{"id":237517,"date":"2025-07-02T22:43:15","date_gmt":"2025-07-02T22:43:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/237517\/"},"modified":"2025-07-02T22:43:15","modified_gmt":"2025-07-02T22:43:15","slug":"ein-stueck-ueber-ns-zwangsarbeit-in-augsburg-und-schwaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/237517\/","title":{"rendered":"Ein St\u00fcck \u00fcber NS-Zwangsarbeit in Augsburg und Schwaben"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eJakob Bamberger hat nie aufgeh\u00f6rt zu boxen.\u201c Das sagt die Schriftstellerin Tine Rahel V\u00f6lcker und Respekt schwingt mit, wenn sie vom Leben des Sportlers erz\u00e4hlt. Jakob Bamberger, geboren 1913 in Ostpreu\u00dfen, Sohn eines Pferdeh\u00e4ndlers. Mit zwanzig Jahren steigt der Junge in den Boxring, zeigt gro\u00dfes Talent mit den F\u00e4usten und 1934 steigt er sogar auf in die deutsche Kernmannschaft f\u00fcr Olympia. Aber Bamberger stammt aus einer Familie von Sinti. Aus einer ge\u00e4chteten, gejagten Volksgruppe. Der Boxer will noch fliehen, doch Nazis deportieren ihn in das KZ <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/orte\/aa-dachau\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Dachau<\/a>. Sie pr\u00fcgeln ihn zur Zwangsarbeit. KZ-\u00c4rzte nehmen ihn zum Opfer f\u00fcr  Versuche, maltr\u00e4tierten ihn mit Meerwasser als Trinkwasser. Sein Leidensweg f\u00fchrt bis ins KZ Buchenwald \u2013 wo er 1945 doch den  <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/panorama\/Feiertag-Tag-der-Befreiung-Wo-ist-der-8-Mai-2020-heute-ein-Feiertag-id57331676.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Tag der Befreiung<\/a> erlebt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Tine Rahel V\u00f6lcker hat sich vertieft in diese Biografie. \u201eEr hat sein Leben lang einen vergeblichen Kampf um Entsch\u00e4digung, um Wiedergutmachung gek\u00e4mpft. Und sogar im Altenheim hat er noch geboxt.\u201c Das habe ihr Bambergers Neffe erz\u00e4hlt. Er ist einer von vielen Nachgeborenen, Angeh\u00f6rigen, Zeugen, mit denen die Berliner Autorin gesprochen hat. Denn wahre Zeit- und Lebensgeschichten wie diese hat sie jetzt zu einem Theaterst\u00fcck verkn\u00fcpft: \u201eGes\u00e4nge vom \u00dcberleben\u201c, \u00fcber die vergessenen, verdr\u00e4ngten Schicksale der NS-Zwangsarbeit. Dabei vor allem: Schicksale aus <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a> und der Region Schwaben. Das <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/organisationen\/aa-theater-augsburg\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Staatstheater<\/a> Augsburg bringt das St\u00fcck am 5. Juli zur Urauff\u00fchrung, auf der Brechtb\u00fchne.\n  <\/p>\n<p>            undefined<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Halle 116 in Augsburg \u2013 hier, wo sie einst Zwangsarbeiter einpferchten, wo Gefangene f\u00fcr die Messerschmitt-Werke unmenschliche Arbeit leisten mussten, etwa 4.000 Menschen aus 20 Nationen bis zum Ende des Krieges, dort steht heute eine Gedenkst\u00e4tte. Und hier ist V\u00f6lcker auf seine Geschichte gesto\u00dfen. Denn hier musste auch Bamberger f\u00fcr einige Monate gegen seinen Willen leben, arbeiten, leiden. Vermerk: \u201eAso\u201c f\u00fcr \u201eAsozialer\u201c. F\u00fcr V\u00f6lcker stand sofort fest: Dieser Mann muss ein Teil ihres St\u00fccks werden. Vor allem auch, weil die Gruppe der Sinti Verfolgung und Stigmatisierung erlebte und bis heute erlebt, \u201ebis in die Gegenwart\u201c. V\u00f6lcker sagt: \u201eEs ist an der Zeit, diesen Geschichten Raum zu geben.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Tine Rahel V\u00f6lcker, geboren 1979 in West-Berlin, ist eine Sammlerin von Lebensgeschichten. In ihren Werken nimmt sie wahre Biografien und verwandelt sie in Theater \u2013 und oft sind es Schicksale aus der NS-Zeit. Ihre erste Urauff\u00fchrung am Staatstheater Augsburg hie\u00df \u201eFrauen der Unterwelt\u201c, eine Collage von sieben kraftvollen Frauen, die als Opfer der sogenannten NS-Krankenmorde lange verschwiegen wurden. \u201eJedes Schicksal ist so einzigartig\u201c, sagt V\u00f6lcker. Ihr neues B\u00fchnenst\u00fcck hat sie mit Nicole Schneiderbauer entwickelt, der leitenden Regisseurin am Staatstheater. Ihre ersten Quellen waren Zeugnisse von \u00dcberlebenden. Da ist zum Beispiel Ivan Hacker: In den 1950er-Jahren kam der Jurist zur\u00fcck nach Kaufering, wo er unter Zwangsarbeit litt. Er will Zeugnis abzulegen, aber wo das KZ steht, ist nun nur eine Kleingartenkolonie. Und alle Einheimischen, auf die er trifft, leugnen ab, was war. \u201eDie Abwehr ist so gro\u00df, weil es jede Familie betrifft\u201c, sagt V\u00f6lcker. Weil so viele selbst T\u00e4ter waren. Oder Mitwisser. Oder zumindest etwas gewusst, etwas gesehen haben in ihrem Heimatort.