{"id":235901,"date":"2025-07-02T08:15:10","date_gmt":"2025-07-02T08:15:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/235901\/"},"modified":"2025-07-02T08:15:10","modified_gmt":"2025-07-02T08:15:10","slug":"wie-die-tour-de-france-ihre-geschichte-pflegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/235901\/","title":{"rendered":"Wie die Tour de France ihre Geschichte pflegt"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 02.07.2025 08:38 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong><strong>Tour-Direktor Christian Prudhomme liegt sehr daran, w\u00e4hrend bestimmter Etappen an besondere Orte und Champions aus der Historie seines Rennens zu erinnern. In diesem Jahr ist das ganz besonders h\u00e4ufig der Fall.<\/strong><\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Frankreich besitzt die Tour de France den Stauts eines nationalen Kulturdenkmals, da kann es nicht \u00fcberraschen, dass ihre Organisatoren die Geschichte dieses Radrennens auf besondere Weise pflegen. Christian Prudhomme ist passenderweise sogar ein Mustersch\u00fcler in dem Fach &#8222;Tour-Historie&#8220;, der Direktor der Frankreich-Rundfahrt betont stets mit gro\u00dfem Pathos, wie wichtig es ist, das Erbe seines Rennens zu pflegen. Diese Aufgabe hat Prudhomme diesmal bei der Konzeption der am Samstag in Lille beginnenden 112. Ausgabe der Tour ganz besonders erf\u00fcllt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFakt ist, dass die Tour in den beiden vergangenen Jahren den Norden Frankreichs komplett ignoriert hat, obwohl dort eine gro\u00dfe Radsporttradition existiert. In diesem Sommer scheint es so, als wolle Prudhomme nun vor allem die Nord- und Nordostfranzosen besonders mit Visiten in ihren Regionen begl\u00fccken.<\/p>\n<p>    Erinnerungen an Jean Stablinski<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEntstanden ist eine Tour der Reminiszenzen und der Besuche von Erinnerungsorten des Rennens in Form eines gro\u00dfen Open-Air-Geschichtsunterrichts. Der Start in Lille im einstigen Kohlerevier des D\u00e9partements Nord soll an die Taten des franz\u00f6sischen Sprinters Jean Stablinski (1932 bis 2007) erinnern, dessen Heimatgemeinde Thun-Saint-Amand 40 Kilometer s\u00fcdlich von Lille entfernt ist und ebenfalls im D\u00e9partement Nord zu finden ist.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Gewann f\u00fcnf Etappen bei der Tour de France: Jean Stablinski\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nStablinski gewann zwischen 1957 und 1967 f\u00fcnf Tour-Etappen, er siegte 1958 bei der Spanien-Rundfahrt und wurde 1962 Stra\u00dfen-Weltmeister im italienischen Salo di Garda. &#8222;Es ist klar, dass wir mit dem Startort Lille auch Jean Stablinski ehren m\u00f6chten&#8220;, sagt Prudhomme im Gespr\u00e4ch mit der &#8222;Sportschau&#8220;. Zudem m\u00f6chte der Tour-Chef &#8222;meinen Vorg\u00e4nger Jean-Marie Leblanc ins Ged\u00e4chtnis rufen, der ebenfalls aus dem D\u00e9partement Nord stammt&#8220;.<\/p>\n<p>    Der Coup des Jean Robic<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie vierte Etappe widmet sich gleich zwei franz\u00f6sischen Tour-Helden von einst. Auf dem Weg von Amiens nach Rouen in der Normandie m\u00fcssen die Teilnehmer des Rennens gut 20 Kilometer vor dem Ziel die C\u00f4te de Bonsecours bezwingen, einen Berg der vierten Kategorie und ein H\u00fcgel, der Teil der Tour-Geschichte ist. Im Sommer 1947 attackierte der kleine Franzose Jean Robic auf der finalen Etappe von Caen nach Paris just an diesem Anstieg und eroberte am letzten Tag der ersten Nachkriegs-Tour quasi in letzter Minute das Gelbe Trikot, das zuvor der Italiener Pierre Brambilla getragen hatte.