{"id":23989,"date":"2025-04-11T17:55:19","date_gmt":"2025-04-11T17:55:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/23989\/"},"modified":"2025-04-11T17:55:19","modified_gmt":"2025-04-11T17:55:19","slug":"schwarz-rot-will-ende-des-freien-facharzt-zugangs-mit-welchen-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/23989\/","title":{"rendered":"Schwarz-Rot will Ende des freien Facharzt-Zugangs \u2013 mit welchen Folgen?"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspB1l3 tspB1l4\">Egal ob die Ohren schmerzen oder das Knie \u2013 die Patienten gehen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/die-deutschen-und-ihr-facharzt-knall-in-england-reicht-fur-alles-der-hausarzt-13467766.html\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">immer erst zum Hausarzt.<\/a> Von dieser sogenannten hausarztzentrierten Versorgung tr\u00e4umte Anfang des neuen Jahrtausends schon die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. <\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Die SPD-Politikerin wollte so die hohen Kosten der gesetzlichen Krankenkasse eind\u00e4mmen. Doch der Widerstand war gro\u00df, viele Patienten hatten keine Lust, f\u00fcr viele Erkrankungen zwei Mal zum Arzt zu m\u00fcssen. Das Hausarztmodell blieb freiwillig. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/abo.tagesspiegel.de\/tagesspiegel-app?icid=single-topic_13530028___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCMn7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Tagesspiegel-App Aktuelle Nachrichten, Hintergr\u00fcnde und Analysen direkt auf Ihr Smartphone. Dazu die digitale Zeitung. Hier gratis herunterladen.  <\/a><\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Doch nun erlebt die Idee ein Comeback. Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD auf ein \u201everbindliches Prim\u00e4rarztsystem\u201c verst\u00e4ndigt. Zum Facharzt sollen Patienten k\u00fcnftig nur noch gelangen, wenn ihr Hausarzt oder die Hotline der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung den Bedarf feststellt. &#13;<\/p>\n<p> Haus\u00e4rzte als Lotsen <\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Daf\u00fcr sollen die B\u00fcrger zuverl\u00e4ssig innerhalb eines angemessenen Zeitraums einen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/potsdam\/landeshauptstadt\/volle-praxen-lange-wartezeiten-wie-sie-in-potsdam-trotzdem-einen-termin-beim-facharzt-bekommen-13428346.html\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facharzt-Termin bekommen.<\/a> Schaffen die Praxis-\u00c4rzte das nicht, sollen zur Not Krankenh\u00e4user die Behandlung \u00fcbernehmen. Ausnahmen soll es nur f\u00fcr chronisch erkrankte Patienten sowie in der Augenheilkunde und Gyn\u00e4kologie geben. <\/p>\n<blockquote class=\"tspCOof\">\n<p>Dadurch k\u00f6nnen enorme Kosten eingespart werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCOog\"><strong>Nicola Buhlinger-G\u00f6pfarth,<\/strong> Pr\u00e4sidentin des Haus\u00e4rztinnen- und Haus\u00e4rzteverbandes<\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Viele Experten pl\u00e4dieren schon lange daf\u00fcr, die Haus\u00e4rzte zu Lotsen f\u00fcr das Gesundheitssystem zu machen, um das verbreitete Ph\u00e4nomen des \u00c4rztehoppings einzud\u00e4mmen. So sollen die Patienten k\u00fcnftig auch leichter einen Facharzttermin bekommen, weil \u00fcberfl\u00fcssige Mehrfachbehandlungen wegfallen. Sie entstehen unter anderem, wenn Patienten zun\u00e4chst zum falschen Facharzt gehen.<\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Zuk\u00fcnftig m\u00fcsse man mit immer weniger Ressourcen immer mehr und immer \u00e4ltere Patientinnen und Patienten versorgen, sagt die Pr\u00e4sidentin des Haus\u00e4rztinnen- und Haus\u00e4rzteverbandes (HAEV), Nicola Buhlinger-G\u00f6pfarth, dem Tagesspiegel. Daf\u00fcr m\u00fcsse man \u201emehr Struktur in unser Gesundheitssystem bringen\u201c.  <\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Das in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern l\u00e4ngst etablierte Prim\u00e4rarztsystem erm\u00f6gliche eine bessere Qualit\u00e4t bei weniger Ressourcenverschwendung.&#13;<\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Auch Jens Baas, der Chef der Techniker Krankenkasse, h\u00e4lt den Vorschlag f\u00fcr einen mutigen Schritt in die richtige Richtung. \u201eWir brauchen klar strukturierte Wege in die \u00e4rztliche Versorgung, damit Patientinnen und Patienten endlich schneller dorthin kommen, wo ihnen gut geholfen werden kann.\u201c &#13;<\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Buhlinger-G\u00f6pfarth verweist darauf, dass gerade chronisch Kranke vom Hausarztmodell stark profitieren w\u00fcrden. Durch die enge und koordinierte Betreuung w\u00fcrden weniger unvertr\u00e4gliche Medikamente verschrieben, \u00fcberfl\u00fcssige Doppeluntersuchungen vermieden und Krankenhauseinweisungen reduziert. \u201eDadurch k\u00f6nnen enorme Kosten eingespart werden.\u201c&#13;<\/p>\n<blockquote class=\"tspCOof\">\n<p>Auch in Zukunft wird es m\u00f6glich sein, direkt eine Facharztpraxis aufzusuchen. Das k\u00f6nnte dann aber mit einer Eigenbeteiligung oder einer l\u00e4ngeren Wartezeit verbunden sein.