{"id":236037,"date":"2025-07-02T09:35:12","date_gmt":"2025-07-02T09:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/236037\/"},"modified":"2025-07-02T09:35:12","modified_gmt":"2025-07-02T09:35:12","slug":"mobilisierungszentrum-in-kiew-der-abschied-vor-dem-fronteinsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/236037\/","title":{"rendered":"Mobilisierungszentrum in Kiew: Der Abschied vor dem Fronteinsatz"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Reportage<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 02.07.2025 11:09 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Eltern und Ehefrauen neu eingezogener ukrainischer Soldaten warten vor einem Mobilisierungszentrum in Kiew. Sie wollen ihre S\u00f6hne und Ehem\u00e4nner noch einmal vor dem Fronteinsatz sehen. Es k\u00f6nnte das letzte Mal sein. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/tobias-dammers-107.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Tobias Dammers\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/tobias-dammers-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor einem schweren, grauen Metalltor am Rande eines gesichtslosen Industriegebiets in einem Vorort von Kiew dr\u00e4ngen sich etwa 20 Menschen. Es sind vor allem \u00e4ltere Paare und M\u00fctter mit jungen Kindern. Sie warten vor dem Metalltor, w\u00e4hrend sich Gewitterwolken zusammenziehen und Regenwasser in Pf\u00fctzen zusammenl\u00e4uft. &#8222;Filmen und fotografien verboten&#8220;, steht auf einem Schild auf dem Tor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Tor ist der Eingang zu einem Mobilisierungszentrum. Dort sind ukrainische M\u00e4nner untergebracht, die zum Dienst im ukrainischen Milit\u00e4r rekrutiert worden sind. Hier warten sie auf \u00e4rztliche Eignungsuntersuchungen, auf ihre Transfers zu milit\u00e4rischen Ausbildungsorten und auf ihre Zuordnung zu konkreten Armeeeinheiten. Und sie warten darauf, ihre Angeh\u00f6rigen noch einmal sehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHin und wieder \u00f6ffnet sich in dem Tor eine kleine Pforte. Dann starren die wartenden Eltern, Ehefrauen und Kinder auf den engen Spalt und versuchen, einen Blick auf die rekrutierten M\u00e4nner im Innenhof zu erhaschen &#8211; ihre S\u00f6hne, Ehem\u00e4nner und V\u00e4ter. Ein Soldat an der Pforte des Metalltors hakt eine lange Namensliste ab, ruft Namen auf, nacheinander huschen Wartende in den Innenhof. Vielleicht sehen sie hier ihre Angeh\u00f6rigen zum letzten Mal.<\/p>\n<p>    Rekrutiert trotz Krankheit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Natalia, eine mittelalte Frau mit brauner Jacke und sch\u00fctterem Haar, wartet vor dem Tor. Sie ist gekommen, um ihren 35-j\u00e4hrigen Sohn Wolodymyr zu sehen. Auch in den vergangenen Tagen war sie schon hier.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn der Hand tr\u00e4gt sie eine Plastikt\u00fcte mit Snacks und warmer Kleidung. Die M\u00e4nner der ukrainischen Mobilisierungsbeh\u00f6rde h\u00e4tten ihren Sohn in seiner Arbeitskleidung mitgenommen, erz\u00e4hlt sie. &#8222;Einfach mitgenommen und hergebracht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDabei sei ihr Wolodymyr krank und nicht wehrf\u00e4hig. Dies k\u00f6nne er auch beweisen, so Natalia. Ihr Sohn habe eine ganze Reihe von Krankheiten. Zum Beispiel sehe er schlecht, leide an Schuppenflechte und damit einhergehenden Entz\u00fcndungen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie fordert eine sorgf\u00e4ltigere Musterung neuer Rekruten. Die medizinische Eignungsuntersuchung sei zu schnell und oberfl\u00e4chlich durchgef\u00fchrt worden. &#8222;Das ist kein gutes System&#8220;, sagt Natalia unter Tr\u00e4nen \u00fcber den Rekrutierungsprozess. Es gebe keine rechtliche Hilfe, und &#8222;Durchschnittsb\u00fcrger&#8220; seien dem schutzlos ausgeliefert.