{"id":242091,"date":"2025-07-04T16:15:10","date_gmt":"2025-07-04T16:15:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242091\/"},"modified":"2025-07-04T16:15:10","modified_gmt":"2025-07-04T16:15:10","slug":"ein-stueck-von-einwanderern-ueber-einwanderung-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242091\/","title":{"rendered":"Ein St\u00fcck von Einwanderern \u00fcber Einwanderung f\u00fcr alle"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Eine Zahn\u00e4rztin aus Tunesien, ein F\u00f6rster aus der <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/schlagworte\/aa-ukraine-konflikt\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Ukraine<\/a>, ein Arzt aus Syrien, einer aus dem Sudan, eine armenische \u00c4rztin aus Russland spielen Theater. Schauspieler sind sie alle nicht. Was sie eint: Sie sind erst kurz in Deutschland. Krieg, Studium oder Arbeit haben sie nach <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a> gef\u00fchrt. Jetzt sollen und wollen sie Theater spielen, geht das? \u201eM\u00fccken m\u00fcssen Fl\u00fcsse k\u00fcssen\u201c, hei\u00dft ihr St\u00fcck, eine dramatische Inszenierung \u00fcber einen Stoff, der das Ankommen und die Macht der Sprache behandelt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das Wichtigste in seiner Deutschlerngruppe sei, dass die Leute wieder zu einer Sprache finden, erkl\u00e4rt Regisseur Dominik von Gunten. Er ist der Deutsch-Lotse des ungew\u00f6hnlichen Ensembles, das sich regelm\u00e4\u00dfg im Caf\u00e9 T\u00fcr an T\u00fcr trifft. \u201eDeutsch muss ein Teil von ihnen werden, in dieser offenen Caf\u00e9-Atmosph\u00e4re sollen sie beginnen, sich zu trauen und zu sprechen.\u201c Ein Gef\u00fchl f\u00fcr Selbstwirksamkeit, das ist es, was er den Einwanderern zur\u00fcckgeben will, damit sie schnell aus dem Strudel von mangelnder Sichtbarkeit, Beh\u00f6rdenmacht und Entwertung herausfinden. Von Gunten engagiert sich seit Langem als ehrenamtlicher Lehrer im Deutsch-Caf\u00e9. Aber der 72-J\u00e4hrige ist von Berufs wegen auch Theatermann. Er kennt die emotionale Wirkmacht, wenn gesellschaftliche Themen auf gro\u00dfer B\u00fchne vor Publikum verhandelt werden. In seiner Gruppe materialisierte sich eine Idee, ein Ziel, das all die Lippengymnastik f\u00fcr \u201e\u00fc\u201c, den Frust mit irrationalen Artikeln und unregelm\u00e4\u00dfigen Deklinationen belohnte: \u201eM\u00fccken m\u00fcssen Fl\u00fcsse k\u00fcssen\u201c, ein Theaterst\u00fcck.\n  <\/p>\n<p>            Alle Darsteller erlebten schon das Gef\u00fchl von Ohnmacht und Abh\u00e4ngigkeit<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Manche Teilnehmer seines offenen Projekts sind erst seit wenigen Monaten in Deutschland, bei den Proben m\u00fcsse in diesem Babylon der Sprachen dauernd etwas \u00fcbersetzt werden. Bei aller Unterschiedlichkeit jedoch ist ihnen ein Erfahrungsschatz gemeinsam: Im Kontakt mit Verwaltungen erlebten sie alle Zust\u00e4nde von Ohnmacht und Abh\u00e4ngigkeit. Die Intensit\u00e4t dieser Erfahrungen ist abh\u00e4ngig von der Sprachf\u00e4higkeit, denn Verwaltungen k\u00f6nnen wenig nachsichtig sein.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eJa, es macht klein, es ist dem\u00fctigend, nicht als ganze Person wahrgenommen zu werden, sondern als sprachliches Defizit.\u201c Dabei ist Asmik Gevorgian wie auch die anderen meist akademisch gebildeten Darsteller des Projekts im Prinzip sprachm\u00e4chtig. Die 40-J\u00e4hrige wuchs mit Russisch und Armenisch auf, spricht auch Ukrainisch und Franz\u00f6sisch. Bis November 2022 leitete sie als Ober\u00e4rztin eine onkologische Klinik in St. Petersburg. Mit dem Angriff auf die Ukraine sollte sie als Medizinerin in die russische Armee eingezogen werden. \u201eDa bin ich geflohen\u201c, sagt sie. Ihr Aufenthaltsstatus ist nach wie vor in der Schwebe, es seien zu viele Beh\u00f6rden zust\u00e4ndig \u2013 Ausl\u00e4nderamt, Asylbeh\u00f6rde, Berufsanerkennungsbeh\u00f6rde, Fachkr\u00e4fteeinwanderungsstellen. Aber sie hat schon die C1-Pr\u00fcfung, das h\u00f6chste Sprachniveau, geschafft. Das gibt Hoffnung. Im St\u00fcck spielt sie eine Frau mit unklaren, aber fl\u00e4chendeckenden Schmerzen auf einer Telefon-Odyssee durch Arztpraxen, von denen keine ihr einen Termin gibt.