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCOog\">CDU-Gesundheitsexperte <strong>Tino Sorge<\/strong><\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr das Gesundheitswesen (SVR) kam zum Ergebnis, dass die Teilnahme am Hausarztmodell wegen der besseren Betreuung mit einer um 9,1 Prozent geringeren Rate an Krankenhausaufenthalten verbunden ist. Wenn alle gesetzlich Versicherten in Deutschland so versorgt werden, rechnet der HAEV mit rund acht Millionen Krankenhaustagen weniger. <\/p>\n<p> Ein neuer Flaschenhals? <\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">\u00c4hnlich wie Ulla Schmidt vor 20 Jahren muss auch Schwarz-Rot mit Widerstand rechnen. Der Spitzenverband der Fach\u00e4rztinnen und Fach\u00e4rzte warnt auf Anfrage vor einem neuen \u201eFlaschenhals\u201c in der medizinischen Versorgung. Laut dem Verband behandeln Fach\u00e4rzte j\u00e4hrlich 112 Millionen Arztf\u00e4lle ohne \u00dcberweisung. \u201eM\u00fcssten diese Patienten in jedem Fall zun\u00e4chst eine Hausarztpraxis aufsuchen, bedeutete dies 2500 zus\u00e4tzliche F\u00e4lle pro Jahr f\u00fcr jede Haus\u00e4rztin und jeden Hausarzt.\u201c<\/p>\n<p> Beschr\u00e4nkung der telefonischen Krankschreibung <\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Auch bei der telefonischen Krankschreibung soll es eine Einschr\u00e4nkung geben. \u201eDie telefonische Krankschreibung werden wir so ver\u00e4ndern, <strong>dass Missbrauch zuk\u00fcnftig ausgeschlossen ist\u201c, <\/strong>hei\u00dft es im Koalitionsvertrag. So soll die Online-Krankschreibung durch <strong>private Plattformen<\/strong> verboten werden. <\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Die Wirtschaft hatte sich zuletzt beschwert, dass deutsche Arbeitnehmer im internationalen Vergleich <strong>\u00fcberdurchschnittlich oft krank<\/strong> sind. <\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Der Gesundheitsexperte der Linken, Ates G\u00fcrpinar, h\u00e4lt deshalb die hausarztzentrierte Versorgung zwar f\u00fcr richtig, sieht darin jedoch kein Sparmodell. Er fordert vielmehr \u201eInvestitionen in neue Versorgungsstrukturen\u201c. Ansonsten werde das Prim\u00e4rarztmodell zus\u00e4tzliches Behandlungsaufkommen und weitere B\u00fcrokratie in einem \u00fcberforderten System schaffen.&#13;<\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, weist darauf hin, dass es heute bereits Regionen gebe, \u201ein denen Prim\u00e4rpraxen keine Neupatienten mehr aufnehmen\u201c. Er f\u00fcrchtet zus\u00e4tzliche B\u00fcrokratie und will nicht, dass Kranke, die die Vorschriften umgehen, \u201ef\u00fcr ihre bedarfsgerechte Versorgung die Zeche privat zahlen m\u00fcssten\u201c.<\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge versucht zu beruhigen. Auch in Zukunft werde es m\u00f6glich sein, direkt eine Facharztpraxis aufzusuchen, sagt er dem Tagesspiegel. \u201eDas k\u00f6nnte dann aber mit einer Eigenbeteiligung oder einer l\u00e4ngeren Wartezeit verbunden sein, falls man zuvor auf den Rat des Prim\u00e4rarztes verzichtet hat.\u201c &#13;<\/p>\n<p> Mehr zum Thema  <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/die-deutschen-und-ihr-facharzt-knall-in-england-reicht-fur-alles-der-hausarzt-13467766.html?icid=topic-list_13530028___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCMn7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Deutschen und ihr Facharzt-Knall In England reicht f\u00fcr alles der Hausarzt  <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/potsdam\/landeshauptstadt\/volle-praxen-lange-wartezeiten-wie-sie-in-potsdam-trotzdem-einen-termin-beim-facharzt-bekommen-13428346.html?icid=topic-list_13530028___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCMn7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Volle Praxen, lange Wartezeiten Wie Sie in Potsdam trotzdem einen Termin beim Facharzt bekommen <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesundheit\/elektronische-patientenakte-im-praxistest-wir-werden-dieses-gesundheitssystem-nur-digital-retten-oder-gar-nicht-13236190.html?icid=topic-list_13530028___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCMn7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein Hausarzt testet die elektronische Patientenakte  \u201eDie Verantwortung liegt jetzt beim Patienten\u201c  <\/a><\/p>\n<p class=\"tspB1l3\">Die Steuerung h\u00e4lt er f\u00fcr n\u00f6tig, um schnelle Facharzttermine f\u00fcr diejenigen Patienten freizuhalten, die sie am dringendsten br\u00e4uchten. Sorge sieht das Prim\u00e4rarztmodell dann auch als Reaktion auf das Verhalten der Patienten: \u201eZu oft werden eigenm\u00e4chtig Facharzttermine gebucht, obwohl das medizinisch nicht immer notwendig ist.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Egal ob die Ohren schmerzen oder das Knie \u2013 die Patienten gehen immer erst zum Hausarzt. Von dieser&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23990,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,290,13,10701,14,15,12],"class_list":{"0":"post-23989","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-gesundheitswesen","14":"tag-headlines","15":"tag-krankenhaeuser","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114320619909593415","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23989","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23989"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23989\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}