{"id":238274,"date":"2025-07-03T05:35:14","date_gmt":"2025-07-03T05:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/238274\/"},"modified":"2025-07-03T05:35:14","modified_gmt":"2025-07-03T05:35:14","slug":"verliert-russland-seinen-verbuendeten-aserbaidschan-dw-03-07-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/238274\/","title":{"rendered":"Verliert Russland seinen Verb\u00fcndeten Aserbaidschan? \u2013 DW \u2013 03.07.2025"},"content":{"rendered":"<p>Eine Razzia l\u00f6st eine diplomatische Krise aus: Der Streit zwischen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland\/t-17284476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a>\u00a0und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/aserbaidschan\/t-18456739\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Aserbaidschan<\/a>\u00a0eskaliert in nur wenigen Tagen und belastet die ohnehin angespannten Beziehungen stark.\u00a0Es beginnt Ende Juni mit einer umstrittenen Polizeiaktion im russischen Jekaterinburg. Mehrere M\u00e4nner aserbaidschanischer Herkunft werden im Rahmen der Untersuchungen von Kriminalf\u00e4llen aus den vergangenen Jahren verhaftet. Ihnen werden Attentate und Mordf\u00e4lle vorgeworfen. Russische Spezialkr\u00e4fte gehen dabei offenbar nicht gerade zimperlich vor. Zwei der Verhafteten sterben mutma\u00dflich infolge der umstrittenen Polizeiaktion.<\/p>\n<p>Baku reagiert prompt und scharf. Das aserbaidschanische Au\u00dfenministerium dr\u00fcckt &#8222;entschiedenen Protest&#8220; gegen die &#8222;inakzeptable Gewalt&#8220; der russischen Sicherheitskr\u00e4fte aus. Aus Protest werden alle Kulturveranstaltungen mit Russlandbezug abgesagt. Im Staatsfernsehen prangert der Moderator zur besten Sendezeit das &#8222;imperiale Gehabe&#8220; Moskaus gegen\u00fcber den Staaten der ehemaligen Sowjetunion an. Im B\u00fcro der staatlichen russischen Medien-Agentur &#8222;Sputnik Aserbaidschan&#8220; nehmen aserbaidschanische Beh\u00f6rden zwei russische Mitarbeiter fest. Medien zufolge handele es sich um Mitarbeiter des russischen Geheimdiensts FSB.<\/p>\n<p>Moskau wiegelt ab, Baku legt nach<\/p>\n<p>Der Kreml reagiert zur\u00fcckhaltend. Sprecher Dmitri Peskow bedauert die Entscheidung Bakus und betont, die Situation in Jekaterinburg k\u00f6nne &#8222;kein Grund f\u00fcr eine solche Reaktion sein&#8220;. Das Moskauer Au\u00dfenministerium weist darauf hin, dass es sich bei den Toten und Inhaftierten zwar um ethnische Aseris gehe, dass sie aber russische P\u00e4sse h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter legen aserbaidschanische Justizbeh\u00f6rden nach und verhaften in Baku weitere russische Staatsb\u00fcrger. Vorwurf: Drogenschmuggel und organisierte Kriminalit\u00e4t. Fotos aus dem Gerichtssaal zeigen, dass einige der Verhafteten Spuren von Gewalt aufweisen. In den sozialen Medien werden die M\u00e4nner als Programmierer und Touristen aus Jekaterinburg identifiziert.<\/p>\n<p>Die Spirale der gegenseitigen Beschuldigungen dreht sich weiter und schneller. Noch mehr Aserbaidschaner werden in Russland verhaftet: In Jekaterinburg und Woronesch. Das Ganze sei eine neue Belastungsprobe f\u00fcr die Beziehungen beider L\u00e4nder seit dem Absturz eines aserbaidschanischen Flugzeugs Ende 2024, betonen die von der DW befragten Experten.<\/p>\n<p>Wendepunkt Flugzeug-Katastrophe<\/p>\n<p>Am 25. Dezember 2024 wurde eine aserbaidschanische Maschine mit f\u00fcnf Besatzungsmitgliedern und 62 Passagieren an Bord von einer russischen Boden-Luft-Rakete getroffen. Die Trag\u00f6die ereignete sich \u00fcber Grosny, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/putin-luftabwehr-zum-absturz-zeitpunkt-aktiv\/a-71176809\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wo zu diesem Zeitpunkt die russische Luftabwehr im Einsatz war<\/a>. Die Maschine versuchte notzulanden und st\u00fcrzte nahe der kasachischen Stadt Aktau ab. 38 Menschen kamen ums Leben.