\n  <\/p>\n<p>            Ein Arzt hatte einen Einsamkeitsschock in Deutschland<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ali Deeb ist ebenfalls Arzt. Der 26-J\u00e4hrige stammt aus Latakia in West-Syrien. Neben dem Studium hatte er bei dortigen Medizin-Professoren, die ihrerseits in fr\u00fcheren Zeiten in der BRD oder DDR promoviert hatten, Deutschunterricht genommen. Seit einem Jahr ist er hier als Assistenzarzt in einem Krankenhaus. Eine Pr\u00fcfung steht noch an, dann will er seinen Facharzt in Kardiologie machen. \u201eIch hatte mich wahnsinnig gefreut auf Deutschland, aber erst hatte ich einen Einsamkeits- und Kulturschock.\u201c Inzwischen ist er angekommen, f\u00fchlt sich wie sein altes Ich in Syrien, wie Ali.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Klischeehaft zu arbeiten, ist nicht von Guntens Stil. Seine Darstellerinnen und Darsteller haben doppelte Rollen: Sie spielen auch den Counterpart, den, der die Macht der Mehrheitsgesellschaft im R\u00fccken hat. Um dies dramaturgisch umzusetzen, setzt er Videosequenzen ein. Ali Deeb als Herr K\u00e4fer von der Steiger GmbH, Asmik Gevorgian als Anrufbeantworter und Praxispersonal, das sie abwimmelt. Aude Lise (19) spielt den afghanischen Jungen, aber auch seine Asyl-Entscheider, die glauben, dass er L\u00fcgen \u00fcber sein Alter erz\u00e4hlt. Houda, die Zahn\u00e4rztin aus Tunesien, spielt die Welt diesseits und jenseits der Trennscheiben im Ausl\u00e4nderamt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eDiese existenziellen Themen, mit denen sich ein wichtiger Teil unserer Bev\u00f6lkerung auseinandersetzt sind Neuland f\u00fcr mich\u201c, gibt von Gunten zu. Er schrieb das St\u00fcck nach wahren Begebenheiten und will, dass auch die Kunst versteht, dass Einwanderer zur Gesellschaft geh\u00f6ren. \u201eDas ver\u00e4ndert nicht nur ihre, sondern auch unsere Kultur.\u201c Klassische Theaterst\u00fccke h\u00e4tten ihre Berechtigung, doch sie spiegeln b\u00fcrgerliche Themen, besch\u00e4ftigen sich mit sich und ihrer Schicht. \u201eDas m\u00fcssen wir \u00e4ndern, wir m\u00fcssen diese neue Welt zeigen.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Urauff\u00fchrung am Sonntag, 19 Uhr, Caf\u00e9 T\u00fcr an T\u00fcr, Wertachstra\u00dfe 29. Eintritt frei\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Stefanie Schoene<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Deutschland<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Tunesien<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Zahn\u00e4rztin aus Tunesien, ein F\u00f6rster aus der Ukraine, ein Arzt aus Syrien, einer aus dem Sudan, eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":242092,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-242091","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114795860772716623","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/242091","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=242091"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/242091\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/242092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=242091"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=242091"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=242091"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}