{"id":242052,"date":"2025-07-04T15:54:12","date_gmt":"2025-07-04T15:54:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242052\/"},"modified":"2025-07-04T15:54:12","modified_gmt":"2025-07-04T15:54:12","slug":"gehirn-eines-hamsters-museumsfuehrer-beschimpft-besucher-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242052\/","title":{"rendered":"\u201eGehirn eines Hamsters\u201c &#8211; Museumsf\u00fchrer beschimpft Besucher"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eMein Name ist Langelinck &#8211; und ich warte auf niemanden\u201c, sagt der Kunstf\u00fchrer mit dem Dreitagebart, zu gro\u00dfer Brille und den ausgelatschten Wildlederschuhen. \u201eUnd wenn ich einen oder eine von euch dabei erwische, wie Sie mit dem Endger\u00e4t vor meinem Gesicht herumfuchteln &#8211; hier ist die T\u00fcr!\u201c <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ohne sich umzudrehen, l\u00e4uft Joseph Langelinck los und bleibt vor einem Altar aus dem 17. Jahrhundert stehen. Eine Besuchergruppe folgt dem griesgr\u00e4migen Kunstvermittler durch die S\u00e4le des D\u00fcsseldorfer Kunstpalasts und h\u00e4lt sich lieber auf Abstand. Denn jeder und jede kann in der folgenden Stunde zur Zielscheibe des Spotts und der Beleidigungen Langelincks werden. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der \u201eGrumpy Guide\u201c Joseph Langelinck, der in Wirklichkeit Carl Brandi hei\u00dft, ist ein Riesenerfolg im Museum Kunstpalast in D\u00fcsseldorf. Die F\u00fchrungen des 33-j\u00e4hrigen Performance-K\u00fcnstlers sind auf Wochen ausgebucht, Sondertouren werden angesetzt &#8211; nur damit sich die Besucher mal so richtig beschimpfen und dem\u00fctigen lassen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Gnadenlose Wissensabfrage      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zum Gl\u00fcck erkennt ein Teilnehmer den Erzengel Michael auf einem Bild auf der R\u00fcckseite des Altars. \u201eEs hat ja nur eine Aufforderung gebraucht\u201c, mokiert sich der missgelaunte Guide. \u201eWenn das f\u00fcr Sie so einfach war, dann sagen Sie mir doch auch, wof\u00fcr in der Mode des 16. Jahrhunderts ein solcher Schein\u00e4rmel stand.\u201c <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schein\u00e4rmel? Bei diesem kunsthistorischen Detail muss die Gruppe passen. \u201eDa h\u00f6rt es dann also schon wieder auf\u201c, h\u00f6hnt Langelinck. Und sch\u00fcttelt den Kopf \u00fcber die Ahnungslosigkeit seiner Zuh\u00f6rer, die nicht wissen, dass ein Schein\u00e4rmel ein Zeichen des \u00dcberflusses und des Adels war. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Einen letzten Versuch unternimmt Langelinck und zeigt auf eine Frau mit einer Schlange an der Brust. \u201eSind Sie wirklich so uninformiert?\u201c, fragt er in die Runde, um dann triumphierend auszurufen: \u201eKleopatra\u201c. Die letzte \u00e4gyptische Pharaonin soll sich mit dem Biss einer Schlange das Leben genommen haben. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Schnelldurchlauf eilt der Guide durch die Jahrhunderte, l\u00e4sst Highlights wie Rubens links liegen und verliert sich in der Linienf\u00fchrung eines Bildes \u00fcber die gro\u00dfe Pest. Trotz allem Geschimpfe vermittelt er dabei fundiertes kunsthistorisches Wissen, um sich gleichzeitig \u00fcber die Unf\u00e4higkeit und Eigenm\u00e4chtigkeit der Kuratoren bei der H\u00e4ngung der Werke auszulassen. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Gruppe hastet kichernd hinter ihm her. In der Abteilung Moderne echauffiert sich Langelinck \u00fcber die zahlreichen St\u00fchle, die dort ausgestellt werden, l\u00e4utet dr\u00f6hnend eine Glocke, um die Gruppe aufzuwecken und h\u00f6hnt: \u201eHaben Sie das Gehirn eines Hamsters?\u201c. <\/p>\n<p>\u201eBehelligen Sie mich nie wieder\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Kunstpalast zeigt neben hoher Kunst aus seiner Sammlung auch Alltags- und Designobjekte. Vorbei an einem Gem\u00e4lde von Max Beckmann stoppt er vor einem VW-K\u00e4fer: \u201eTypische deutsche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung\u201c. Langelincks Fazit, als er auf Birkenstock-Schlappen neben einem Immendorff weist: \u201eWenn man Kunst neben Tr\u00f6del h\u00e4ngt, wird der Tr\u00f6del nicht zu Kunst, sondern Kunst zu Tr\u00f6del.