{"id":242495,"date":"2025-07-04T19:56:10","date_gmt":"2025-07-04T19:56:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242495\/"},"modified":"2025-07-04T19:56:10","modified_gmt":"2025-07-04T19:56:10","slug":"die-buechergilde-schliesst-fuer-immer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/242495\/","title":{"rendered":"Die B\u00fcchergilde schlie\u00dft f\u00fcr immer"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" allgemeine=\"\" data-k5a-pos=\"1_giessenerAllgemeine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gie\u00dfener Allgemeine<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/giessen\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_giessen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gie\u00dfen<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 04.07.2025, 21:25 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/autor\/christoph-hoffmann-tnfhtf2pi.html\" title=\"Zur Autorenseite von Christoph Hoffmann\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" hoffmann=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christoph Hoffmann<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/38846836-oli-buechergildeneu-05072-4c-Gfe.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"oli_buechergildeneu_05072_4c\"\/>Dagmar Tenten vor ihrer geliebten B\u00fcchergilde. Ende Januar muss sie den Laden schlie\u00dfen. \u00a9\u00a0Oliver Schepp<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Zum neuen Jahr wird ein weiteres alteingesessenes Gesch\u00e4ft aus der Innenstadt verschwinden. Das Geb\u00e4ude, in dem die B\u00fcchergilde seit Jahrzehnten zu Hause ist, wurde verkauft, und der neue Eigent\u00fcmer hat Dagmar Tenten gek\u00fcndigt. Ihr ganzes Leben hat die 69-J\u00e4hrige in der B\u00fcchergilde verbracht. Nun steht sie mit gebrochenem Herzen vor einer ungewissen Zukunft.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ein leicht vergilbter Mietvertrag liegt auf dem kleinen Tisch in der \u00bbB\u00fcchergilde Gutenberg\u00ab. Unterschrieben wurde er 1974. Daneben befindet sich ein strahlend wei\u00dfes Blatt, es ist ganz aktuell &#8211; und der Grund, warum Dagmar Tenten den Tr\u00e4nen nahe ist. Das Geb\u00e4ude in der Wetzsteinstra\u00dfe, in dem ihre B\u00fcchergilde zu Hause ist, wurde verkauft. Und der neue Eigent\u00fcmer hat der 69-j\u00e4hrigen Inhaberin das Mietverh\u00e4ltnis gek\u00fcndigt. \u00bbZum 31. Januar 2026 muss ich hier raus\u00ab, sagt sie. \u00bbIch wei\u00df nicht, wie es danach mit mir weitergeht. \u00ab<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die B\u00fcchergilde ist eine Gie\u00dfener Institution. Vergangenes Jahr hat Tenten doppeltes Jubil\u00e4um gefeiert: 100 Jahre war es her, dass sich Buchdrucker zusammenschlossen, um der Arbeiterklasse mit einer B\u00fcchergilde nicht nur inhaltlich, sondern auch gestalterisch hochwertige B\u00fccher zu erm\u00f6glichen. Tentens Eltern haben dann vor 70 Jahren in ihrer Wohnung eine Zweigstelle dieser Buchgemeinschaft er\u00f6ffnet, bevor 1974 der Umzug in die Wetzsteinstra\u00dfe folgte. \u00bbSeitdem ich auf der Welt bin, geh\u00f6rt die B\u00fcchergilde also zu meinem Leben\u00ab, sagt Tenten. Dass damit bald Schluss sein soll, ist f\u00fcr die 69-J\u00e4hrige unvorstellbar.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der neue Eigent\u00fcmer des Geb\u00e4udes ist der Besitzer des benachbarten Asia-Restaurants Kim Phat. Gegen\u00fcber dieser Zeitung best\u00e4tigt er die K\u00fcndigung und betont, dass das Ladenlokal k\u00fcnftig von der Familie genutzt werden soll. Ein konkretes Konzept gebe es aber noch nicht.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Selbst wenn der neue Hauseigent\u00fcmer die K\u00fcndigung nicht ausgesprochen h\u00e4tte, w\u00e4re wohl eine erhebliche Mieterh\u00f6hung gefolgt. Und die h\u00e4tte Tenten vermutlich nicht bezahlen k\u00f6nnen. \u00bbWenn es mir ums Geld ginge, h\u00e4tte ich schon vor vielen Jahren schlie\u00dfen m\u00fcssen\u00ab, sagt sie. Mit der B\u00fcchergilde w\u00fcrde sie kein Geld verdienen, im Gegenteil: \u00bbIch habe, obwohl die Miete sehr gering war, seit vielen Jahren draufgezahlt.\u00ab Ein Hobby, und um ein Vielfaches mehr eine Herzensangelegenheit, koste eben manchmal Geld. \u00bbEs war ein \u00fcberschaubarer Betrag gemessen daran, dass ich meine Leidenschaft aus\u00fcben konnte.