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73126685\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73126685_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Ein Geistlicher steht vor einem Sarg, zahlreiche Trauerg\u00e4ste s\u00e4umen die Gr\u00e4ber\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Beisetzung von Crewmitgliedern nach dem Absturz des Azerbaijan Airlines-Flugzeugs im Dezember 2024Bild: Resul Rehimov\/Anadolu\/picture alliance<\/p>\n<p>Der aserbaidschanische Politikwissenschaftler und Konfliktforscher Arif Junusow ist der Meinung, dass die scharfe mediale Rhetorik, die seitdem in beiden L\u00e4ndern herrsche, kein Zufall sei. Er ist \u00fcberzeugt, dass die Informationspolitik sowohl in Russland als auch in Aserbaidschan von staatlichen Beh\u00f6rden koordiniert werde und dass die bilateralen Beziehungen weitgehend von den pers\u00f6nlichen Gef\u00fchlen der jeweiligen Staatschefs beeinflusst werde.<\/p>\n<p>Aliyevs\u00a0\u00c4rger \u00fcber Putin<\/p>\n<p>F\u00fcr den aserbaidschanischen Pr\u00e4sidenten Ilham Aliyev\u00a0habe der Flugzeugabsturz eine pers\u00f6nliche Dimension gehabt, stellt Junusow fest. Zum Zeitpunkt des Vorfalls habe sich auch eine Pr\u00e4sidentenmaschine im Himmel \u00fcber Russland befunden. Auch sie h\u00e4tte theoretisch zum Ziel von russischen Luftabwehrraketen werden k\u00f6nnen. Auch habe sich als erster offizieller Vertreter Tschetschiens\u00a0Machthaber Ramsan Kadyrow und nicht Russlands Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wladimir-putin\/t-17289915\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wladimir Putin<\/a>f\u00fcr den Vorfall bei den Aserbaidschanern entschuldigt. Das habe f\u00fcr Irritationen in Baku bei Pr\u00e4sident Ilham Aliyev\u00a0pers\u00f6nlich gesorgt. &#8222;Aliyev\u00a0nannte Kadyrow zwar nicht beim Namen, kritisierte aber scharf, dass es nicht andere seien, die ihn anrufen sollten&#8220;, so der Politologe. H\u00e4tte Kremlchef Putin zuerst bei Aliyev\u00a0angerufen, h\u00e4tte die \u00f6ffentliche Konfrontation vermieden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73126655\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73126655_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Putin und Kadyrow sitzen sich gegen\u00fcber\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Ramsan Kadyrow (r.) mit Putin (Archivbild von 2023)Bild: The Kremlin Moscow\/SvenSimon\/picture alliance<\/p>\n<p>Der unabh\u00e4ngige Kaukasus-Experte Kirill Kriwoschejew ist der gleichen Meinung. Der DW sagt er: &#8222;Putin hat sich bei Aliyev\u00a0nur formell entschuldigt, und es war offensichtlich, dass Aliyev\u00a0damit kaum zufrieden war.&#8220; Der Wissenschaftler betont jedoch, dass die j\u00fcngsten Ereignisse in Jekaterinburg kaum vom Kreml initiiert worden seien. Russische Strafverfolger h\u00e4tten ihre eigene Logik: &#8222;Sie betrachten jede Diaspora, einschlie\u00dflich der aserbaidschanischen Community, als organisierte kriminelle Gruppe. Das ist ein Trend, der in Teilen der russischen Elite verbreitet ist.&#8220; Die diplomatische Krise als Folge sei dabei eher ein Kollateralschaden.<\/p>\n<p>Kriwoschejew zufolge nutze das offizielle Baku die Versch\u00e4rfung der Lage, um seine Position auf der internationalen B\u00fchne zu st\u00e4rken: &#8222;F\u00fcr Aliyev\u00a0ist es wichtig, als souver\u00e4ner F\u00fchrer aufzutreten, der in der Lage ist, sowohl zu Russland als auch zum Westen Nein zu sagen&#8220;.