{"id":241370,"date":"2025-07-04T09:49:21","date_gmt":"2025-07-04T09:49:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/241370\/"},"modified":"2025-07-04T09:49:21","modified_gmt":"2025-07-04T09:49:21","slug":"die-autoritaet-wackelt-ein-jahr-britischer-premier-starmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/241370\/","title":{"rendered":"Die Autorit\u00e4t wackelt: Ein Jahr britischer Premier Starmer"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 04.07.2025 11:21 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Vor einem Jahr gewann Keir Starmer die Wahl in Gro\u00dfbritannien. Nach den Chaos-Jahren der Tories sollte der neue Premier Seriosit\u00e4t in die Politik des Landes bringen. Doch seine Regierung macht einen Fehler nach dem anderen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/annette-dittert-107.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Annette Dittert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/dittert-124.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Timing h\u00e4tte nicht ungl\u00fccklicher sein k\u00f6nnen. Fast genau ein Jahr nach dem \u00fcberragenden Wahlsieg der Labour-Partei\u00a0stand der britische Premier Keir Starmer in dieser Woche vor den Scherben eines zentralen Gesetzespakets.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs ging um\u00a0massive Einschr\u00e4nkungen bei der Behinderten- und Sozialhilfe, die er und seine Finanzministerin Rachel Reeves gegen alle Widerst\u00e4nde aus der eigenen Partei durchsetzen wollten, um umgerechnet mehr als sechs Milliarden Euro einzusparen. Angesichts der desolaten Lage der britischen Staatsfinanzen sei es ein alternativloser Schritt, hie\u00df es vergangene Woche noch.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNur wenige Tage sp\u00e4ter ist von dem Gesetzespaket so gut wie nichts geblieben. Nach einem beispiellosen Aufstand von mehr als 120 seiner eigenen Abgeordneten musste Starmer am Mittwoch fast das gesamte Unternehmen zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<p>    Ein Jahr voller Fehler<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLabours \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit von 156 Abgeordneten im Unterhaus scheint seitdem fragil, Starmers eigene Autorit\u00e4t und die seiner Finanzministerin sind massiv ersch\u00fcttert, w\u00e4hrend <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/grossbritannien-haushaltslage-100.html\" title=\"Labour-Regierung meldet geerbtes Milliardenloch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das gigantische Loch in der Staatskasse<\/a> weiter w\u00e4chst.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Abstimmungsdebakel im Unterhaus ist der bislang spektakul\u00e4rste Crash in Starmers erstem Regierungsjahr, in dem seine Regierung mehr Fehler gemacht hat, als jede andere Regierung seit 1945 vor ihr &#8211; Liz Truss einmal ausgenommen. Die aktuellen Umfragewerte spiegeln das: Starmers Regierung rangiert im Schnitt bei 23 Prozent, auch das ist ein historisches Tief.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie gro\u00dfe Frage, die sich vor allem diejenigen stellen, die Starmer einigerma\u00dfen geschickt auf der internationalen B\u00fchne haben agieren sehen, ist: Wie kann man in nur einem Jahr eine solche \u00fcberragende Mehrheit im Parlament derart ruinieren? Was ist schiefgelaufen in der Downing Street?\u00a0<\/p>\n<p>    Auf Regierungsarbeit nicht vorbereitet<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie kurze Antwort ist: Vieles. Das zugrundliegende Kernproblem, auf dem das konfus wirkende Hin und Her der jetzigen Regierung beruht, ist dabei der einfache Umstand, dass Starmers Team zwar einen durchaus effektiven Wahlkampf gef\u00fchrt hat, er aber auf die Regierungsarbeit selbst so gut wie gar nicht vorbereitet war.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas ist nicht unbedingt etwas Neues in der britischen Politik, wo durch den sogenannten &#8222;Short-termism&#8220; &#8211; also die Tendenz, sich vor allem auf kurzfristige Ziele zu konzentrieren &#8211; schon so manches Regierungsprojekt zum Scheitern verurteilt war. In diesem Ausma\u00df aber hat es das gleich zu Beginn einer mit so viel Hoffnung auf einen Politikwandel gestarteten neuen Regierung noch nicht gegeben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs begann mit internen Fehden um Starmers Stabschefin Sue Gray, die zentrale Figur in der Downing Street, die schon nach wenigen Monaten das Handtuch warf. Auf die erfahrene Beamtin folgte Morgan McSweeney, Starmers engster Vertrauter und Wahlkampfstratege.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit diesem zentralen Personalwechsel allerdings \u00e4nderte sich auch der Ton. Starmers urspr\u00fcngliches Versprechen, &#8222;zu liefern&#8220;, den notwendigen politischen Wandel nach den chaotischen Tory-Jahren mittels konsequenter Arbeit am Detail zu erreichen, wurde mit McSweeney nun pl\u00f6tzlich von einer neuen wahlkampf-\u00e4hnlichen Strategie abgel\u00f6st.