{"id":23748,"date":"2025-04-11T15:48:10","date_gmt":"2025-04-11T15:48:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/23748\/"},"modified":"2025-04-11T15:48:10","modified_gmt":"2025-04-11T15:48:10","slug":"wie-forscher-ukrainische-kriegsopfer-identifizieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/23748\/","title":{"rendered":"Wie Forscher ukrainische Kriegsopfer identifizieren"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Soldaten tragen einen Sarg, der mit einer ukrainischen Flagge bedeckt ist.\" alt=\"Soldaten tragen einen Sarg, der mit einer ukrainischen Flagge bedeckt ist.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/beisetzung-soldat-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Beisetzung eines ukrainischen Soldaten: Wer der Verstorbene ist, ist nicht immer bekannt. (IMAGO \/ NurPhoto \/ IMAGO \/ STR)<\/p>\n<p>In der Ukraine haben sich 18 staatliche Labore auf die Identifizierung von Kriegsopfern spezialisiert. Sie untersuchen die \u00dcberreste von Soldaten auf DNA-Spuren, auch auf dem Schlachtfeld zur\u00fcckgelassene Gegenst\u00e4nde werden unter die Lupe genommen. So wollen sie herausfinden, wer die Verstorbenen waren.<\/p>\n<p>Die Zahl der in den Laboren t\u00e4tigen Genetiker ist in den vergangenen drei Jahren deutlich angewachsen, berichtet Ruslan Abbasow, stellvertretender Direktor des wissenschaftlichen forensischen Dienstes in der Ukraine. 440 Genetiker besch\u00e4ftige der Dienst inzwischen. Allein im vergangenen halben Jahr habe man weitere 150 Planstellen genehmigt bekommen, die noch nicht alle besetzt seien, so Abbasow. <\/p>\n<p>                <strong>Mehr als 120.000 Genanalysen seit Kriegsbeginn<\/strong><\/p>\n<p>Die Labore suchen nach Biologen und Medizinern. Geeignete Kandidaten erhalten eine spezielle Fortbildung in molekular-genetischen Analysen. Nach bestandener Pr\u00fcfung k\u00f6nnen sie in den Laboren anfangen.<\/p>\n<p>Mehr als 120.000 Genanalysen, die mit dem Krieg zusammenh\u00e4ngen, haben die Experten vom forensischen Dienst inzwischen durchgef\u00fchrt. Das hei\u00dft aber nicht, dass die staatlichen Labore auch so viele Soldaten untersucht h\u00e4tten, erkl\u00e4rt Ruslan Abbasow. <\/p>\n<p>\u201eIn der Regel bekommen wir Leichenteile und wissen erst einmal nicht, zu wie viel Gefallenen sie geh\u00f6ren\u201c, sagt er. \u201eWenn in einer Verpackung 30 Teile sind, m\u00fcssen wir sie deshalb alle untersuchen. Wir haben schon Verpackungen bekommen, in denen angeblich nur eine Leiche lag, die aber drei Beine enthalten haben.\u201c Deshalb m\u00fcsse man alle Fragmente untersuchen. Mehr als 20.000 DNA-Profile von Gefallenen haben die Genetiker so inzwischen erstellt.<\/p>\n<p>                <strong>Russen \u00fcbergeben \u00dcberreste an die Ukraine<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00dcberreste der Verstorbenen erhalten die Ukrainer zum einen von den Russen. Daf\u00fcr gibt es formelle und informelle Kontakte. Zum anderen sind ukrainische Suchtrupps auf ehemaligen Schlachtfeldern unterwegs und sammeln Leichenteile ein.<\/p>\n<p>In den sterilen Laborr\u00e4umen untersuchen die Experten dann Blut, Muskelfasern oder Knochen auf DNA-Spuren. Aber auch pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde von mutma\u00dflich Verstorbenen werden analysiert. Auch sie k\u00f6nnen Genmaterial enthalten. <\/p>\n<p>                <strong>\u201eIch bin Biologe, ich habe keine Angst vor dieser Art von Arbeit\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Arbeit ist schwer, weil die Leichenteile teilweise schon am Verwesen sind\u201c, sagt Ilja, Mitarbeiter am wissenschaftlichen forensischen Dienst in Kiew. Knochen seien oft verbrannt. Auch physisch sei die Arbeit anstrengend, weil es unter dem Schutzanzug hei\u00df werde. \u201eNat\u00fcrlich denke ich dann, dass ich es hier mit verstorbenen Menschen zu tun habe\u201c, sagt Ilja. Doch er schiebt die Gef\u00fchle beiseite. \u201eIch bin Biologe, ich habe keine Angst vor dieser Art von Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>Ist die DNA der Verstorbenen extrahiert, wird sie mit der DNA-Proben abgeglichen, die Angeh\u00f6rige abgegeben haben. Fast 100.000 Ukrainer haben das bisher getan. Ihre DNA wird in einer extra daf\u00fcr angelegten Datenbank gespeichert. Stimmen die Gene \u00fcberein, werden die Hinterbliebenen informiert.<\/p>\n<p>                <strong>Manche Angeh\u00f6rige zweifelten die Laborwerte an<\/strong><\/p>\n<p>Viele ukrainische Familien haben so vom Tod eines Angeh\u00f6rigen erfahren. Manche k\u00f6nnten es einfach nicht glauben und zweifelten die Laborwerte an, berichtet Ruslan Abbasow. Doch die genetische Analyse fu\u00dfe auf mathematischer Berechnung. Abbasow: \u201eDie Angeh\u00f6rigen kann ich nat\u00fcrlich verstehen. Wenn wir eine Leiche identifizieren, dann erlischt ihre Hoffnung, dass der Vermisste noch am Leben ist. Die Angeh\u00f6rigen m\u00fcssen sich \u00fcberwinden, um sich das einzugestehen. Manche schaffen das im ersten Moment einfach nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0Florian Kellermann \/ tmk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Beisetzung eines ukrainischen Soldaten: Wer der Verstorbene ist, ist nicht immer bekannt. 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