<\/p>\n<p>Selbstbewusst\u00a0gegen\u00fcber Moskau<\/p>\n<p>Baku habe aufgeh\u00f6rt, Moskau als eine externe Kraft wahrzunehmen, die in der Lage sei, die Regeln im Kaukasus zu diktieren, meint auch der aserbaidschanische Politikwissenschaftler und Parlamentsabgeordnete Rasim Musabekow im Gespr\u00e4ch mit der DW. Aserbaidschan habe begonnen, seine eigene Energie- und Milit\u00e4rinfrastruktur zu entwickeln. Das wiederum habe den Kreml irritiert. Russlands mediale Rhetorik gegen\u00fcber Aserbaidschan habe sich deutlich versch\u00e4rft. Moskau versuche jetzt, den Einflussverlust in der Region zu kompensieren, indem es Druck auf die aserbaidschanische Diaspora aus\u00fcbe.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte nicht nur diplomatische, sondern auch wirtschaftliche Folgen haben, zum Beispiel im Energiebereich. &#8222;Wir sollten nicht vergessen, dass es <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-krieg\/t-60978725\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sanktionen gegen Russland<\/a> gibt. Aserbaidschan hat aber an einigen Stellen Moskau geholfen, diese zu umgehen. Das <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europaparlament\/t-17523429\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Parlament<\/a> hat eine Kommission eingesetzt, die zum Beispiel untersuchen soll, wessen Gas nach Europa verkauft wird &#8211; aserbaidschanisches oder vielleicht doch russisches,&#8220; bemerkt Junusow. Wenn sich die Beziehungen zwischen Moskau und Baku weiter verschlechtern w\u00fcrden, sei auch dieser vermeintliche Deal zwischen den beiden L\u00e4ndern in Gefahr.<\/p>\n<p>Auch andere bilaterale Projekte seien gef\u00e4hrdet, f\u00fcgt der Abgeordnete Musabekow hinzu: die Entwicklung des internationalen Verkehrskorridors &#8222;Nord-S\u00fcd&#8220; durch Aserbaidschan sowie das Projekt zur Synchronisierung der russischen und iranischen Stromnetze. Schwierigkeiten bei der Durchleitung von russischem Gas <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/iran\/t-17281594\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in den Iran<\/a> seien nicht auszuschlie\u00dfen, warnt er.<\/p>\n<p>Dennoch seien wirtschaftliche Interessen f\u00fcr Aserbaidschan nach wie vor wichtig, res\u00fcmiert Politikwissenschaftler Kriwoshejev. &#8222;Aserbaidschans Wirtschaft w\u00fcrde sich am liebsten aus der Politik heraushalten. Doch w\u00e4hrend Baku noch Handlungsspielraum hat, verf\u00fcgt Moskau \u00fcber immer weniger Druckmittel.&#8220; Russland verliere im S\u00fcdkaukasus an Einfluss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Razzia l\u00f6st eine diplomatische Krise aus: Der Streit zwischen Russland\u00a0und Aserbaidschan\u00a0eskaliert in nur wenigen Tagen und belastet&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":238275,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,14,15,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-238274","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-russia","14":"tag-russian-federation","15":"tag-russische-foederation","16":"tag-russland","17":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114787681841153611","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/238274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=238274"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/238274\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/238275"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=238274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=238274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=238274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}