{"id":243223,"date":"2025-07-05T02:35:13","date_gmt":"2025-07-05T02:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/243223\/"},"modified":"2025-07-05T02:35:13","modified_gmt":"2025-07-05T02:35:13","slug":"berlin-umfrage-legt-das-scheitern-der-verwaltung-gnadenlos-offen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/243223\/","title":{"rendered":"Berlin: Umfrage legt das Scheitern der Verwaltung gnadenlos offen"},"content":{"rendered":"<p>Berlin ist dreckig. Das wei\u00df jeder Berliner. Die Stadtverwaltung fragt bei ihren B\u00fcrgern sicherheitshalber noch mal nach. Die Bewohner der Hauptstadt m\u00fcssen sich entscheiden, was schlimmer ist: Drogenbesteck? Autowracks? Oder Hundekot? \u00dcber eine Umfrage, die tief blicken l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wer wissen m\u00f6chte, wie zufrieden die Berliner mit der Sauberkeit ihrer Stadt sind, muss eigentlich keine Umfrage starten. Ein einfacher Sparziergang durch den Kiez reicht in der Regel v\u00f6llig aus: Wer den Hundehaufen erfolgreich ausweicht, findet in der Regel sp\u00e4testens an der \u00fcbern\u00e4chsten Ecke entweder eine alte, versiffte Matratze am Stra\u00dfenrand oder mindestens einen \u00fcberquellenden M\u00fclleimer.<\/p>\n<p>Trotzdem will die Senatsverwaltung es von ihren B\u00fcrgern genau wissen und l\u00e4dt sie deshalb <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/befragungen.statistik-berlin-brandenburg.de\/428835\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/befragungen.statistik-berlin-brandenburg.de\/428835&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">zu einer Online-Befragung<\/a> ein. 10 bis 15 Minuten lang soll man Fragen rund um die \u201eStadtsauberkeit\u201c beantworten. Mitmachen kann man auf Deutsch,  Englisch, T\u00fcrkisch, Arabisch, Russisch und Ukrainisch und nat\u00fcrlich kann man auch etwas gewinnen: Tickets f\u00fcr Spiele Berliner Sportvereine und eine F\u00fchrung durchs Rote Rathaus.<\/p>\n<p>Man kann aber auch die Gewissheit gewinnen, wie dramatisch das Problem in Berlin tats\u00e4chlich ist. Denn schon die Fragen und Antwortm\u00f6glichkeiten offenbaren das Bild einer gescheiterten Stadt. <\/p>\n<p>\u201eNur ein paar M\u00fcllst\u00fccke zu sehen\u201c<\/p>\n<p>Oft ist die Beantwortung gar nicht so leicht, denn man muss sich entscheiden. Zum Beispiel bei der Frage: \u201eWelche Verschmutzungen sind in Ihrer Wohngegend besonders stark ausgepr\u00e4gt?\u201c \u2013 ja, genau: Dass es in der Umgebung aller Teilnehmer dreckig ist, wird als gegeben vorausgesetzt. Es geht nur noch darum, was besonders schlimm ist. Und das Gemeine ist: Man darf nur f\u00fcnf Antworten ausw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Nun muss man sich festlegen, was man schlimmer findet: \u201eMenschenkot und -urin\u201c oder doch \u201eDrogenbesteck\u201c? Will man einen der wertvollen f\u00fcnf Pl\u00e4tze f\u00fcr \u201eSperrm\u00fcll, zum Beispiel illegal abgestellte M\u00f6bel, Matratzen, Elektroger\u00e4te\u201c ausgeben, auf die Gefahr hin, dass man dann \u201eHundekot\u201c nicht mehr anhaken kann, wenn man sich auch \u00fcber \u201eAutowracks\u201c (der 1. Mai l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen) und \u201eHerumliegende M\u00fclls\u00e4cke\u201c beklagen m\u00f6chte? <\/p>\n<p>\u00dcber die Auswahlm\u00f6glichkeiten \u201eZigarettenkippen\u201c, \u201ezu volle M\u00fclleimer\u201c und \u201eSchmierereien, zum Beispiel illegale Graffiti\u201c kann man als Berliner ohnehin nur m\u00fcde l\u00e4cheln. Als wenn die es in die Top 5 schaffen