<\/p>\n<p>    Hektische Reaktionen auf Attacken von rechts<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit einem Mal hielt der britische Premier Reden, die seine Nervosit\u00e4t angesichts fallender Umfragewerte spiegelten und immer h\u00e4ufiger die Narrative der Rechtspopulisten um Nigel Farage aufnahmen. Es ist eine Strategie, mit der die Tories schon in den Jahren zuvor gescheitert waren. Doch Starmer und seinen Stabschef schien das nicht davon abzuhalten, denselben Fehler noch einmal zu machen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAnstatt in Ruhe an einem politischen Wandel zu arbeiten, folgten hektische Reaktionen auf die jeweils letzten feindseligen Schlagzeilen der weitestgehend rechten Boulevardpresse, die die Starmer-Regierung von Anfang an zu demontieren versucht hatte.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt dieser Entwicklung war eine Rede im Mai dieses Jahres, als Starmer von unabsehbaren Sch\u00e4den sprach, die die Immigration dem Land zugef\u00fcgt habe. Er erkl\u00e4rte, man laufe Gefahr zu einer &#8222;Insel der Fremden&#8220; zu werden. Es ist ein Begriff, der nicht nur linke Labour-Abgeordnete an Enoch Powell erinnerte, der in den 1960er-Jahren wegen seiner rassistischen \u00c4u\u00dferungen aus der konservativen Regierung flog. \u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNachdem diese Rede f\u00fcr massiven \u00c4rger nicht nur innerhalb seiner eigenen Partei sorgte, entschuldigte sich Starmer in einem Interview vergangene Woche. Er sei abgelenkt gewesen von den au\u00dfenpolitischen Ereignissen und habe die Rede vorher nicht gr\u00fcndlich genug gelesen. So begr\u00fc\u00dfenswert dieser mittlerweile bei Politikern selten gewordene Gestus der Entschuldigung grunds\u00e4tzlich sein mag, in Verbindung mit den massiven politischen Fehlern der vergangenen Monate wirkt Starmer dadurch vor allem schwach, unkonzentriert und orientierungslos.<\/p>\n<p>    Es fehlt die Vision<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs verst\u00e4rkt vor allem das zentrale Problem seines ersten Regierungsjahrs: Das v\u00f6llige Fehlen einer Vision und eines politischen Narrativs. Das zentrale Mantra der ersten Wochen, man wolle das Wirtschaftswachstum wieder ankurbeln, klingt hohl angesichts fehlender klarer Schritte in diese Richtung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine konkrete Wiederann\u00e4herung an die Zollunion der EU, die das seit dem Brexit schwindende britische Bruttosozialprodukt wieder st\u00e4rken k\u00f6nnte, schlie\u00dft Starmer weiterhin aus. Und das, obwohl mehr als 60 Prozent der Briten den Brexit mittlerweile als Fehler sehen. Aus Angst vor der rechten Presse liefert er stattdessen halbherzige Ann\u00e4herungsversuche, f\u00fcr die er in eben jener Presse aber genauso verpr\u00fcgelt wird, als wenn er \u00fcber Nacht handstreichartig der EU wieder beigetreten w\u00e4re.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAll das l\u00e4sst jene Regierungsprojekte, die f\u00fcr das Land langfristig wirklich positiv sein d\u00fcrften, wie etwa das massive Investment in das marode Gesundheitssystem, in der \u00d6ffentlichkeit v\u00f6llig untergehen. Die fehlende F\u00e4higkeit dieses Premiers, authentisch zu erkl\u00e4ren, wof\u00fcr er und seine Regierung stehen, hat daran einen entscheidenden Anteil.<\/p>\n<p>    St\u00e4rkung der Rechtspopulisten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber Starmer ist eben kein Politiker, sondern ein Technokrat, der sich im digitalen Zeitalter in der politischen Landschaft wie auf einem ihm unbekannten Minenfeld bewegt. In einer vom Rechtspopulismus verw\u00fcsteten Umgebung kann ein solch zaghaftes Reparieren der durch jahrelange Misswirtschaft und den Brexit entstandenen Sch\u00e4den beim W\u00e4hler nur den Eindruck versch\u00e4rfen, dass die gro\u00dfen &#8222;Mainstream&#8220;-Parteien am Ende doch alle gleich sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs ist eine Entwicklung, die bereits begonnen hat und die Starmer durch seine nerv\u00f6se Normalisierung der rechtspopulistischen Narrative nur weiter verst\u00e4rkt. In den Umfragen liegt <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/reformuk-parteitag-farage-100.html\" title=\"Parteitag von Reform UK beginnt in Birmingham\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nigel Farage von der rechtspopulistischen Partei Reform UK<\/a> bereits jetzt klar vorne. Es ist nicht mehr auszuschlie\u00dfen, dass er bei den n\u00e4chsten Wahlen als Premier in die Downing Street einzieht, wenn Starmer so weiter macht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer einzige Faktor, den der britische Premier dabei auf seiner Seite hat, ist die Zeit. Die n\u00e4chsten Wahlen finden aller Voraussicht nach erst 2029 statt. Bis dahin muss Keir Starmer sein Regierungsschiff mitsamt seiner meuternden Besatzung noch einmal komplett neu auf Kurs bringen. Und dabei muss er vor allem eins tun: den Briten endlich sagen, wohin die Reise eigentlich gehen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 04.07.2025 11:21 Uhr Vor einem Jahr gewann Keir Starmer die Wahl in Gro\u00dfbritannien. 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