{"id":240279,"date":"2025-07-03T23:45:31","date_gmt":"2025-07-03T23:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/240279\/"},"modified":"2025-07-03T23:45:31","modified_gmt":"2025-07-03T23:45:31","slug":"berlin-tag-macht-fashion-week-im-bundestag-skandalentscheidungen-im-schatten-der-modewoche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/240279\/","title":{"rendered":"Berlin Tag &#038; Macht: Fashion Week im Bundestag: Skandalentscheidungen im Schatten der Modewoche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gute Nachrichten f\u00fcr Franziska Giffey: Sie ist weder Michael M\u00fcller noch Katherina Reiche. Und damit sind wir bei Wortwitzen und den vielen Vornamen von Karl-Theodor zu Guttenberg. Aber lesen Sie selbst.<\/strong><\/p>\n<p>Eine interessante Woche f\u00fcr politische Diskurs-Connaisseurs. Es ist Fashion Week in der Hauptstadt. Im Regierungsviertel, wo man zwischen Reichstag, Gendarmenmarkt, Potsdamer Platz und Museumsinsel normalerweise Sahra Wagenknecht dabei beobachten kann, wie sie Matrjoschkas an japanische Touristen verteilt und den staunenden Europareisenden erkl\u00e4rt, das sei hier alles mal Moskau gewesen, str\u00f6men aus den U-Bahn-Stationen reihenweise sehr junge, schlanke, gro\u00dfe Frauen auf die Stra\u00dfen des Regierungsviertels. Sie tragen skurrile Frisuren, nicht zwangsl\u00e4ufig als bodenst\u00e4ndig kategorisierbares Make-up, mehr Tattoos als Marco Reus, Neymar und Lionel Messi zusammen sowie Sonnenbrillen von der Gr\u00f6\u00dfe einer durchschnittlichen Studentenwohnung.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kenner der Fashion-Branche sind es allerdings die \u00fcbergro\u00dfen Mappen, die die Sache eindeutig machen: Die halten sie stets hochkonzentriert an ihre K\u00f6rper gepresst, als w\u00fcrden sie lebenswichtige Organe transportieren. Es handelt sich um Models mit ihren Fotomappen, die von Casting zu Casting eilen. Der Ur-Berliner indes interessiert sich f\u00fcr die Modewoche etwa so sehr wie Nena f\u00fcr Corona-Impfungen und denkt daher vermutlich einfach: Ach guck an, bei den Gr\u00fcnen ist wieder Frauenparteitag.<\/p>\n<p>Giffey Peace a Chance<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, als man bei der SPD gelegentlich noch Wahlen gewann, war das anders. Franziska Giffey er\u00f6ffnete als Regierende B\u00fcrgermeisterin die Modewoche regelm\u00e4\u00dfig h\u00f6chstselbst. Ihr Nachfolger Kai Wegner hingegen h\u00e4lt sich von Catwalks konsequenter fern als Julia Kl\u00f6ckner von Regenbogenflaggen. Seine Modeexpertise beschr\u00e4nkt sich darauf, morgens doch mal versehentlich eine Krawatte anzulegen. So ist es weiterhin Giffey, die tapfer die Fashion Weeks anpfeift, auch wenn sie inzwischen zur Senatorin f\u00fcr Wirtschaft, Energie und Betriebe abgestiegen ist und daher ressortformal eher Elektrizit\u00e4tswerke er\u00f6ffnen sollte.<\/p>\n<p>Nicht nur deshalb geh\u00f6rt Giffey eher zu den erfolgsresistenten Politikerinnen der Gegenwartsgeschichte. Zun\u00e4chst musste sie als Bundesministerin f\u00fcr Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur\u00fccktreten, nachdem sie in einer Art Solidarit\u00e4tsbekundung f\u00fcr Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan eine Doktorarbeit vorgelegt hatte, gegen die eine am Strand auf Mallorca erworbene Gucci-Tasche als Authentizit\u00e4tsgewinner durchgeht. Anschlie\u00dfend wurde sie bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus abgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Andererseits: Wenigstens ist sie nicht Michael M\u00fcller. Der ist auch in der SPD und war ebenfalls mal Berliner B\u00fcrgermeister, wechselte dann allerdings \u00fcberraschend in den Bundestag. Dort schied er nach einer Legislatur wieder aus, nachdem er von seiner Partei keinen Listenplatz erhalten hatte. Und das nur, weil er &#8222;zu alt, zu wei\u00df und zu rechts&#8220; ist. Also, sagt M\u00fcller. Gut, nach der Logik s\u00e4\u00dfe jetzt Sara Nuru f\u00fcr ihn im Bundestag, w\u00e4hrend Hubertus Heil oder Boris Pistorius&#8230; naja, egal. Klar ist jedenfalls: Michael M\u00fcller er\u00f6ffnet h\u00f6chstens noch Bingo-Abende im erweiterten Familienkreis. Insofern hat es Franziska Giffey gar nicht so schlecht getroffen. Und Fashion Weeks werden grunds\u00e4tzlich h\u00e4ufiger er\u00f6ffnet als Elektrizit\u00e4tswerke.