/p>\n<p>Kein \u00e4u\u00dferer und innerer Zusammenhang zur Kirche<\/p>\n<p>Der Amtshaftungsanspruch setzt unter anderem voraus, dass ein Amtstr\u00e4ger in Aus\u00fcbung seines \u00f6ffentlichen Amtes eine Amtspflicht verletzt hat. Als Amtstr\u00e4ger der Kirche k\u00f6nnen auch Priester Beamte im haftungsrechtlichen Sinne sein. Ma\u00dfgeblich ist, ob die sch\u00e4digende Handlung &#8222;in Aus\u00fcbung eines \u00f6ffentlichen Amtes&#8220; erfolgte. Dies verneinte das LG hier.<\/p>\n<p>Entscheidend sei, ob die eigentliche Zielsetzung, mit der die handelnde Person t\u00e4tig wird, einer kirchlichen T\u00e4tigkeit im Sinne ihres Auftrags in der Gesellschaft zuzurechnen sei und ob zwischen dieser Zielsetzung und der sch\u00e4digenden Handlung ein enger \u00e4u\u00dferer und innerer Zusammenhang bestehe. Nach Ansicht des Gericht fehle es an diesem Zusammenhang.<\/p>\n<p>Sorge f\u00fcr das Pflegekind keine kirchliche Aufgabe<\/p>\n<p>Die insofern relevante Besonderheit des Falles bestand aus Sicht des Gerichts darin, dass die Kl\u00e4gerin dem ehemaligen Priester als Pflegkind anvertraut war. Die Sorge f\u00fcr ein Pflegekind sei dabei durch einen staatlichen Akt begr\u00fcndet worden. Ein Zusammenhang zur kirchlichen T\u00e4tigkeit scheide deshalb aus, so die 5. Zivilkammer.<\/p>\n<p>Eine kirchliche T\u00e4tigkeit werde auch nicht dadurch begr\u00fcndet, dass das beklagte Erzbistum seine Zustimmung zu der Annahme als Pflegekind erteilt hat. Dies mache die Sorge f\u00fcr das Pflegekind nicht zur kirchlichen Aufgabe. Nicht jede T\u00e4tigkeit eines kirchlichen Amtstr\u00e4gers stelle zugleich die Aus\u00fcbung eines \u00f6ffentlichen Amtes im Sinne der Haftungsnorm dar. Dies mag in Widerspruch zum theologischen Verst\u00e4ndnis stehen, welches die katholische Kirche vom Priesteramt habe. Jedoch sei eine objektive Betrachtung erforderlich. Es sei nicht ersichtlich, dass die kirchlichen K\u00f6rperschaften f\u00fcr jede Handlung ihrer Amtstr\u00e4ger haften, so das Gericht.<\/p>\n<p>Eine Haftung nach \u00a7 831 BGB, f\u00fcr den Priester als Verrichtungsgehilfen, verneinte das LG K\u00f6ln aus dem gleichen Grund.<\/p>\n<p>Scharfe Kritik von der Betroffenen-Initiative<\/p>\n<p>Ferner komme eine Haftung des beklagten Erzbistums nicht deshalb in Betracht, weil es den Priester nicht hinreichend \u00fcberwacht habe. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass organschaftliche Vertreter oder andere Bedienstete des beklagten Erzbistums K\u00f6ln keine Anhaltspunkte daf\u00fcr gehabt haben, dass die Kl\u00e4gerin sexuell missbraucht wurde, so die Kammer.<\/p>\n<p>Matthias Katsch von der Betroffenen-Initiative &#8222;Eckiger Tisch&#8220; \u00e4u\u00dferte am Dienstag scharfe Kritik an dem Urteil. Er zeigte sich entsetzt \u00fcber die Entscheidung und sprach von einem &#8222;Schlag f\u00fcr alle Betroffenen, die ihre Hoffnungen in den Rechtsstaat gesetzt habe&#8220;. Das Urteil zeuge von v\u00f6lliger Unkenntnis davon, wie umfassend die katholische Kirche das Priesteramt verstehe.<\/p>\n<p>Die Entscheidung ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Eine Berufung seitens der Kl\u00e4gerin wurde bereits angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>dpa\/ail\/LTO-Redaktion<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tLandgericht K\u00f6ln verneint Amtshaftung:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t01.07.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/57555 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t01.07.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Frau fordert vom Erzbistum K\u00f6ln 830.000 Euro Schmerzensgeld wegen sexuellen Missbrauchs durch einen Priester. 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