{"id":241368,"date":"2025-07-04T09:47:10","date_gmt":"2025-07-04T09:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/241368\/"},"modified":"2025-07-04T09:47:10","modified_gmt":"2025-07-04T09:47:10","slug":"ausnahmestellung-der-usa-ist-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/241368\/","title":{"rendered":"Ausnahmestellung der USA ist vorbei"},"content":{"rendered":"<p>Machen Konjunkturprognosen Sinn, wenn Donald Trump jeden Tag aufs Neue die Regeln der internationalen Politik und des Handels ver\u00e4ndert? Oder bleibt Anlegern in Zeiten wie diesen nichts anderes \u00fcbrig als abzuwarten? Um die Frage zu beantworten, reicht ein Blick auf Trumps erste Amtszeit und die Entwicklung der US-Konjunktur. Beim Vergleich des richtungsweisenden Einkaufsmanagerindex der Industrie mit dem Global Monetary Policy Index (um zw\u00f6lf Monate versetzt) zeigt sich sehr schnell, dass politische B\u00f6rsen kurze Beine haben. Auch damals beherrschte Trump die Tagespresse nach Belieben, an der konjunkturellen Gro\u00dfwetterlage \u00e4nderte sich dadurch aber nichts. Unser Fr\u00fchindikator, der sich aus rein geldpolitischen Quellen speist, hatte die zyklischen Wendepunkte 2016 bis 2020 pr\u00e4zise vorweggenommen \u2013 und auch der Start in die zweite Amtszeit verlief zumindest konjunkturell nach Plan.<\/p>\n<p>Aber immerhin hat Trump es geschafft, dass alle Welt sich fragt, ob die Ausnahmestellung der USA jetzt vorbei ist. Profitierte die Wirtschaft doch fast 16 Jahre lang vor allem vom Tech-Boom sowie der politischen und wirtschaftlichen Schw\u00e4che im Rest der Welt, insbesondere in Europa. Im Ergebnis str\u00f6mte ein stetig wachsender Teil der globalen Kapitalanlagen in US-Aktien, was deren Bewertungen in immer extremere H\u00f6hen trieb.<\/p>\n<p><strong>Trendwachstum der US-Wirtschaft unter Druck<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings geraten die S\u00e4ulen des US-Investmentnarrativs bedenklich ins Wanken. Niemand wird bestreiten, dass US-Unternehmen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt deutlich st\u00e4rker gewachsen sind als die ausl\u00e4ndische Konkurrenz und dabei auch noch bessere Rentabilit\u00e4tskennzahlen erzielen konnten. Die Gretchenfrage lautet indes, ob das auch in Zukunft so sein wird. Der technologische Vorsprung der USA vor dem Rest der Welt ist jedenfalls geringer als gemeinhin angenommen. Dies zeigt ein Blick auf die Produktivit\u00e4tsstatistik. Au\u00dferhalb von Krisenjahren (2009 und 2020) expandiert der Output pro geleisteter Arbeitsstunde in den USA mit derselben Rate wie in Deutschland und deutlich langsamer als in Japan. Einzelne US-Unternehmen haben im globalen Innovationswettbewerb die Nase vorn, f\u00fcr die Volkswirtschaft als Ganzes gilt das offenkundig nicht.\u00a0<\/p>\n<p>Zu beachten ist \u00fcberdies, dass die USA ihr starkes Wirtschaftswachstum seit der Finanzkrise einem exzessiven Staatsdoping zu verdanken haben. So sind die Staatsschulden in Relation zur Wirtschaftsleistung zwischen 2008 und 2024 von 65% auf \u00fcber 120% regelrecht explodiert. Und nicht zuletzt wegen des Big Beautiful Bill Act zeigt die Verschuldungskurve f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre sogar noch steiler nach oben. Das ist auch der Grund, weshalb die USA dringend Geld aus dem Ausland brauchen, sei es \u00fcber h\u00f6here Z\u00f6lle, Geb\u00fchren f\u00fcr einen Platz unter dem US-Nuklearschirm oder Steuern auf in den USA erzielte Kapitalertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Ohne jeden Zweifel hat das Trump-Chaos der vergangenen Monate einen wichtigen Anteil daran, dass die US-Wirtschaft ins Stolpern geraten ist. Im 1. Quartal ist die Wirtschaftsleistung annualisiert und preisbereinigt um 0,3% geschrumpft. Selbst wenn f\u00fcr das gerade abgelaufene 2. Quartal eine namhafte Gegenbewegung unterstellt wird (+2,5%), expandiert die Wirtschaftsleistung so langsam wie seit drei Jahren nicht mehr. Kein Wunder, bei dem hohen Grad an Verunsicherung stellen Unternehmen und Privathaushalte Investitionen und Gro\u00dfanschaffungen zur\u00fcck. Mit Blick nach vorne gehen wir davon aus, dass sich das Trendwachstum der US-Wirtschaft auf unter 2% abschw\u00e4cht. MAGA geht anders!<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4ische Konjunktur von mehreren Seiten unterst\u00fctzt\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Besser sieht es in Europa aus, wenn auch nicht \u00fcberall. So tanzt in S\u00fcdeuropa konjunkturell der B\u00e4r, vor allem wegen des nach wie vor boomenden Tourismus und der expansiven Fiskalpolitik. Die deutsche Wirtschaft hingegen scheint noch im Tiefschlaf zu sein \u2013 Hoffnung machen hier aber die riesigen Investitionspakete f\u00fcr Infrastruktur und Verteidigung mit einem Volumen von bis zu 2.000 Mrd. Euro, verteilt \u00fcber die n\u00e4chsten zehn Jahre. Dadurch entsteht nicht nur sehr viel Flexibilit\u00e4t in der Finanzpolitik, auch das BIP d\u00fcrfte in der Hochlaufphase (bis 2027) um etwa 1% p.a. angeschoben werden.