{"id":242268,"date":"2025-07-04T17:49:10","date_gmt":"2025-07-04T17:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242268\/"},"modified":"2025-07-04T17:49:10","modified_gmt":"2025-07-04T17:49:10","slug":"kommt-merz-bei-trump-richtig-unter-die-raeder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242268\/","title":{"rendered":"Kommt Merz bei Trump richtig unter die R\u00e4der?"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Donald Trump pfl\u00fcgt die Weltwirtschaft um. Der amerikanische Pr\u00e4sident verfolgt ein klares Ziel: Die Wirtschaft der USA muss im scharfen globalen Wettbewerb bestehen. Dazu werden konsequent internationale Organisationen ausgeschaltet, die die Machtoptionen der US-Regierung beschr\u00e4nken. Dieses Ziel verfolgt die Politik aller US-Administrationen seit Barack Obama, der die Welthandelsorganisation (WTO) zerlegte. Die Regierungen Trump 1 und Joe Biden setzten den Kurs fort, unter anderem mit der Zerst\u00f6rung der Schiedsgerichtsbarkeit und dem Aus von wichtigen geplanten Freihandelsabkommen wie jenem mit Europa (TTIP) oder dem mit dem Asien-Pazifikraum (TPP).<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die H\u00e4rte, mit der Trump vorgeht, liegt in einer unsentimentalen Analyse der Wirklichkeit begr\u00fcndet. \u201eDie Amerikaner stellen sich auf eine Welt ein, die st\u00e4rker multilaterale Pr\u00e4gung haben wird\u201c, sagte Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Netfonds AG, der Berliner Zeitung. Im Zentrum der amerikanischen Strategie steht die Annahme, dass die USA den gr\u00f6\u00dften Markt der Welt stellen. An diesem komme keiner vorbei, trommeln es Trumps Handelsstrategen und Marketing-Botschafter unerm\u00fcdlich. Die Amerikaner wollen mit ihrem Marktplatz Geld verdienen, sagt Hellmeyer: \u201eDie Preise f\u00fcr den Eintritt sind Z\u00f6lle.\u201c Ab Freitag wollte er die ersten \u201eEintrittskarten\u201c verschickten, so Trump vor seinem Abflug nach Iowa am Donnerstag.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Merz macht Kotau, von der Leyen hilflos<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Trump will einfache Preisschilder. Er denkt wie ein Unternehmer, dessen erstes Interesse immer die Reduktion von Komplexit\u00e4t ist. In der EU l\u00e4uft das dagegen genau andersrum: In wenigem ist die Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde so kompetent wie in der Formulierung von arabesken Unverst\u00e4ndlichkeiten, dem virtuosen Einsatz von versteckten Benachteiligungen f\u00fcr Unliebsame oder der unsichtbaren Beg\u00fcnstigung von G\u00fcnstlingen. Das wei\u00df man in Washington und \u00a0hat daher den Panik-Vorschlag von EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen von einer Null-Zoll-Runde einfach ignoriert. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte seine Landsfrau um z\u00fcgiges Handeln gebeten und laut Financial Times eine Geste der Unterwerfung angeregt: \u201eEs geht hier um eine schnelle L\u00f6sung des Zollstreits, insbesondere f\u00fcr die Schl\u00fcsselindustrien unseres Landes \u2013 die Chemieindustrie, die Pharmaindustrie, den Maschinenbau, die Aluminium-, Stahl- und die Automobilindustrie. Wir brauchen jetzt ein schnelles Ergebnis. Besser schnell und einfach als langwierig und kompliziert, mit Verhandlungen, die sich \u00fcber Monate hinziehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Deutschland sind allerdings die H\u00e4nde gebunden: Frankreich hat bereits wissen lassen, dass 10 Prozent eine Katastrophe w\u00e4ren und will lieber einen offenen Handelskrieg gegen Trump f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Amerikaner meinen es jedenfalls ernst: Am Mittwoch gab Donald Trump bekannt, dass die Vereinigten Staaten Z\u00f6lle auf vietnamesische Exporte erheben werden. Dabei handelt es sich um einen Satz von 20 Prozent auf direkt importierte Waren aus Vietnam. Des Weiteren sollen 40 Prozent-Z\u00f6lle auf Produkte erhoben werden, die als \u00fcber Vietnam transportiert betrachtet werden. Diese Ma\u00dfnahme nimmt Bezug auf die Praxis, Bauteile aus China und m\u00f6glicherweise anderen L\u00e4ndern \u00fcber Drittstaaten in die USA zu leiten. Demnach k\u00f6nnte das US-Handelsministerium auch f\u00fcr chinesische Komponenten extra Z\u00f6lle erheben \u2013 und damit den Rivalen China auf indirekte Weise empfindlich sch\u00e4digen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Trump ist m\u00e4chtig wie noch nie<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Trump hat gerade einen wichtigen Sieg eingefahren und befindet sich nur wenige Monate nach Amtsantritt bereits auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht: Er zwang die Republikaner \u2013 teils mit blanker Erpressung \u2013, seinem neuen Konjunkturprogramm zuzustimmen. Mit der \u201eBig and Beautiful Bill\u201c werden die Staatsausgaben astronomisch erh\u00f6ht, die Staatsverschuldung kurzfristig massiv hochgefahren: \u201eTrump wendet exakt das Konzept von Ronald Reagan an\u201c, sagt Hellmeyer: \u201eDie Steuern sollen runter, das Defizit in die H\u00f6he.