{"id":23535,"date":"2025-04-11T13:51:08","date_gmt":"2025-04-11T13:51:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/23535\/"},"modified":"2025-04-11T13:51:08","modified_gmt":"2025-04-11T13:51:08","slug":"umweltverschmutzung-europas-kampf-gegen-die-plastikflut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/23535\/","title":{"rendered":"Umweltverschmutzung: Europas Kampf gegen die Plastikflut"},"content":{"rendered":"<p>Abfall aus Kunststoff ist in der Tiefsee und in der Arktis zu finden. Jeder wei\u00df, dass dagegen etwas getan werden muss, aber die Sache ist kompliziert.<\/p>\n<p>Plastik ist \u00fcberall. In Computern, Autos, im Badezimmer, in Kosmetika, selbst in Buntstiften ist Kunststoff in allen Gr\u00f6\u00dfen, Formen und Farben zu finden. Die EU hat dieser Flut schon vor Jahren den Kampf angesagt, da die Plastikteile nicht nur die Umwelt verschmutzen, sondern l\u00e4ngst auch zu einer Gefahr f\u00fcr die menschliche Gesundheit geworden sind. Mikroskopisch kleine Teile sind in fast allen inneren Organen nachzuweisen \u2013 auch im Gehirn. <\/p>\n<p>Plastikabfall ist \u00fcberall auf der Welt zu finden <\/p>\n<p>Plastikabfall sei in den tiefsten Tiefen der Tiefsee und auf den h\u00f6chsten Bergen zu finden, erkl\u00e4rt Melanie Bergmann. Sie arbeitet am Alfred-Wegener-Institut, ist Polar- und Tiefseeforscherin und untersucht seit Jahren die Verschmutzung der Meere. Bei einer Veranstaltung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) r\u00e4umt sie auch gleich mit einer offensichtlich naiven, aber weit verbreiteten Vorstellung auf. Sie h\u00e4lt wenig davon, das Plastik aus den Weltmeeren zu fischen. \u201eDas w\u00e4re nur ein kleiner Tropfen auf einen sehr hei\u00dfen Stein\u201c, betont die Wissenschaftlerin angesichts der unvorstellbaren Menge an Abfall. \u201eWir m\u00fcssen uns leider damit abfinden, dass das Zeug im Meer herumschwimmt.\u201c <\/p>\n<p>Sie geht davon aus, dass \u00fcber 350 Billionen Plastikteilchen an der Oberfl\u00e4che der Ozeane treiben. \u201eFast 20 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr neu in unseren Gew\u00e4ssern\u201c, sagt Bergmann. Aus ihrer Sicht sei es das Sinnvollste, an der Quelle allen \u00dcbels anzusetzen und die Plastikproduktion zu begrenzen. Bei einer Verknappung werde der Kunststoff zudem automatisch teurer, was den Anreiz erh\u00f6hen w\u00fcrde, die Stoffe zu sammeln und zu recyceln. Gleichzeitig w\u00fcrden auch Mehrwegverpackungen deutlich attraktiver.<\/p>\n<p>Eine kunststofffreie Welt ist illusorisch <\/p>\n<p>In dieselbe Kerbe schl\u00e4gt auch Alexander Bonde. Eine kunststofffreie Welt sei zwar illusorisch, r\u00e4umt der DBU-Generalsekret\u00e4r in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Br%C3%BCssel\" title=\"Br\u00fcssel\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Br\u00fcssel<\/a> ein. \u201eDenn etwa in der Medizin ist das Material unverzichtbar.\u201c Umso mehr m\u00fcsse man aber alles daransetzen, sowohl die Kunststoffproduktion zu reduzieren als auch Prim\u00e4rkunststoffe durch recycelte Kunststoffe, sogenannte Rezyklate, zu ersetzen. Laut Naturschutzorganisation Nabu wurden allerdings 2023 von den bundesweit fast sechs Millionen Tonnen Kunststoffabf\u00e4llen lediglich etwa 52 Prozent stofflich verwertet. Der Rest wurde verbrannt. Bonde betonte: \u201eDa m\u00fcssen wir erheblich ambitionierter werden.\u201c<\/p>\n<p>Doch der Umweltschutz steht in diesem Fall vor vielen Schwierigkeiten. Grundlegend sei ein funktionierendes R\u00fcckholsystem, betont Felix Gruber, Leiter der Abteilung Umwelt bei der Deutschen Stiftung Umwelt. \u201eMan muss den Kunststoff m\u00f6glichst sortenrein erfassen und dann weiterverarbeiten.\u201c Denn: Verschiedene Plastikarten k\u00f6nnten nicht einfach miteinander vermischt werden.