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Jean Robic (r.) am Hinterrad von Fausto Coppi bei der Tour 1952\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAm Vorabend war Robic noch Dritter der Gesamtwertung, doch dank seines Coups st\u00fcrmte er auf Rang eins &#8211; &#8222;damals ging so etwas noch, da konntest du mit einem Parforceritt am Schlusstag den Unterschied machen. Jean Robic hat die Tour gewonnen, ohne einmal im Rennen das Gelbe Trikot zu tragen, sein Meisterst\u00fcck war damals eine fabelhafte Sache in Frankreich, die ein gro\u00dfes Echo hervorrief&#8220;, sagt Prudhomme. Oben auf der C\u00f4te de Bonsecours erinnert seit nunmehr 25 Jahren eine Stele an die Taten des Jean Robic.<\/p>\n<p>    Zu Besuch bei Jacques Anquetil in Rouen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nRouen wiederum, der Zielort der vierten Tageswertung, ist der Heimat von Jacques Anquetil, dem ersten Radprofi, der f\u00fcnfmal die Tour gewinnen konnte. Anquetil, ein hagerer Normanne, Spitzname &#8222;Monsieur Chrono&#8220;, war ein ausgewiesener Zeitfahr-Experte, er gewann das Rennen 1957 und von 1961 bis 1964. Zuletzt war Rouen 2012 Etappenziel der Tour, damals gewann Andr\u00e9 Greipel am Ufer der Seine. Die Stadt erinnerte vor 13 Jahren auf ihrem Alten Marktplatz in Form einer Sonderausstellung an ihren ber\u00fchmten Sohn.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAm sechsten Tag der Tour 2025 steht unter anderem Thierry Gouvenou im Mittelpunkt, der Streckenarchitekt des Rennens. Die Etappe endet in Vire-Normandie, seinem Heimatort, in dem er auch zur Schule gegangen ist. &#8222;Das ist eine gro\u00dfe Sache f\u00fcr Thierry, der immer davon getr\u00e4umt hat, dass die Strecke der Tour einmal durch Vire-Normandie f\u00fchrt. Jetzt endet sogar eine Etappe dort&#8220;, sagt Prudhomme. Gouvenou, der als Radprofi selbst siebenmal an der Tour teilnahm, wird wissen, was er der Kleinstadt zumutet. F\u00fcr die Ehre, Zielort der Tour zu sein, berechnen die Renn-Organisatoren der Amaury Sport Organisation (ASO) 130.000 Euro. F\u00fcr Gouvenou d\u00fcrfte es allerdings gewiss nicht schwer gewesen sein, einen Rabatt auszuhandeln.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Tour-Direktor Christian Prudhomme bei der Streckenverk\u00fcndung f\u00fcr die Tour 2025\n                    <\/p>\n<p>    Hommage an Bernard Hinault in der Bretagne<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie siebte Etappe der Tour am 11. Juli wiederum ist eine Hommage an den Bretonen Bernard Hinault. Er gewann wie Anquetil f\u00fcnfmal die Tour, zuletzt gelang ihm das 1985. Seitdem hat kein Franzose mehr das schwerste Radrennen der Welt gewonnen. Hinault wohnt auf einer Farm in Calorguen, diesen Ort mit gerade einmal 722 Einwohnern passiert das Peloton nach 51 von knapp 200 Rennkilometern. Geboren wurde Hinault in Yffiniac. Auch dieses \u00d6rtchen ist Teil des Parcours, nach 120 Kilometern passiert der Tour-Tross das Dorf, in dem 5.000 Menschen leben.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Bernard Hinault (r.) 1986 bei der Tour, es siegte am Ende Teamkollege Greg Lemond (l.)\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEinen Tag sp\u00e4ter beginnt die achte Etappe in Saint-M\u00e9en-le-Grand. Dort wurde der Tour-Held Louison Bobet geboren. &#8222;Er w\u00e4re in diesem M\u00e4rz 100 Jahre alt geworden, er gewann die Tour 1953, 1954 und 1955. Sein letzter Toursieg ist nun also 70 Jahre her, das ist ein zweiter Grund, um in seiner Heimatgemeinde an ihn zu erinnern&#8220;, erz\u00e4hlt Prudhomme.