\u00a0<\/p>\n<p>    Es fehlen freiwillige Rekruten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWeil der ukrainischen Armee freiwillige Rekruten fehlen, sucht die Mobilisierungsbeh\u00f6rde Nachschub f\u00fcr die Armee. Das Vorgehen der Beh\u00f6rde l\u00f6st regelm\u00e4\u00dfig Kritik aus: Videos in den sozialen Medien zeigen, dass M\u00e4nner von der Stra\u00dfe in Busse gezerrt und zu Armeezentren gebracht werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd auch vor dem grauen Metalltor in Kiew kommen immer wieder Busse an. Am Steuer sitzen Uniformierte, hinten drin M\u00e4nner in Stra\u00dfenkleidung. Sie verschwinden im Innenhof.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFotos im Internet aus dem Inneren des Mobilisierungszentrums zeigen gro\u00dfe Schlafs\u00e4le, Stockbetten und Gemeinschaftsduschen. An dem langgezogenen Geb\u00e4ude hinter dem Metalltor ist eine Schrift angebracht: &#8222;Die Ukraine zu verteidigen ist B\u00fcrgerpflicht.&#8220;<\/p>\n<p>    Notwendig, denn &#8222;wir wollen nicht auf die Knie gehen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin Besuch bei den rekrutierten Angeh\u00f6rigen dauert rund zwanzig Minuten, danach treten die Eltern, Ehefrauen und Kinder wieder auf die regennasse Stra\u00dfe vor dem Tor. Rentnerin\u00a0 Alla Hryhoriwna hat ihren Schwiegersohn besucht. &#8222;Einen Patrioten&#8220; und &#8222;geliebten Menschen&#8220;, wie sie betont. Die Bedingungen im Mobilisierungszentrum seien &#8222;normal&#8220;, sagt sie. Die M\u00e4nner w\u00fcrden gut ern\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Auch sie sorgt sich um ihren Schwiegersohn, weil unter ihren Verwandten bereits junge M\u00e4nner an der Front get\u00f6tet worden seien. Der Schwiegersohn sei IT-Spezialist und warte nun darauf, f\u00fcr eine passende Armeeeinheit ausgew\u00e4hlt zu werden. <\/p>\n<p>Alla Hryhoriwna findet das Rekrutierunsgssystem notwendig und gerecht. Da ihr Schwiegersohn eine Firma mit Angestellten leite, sei er zeitweise von der Musterung ausgenommen worden. Diese Frist sei mittlerweile aber ausgelaufen. Deswegen habe er sich regelkonform bei der Milit\u00e4rkommission gemeldet und sei eingezogen worden. &#8222;Er ist nicht weggelaufen&#8220;, so Hryhoriwna. Es sei im Krieg notwendig, denn &#8222;wir wollen nicht auf die Knie gehen&#8220;.<\/p>\n<p>    Mobilisierungssystem spaltet die Ukraine<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDavonlaufen oder der Einberufung Folge leisten: Die Einstellung der ukrainischen Gesellschaft zum System der Rekrutierung ist gespalten. Einerseits dr\u00e4ngen Soldaten und ihre Angeh\u00f6rigen darauf, dass die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ukraine-personalmangel-front-100.html\" title=\"Ukrainische Soldaten an der Front: &quot;Wir brauchen eine Pause&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Truppen an der Front entlastet werden und neue Soldaten nachr\u00fccken<\/a>.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAndererseits sorgen sich Familien davor, dass die eigenen S\u00f6hne und Ehem\u00e4nner in der Abwehr des russischen Angriffskriegs verletzt oder get\u00f6tet werden &#8211; wie bereits so viele ukrainische Soldaten vor ihnen.\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Reportage Stand: 02.07.2025 11:09 Uhr Eltern und Ehefrauen neu eingezogener ukrainischer Soldaten warten vor einem Mobilisierungszentrum in Kiew.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":236038,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,307,12,317],"class_list":{"0":"post-236037","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-russland","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114782963210765981","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/236037","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=236037"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/236037\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/236038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=236037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=236037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=236037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}