\u201c Alles ist diesem Ziel untergeordnet. Die Schulden seien kein Problem, so Hellmeyer, weil sie in Investitionen flie\u00dfen: \u201eDas mag ein paar Jahre dauern, ist aber der richtige Weg.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der geschw\u00e4chte Dollar erleichtert die Exporte. \u00d6l, Gas und Kohle wurden zu besseren Energietr\u00e4gern erkl\u00e4rt. Subventionen f\u00fcr die Erneuerbaren werden zur\u00fcckgefahren. F\u00fcr die ganze \u201eFeuerkraft\u201c fehlt jetzt nur noch billiges Geld. Trump, als oft am Bankrott entlangschrammender Immobilien-Mogul, hasst die Banken. Daher attackiert er bei jeder Gelegenheit und auf die unfl\u00e4tigste Art den Pr\u00e4sidenten der Notenbank Federal Reserve (Fed). Jerome Powell will die Zinsen nicht senken \u2013 nicht zuletzt, weil die Fed den Banken geh\u00f6rt und die nat\u00fcrlich bei jeder Schuldenorgie zu Tische liegen wollen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Jetzt kommt wirklich eine Zeitenwende<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">F\u00fcr Deutschland bedeutet die Entwicklung eine echte Zeitenwende: \u201eDie USA haben sich ihre F\u00fchrungsrolle eingekauft, indem sie zugelassen haben, dass Verb\u00fcndete wie die Europ\u00e4er h\u00f6here Z\u00f6lle erheben d\u00fcrfen als die Amerikaner. Diese Zeiten sind endg\u00fcltig vorbei.\u201c Hellmeyer erwartet, dass die Z\u00f6lle f\u00fcr die EU zwischen 10 und 20 Prozent liegen werden (endg\u00fcltige Zahlen waren zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht bekannt). Das w\u00e4re zwar unangenehm, aber nicht dramatisch \u2013 vorausgesetzt, auch die Deutschen erkennen, dass sie sich nicht auf den Erfolgen der vergangenen Jahrzehnte ausruhen k\u00f6nne.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Zahlen sind unbestechlich: Deutschland rangiert beim Wirtschaftswachstum laut IWF-Zahlen vom April 2025 weit abgeschlagen als Schlusslicht der gro\u00dfen Nationen, vorne sind Indien, China, die USA und Russland; aber selbst das schlecht gef\u00fchrte Gro\u00dfbritannien und die Beharrungsweltmeister aus Frankreich liegen noch vor Deutschland, dem der IWF bestenfalls ein \u201eNullwachstum\u201c zutraut, im Klartext also: Deutschland verliert.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Wortbr\u00fcche schaden dem Ansehen von Friedrich Merz<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Von Bundeskanzler Friedrich Merz erwarten Experten wie Hellmeyer wenig. Zum einen hat er wegen seiner \u201eWortbr\u00fcche zu Schuldenbremse und Stromsteuer\u201c deutlich an Vertrauen verloren. Im Unterschied zum US-Ansatz weist seine Politik auch zwei schwere Fehler auf: Energie ist viel zu teuer und R\u00fcstungsausgaben sind keine nachhaltigen \u201eInvestitionen\u201c, sondern \u201eKonsumausgaben\u201c. Daf\u00fcr sollte man sich nicht verschulden, sondern f\u00fcr Technologien, die die Produktivit\u00e4t erh\u00f6hen. Trumps Z\u00f6lle k\u00f6nnten die deutschen und europ\u00e4ischen Hersteller dazu zwingen, den Fokus auf technologiegetriebene Innovationen zu legen, um die durch die Z\u00f6lle verursachten Kosten anderswo zu neutralisieren. Doch in Sachen Technologie wirkt die neue Bundesregierung \u2013 wie auch die EU \u2013 eher anachronistisch: Digitalisierung wird dort unterst\u00fctzt, wo sie zur \u00dcberwachung eingesetzt werden kann. Laut dem Australian Strategic Policy Institute sind China und die USA im Hinblick auf relevante Zukunftstechnologien allen anderen L\u00e4ndern haushoch \u00fcberlegen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Folker Hellmeyers Fazit klingt daher auch nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig begeistert, wenn es um ein Urteil \u00fcber die Merz-Regierung geht: \u201eIch sehe keine Bereitschaft, sich intellektuell mit den Herausforderungen wirklich auseinanderzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Donald Trump pfl\u00fcgt die Weltwirtschaft um. Der amerikanische Pr\u00e4sident verfolgt ein klares Ziel: Die Wirtschaft der USA muss&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":242269,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-242268","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114796230523527798","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/242268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=242268"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/242268\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/242269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=242268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=242268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=242268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}