<\/p>\n<p>Guttenberg ist der Comebacker des Jahres<\/p>\n<p>Karl-Theodor zu Guttenberg \u00fcbrigens, das nur, um den Kreis themensauber zu schlie\u00dfen, mischt ebenfalls wieder in der gro\u00dfen Bundespolitik mit. Zumindest indirekt. Frisch geschieden von seiner Ex-Frau Stephanie (ja, Entschuldigung, ntv geh\u00f6rt nun mal zu RTL und daher m\u00fcssen alle Beitr\u00e4ge einen f\u00fcnfprozentigen Boulevard-Mindestanteil vorweisen) ist seit einigen Wochen seine Beziehung zu Katherina Reiche offiziell. Und die ist immerhin Wirtschafts- und Energieministerin und damit auf Bundesebene etwa das, was Franziska Giffey f\u00fcr Berlin ist. Nur, dass sie keine Fashion Weeks er\u00f6ffnet. Daf\u00fcr aber die T\u00fcr zu einer Reihe zweitklassiger Wortwitze. Etwa diesen: Woran sieht man, dass Geld die Welt regiert? Eine Reiche wird Wirtschaftsministerin!<\/p>\n<p>Stichwort Geld. Karl-Theodor zu Guttenberg gilt als der Mann, der mehr Vornamen hat als Jens Spahn Immobilienkredite. Hier eine kleine Auswahl: Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester. Das ist kein Witz, das k\u00f6nnen Sie googeln. Oder auf seiner Geburtsurkunde nachlesen. Karl-Theodor zu Guttenberg kennen Sie also. Annette Schavan hingegen eher nicht. Das ist aber kaum verwunderlich, denn Schavan hat nur einen einzigen Vornamen und deshalb weniger Chancen auf ein Comeback in der Bundespolitik als Friedrich Merz, dass das Thema Stromsteuer als der glanzvollste Coup seiner Kanzlerschaft in die Geschichtsb\u00fccher eingehen wird.<\/p>\n<p>Zwei M\u00fcnchnerinnen in der Modewelt: Doro B\u00e4r und Uschi Obermaier<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zur Fashion Week. Mode ist ein zentrales Thema f\u00fcr absolut jeden. Wir alle ziehen uns t\u00e4glich an. Au\u00dfer vielleicht OnlyFans-Models oder Uschi Obermaier und Rainer Langhans. Aber deren Kernnacktphasen lagen zum Gl\u00fcck haupts\u00e4chlich in den 60ern und sind sowas wie verj\u00e4hrt. Weil Mode einen riesigen Stellenwert in unserem Alltag hat, dr\u00e4ngen sich auch Politiker immer wieder in den Dunstkreis der Hochglanz-Fashion-Szene. Aminata Tour\u00e9 beispielsweise ist stellvertretende Ministerpr\u00e4sidentin von Schleswig-Holstein und gleichzeitig die erste Politikerin auf dem Cover der deutschen &#8222;Vogue&#8220;. Die &#8222;Vogue&#8220;, das nur als Erkl\u00e4rung f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr Mode noch weniger interessieren als Lars Klingbeil f\u00fcr Saskia Esken, ist quasi das RTL f\u00fcr alle, die wie Lothar Matth\u00e4us wissen, dass der G\u00fcrtel immer zu den Schuhen passen muss.<\/p>\n<p>Aber auch Dorothee B\u00e4r, als Bundesministerin f\u00fcr Forschung, Technologie und Raumfahrt so was wie die Prinzessin Leia des Kabinetts Merz, zeigte sich bereits medienwirksam in aufwendig extravaganten Roben von Star-Designerin Marina Hoermanseder. B\u00e4r ist damit nach Uschi Obermaier bereits die zweite dunkelhaarige M\u00fcnchnerin, die f\u00fcr Furore im Modezirkus sorgen konnte. Allerdings blieb B\u00e4r daf\u00fcr angezogen und auch die Kommune I hatte ihre frivolen Pforten bereits seit zehn Jahren geschlossen, als Dorothee B\u00e4r das Licht der Welt erblickte.