{"id":235063,"date":"2025-07-02T00:28:27","date_gmt":"2025-07-02T00:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/235063\/"},"modified":"2025-07-02T00:28:27","modified_gmt":"2025-07-02T00:28:27","slug":"wie-lange-wollen-die-stadtwerke-in-piesteritz-und-bischofferode-noch-holz-verbrennen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/235063\/","title":{"rendered":"Wie lange wollen die Stadtwerke in Piesteritz und Bischofferode noch Holz verbrennen? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Nachfragen hatten die Gr\u00fcnen in der Ratsversammlung am 25. Juni zwar nicht. Aber die Antworten des Wirtschaftsdezernats auf die umfangreiche Anfrage zu den beiden Biomasse-Kraftwerken der Leipziger Stadtwerke hatten es in sich. Denn sie machten deutlich, dass Biomasse \u2013 also in diesem Fall Holz aus mitteldeutschen W\u00e4ldern \u2013 eigentlich keine sinnvolle Alternative f\u00fcr die Energiewende ist.<\/p>\n<p>Im Gegenteil: Ohne F\u00f6rderung w\u00fcrden beide Biomasse-Kraftwerke in Bischofferode und Piesteritz sofort zum Minus-Gesch\u00e4ft. Und selbst mit F\u00f6rderung arbeiten sie haarscharf an der Grenze zur Rentabilit\u00e4t. Nur: Bis wann eigentlich?<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fc37c5e2019c47e08a5ff7a07b3393a4.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wirtschaft\/wirtschaft-leipzig\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wirtschaft\/wirtschaft-leipzig\/2025\/07\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Wird Biomasse \u00fcberhaupt noch eine Rolle spielen im Energiemix der Leipziger Stadtwerke? Es sieht nicht so aus. Das seit Jahren geplante Biomasse-Kraftwerk in Kulkwitz liegt inzwischen auf Eis. Daf\u00fcr habe die Stadtwerke lieber in eine Solarthermieanlage bei Lausen investiert, die Energie wesentlich kosteng\u00fcnstiger erzeugt als ein Biomasse-Kraftwerk.<\/p>\n<p>Vor drei Jahren schon<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/biodiversitaet\/waelder\/waelder-deutschland\/scheiterhaufen-energiekrise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> kritisierte Greenpeace den Betrieb der beiden Leipziger Biomasse-Kraftwerke<\/a> und kritisierte vor allem, dass Holz aus FSC-zertifizierten W\u00e4ldern und FFH-Gebieten verbrannt wird. Das vertrage sich einfach nicht mit dem Gedanken der Klimaneutralit\u00e4t. Und klimaneutral seien Biomasse-Kraftwerke sowieso nicht. Sie setzen nun einmal das komplette CO\u2082 aus den verbrannten Biostoffen frei.<\/p>\n<p>Sensible Informationen<\/p>\n<p>Also fragte die Gr\u00fcnen-Fraktion jetzt einmal ausf\u00fchrlicher nach. Und zwar deutlich, auch wenn das Wirtschaftsdezernat dann auf eine Frage wie \u201eWie hoch war die Summe der EEG\u2010F\u00f6rdermittel in den Jahren 2019 bis 2024 in den beiden Kraftwerken in Bischofferode und Piesteritz (bitte aufschl\u00fcsseln nach Jahren und Kraftwerk)?\u201c wieder einmal auswich und auf \u201esensible Informationen\u201c verwies.<\/p>\n<p>\u201eDie H\u00f6he der vereinnahmten, anlagenindividuellen F\u00f6rdermittel hat ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Anlagenbetriebs. Da die Stadtwerke im Wettbewerb stehen, handelt es sich (um) sensible Informationen, die nicht \u00f6ffentlich geteilt werden sollten (Betriebsgeheimnis). Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung berichtet jedoch gern im zust\u00e4ndigen Aufsichtsrat der Stadtwerke\u201c,<a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2025862&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> so das Wirtschaftsdezernat in seiner Antwort.<\/a><\/p>\n<p>Im Klartext hei\u00dft das: Ohne F\u00f6rdergelder w\u00e4re l\u00e4ngst in beiden Kraftwerken der Ofen aus. Sie w\u00fcrden sich schlicht nicht mehr rentieren. Oder mit den Worten des Wirtschaftdezernats: \u201eDie Wirtschaftlichkeit der Biomasse-Kraftwerke wurde und wird ma\u00dfgeblich durch den Marktpreis des verwendeten Brennstoffs und<br \/>durch die technische Verf\u00fcgbarkeit der Kraftwerke beeinflusst.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren lag die Verf\u00fcgbarkeit trotz rollierender Instandhaltungsma\u00dfnahmen h\u00e4ufig unterhalb der prognostizierten Performancewerte. Im aktuellen Marktumfeld \u00fcbersteigt der Brennstoff teilweise den langfristigen Grenzpreis, liegt jedoch weiterhin unterhalb des kurzfristigen Grenzpreises. Der zugrunde gelegte Grenzpreis orientiert sich am jeweils g\u00fcltigen EEG\u2010Zuschlagspreis beider Anlagen sowie an den erwartenden fixen und variablen Kostenbestandteilen. Vor diesem Hintergrund ist der wirtschaftliche Weiterbetrieb der Anlagen derzeit mit Risiken behaftet und wird fortlaufend \u00fcberpr\u00fcft.\u201c<\/p>\n<p>Ohne Subventionen nicht rentabel<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen waren wirklich hartn\u00e4ckig im Fragenstellen. Sie fragten deshalb auch extra nach, ob die beiden Biomasse-Kraftwerke nach 20 Jahren F\u00f6rderung heute auch ohne Subventionen rentabel w\u00e4ren. Denn die ganze Energiewende erg\u00e4be ja keinen Sinn, wenn die alternativen Kraftwerke nur mit Dauersubventionen \u00fcberhaupt marktf\u00e4hig w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Und in diesem Fall w\u00fcrde die Antwort schlichtweg \u201eNein\u201c lauten, auch wenn das Wirtschaftsdezernat vorsichtiger formuliert: \u201eWie bereits ausgef\u00fchrt, war die Rentabilit\u00e4t der Kraftwerke \u2013 selbst bei Erlangung der EEG\u2010Verg\u00fctung \u2013 angespannt. