{"id":239240,"date":"2025-07-03T14:20:09","date_gmt":"2025-07-03T14:20:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/239240\/"},"modified":"2025-07-03T14:20:09","modified_gmt":"2025-07-03T14:20:09","slug":"kritik-am-neuen-berliner-bildungsprogramm-buendnis-fordert-mehr-diversitaet-partizipation-anerkennung-von-fachlichkeit-und-kinderrechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/239240\/","title":{"rendered":"Kritik am neuen Berliner Bildungsprogramm: B\u00fcndnis fordert mehr Diversit\u00e4t, Partizipation, Anerkennung von Fachlichkeit und Kinderrechten"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00dcberarbeitung des Berliner Bildungsprogramms (BBP) f\u00fcr Kitas und Kindertagespflege sorgt derzeit f\u00fcr breite und berechtigte Kritik. Fachkr\u00e4fte, Wissenschaftler*innen, Gewerkschaften, Elterngremien und zivilgesellschaftliche Organisationen schlagen Alarm: Das neue BBP droht zentrale Werte und Prinzipien aufzugeben, f\u00fcr die das Berliner Modell bislang bundesweit als vorbildhaft galt \u2013 darunter die Anerkennung von Vielfalt, Partizipation, Diskriminierungskritik und die Rechte der Kinder.<\/p>\n<p>\u201eEs ist wissenschaftlich unstrittig: nur eine vorurteilsbewusste P\u00e4dagogik und Bildungsarbeit jenseits stereotyper Botschaften in Rosa und Hellblau f\u00fchrt zu einer gleichberechtigten Gesellschaft. Wie also wollen wir dem Grundgesetz in Zukunft gerecht werden, wenn geschlechter- und diversit\u00e4tssensible P\u00e4dagogik nicht von Anfang an Bildungsauftrag ist?! Schlie\u00dflich wurde die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern 1994 zum Staatsziel erkl\u00e4rt. 30 Jahre sp\u00e4ter gen\u00fcgt ein Blick in die Schlagzeilen, um zu erkennen, wie weit wir davon entfernt sind.&#8220; Sascha Verlan &amp; Almut Schnerring, Autor*innen und Expert*innen f\u00fcr vorurteilsbewusste Bildung<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis kritisiert insbesondere die Abkehr von diversit\u00e4tssensiblen, inklusiven und partizipativen Ans\u00e4tzen. Anstelle eines starken p\u00e4dagogischen Selbstverst\u00e4ndnisses positioniert der Entwurf Fachkr\u00e4fte als blo\u00dfe Ausf\u00fchrende vorgegebener Standards \u2013 und nicht als verantwortungsvolle Mitgestalter*innen fr\u00fchkindlicher Bildung. Dies widerspricht dem Anspruch an eine professionelle, ganzheitliche und beziehungsorientierte p\u00e4dagogische Praxis.<\/p>\n<p>\u201eEin Bildungsprogramm, das Vielfalt und Diskriminierung nicht konsequent mitdenkt, verfehlt seinen p\u00e4dagogischen Auftrag. Eine vorurteilsbewusste Kitapraxis ist entscheidend f\u00fcr erste Erfahrungen mit Bildung und Teilhabe. Diskriminierungsschutz muss daher, als tragendes Prinzip verankert sein, damit alle Kinder unabh\u00e4ngig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder Behinderung gerechte Chancen haben.\u201c Dr. Seyran Bostanc\u0131, Vorstandsvorsitzende vom Institut Kinderwelten e.V.<\/p>\n<p>Subjekt- und beziehungsorientiertes Arbeiten ist nicht nur p\u00e4dagogisch geboten, sondern auch arbeitskulturell zentral. Diversit\u00e4tssensible Perspektiven und professionelle Urteilskraft sind dabei unverzichtbar. Die Vernachl\u00e4ssigung dieser Perspektiven in Verbindung mit der Einf\u00fchrung standardisierter Instrumente birgt nicht nur Benachteiligungsrisiken f\u00fcr Kinder, sondern auch erhebliche Konsequenzen f\u00fcr die p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte: Sinnverlust, Unzufriedenheit, Burnout, ein wachsender Exodus aus dem Berufsfeld \u2013 oder gar der Verzicht auf eine Ausbildung in diesem Bereich \u2013 sind die Folge.<\/p>\n<p>\u201eFr\u00fchkindliche Bildung, die Vielfalt bewusst einbezieht, schafft keine Grenzen, sondern Br\u00fccken \u2013 zwischen Kulturen, Sprachen, Familienmodellen und individuellen Bed\u00fcrfnissen.\u201c Mar\u00eda Rojas Brahm, Kitaleitung (Rosarote Tiger und gelbgr\u00fcne Panther)<\/p>\n<p>Besonders gravierend ist die inhaltliche Unausgewogenheit im Bereich von Inklusion, Diskriminierungskritik und geschlechtlicher sowie sexueller Vielfalt. So finden Themen wie Rassismus, Adultismus, soziale Herkunft und die Lebensrealit\u00e4ten inter*, trans* und nichtbin\u00e4rer Kinder kaum oder keine Ber\u00fccksichtigung. Auch die Vielfalt von Familienformen und sexualp\u00e4dagogische Aspekte fehlen weitgehend. Der bisher zentrale Ansatz der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung wird nur am Rande erw\u00e4hnt. All dies steht in klarem Widerspruch zur gesellschaftlichen Realit\u00e4t in Berlin und zu den Rechten aller Kinder auf Schutz, Sichtbarkeit und F\u00f6rderung.<\/p>\n<p>\u201eWas wir brauchen, ist ein Bildungsprogramm, das alle relevanten Perspektiven beinhaltet: die der P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen und weiterer Akteur*innen aus der Fachpraxis, den Gewerkschaften, den Eltern und der Wissenschaft. Vor allem ben\u00f6tigt es auch in der Zukunft echte Fachlichkeit und die daf\u00fcr n\u00f6tigen Rahmenbedingungen.