<\/p>\n<p>Damit an dieser Stelle kein falscher Eindruck entsteht: Nicht jeder, der aus M\u00fcnchen kommt, besitzt automatisch Modekompetenz. Der geb\u00fcrtige N\u00fcrnberger Markus S\u00f6der, der seinen Arbeitsplatz in M\u00fcnchen hat, ist beispielsweise in erster Linie Food- und nicht Fashion-Blogger. Daher mag er Gourmet Weeks lieber als die Fashion Week. Dennoch pflegt er eine innige Beziehung zur Modebranche. F\u00fcr S\u00f6ders Ern\u00e4hrungskonzept ist n\u00e4mlich der Verzehr toter Tierteile, die mit viel Chemie und K\u00fchlketten an der Verwesung gehindert werden, bis sie jemand instagramgerecht aufw\u00e4rmt, wichtiger als Russland f\u00fcr Ralf Stegner. Keine gro\u00dfe \u00dcberraschung also, dass S\u00f6der alles sch\u00e4tzt, was sich auf einem Laufsteak abspielt.<\/p>\n<p>Picheln f\u00fcr die Ampel-Rage<\/p>\n<p>Die Zeiten, in denen modebewusste Wahlberechtigte und Medien durch die Fashion Week abgelenkt sind und der Rest der Nation bei 40 Grad im Schatten schwitzend und ver\u00e4ngstigt alte Tweets von Luisa Neubauer zum Thema Klimawandel nachliest, sind f\u00fcr Regierungen traditionell Gold wert. Derartig unaufmerksam ist der Souver\u00e4n n\u00e4mlich selten. Perfekte Voraussetzungen, um im Schatten b\u00fcrgerlicher Hitze-Konzentrationsschw\u00e4chen unbehelligt einige unpopul\u00e4re Gesetze durchzuwinken. B\u00fcrgergeld-Reform etwa oder sp\u00e4terer Renteneintritt. Und da sind die Bedingungen diesen Sommer optimal. Im Juni lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland mit 18,5 Grad Celsius um <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/juni-viel-zu-warm-und-zu-trocken--wetterdienst-legt-monatsbilanz-vor-35852534.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">3,1 Grad \u00fcber dem langj\u00e4hrigen Vergleichsmittelwert<\/a>.<\/p>\n<p>3,1. In Prozenten gerechnet also etwa da, wo in Umfragen auch die FDP liegt. Schade. Als die Freien Demokraten neben vielen E-Fuel-Ideen und D-Day-Konzeptpapieren auch noch W\u00e4hler hatten, geh\u00f6rte Christian Lindner zum Stammpersonal des politischen Diskurses. Mein Satiriker-Kollege Robin Alexander, Chef-Politologe des befreundeten Branchenblattes &#8222;Welt&#8220;, verr\u00e4t in <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Merz-soll-Schulden-Reform-schon-vor-der-Wahl-vorbereitet-haben-article25858647.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">seinem aktuellen Buch<\/a>, wie jener Lindner sich w\u00e4hrend einer von harten Streit-Debatten \u00fcberschatteten Koalitionsausschuss-Sitzung einst mit Bier und Wein in Argumentations-Rage gepichelt haben soll. Anschlie\u00dfend habe er sich eine rauschausschlafende Kurzpause geg\u00f6nnt, bis ihn um vier Uhr nachts der Hei\u00dfhunger an den Verhandlungstisch zur\u00fccktrieb, wo er die Gelegenheit genutzt habe, um die gesamte Ausschussmannschaft mit n\u00e4chtlicher McDonald&#8217;s-Verk\u00f6stigung zu bes\u00e4nftigen.<\/p>\n<p> Medizinisch betrachtet ist nicht ausgeschlossen, dass es genau so gelaufen ist. Alkohol beeinflusst Neuronen im Hypothalamus. Der Teil des Gehirns, wo die Nahrungsaufnahme reguliert wird. Dort werden insbesondere AgRP-Neuronen aktiviert. Diese sorgen normalerweise f\u00fcr Hemmungen der S\u00e4ttigungssignale. Wer s\u00e4uft, hat also mehr Hunger. Schlechte Nachricht f\u00fcr alle, die sich das neue Di\u00e4t-Wundermittel Abnehmspritze verabreichen, aber gleichzeitig Alkohol trinken. Also praktisch alle Politiker, au\u00dfer Karl Lauterbach. Der verzichtet auf beides (freiwillig). Und auf Tischtennis (unfreiwillig). N\u00e4chste Woche ist die Modewoche vorbei. Dann geht es hier wieder um Fakten statt Fashion. Versprochen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gute Nachrichten f\u00fcr Franziska Giffey: Sie ist weder Michael M\u00fcller noch Katherina Reiche. 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