{"id":234499,"date":"2025-07-01T19:21:12","date_gmt":"2025-07-01T19:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/234499\/"},"modified":"2025-07-01T19:21:12","modified_gmt":"2025-07-01T19:21:12","slug":"berlin-frauen-im-rap-zu-viel-zu-laut-zu-sexy-zu-soft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/234499\/","title":{"rendered":"Berlin | Frauen im Rap: Zu viel, zu laut, zu sexy, zu soft?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Wenn eine Frau rappt, wird sie selten nur nach der Qualit\u00e4t ihrer Songs bewertet. Ist sie zu sanft? Dann fehlt ihr die Haltung. Ist sie zu w\u00fctend? Dann gilt sie als unweiblich. Zeigt sie Haut? Dann fehlt es ihr an Substanz. Als Rapperin kann Frau es also nie richtig machen. \u00abDas Klischee, was mich am meisten \u00fcber Frauen im Rap nervt, ist, dass wir nicht rappen k\u00f6nnen\u00bb, sagt die Rapperin Badm\u00f3mzjay der Deutschen Presse-Agentur. Denn f\u00fcr Frauen im Hip-Hop gelten weiterhin andere Ma\u00dfst\u00e4be als f\u00fcr M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Viele K\u00fcnstlerinnen in der deutschen Szene kennen diese Schablonen. Schauspielerin und Rapperin Zs\u00e1 Zs\u00e1 bringt es auf den Punkt: \u00abAlle Sachen, die M\u00e4nner edgy oder real machen, werden bei Girls eher als Schw\u00e4che ausgelegt\u00bb, sagt sie. Obwohl sie l\u00e4ngst ihre eigene Stimme gefunden hat, trifft sie immer wieder auf Kritik \u2013 etwa wegen Songzeilen \u00fcber Beziehungen. W\u00e4hrend M\u00e4nner \u00fcber Gewalt, Sex oder Kontrollverlust rappen und das als Kunstfreiheit gilt, erleben Frauen Shitstorms. Sie geht damit humorvoll um: \u00abIch mach` einfach, was ich will, sag, was ich will \u2013 und seh dabei cute aus.\u00bb<\/p>\n<p>Frauen-Rap und internationale Stars in die Baggerstadt<\/p>\n<p>Dass sich etwas bewegt, zeigt das Line-up des diesj\u00e4hrigen <a href=\"https:\/\/splash-festival.de\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">\u00absplash!\u00bb-Festivals<\/a>. Vom 3. bis 5. Juli stehen in Ferropolis bei Gr\u00e4fenhainichen nicht nur deutsche Rapgr\u00f6\u00dfen auf der B\u00fchne. Mit internationalen Acts wie der Grammy-Gewinnerin Doechii und der Newcomerin Samara Cyn kommen in Sachsen-Anhalt neue Perspektiven auf die B\u00fchne.<\/p>\n<p>Sichtbarkeit ist wichtig \u2013 aber sie ist nur der Anfang. Denn wer im Rampenlicht steht, wird auch besonders scharf beobachtet. Sobald eine Frau erfolgreich sei, hei\u00dfe es oft, sie habe die Texte nicht selbst geschrieben, sagt die Berliner-Rapperin Charisma. \u00abSobald ein Mann sich Hilfe holt, wird das applaudiert.\u00bb Frauen dagegen m\u00fcssten doppelt abliefern \u2013 und bek\u00e4men halb so viel Anerkennung, betont auch die als Jordan Napieray geborene Brandenburgerin Badm\u00f3mzjay.<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerinnen wie Kauta haben gelernt, sich von der st\u00e4ndigen Bewertung nicht beeinflussen zu lassen. \u00abMan behauptet \u00fcber mich schon alles\u00bb, so die Bonnerin mit b\u00fcrgerlichen Namen Kaouthar Boulfazat. \u00abAber ich geb dem einfach keine Macht.\u00bb Badm\u00f3mzjay sieht es \u00e4hnlich: \u00abIch kann singen, ich kann rappen, ich bin mal emotional, ich bin mal rough.\u00bb Sie k\u00f6nne f\u00fcr sich alles sein im Rap. \u00abIch mache einfach, was ich m\u00f6chte.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Sonderkategorie Frauen-Rap?<\/p>\n<p>Rap war nie ausschlie\u00dflich M\u00e4nnersache, aber Frauen mussten lange Teil einer Crew sein, um \u00fcberhaupt sichtbar zu werden. Auch heute \u2013 trotz Millionen Klicks in den sozialen Medien und ausverkaufter Shows von K\u00fcnstlerinnen wie Shirin David, Domiziana oder Badm\u00f3mzjay hei\u00dft es oft: Female Rap sei eine Nische.