{"id":241747,"date":"2025-07-04T13:13:18","date_gmt":"2025-07-04T13:13:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/241747\/"},"modified":"2025-07-04T13:13:18","modified_gmt":"2025-07-04T13:13:18","slug":"ausstellung-welto-and-the-sacred-bush-der-garten-als-kollektive-widerstandspraxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/241747\/","title":{"rendered":"Ausstellung \u201eWelto and the Sacred Bush\u201c: Der Garten als kollektive Widerstandspraxis"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Aufmerksamkeit wird gro\u00df geschrieben im Haus der Spore Initiative in Berlin-Neuk\u00f6lln. Das manifestiert sich schon in den gro\u00dfen, von hohen Fenstern eingefassten R\u00e4umlichkeiten des vor zwei Jahren erst fertiggestellten Hauses. Man schaut von innen auf den turbulenten Verkehr der Hermannstra\u00dfe, f\u00fchlt sich zugleich umhegt von der nach Nachhaltigkeitskriterien errichteten Geb\u00e4udeh\u00fclle \u2013 viel Holz sowie Steine aus Abbruchh\u00e4usern \u2013 und konzen\u00adtriert sich auf das, was nach innen geholt wurde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Im Falle von der neuen Gruppenausstellung \u201eWelto and the Sacred Bush\u201c handelt es sich vor allem um Objekte und Organismen aus der karibischen Inselwelt. Annalee Davis, K\u00fcnstlerin aus Barbados, hat etwa eine F\u00fclle von Bl\u00e4ttern aus Martinique nach Berlin gebracht und sie wie eine geometrische Explosion an der Wand angeordnet. \u201eEs ist eine Art Mandala. Wenn du Stress hast, kannst du einfach hierher kommen, dich hinsetzen und auf die Bl\u00e4tter schauen. Es wird dich beruhigen. Denn jedes einzelne Blatt ist so individuell, hat seine ganz eigene Form. Und ja, du kannst das als eine Explosion ansehen, vielleicht aber auch als eine Darstellung von Frieden oder als Zeichen f\u00fcr die Durchdringung von allem in der Welt, die uns umgibt\u201c, meint Davis. Die meisten Bl\u00e4tter hat sie im Garten der Initiative Permactivie im Norden von Martinique gesammelt. In Vorbereitung der Berliner Ausstellung hielt sie sich im Rahmen einer Residenz dort auf.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Thema ist der karibische Garten. Der gehe \u00fcber das Anlegen von Beeten und \u00e4sthetisch reizvollen Pflanzeninseln weit hinaus, betont Davis gegen\u00fcber der taz: \u201eEs ist eine Praxis, die sich aus der Geschichte der Sklaverei und des Widerstands gegen die Sklaverei speist.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Urspr\u00fcnglich handelte es sich um kleine Fl\u00e4chen, die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Sklaverei\/!t5019382\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">versklavte Menschen<\/a> nutzten, um Obst und Gem\u00fcse f\u00fcr den eigenen Gebrauch anzubauen, aber auch Heilkr\u00e4uter und Pflanzen, denen spirituelle Wirkkr\u00e4fte zugeschrieben wurden. \u201eIn ihrer Vielfalt stellten sie auch eine Alternative zu den Monokulturen der Plantagen dar, die sich auf cash crops wie Zuckerrohr oder Bananen beschr\u00e4nkten\u201c, sagt Davis. Weil sich Menschen in den G\u00e4rten gemeinsam um die Pflanzen k\u00fcmmerten, sich aber auch \u00fcber ihre Alltagsprobleme austauschten, wurden sie zunehmend zu Orten, an denen der Wille zu kollektivem Widerstand wuchs.<\/p>\n<p>      Die Verbindung mit der Erde<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Diese Praxis greift die Initiative Permactivie ganz bewusst auf. \u201eEs ist eine Mischung aus Permakultur und Aktivismus. Wir bekommen organische Abf\u00e4lle aus den umliegenden Ortschaften und machen Kompost daraus. Den benutzen wir in unserem Garten\u201c, sagt Marcel Jean-Baptiste, K\u00fcnstler und Koordinator von Permactivie. Auf die Frage, welche Pflanzen dort angebaut werden, muss er schmunzeln. \u201eWir werden oft gefragt, was wir dort anbauen. F\u00fcr mich geht es aber mehr um die Verbindung mit der Erde, was dort w\u00e4chst, welche Arten von Verbindung hergestellt werden\u201c, sagt er der taz.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Auf die gemeinschaftlichen Praktiken zwischen Menschen, Pflanzen und Boden gehen zwei Videoinstallationen der franz\u00f6sischen Filmemacherin Florence Lazar ein. In \u201e125 Hectares\u201c dokumentiert sie eine Initiative von Klein\u00adb\u00e4ue\u00adr*in\u00adnen in Martinique, die seit 1983 125 Hektar Land besetzt haben und dort mit diversifizierter Fruchtfolge eine Alternative zu den \u00fcblichen Monokulturen schaffen. Sie sind allerdings auch von steigenden Bodenpreisen sowie der Vergiftung des Bodens durch <a href=\"https:\/\/taz.de\/Arbeiter-auf-den-franzoesischen-Antillen\/!5824883\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmittel Chlordecon<\/a> bedroht. Die dramatischen Folgen der Vergiftung durch Chlordecon arbeitet Lazar in \u201eTu Crois Que La Terre Est Chose Morte\u201c in Gespr\u00e4chen mit Kr\u00e4uterkundigen und Buschmedizinexperten auf.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Bis heute sp\u00fcrbare Folgen der Kolonisierung der Karibik werden im Kontext der Ausstellung auch auf andere Weise deutlich. Die in Barbados ans\u00e4ssige Davis etwa kam erst durch das Berliner Projekt in Kontakt mit Permactivie. Und weil die Verkehrsanbindungen zwischen den Inseln extrem schlecht sind, brauchte sie f\u00fcr den Weg von Barbados nach Martinique l\u00e4nger als mancher Direktflug von den Inseln nach Europa dauert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aufmerksamkeit wird gro\u00df geschrieben im Haus der Spore Initiative in Berlin-Neuk\u00f6lln. Das manifestiert sich schon in den gro\u00dfen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":241748,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-241747","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114795145072249860","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/241747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=241747"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/241747\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/241748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=241747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=241747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=241747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}