\u00ab<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die B\u00fcchergilde war schon immer mehr als eine Buchhandlung. Vor allem in den 80er und 90er Jahren war sie zentrale Anlaufstelle f\u00fcr die Friedensbewegung, auch Gewerkschaftskreise haben die R\u00e4ume oft und gerne angesteuert. Bis heute seien die Begegnungen mit den Mitgliedern von gro\u00dfer Herzlichkeit und zwar kurzen, daf\u00fcr aber tiefgr\u00fcndigen Gespr\u00e4chen gepr\u00e4gt, sagt Tenten. \u00bbDie Mitglieder erz\u00e4hlen mir, wie es in ihren Beziehungen l\u00e4uft, wie es den Kindern und Enkelkindern geht.\u00ab Sie habe ein sehr famili\u00e4res, freundschaftliches Verh\u00e4ltnis mit den meisten Mitgliedern, sagt Tenten und betont, dass davon auch immer schon ihre eigene Familie profitiert habe.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u00bbAls mein Vater Anfang der 80er Jahre starb, hat es meine Mutter nicht in der Wohnung ausgehalten, sie war von morgens bis abends im Laden.\u00ab Im Hinterzimmer sei gekocht worden, und wenn ein Kunde Gem\u00fcse vom Markt mit in den Laden gebracht habe, sei es nicht selten f\u00fcr ein gemeinsames Mahl im Topf gelandet. \u00bbAls meine Mutter dann starb, haben mich die Leute aufgefangen, so wie ich sie auch regelm\u00e4\u00dfig auffange\u00ab, sagt Tenten. Das sei auch der Grund, warum ihr die drohende Schlie\u00dfung so sehr zu schaffen mache: \u00bbB\u00fccher kann man auch woanders kaufen und verkaufen. Aber die menschlichen Kontakte sind durch nichts zu ersetzen.\u00ab<\/p>\n<p>Suche nach neuen R\u00e4umlichkeiten<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Tenten lotet daher M\u00f6glichkeiten aus, ihre Gilde an einem anderen Ort wieder zu er\u00f6ffnen. Doch die Chancen stehen schlecht. \u00bbIch habe mir schon einige R\u00e4ume angeschaut. In den meisten F\u00e4llen k\u00f6nnte ich nicht einmal die H\u00e4lfte der Miete zahlen, selbst wenn ich drauflegen w\u00fcrde.\u00ab Gleichzeitig wolle sie das Viertel, in dem sie geboren wurde, aufwuchs und sp\u00e4ter auch als Lehrerin der heutigen Ricarda-Huch-Schule t\u00e4tig war, auf keinen Fall verlassen. \u00bbIch kenne hier alle in der Nachbarschaft. Wir sind eng verbunden.\u00ab Dass die Nachbarn mitunter f\u00fcr sie mitkochen, zeigt, dass die Aussage keine hohle Phrase ist.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Auch wenn es mit neuen R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die B\u00fcchergilde nicht klappen sollte, will die Inhaberin nicht einfach aufgeben. Die vielen kulturellen Veranstaltungen, zum Beispiel Lesungen, die Tenten seit Jahren organisiert, will sie auch weiterhin anbieten. Sie habe auch schon die Aussicht auf gem\u00fctliche R\u00e4ume, die dieses Vorhaben erm\u00f6glichen w\u00fcrden, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Und bis Januar hat die 69-J\u00e4hrige ja auch noch ein wenig Zeit. Es wird also noch die ein oder andere Veranstaltung in der Wetzsteinstra\u00dfe geben &#8211; allerdings ein wenig anders als sonst. \u00bbDas letzte Vierteljahr geh\u00f6rt mir\u00ab, sagt Tenten l\u00e4chelnd und betont, dann ihre beiden eigenen B\u00fccher vorstellen zu wollen. \u00bbEnde November organisiere ich auch wieder eine Weihnachtsveranstaltung, an der ich dieses Mal meine eigenen Weihnachtsgeschichten vorlese.\u00ab<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wie es danach weitergeht, wird sich zeigen. Tenten wei\u00df, dass sie sich \u00fcber den klassischen Immobilienmarkt wohl kein neues Ladenlokal leisten k\u00f6nnen wird. Aber vielleicht findet sich ja jemand, der die Idee der B\u00fcchergilde Gutenberg unterst\u00fctzen m\u00f6chte. Denn auch, wenn Tenten bereits das Rentenalter erreicht hat, will sie sich noch nicht zur Ruhe setzen. \u00bbMeine Mutter stand noch mit 84 hier im Laden. Das hatte ich auch vor.\u00ab<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Bei der Vorstellung, k\u00fcnftig nur noch zu Hause zu sitzen, versagt der Buchh\u00e4ndlerin die Stimme: \u00bbDas w\u00e4re es nicht.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gie\u00dfener Allgemeine Gie\u00dfen Stand: 04.07.2025, 21:25 Uhr Von: Christoph Hoffmann DruckenTeilen Dagmar Tenten vor ihrer geliebten B\u00fcchergilde. 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