<\/p>\n<p>\u00abJe \u00f6fter ich auf der B\u00fchne stand, desto mehr Resonanz kam \u2013 von Frauen, queeren Leuten, auch von Jungs\u00bb, sagt die als Summan Tariq geborene Rapperin Wa22ermann. Repr\u00e4sentation hilft nicht nur aufstrebenden K\u00fcnstlerinnen, sondern auch der Szene insgesamt. F\u00fcr die Berlinerin ist es n\u00e4mlich so: Sobald weiblicher Rap als Sonderkategorie wahrgenommen werde, sei er nicht mehr Teil der gr\u00f6\u00dferen Szene. \u00abAls w\u00e4r ich nur so gut, wie die letzte Rapperin \u2013 und nicht wie die Besten im Game.\u00bb Ihre Rap-Kollegin Erda sagt: \u00abBei M\u00e4nnern ist die Szene breiter \u2013 da klingt die H\u00e4lfte \u00e4hnlich, aber es wird einfach als Vielfalt gefeiert\u00bb, so die aufstrebende Kosovo-Albanerin. Ein Widerspruch, mit dem sie alle leben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Hype, Haltung, Hashtags<\/p>\n<p>Tiktok hilft den K\u00fcnstlerinnen Sichtbarkeit zu bekommen, bleibt aber ein zweischneidiges Schwert: Viele gehen wie Doja Cat, Doechii oder Ikkimel viral \u2013 doch oft bleibt es beim Hype, man feiert sie mit den Trends und h\u00f6rt selten deren Message mit.<\/p>\n<p>Domiziana spricht von einer oberfl\u00e4chlichen Wahrnehmung weiblicher Kunst. \u00abWenn wir provozieren, hei\u00dft es, das sei kalkuliert. Der Inhalt wird ignoriert.\u00bb Dass die Freiburgerin Domiziana Helga Gibbels Jura studiert hat, sorgt bei manchen f\u00fcr Verwunderung \u2013 als sei akademische Bildung mit Rap unvereinbar. Genauso bei der Berlinerin Ikkimel (\u00abKeta und Krawall\u00bb), die mit ihrer Bildsprache polarisiert und damit \u00fcberraschte, dass sie neben viralen Clips auch einen Uniabschluss vorzeigen konnte. Ihr umstrittener B\u00fchnenmoment, bei dem sie einem Mann eine Hundemaske aufzog und in einen K\u00e4fig setzte, sorgte f\u00fcr Aufregung \u2013 w\u00e4hrend halb nackte Frauen in Rapvideos kaum jemanden st\u00f6ren.\u00a0<\/p>\n<p>Alte Muster, neue Gesichter<\/p>\n<p>Die Geschichte des Rap kennt viele solche Vorst\u00f6\u00dfe. Eine Wegbereiterin f\u00fcr viele, die nach ihr kamen, war die Rapperin Roxanne Shant\u00e9, die in den 80ern als Mitglied der legend\u00e4ren Juice Crew &#8211; und mit gerade einmal 14 Jahren &#8211; in der Rapszene Bekanntheit erlangte. In den 90ern zeigte dann die US-Rapperin Lil\u2019 Kim: Sexy sein und Rap schlie\u00dfen sich nicht aus. Die hochtalentierte Lauryn Hill sorgte f\u00fcr die softe Mischung mit R&amp;B. Und Wut zeigten damals viele, die \u00fcber Drogen, Politik oder M\u00e4nner sangen.\u00a0<\/p>\n<p>So setzte j\u00fcngst auch Nina Chuba (\u00abWildberry Lillet\u00bb) ein Statement mit ihrem Track \u00abRage Girl\u00bb. Dabei versammelte die 26-J\u00e4hrige Rapperinnen wie Badm\u00f3mzjay, Kauta, Kayla Shyx und Esther Graf. Im Video hei\u00dft es, \u00abeinmal w\u00fctend sein wie ein Mann\u00bb. Es mag wie ein Slogan klingen, ist aber eher Befreiungsschrei. Oder Marketing? Auch m\u00f6glich. Aber vor allem ein Zeichen: Wut geh\u00f6rt auch zum weiblichen Repertoire.<\/p>\n<p>\u00abEs ist eine gro\u00dfe Motivation von mir, untersch\u00e4tzt zu werden\u00bb, sagt Kauta, die Rap mit Pop verbindet. Die strukturellen H\u00fcrden seien noch da, aber man sei auf dem besten Weg. Viele Frauen im Rap teilen diese Hoffnung. Denn: Rap war nie exklusiv m\u00e4nnlich. Aber er war lange viel zu ungerecht verteilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Wenn eine Frau rappt, wird sie selten nur nach der Qualit\u00e4t ihrer Songs bewertet. 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