<\/p>\n<p>Die EU k\u00e4mpft f\u00fcr eine h\u00f6here Recyclingquote  <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich mache sich auch die EU f\u00fcr eine wesentlich h\u00f6here Recyclingquote stark, betonte in Br\u00fcssel die Kommissionsvertreterin Florika Fink-Hooijer. Aus diesem Grund werde Ende 2026 das Gesetz \u00fcber die Kreislaufwirtschaft vorgelegt (Circular Economy Act), mit dem ein Binnenmarkt f\u00fcr Sekund\u00e4rmaterialien und Abf\u00e4lle eingef\u00fchrt werden soll. Kritik kommt allerdings von Umweltverb\u00e4nden. So betont der Deutsche Naturschutzring, dass es v\u00f6llig unklar sei, ob das geplante Gesetz auch Impulse f\u00fcr die Vermeidung von Abf\u00e4llen liefern werde. Da fehle es an einer umfassenden und effektiven Strategie.<\/p>\n<p>Die Kommissionsvertreterin Fink-Hooijer scheint ihre Hoffnung in diesem Fall auf die wirtschaftliche Dimension dieses Bereiches zu legen. \u201eEurop\u00e4ische verarbeitende Unternehmen geben derzeit mehr als doppelt so viel f\u00fcr Material aus wie f\u00fcr Arbeit oder Energie. Kreislauforientierte Verfahren k\u00f6nnen Kosten deutlich senken.\u201c<\/p>\n<p> Ziel ist ein globales Plastikabkommen <\/p>\n<p>Diese Annahme wurde von Virginia Janssens, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Plastics Europe, dem paneurop\u00e4ischen Verband der Kunststofferzeuger, best\u00e4tigt. Auch bei den Plastikproduzenten werde viel \u00fcber das Problem der Vermeidung diskutiert, best\u00e4tigte sie in Br\u00fcssel. Auch sie ist \u00fcberzeugt, dass nicht nur aus Umweltschutzgr\u00fcnden global mehr in eine Kreislaufwirtschaft investiert werden m\u00fcsse. Virginia Janssens betonte aber, dass man die Erfolgsaussichten dieser Bem\u00fchungen realistisch einsch\u00e4tzen m\u00fcsse: \u201eIn vielen Weltteilen ist schlicht nichts \u2013 keine Infrastruktur und auch das Bewusstsein ist nicht vorhanden.\u201c Gro\u00dfe Hoffnung setzt die Umwelt-Generaldirektorin Fink-Hooijer in diesem Fall auf die Fortsetzung der Verhandlungen \u00fcber ein UN-Plastikabkommen im August 2025. Die EU werde \u201eintensiv die Verhandlungen \u00fcber einen globalen Kunststoff-Vertrag in Richtung einer international koordinierten L\u00f6sung mitgestalten\u201c.<\/p>\n<p> Gro\u00dfe Probleme bereitet das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Mikroplastik\" title=\"Mikroplastik\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mikroplastik<\/a> <\/p>\n<p>Die Tiefseeforscherin Melanie Bergmann wies darauf hin, dass man im Fall der Verschmutzung durch Plastik auch \u00fcber das Mikroplastik reden m\u00fcsse, das etwa durch Reifenabrieb oder Bremsbel\u00e4ge entstehe. \u201eDas wird in die Luft gewirbelt und kann in f\u00fcnf Tagen von Europa in die Arktis transportiert werden\u201c, sagte die Wissenschaftlerin. Auch dieses Problem hat die EU auf dem Schirm und in diesen Tagen ein Gesetz verabschiedet, mit dem die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Umweltverschmutzung\" title=\"Umweltverschmutzung\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umweltverschmutzung<\/a> durch Mikroplastik vermindert werden soll. Unternehmen sollen demnach sicherstellen, dass Kunststoffgranulat aus ihrer Produktion nicht in die Natur gelangt. <\/p>\n<p>Das Gesetz betrifft Plastikpartikel, die meist kleiner als f\u00fcnf Millimeter, extrem langlebig und in der Natur schwer abbaubar sind. Betroffene Unternehmen sollen etwa ein Konzept vorlegen, mit dem sie die Verschmutzung durch Mikroplastik verringern. Wegen Fehlern in der Produktion gelangen nach Einsch\u00e4tzung der EU-Kommission bislang j\u00e4hrlich bis zu 184\u2009000 Tonnen Kunststoffgranulat in die Umwelt. Neben den nun vereinbarten Regeln f\u00fcr Unternehmen hatte Br\u00fcssel in den vergangenen Jahren bereits bewusst zugesetztes Mikroplastik wie das Granulat auf Kunstrasen und losen Glitzer in Kosmetikprodukten verboten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Abfall aus Kunststoff ist in der Tiefsee und in der Arktis zu finden. 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