\u201c Am Ende gibt der n\u00f6rgelnde Langelinck seiner Gruppe noch einen mit. \u201eBehelligen Sie mich bitte nie wieder. Wir sind hier fertig.\u201c Alle applaudieren. <\/p>\n<p>Kunst darf auch Spa\u00df machen      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Idee des schlecht gelaunten \u201eGrumpy Guide\u201c kommt nach Angaben von Kunstpalast-Direktor Felix Kr\u00e4mer aus der australischen Gastroszene, wo Restaurants mit unfreundlichen Kellnern erfolgreich seien. Dass das erstmals ins Museum \u00fcbertragene Schlechte-Laune-Konzept so gut ankomme, liege wohl an der Kunstbranche selbst. Diese neige ja dazu, alles immer sehr ernst zu nehmen. In den \u201ehochheiligen Hallen eines Museums\u201c trauten sich die Menschen in der Regel nur zu fl\u00fcstern. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dabei d\u00fcrfe Kunst auch Spa\u00df machen und Museen k\u00f6nnten mehr Leichtigkeit gebrauchen. \u201eMan kann sich auch dar\u00fcber lustig machen, und deswegen f\u00e4llt kein Bild von der Wand\u201c, so Kr\u00e4mer. \u201eIch finde es super, wenn der Grumpy Guide sich \u00fcber unsere H\u00e4ngung lustig macht, quasi \u00fcber meine Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>Dahinter steckt ein Performance-K\u00fcnstler      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Kunstpalast hat Carl Brandi bei einem E-Sport-Event entdeckt. Der Performance-K\u00fcnstler, der an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie studiert hat, entwickelte die Figur des \u201eGrumpy Guide\u201c selbst. \u201eLangelinck ist ein frustrierter Kunsthistoriker, der davon \u00fcberzeugt ist, selbst von den Gr\u00fcndern der alten D\u00fcsseldorfer Gem\u00e4ldegalerie abzustammen und nach seiner R\u00fcckkehr hier in die Stadt vorgefunden hat, dass aus seinem pers\u00f6nlichen Empfinden dieses ganze Haus vollst\u00e4ndig vor die Hunde gegangen ist\u201c, sagt Brandi. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eSo eine Karikatur einer autorit\u00e4ren Person kann einem, glaube ich, viel von der Sch\u00e4rfe der autorit\u00e4ren Personen nehmen, mit denen man im Alltag zwangsm\u00e4\u00dfig zu tun hat.\u201c <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Warum aber tun sich Kunstinteressierte an, dass sie beschimpft und erniedrigt werden? Die D\u00fcsseldorferinnen Karina Artz und Britta Daniels finden es gut, dass Langelinck auch \u201edie Leute hochnimmt, die Kunst immer auf so ein Podest stellen\u201c. Etwas mulmig ist einigen Besuchern aber doch.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eEs war schon grenzwertig\u201c, sagt Sandra Kahmann. Sie wurde vom \u201eGrumpy Guide\u201c gleich zu Beginn auserw\u00e4hlt, ihm exakt alle zehn Minuten die Zeit anzusagen. \u201eIch wusste nicht, ob ich auch direkt w\u00fctend werden oder innerlich eigentlich auch lachen sollte\u201c, so Kahmann. Dazu immer dieser eindringliche Blick Langelincks. \u201eMan kam aus der Situation gar nicht mehr raus.\u201c<\/p>\n<p class=\"!text-transparent richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:250704-930-755569\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eMein Name ist Langelinck &#8211; und ich warte auf niemanden\u201c, sagt der Kunstf\u00fchrer mit dem Dreitagebart, zu gro\u00dfer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":242053,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-242052","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114795778151263671","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/242052","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=242052"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/242052\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/242053"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=242052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=242052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=242052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}