<\/p>\n<p>    Die selbe Strecke wie 1986<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZu den Erinnerungsorten der Tour geh\u00f6rt auch das Pyren\u00e4enst\u00e4dtchen Superbagn\u00e8res. Dort verlor Hinault 1986 im Gelben Trikot infolge eines Schw\u00e4cheanfalls viel Zeit auf seinen teaminternen Konkurrenten Greg LeMond, der sp\u00e4ter die Tour gewann. F\u00fcr franz\u00f6sische Radsportliebhaber ist Superbagn\u00e8res ein Schicksalsort. 36 Jahre gastierte das Rennen nicht mehr dort oben, &#8222;das lag an zwei alten Br\u00fccken, die dem Tross der Tour nicht standgehalten h\u00e4tten. Nun sind sie renoviert und wir bewegen uns exakt auf dem Parcours von 1986. Das war uns wichtig&#8220;, sagt Prudhomme.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Tour der Erinnerungen endet am 27. Juli wie seit 1975 \u00fcblich auf den Champs-\u00c9lys\u00e9es im Herzen von Paris. Diesmal sind sogar drei Bergwertungen auf dem Montmartre zu absolvieren, bevor die 112. Ausgabe des Rennens ihr Ende findet. &#8222;Der Radsport hat tiefe Wurzeln. F\u00fcr mich ist es sehr wichtig, dass wir uns an das erinnern, was war &#8211; an Orte und Champions&#8220;, erz\u00e4hlt Prudhomme. Deshalb seien immer wieder viele Anspielungen auf die Vergangenheit in einen Tour-Parcours integriert. Diesmal aber genauso auch der Col de la Loze als Schlusspunkt der 18. Etappe. Der heftige Alpen-Anstieg von 26,4 Kilometern L\u00e4nge ist erst zum dritten Mal Teil der Frankreich-Rundfahrt. &#8222;Ich setze mich sehr daf\u00fcr ein, die Geschichte der Tour in Erinnerung zu rufen. Genauso wichtig ist es mir aber auch, stets etwas Neues einzubauen. Wie den Col de la Loze. Und wie den Montmartre.&#8220;<\/p>\n<p>    Der Col de la Loze als Teil von etwas Neuem<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Bezug auf den Col de la Loze k\u00f6nne daraus eine Tradition erwachsen, der Berg bringe alles mit, um eines Tages ein mythischer Tour-Anstieg zu werden, findet Prudhomme. Der Montmartre jedoch sei eine Erinnerung an die Olympischen Spiele von Paris und das au\u00dfergew\u00f6hnliche Zuschaueraufkommen w\u00e4hrend des Stra\u00dfenrennens. Nach Lage der Dinge soll es bei einem einmaligen Ausflug auf den Pariser Hausberg bleiben. Es spricht allerdings viel daf\u00fcr, dass dieses Tourfinale eines sein wird, das angesichts des zu erwartenden Spektakels gleich schon mit dem Adjektiv &#8222;historisch'&#8220; bedacht wird. Was ja zum Prinzip der Tour unter Prudhomme passen w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 02.07.2025 08:38 Uhr Tour-Direktor Christian Prudhomme liegt sehr daran, w\u00e4hrend bestimmter Etappen an besondere Orte und Champions&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":235902,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,9408,12,34902],"class_list":{"0":"post-235901","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-radsport","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-tour-de-france"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114782648610666573","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/235901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=235901"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/235901\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/235902"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=235901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=235901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=235901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}