\n  <\/p>\n<p>            undefined<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    V\u00f6lcker recherchierte in die Tiefe. Sie sprach mit Marcella Reinhardt vom Regionalverband der Sinti und Roma Schwaben. Die B\u00fcrgerintiative Pfersee half ihr mit Zeitdokumenten. In der Sammlung des Journalisten Gernot R\u00f6mer fand die Autorin Lebensprotokolle und auch Zeugnisse von Hass und Widerstand gegen die Aufkl\u00e4rung: Der einstige Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, der selbst solche Lebensgeschichten sammelte, in Israel mit j\u00fcdischen \u00dcberlebenden der Shoah sprach, erhielt w\u00fctende Briefe, erlebte Drohungen gegen seine Erinnerungsarbeit. \u201eUnd zwar besonders auch gegen seine Forschung zur Zwangsarbeit\u201c, wei\u00df V\u00f6lcker. Auch mit Bernhard Lehmann tauschte sie sich aus. Der Lehrer organisierte, gegen Widerst\u00e4nde, ein Erinnerungsprojekt am Paul-Klee-Gymnasiums Gersthofen. Lehmann besuchte 2006 in der Ukraine einige \u00dcberlebende, die Zwangsarbeit in Augsburg verrichteten und befragte sie. Er ist im St\u00fcck der \u201eLehrer L.\u201c.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    So viele Geschichten, so viele Erfahrungsberichte, so viel Verdr\u00e4ngtes. Die T\u00e4ter und Mitwisser der Gewalt? Werden in dieser Inszenierung als einheimische Gartenzwerge erscheinen und von rein gar nichts mehr wissen. \u201eDa goabs koa Loger\u201c, sprechen die Wichte im Dialekt. \u201eWo koa Loager nimmer woar, do kinns o koins gebn homm\u201c, denn das Schlimme war doch nur in Auschwitz, in Bergen-Belsen und nicht vor unserer T\u00fcr. Oder? Einerseits sollen diese Zwerge in V\u00f6lckers St\u00fcck f\u00fcr das Vorgarten-Idyll der Verdr\u00e4ngung stehen, f\u00fcr \u201ediese schreckliche Normalit\u00e4t, sie haben nichts D\u00e4monisches an sich\u201c. Andererseits m\u00f6chte die Autorin auch die Menschheit \u201ein ihrer erb\u00e4rmlichen Kleinherzigkeit ausleuchten\u201c, von ihrer dunkelsen Seite.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Aber nicht die T\u00e4ter sollen im Mittelpunkt es St\u00fccks stehen, sondern die Menschen, die in der Zwangsarbeit litten. Sie sei dankbar f\u00fcr die gesammelten Geschichten, f\u00fcr die Gespr\u00e4che mit Familien, Angeh\u00f6rigen, Nachgeborenen, \u201eMenschen, denen ich begegnen durfte.\u201c Auch wenn es Geschichten vom \u00dcberleben sind, steht f\u00fcr sie fest: \u201eDie Sch\u00f6nheit \u00fcberwiegt am Ende, so wie diese Menschen mit Leid umgehen konnten, wie sie es verwandeln in etwas Neues, Gutes. Und das sehe ich als einen Auftrag.\u201c Erinnerung will sie wachhalten &#8211; und gegen das Vergessen, Verdr\u00e4ngen in der Gegenwart ein neues Theaterst\u00fcck setzen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Info:<\/strong> \u201eGes\u00e4nge vom \u00dcberleben\u201c. Urauff\u00fchrung am Staatstheater Augsburg, am Samstag,\u00a05. Juli, um\u00a019.30 Uhr auf der Brechtb\u00fchne im Gaswerk. Infos unter www.staatstheater-augsburg.de.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Veronika Lintner<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Stadt<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eJakob Bamberger hat nie aufgeh\u00f6rt zu boxen.\u201c Das sagt die Schriftstellerin Tine Rahel V\u00f6lcker und Respekt schwingt mit,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":237518,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-237517","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114786061937872405","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=237517"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237517\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/237518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=237517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=237517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=237517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}