\u201c Andrea K\u00fchnemann, Landesbezirksleiterin von ver.di Berlin-Brandenburg<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass der Entwurf ohne eine systematische Beteiligung relevanter gesellschaftlicher Akteur*innen entstanden ist. Instrumente zur Beobachtung, Dokumentation und Einsch\u00e4tzung zielen auf Standardisierung und Vergleichbarkeit \u2013 nicht auf individuelle F\u00f6rderung. Sie drohen insbesondere Kinder mit mehrsprachigem Hintergrund durch defizitorientierte Raster zu benachteiligen. Zudem besteht bei digitalisierten Verfahren unter Zeitdruck die Gefahr, dass Dokumentation wichtiger wird als das Kind selbst. P\u00e4dagogische Beziehungen und individuelle Entwicklungsprozesse werden so durch Messbarkeitslogiken ersetzt \u2013 eine problematische Verschiebung.<\/p>\n<p>\u201eDie geplante Fassung des Berliner Bildungsplans w\u00e4re ganz klar ein bildungspolitischer R\u00fcckschritt. Deshalb appellieren wir als Kinderrechtsorganisation an den Berliner Senat, die fundierte Kritik ernst zu nehmen und die Qualit\u00e4t fr\u00fchkindlicher Bildung in Berlin nicht zu gef\u00e4hrden. Der Stellenwert von Diversit\u00e4t, Inklusion und Diskriminierungsschutz im Kontext fr\u00fchkindlicher Bildung darf nicht abgeschw\u00e4cht werden. Es braucht eine fachliche \u00dcberarbeitung des Entwurfes auf Grundlage kinderrechtlicher und demokratiep\u00e4dagogischer Prinzipien\u201c Kai \u00a0anke, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Kinderhilfswerkes<\/p>\n<p>Ein weiteres zentrales Defizit betrifft den Umgang mit Mehrsprachigkeit und Bilingualit\u00e4t. W\u00e4hrend die Grunds\u00e4tze der QVTAG (Qualit\u00e4tsvereinbarung Tageseinrichtungen) ausdr\u00fccklich die F\u00f6rderung von Mehrsprachigkeit und die Entwicklung bilingualer Konzepte betonen, bleibt das BBP inhaltlich deutlich dahinter zur\u00fcck. Diese L\u00fccken f\u00fchren in der Praxis zu gro\u00dfer Verunsicherung bei Tr\u00e4gern und Fachkr\u00e4ften, da es an klaren Orientierungen f\u00fcr einen systematischen und ressourcenorientierten Umgang mit sprachlicher Vielfalt fehlt. Deshalb fordern wir als B\u00fcndnis eine grundlegende \u00dcberarbeitung des Bildungsprogramms: transparent, demokratisch, diskriminierungskritisch und fachlich fundiert. Es braucht ein BBP, das die Rechte und Lebensrealit\u00e4ten aller Kinder in Berlin aktiv sch\u00fctzt und f\u00f6rdert \u2013 und p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte nicht schw\u00e4cht, sondern in ihrer Professionalit\u00e4t st\u00e4rkt. Nur so kann fr\u00fchkindliche Bildung zukunftsf\u00e4hig und gerecht gestaltet werden.<\/p>\n<p>Anfragen an info@vielfaltverankern.de<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Amaro Drom<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ASP (Agentur f\u00fcr Soziale Perspektiven e.V.)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 BEFaN-Netzwerk &amp; Projektentwicklung Yekmal e.V. (Verein der Eltern aus Kurdistan in Deutschland \/ Yek\u00eetiya Malbat\u00ean ji Kurdistan\u00ea li Almanyay\u00ea)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dachverband Berliner Kinder- und Sch\u00fclerl\u00e4den (DaKS) e.V.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EqualCare-Akademie &amp; Rosa-Hellblau-Falle<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 GEW BERLIN \u2013 Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 HSL Care Initiative an der ASH Berlin (Hochschullehrende der ASH in ver.di)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Institut Kinderwelten e.V.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KiDs Courage<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 klische*esc e.V. \u2013 Gemeinn\u00fctziger Verein zur F\u00f6rderung von Wahlfreiheit jenseits limitierender Rollenklischees<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 LEAK \u2013 Landeselternausschuss KITA Berlin<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 LIFE \u2013 Bildung Umwelt Chancengleichheit<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Migrationsrat Berlin \u2013 Tr\u00e4ger der Kompetenzstelle intersektionale P\u00e4dagogik (i-P\u00c4D)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Netzwerk Gemeinsamer Diskriminierungsabbau in der fr\u00fchkindlichen Bildung (GeDAB)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Regenbogenfamilienzentrum Lichtenberg (LesLeFam)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schwulenberatung Berlin (Kitas rosarote Tiger und gelbgr\u00fcne Panther)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sources-d\u2019Espoir e.V.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Team Regenbogenfamilien des LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e.V.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Queerformat e. V.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vereinte Dienstleistungsgesellschaft &#8211; Ver.di<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wildwasser e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die \u00dcberarbeitung des Berliner Bildungsprogramms (BBP) f\u00fcr Kitas und Kindertagespflege sorgt derzeit f\u00fcr breite und berechtigte Kritik. 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