{"id":239014,"date":"2025-07-03T12:20:15","date_gmt":"2025-07-03T12:20:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/239014\/"},"modified":"2025-07-03T12:20:15","modified_gmt":"2025-07-03T12:20:15","slug":"rieke-havertz-ueber-autokratie-die-usa-und-die-rolle-europas-48forward","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/239014\/","title":{"rendered":"Rieke Havertz \u00fcber Autokratie, die USA und die Rolle Europas \u00bb 48forward"},"content":{"rendered":"<p>Noch ist nichts entschieden. Doch die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten werfen einen langen Schatten \u00fcber die westliche Welt. Seit Donald Trump seine zweite Amtszeit angetreten hat, scheint sich das politische Tempo vervielfacht zu haben. Entscheidungen, die fr\u00fcher diplomatisch abgestimmt und vorbereitet wurden, werden nun per Erlass umgesetzt. Milit\u00e4rschl\u00e4ge erfolgen ohne vorherige Konsultation der B\u00fcndnispartner, au\u00dfenpolitische Signale werden \u00fcber soziale Medien gesendet \u2013 oft in einem Ton, der an Drohungen erinnert. \u201eDas Tempo hat selbst mich \u00fcberrascht\u201c, sagt Rieke Havertz, US-Korrespondentin der ZEIT und Co-Host des Podcasts \u201eOK, America?\u201c. Sie beobachtet die Entwicklungen seit Jahren. Dass Trump eine zweite Amtszeit nicht nutzen w\u00fcrde, um vers\u00f6hnlicher zu regieren, war ihr klar. \u201eAber wie schnell er seine Linie durchsetzt, das war schon erstaunlich.\u201c<\/p>\n<\/p>\n<p>Trumps Au\u00dfenpolitik ist dabei so widerspr\u00fcchlich wie strategisch. W\u00e4hrend er China derzeit erstaunlich ruhig begegnet, forciert er zugleich den R\u00fcckzug aus der Ukraine-Unterst\u00fctzung und baut Druck auf den Iran auf. \u201eEr wird sich insoweit involvieren m\u00fcssen, dass die Erz\u00e4hlung seines milit\u00e4rischen Triumphs fortgeschrieben werden kann\u201c, erkl\u00e4rt Havertz. Doch auch f\u00fcr den amerikanischen Pr\u00e4sidenten sei Nahost ein politisches Risiko \u2013 Trumps Basis wolle keine weiteren Kriege.<\/p>\n<p>Europa in der Sandwichposition<\/p>\n<p>Die USA ziehen sich zur\u00fcck \u2013 und lassen Europa mit Fragen der Sicherheit, Diplomatie und Entwicklungspolitik allein. In Den Haag pr\u00e4sentierten sich die europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs zuletzt handzahm: Der NATO-Gipfel musste ein Erfolg werden, koste es, was es wolle. Dass Deutschland dem von Trump geforderten 5-Prozent-Ziel zustimmte, sei daher kein Zufall gewesen, sondern taktisches Kalk\u00fcl. \u201eIch verstehe, dass man den Gipfel unbedingt als Erfolg verkaufen wollte\u201c, sagt Havertz. \u201eAber wie verl\u00e4sslich ist das alles?\u201c Der Verdacht liegt nahe, dass die transatlantische Zusammenarbeit mehr auf Hoffnung als auf festen Absprachen ruht. Was heute als gemeinsamer Kurs erscheint, k\u00f6nnte morgen von Trump per Tweet kassiert werden.<\/p>\n<p>Die eigentliche Herausforderung f\u00fcr Europa liegt daher nicht in der kurzfristigen Reaktion, sondern in einer langfristigen strategischen Neuausrichtung. \u201eEuropa muss sich fragen, was es nicht nur aus Freundschaft zu den Amerikanern macht, sondern was es aus eigener \u00dcberzeugung tut\u201c, sagt Havertz. Das gelte f\u00fcr die Sicherheitspolitik ebenso wie f\u00fcr Handelsfragen oder Visa-Vergaben. \u201eWir brauchen souver\u00e4ne Positionen \u2013 nicht nur diplomatische R\u00fccksichtnahme.\u201c<\/p>\n<p>Demokratie in der Defensive<\/p>\n<p>Parallel zur au\u00dfenpolitischen Volatilit\u00e4t erlebt die amerikanische Demokratie einen inneren Erosionsprozess. Die Gewaltenteilung funktioniert nur noch eingeschr\u00e4nkt. Zwar urteilen Gerichte vielfach unabh\u00e4ngig, doch Trump ignoriert zunehmend ihre Entscheidungen \u2013 oder wei\u00df, dass ihm sp\u00e4testens der Supreme Court wohlgesonnen ist. Dass dieses h\u00f6chste Gericht in den USA durch gezielte politische Strategie konservativ besetzt wurde, sei laut Havertz die eigentliche Lebensleistung von Mitch McConnell, dem langj\u00e4hrigen republikanischen Strippenzieher im Senat. \u201eF\u00fcr viele in Trumps Umfeld ist die Staatsform Demokratie nicht erstrebenswert\u201c, sagt sie. \u201eSie fantasieren von einem postdemokratischen Pr\u00e4sidenten 2028.\u201c<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Viele Menschen haben sich ins Private zur\u00fcckgezogen, auch politisch Engagierte \u2013 das ist eigentlich kein amerikanischer Charakterzug.<\/p>\n<p>Rieke Havertz<\/p><\/blockquote>\n<p>Trotz aller Bedrohungsszenarien gibt es auch Anzeichen der Hoffnung: Protestbewegungen wie \u201eNo King\u201c formieren sich, neue politische Figuren wie Zoran Mamdani gewinnen an Einfluss. Die Resignation, die Havertz noch im Winter bei vielen ihrer amerikanischen Freunde und Gespr\u00e4chspartner beobachtete, weicht allm\u00e4hlich einer neuen Entschlossenheit. \u201eJetzt gehen viele wieder in die Aktion \u2013 und das h\u00e4lt auch meine eigene Hoffnung am Leben.\u201c<\/p>\n<p>Wie belastbar diese Hoffnung ist, wird sich zeigen m\u00fcssen. Sicher ist nur: Europa darf sich nicht l\u00e4nger mit der Beobachterrolle zufriedengeben. Die politische Zeitenwende erfordert Klarheit, Haltung und strategische Weitsicht. Und wom\u00f6glich auch den Mut, einen Pr\u00e4sidenten wie Donald Trump nicht nur zu umwerben, sondern \u2013 wo n\u00f6tig \u2013 klar zu konfrontieren.<\/p>\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">Fotoquelle: Jacobia Dahm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Noch ist nichts entschieden. Doch die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten werfen einen langen Schatten \u00fcber die westliche&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":239015,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,146,106,13,14,15,16,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-239014","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-demokratie","11":"tag-donald-trump","12":"tag-headlines","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-politik","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-united-states","18":"tag-united-states-of-america","19":"tag-us","20":"tag-usa","21":"tag-vereinigte-staaten","22":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114789274304446261","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/239014","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=239014"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/239014\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/239015"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=239014"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=239014"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=239014"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}