\u00a0<\/p>\n<p>Erste Hoffnungsschimmer sind auch in der deutschen Industrie zu sehen, die von den verbesserten Finanzierungskonditionen profitiert. Zwar wird der Handel mit den USA teurer werden, aber Z\u00f6lle in der zun\u00e4chst angedrohten Gr\u00f6\u00dfenordnung von 50% wird es wohl kaum geben. Tragende S\u00e4ule des Aufschwungs wird damit die Binnenkonjunktur \u2013 das hat es in Deutschland lange nicht mehr gegeben.<\/p>\n<p>In diesem Umfeld wird sich die EZB mit weiteren Leitzinssenkungen zur\u00fcckhalten, weil ihre Inflationsprognosen sich als zu optimistisch erweisen d\u00fcrften. Wir gehen davon aus, dass das Inflationsgespenst schon in den n\u00e4chsten Quartalen aus seinem Versteck kommen und die HVPI-Rate in der Eurozone Richtung 3% treiben wird.<\/p>\n<p><strong>Bewertungen sprechen mittel- und langfristig f\u00fcr europ\u00e4ische Aktien<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Frage, welche Aktienm\u00e4rkte mittel- und langfristig die Nase vorn haben werden, hilft ein Vergleich der Bewertungen. Zeigt doch das Shiller-KGV deutlich, dass je h\u00f6her die Bewertungen heute sind, desto tiefer die Performance in den folgenden Jahren sein wird. Konkret d\u00fcrften US-Aktien k\u00fcnftig einen Kurszuwachs von etwa 3% bis 5% p.a. bieten, w\u00e4hrend europ\u00e4ische Aktien auf 7% bis 8% kommen sollten. Also eher MEGA als MAGA! Beim Vergleich der 5-Jahres-Wertentwicklung zeigt sich, dass einige europ\u00e4ische Aktienm\u00e4rkte wie Italien und Spanien den USA bereits enteilt sind. Und das allergr\u00f6\u00dfte Potenzial bieten die bisherigen Nachz\u00fcgler, also europ\u00e4ische Mid Caps.<\/p>\n<p>Bei Staatsanleihen ist zu beachten, dass es trotz des starken Zinsanstiegs im Jahr 2022 und der seither zu beobachtenden Seitw\u00e4rtsbewegung noch eine L\u00fccke zum fairen Wert gibt, den der nominelle Wachstumstrend des BIPs der Eurozone vorgibt. Deshalb sollten Anleger in den n\u00e4chsten Monaten die Laufzeiten ihrer Staatsanleihenportfolios verk\u00fcrzen, um drohende Kursverluste abzumildern.<\/p>\n<p>Ohnehin sind Corporate Bonds derzeit und auch in den n\u00e4chsten Jahren die besseren Anleihen. Erstens schneiden sie lediglich in Krisenzeiten schlechter ab als Staatsanleihen und zweitens spricht zumindest im Investment-Grade-Segment der r\u00fcckl\u00e4ufige Verschuldungsgrad f\u00fcr Unternehmensanleihen. Demgegen\u00fcber sind die meisten Staaten dabei, ihre Schulden deutlich auszuweiten. Der Sweetspot \u2013 also das beste Risiko-Ertrags-Verh\u00e4ltnis \u2013 findet sich bei Nachranganleihen von Industrieunternehmen (Corporate Hybrids). Mit einer Rendite von 4,8% auf Indexebene erreichen sie fast das Niveau von High-Yield-Anleihen, haben wegen ihrer Investment-Grade-Emittentenbonit\u00e4t aber deutlich tiefere Ausfallraten.<\/p>\n<p><strong>Gold hat noch etwas Aufw\u00e4rtspotenzial<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn wir aktuell nicht mit einer Krise rechnen, bleibt Gold f\u00fcr uns eine wichtige Beimischung im Portfolio. Denn obwohl wir schon lange im Lager der Goldbullen sind, sehen wir hier noch etwas Aufw\u00e4rtspotenzial. Daf\u00fcr sprechen die gro\u00dfvolumigen K\u00e4ufe der Zentralbanken ebenso wie das ungebremste Interesse von Privatanlegern.<\/p>\n<p>Unter dem Strich sollten Risikoassets trotz hoher Bewertungen auf der \u00dcberholspur bleiben. Wir gehen deshalb mit einer moderat offensiven Aufstellung in das 2. Halbjahr 2025.<\/p>\n<p><strong>Von Dr. Harald Prei\u00dfler, Kapitalmarktstratege bei BANTLEON<\/strong><\/p>\n<p>\n                        Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die zuk\u00fcnftige Entwicklung<br \/>\n                        eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder<br \/>\n                        Wertpapieren k\u00f6nnen steigen oder fallen. Anleger k\u00f6nnen gegebenenfalls nur weniger als das<br \/>\n                        investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch W\u00e4hrungsschwankungen k\u00f6nnen das Investment<br \/>\n                        beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften f\u00fcr Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011<br \/>\n                        \u00a7128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repr\u00e4sentieren keine Empfehlungen f\u00fcr den<br \/>\n                        Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nden. Die<br \/>\n                        Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgf\u00e4ltig erstellt.<br \/>\n                        Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie<br \/>\n                        f\u00fcr die Aktualit\u00e4t, Richtigkeit und Vollst\u00e4ndigkeit der zur Verf\u00fcgung gestellten Informationen<br \/>\n                        kann daher nicht \u00fcbernommen werden. Gleiches gilt auch f\u00fcr alle anderen Websites, auf die<br \/>\n                        mittels Hyperlink verwiesen wird. 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