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen wird ohne Subventionen nicht m\u00f6glich sein.\u201c<\/p>\n<p>Das sind klare Worte. Und schon eine st\u00e4rkere Ver\u00e4nderung der Holzpreise w\u00fcrde die Wirtschaftlichkeit der beiden Kraftwerke kippen lassen. Wobei das Wirtschaftsdezernat betont, dass es eigentlich keine Rolle spielt, was f\u00fcr Holz da verbrannt wird. Auch FSC-zertifizierte W\u00e4lder und solche in FFH-Gebieten m\u00fcssten in besonderen F\u00e4llen bewirtschaftet werden. Ohne dass weiter ausgef\u00fchrt wurde, was passiert, wenn der Holznachschub ausbleibt, weil die W\u00e4lder vom Feuer oder vom Borkenk\u00e4fer gefressen werden.<\/p>\n<p>Dass die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Stadtwerke beim Betrieb der beiden Kraftwerke wie auf Holzkohlen sitzt, macht eine weitere Antwort des Wirtschaftsdezernats zur Verf\u00fcgbarkeit des Holzes deutlich: \u201eDabei liegt es auch im Interesse des Waldbesitzers, eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Menge des gewonnenen Holzes einer hochwertigen und damit auch preislich interessanten Verwendung zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Da die Anspr\u00fcche an das eingesetzte Holz bei der energetischen Nutzung am niedrigsten sind, wird hier auch ein geringer Preis f\u00fcr das Holz erzielt. Somit liegt es letztlich im Interesse des Waldbesitzers bzw. Lieferanten, sein Holz einer m\u00f6glichst hochwertigen Verwendung zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Aufgrund eines massiven Sch\u00e4dlingsbefalls k\u00f6nnen unverz\u00fcgliche Holzernten erforderlich sein, um weitere Sch\u00e4dlingspopulationen und damit weiterer Sch\u00e4den zu vermeiden. Hier kann es zu einer verst\u00e4rkten energetischen Verwertung kommen, wenn aufgrund der gro\u00dfen Mengen und einer eingeschr\u00e4nkten Qualit\u00e4t das Holz anderweitig nicht nachgefragt wird.\u201c<\/p>\n<p>Einfach weitermachen nach 2031 und 2032?<\/p>\n<p>Nach dem Sch\u00e4dlingsbefall aber versiegt die Quelle. Und so war auch die Frage der Gr\u00fcnen nur zu berechtigt, ob die Stadtwerke sich um eine weitere F\u00f6rderung f\u00fcr die beiden Biomasse-Kraftwerke bewerben werden, um sie weitere zehn Jahre betreiben zu k\u00f6nnen. Immerhin \u2013 so die Gr\u00fcnen \u2013 ist \u201elaut der novellierten EU\u2010Erneuerbaren\u2010Energien\u2010Richtlinie (RED III) ist die Subventionierung von Holzkraftwerken, die Waldholz verbrennen, k\u00fcnftig ausgeschlossen.\u201c<\/p>\n<p>Also was tun? Die Leipziger Stadtwerke scheinen noch unschl\u00fcssig. Noch hat man ein bisschen Bedenkzeit, denn die aktuellen F\u00f6rdervertr\u00e4ge laufen erst in den Jahren 2031 und 2032 aus: \u201eDer Zahlungsanspruch laut anzuwendenden Fassungen des EEG betr\u00e4gt f\u00fcr bestehende Biomasseanlagen zehn Jahre. Der Zeitraum erlischt f\u00fcr Bischofferode 2031 (\u00a7 39 g Abs. 3 EEG 2017) und Piesteritz 2032 (\u00a7 39h Abs. 3 EEG 2021).<\/p>\n<p>Die Stadtwerke evaluieren zum gegebenen Zeitpunkt, ob sie sich um eine Anschlussf\u00f6rderung bewerben. Das h\u00e4ngt vom technischen Zustand der Anlagen ab sowie von den wirtschaftlichen Parametern der F\u00f6rderkulisse sowie Regulierung und Preis des Brennstoffs.\u201c<\/p>\n<p>Bis dahin freilich d\u00fcrfte das EU-Recht zu Waldholz auch in nationales Recht umgesetzt sein, wenn die deutschen Regierungen das nicht auch noch mit Absicht vertr\u00f6deln. Dann d\u00fcrfte \u00fcber beiden Kraftwerken ein ganz gro\u00dfes Fragezeichen h\u00e4ngen. Zukunftsf\u00e4hig scheint diese Art der Energiegewinnung jedenfalls nicht zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nachfragen hatten die Gr\u00fcnen in der Ratsversammlung am 25. Juni zwar nicht. Aber die Antworten des Wirtschaftsdezernats auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":235064,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[73822,21,3364,29,30,71,859,1108,9430],"class_list":{"0":"post-235063","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-biomassekraftwerk","9":"tag-buendnis-90-die-gruenen","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-leipzig","14":"tag-sachsen","15":"tag-stadtrat","16":"tag-stadtwerke-leipzig"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114780812389059124","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/235063","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=235063"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/235063\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/235064"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=235063"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=235063"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=235063"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}