k\u00f6nnten. Vielleicht doch einer der gro\u00dfen Sammelposten: \u201eHerumliegender kleiner M\u00fcll, zum Beispiel Kronkorken, Kaugummireste, Glasscherben\u201c? So kann man mit einer Antwort gleich ein paar \u00c4rgernisse abdecken. Oder: \u201eHerumliegendes Einweggeschirr und Verpackungen, zum Beispiel Kaffeebecher, Pizzakartons\u201c \u2013 klar, gibt es auch an jeder Ecke. <\/p>\n<p>Fast schon philosophisch wird es bei der Frage nach der Situation in der eigenen Stra\u00dfe. Hier muss man sich f\u00fcr eine einzige Option entscheiden und hier gibt es immerhin die M\u00f6glichkeit: \u201eKein M\u00fcll zu sehen\u201c. Aber die anderen haben es in sich, sie reichen von \u201eNur ein paar M\u00fcllst\u00fccke zu sehen\u201c bis zu \u201eViele M\u00fcllhaufen ohne Abstand, am Stra\u00dfenrand liegt durchgehend M\u00fcll und dieser reicht bis auf den Fu\u00dfweg\u201c. <\/p>\n<p>Aber wer sich f\u00fcr irgendetwas dazwischen entscheiden m\u00f6chte, muss wieder eine schwierige Wahl treffen: Handelt es sich um \u201eEinige M\u00fcllst\u00fccke mit gro\u00dfem Abstand\u201c, um \u201eViele M\u00fcllst\u00fccke mit kleinem Abstand oder ganze M\u00fcllhaufen mit gro\u00dfem Abstand\u201c oder doch um \u201eEinige M\u00fcllhaufen mit kleinem Abstand\u201c oder gar um \u201eViele M\u00fcllhaufen ohne Abstand und am Stra\u00dfenrand liegt durchgehend M\u00fcll\u201c.<\/p>\n<p>Wann werden M\u00fcllst\u00fccke eigentlich zum M\u00fcllhaufen? Wie gro\u00df ist wohl ein kleiner Abstand zwischen zwei M\u00fcllhaufen aus Sicht des Berliner Ordnungsamts? Kann man das abmessen? Sollte man den M\u00fcll beim Messen auch gleich aufheben? Fragen \u00fcber Fragen. <\/p>\n<p>Die wichtigste ist jedenfalls: Wie kann es eine Stadt zulassen, dass die Antwortm\u00f6glichkeit \u201eViele M\u00fcllhaufen ohne Abstand, am Stra\u00dfenrand liegt durchgehend M\u00fcll und dieser reicht bis auf den Fu\u00dfweg\u201c auch nur im Bereich des m\u00f6glichen ist? Man muss sich das mal in anderen Regionen Deutschlands vorstellen. Wie irritiert w\u00fcrden wohl Bewohner bayerischer Kleinst\u00e4dte vor einer solchen Umfrage sitzen? <\/p>\n<p>Die Berliner erfahren in der Befragung immerhin, dass sie den M\u00fcll  \u00fcber die App \u201eOrdnungsamt Online\u201c melden k\u00f6nnten. \u201eDas ist das sogenannte Anliegenmanagementsystem\u201c, hei\u00dft es. Es gibt dann noch eine ganze Reihe weiterer Fragen, bei denen man sich w\u00fcnschen kann, ob M\u00fclls\u00fcnder h\u00e4rter bestraft werden sollten oder welche Sauerei das Ordnungsamt besonders nachdr\u00fccklich kontrollieren sollte. <\/p>\n<p>Gegen Ende wird es dann psychologisch interessant. \u201eEs kommt schon mal vor, dass man seinen M\u00fcll nicht ordnungsgem\u00e4\u00df entsorgt. Zum Beispiel l\u00e4sst man ihn auf die Stra\u00dfe fallen oder auf einer Parkbank liegen\u201c, gibt sich Verwaltung verst\u00e4ndnisvoll.  \u201eDabei kommen einem manchmal Gedanken. Hatten Sie schon einmal einen der folgenden Gedanken?\u201c<\/p>\n<p>Einige der m\u00f6glichen Antworten: \u201eIch muss mich jetzt auf wichtigere Dinge konzentrieren, als den M\u00fcll richtig zu entsorgen.\u201c Oder auch: \u201eEs ist Aufgabe der Stadt, den M\u00fcll einzusammeln. Ich zahle schlie\u00dflich Steuern.\u201c Oder: \u201eMir kann doch niemand sagen, wie ich meinen M\u00fcll zu entsorgen habe.\u201c Wie w\u00e4re es mit: \u201eEs achtet sowieso niemand darauf, ob ich den M\u00fcll hier fallen lasse.\u201c Oder eben die wahrscheinlichste der Berliner Antworten: \u201eEs liegt auch schon anderer M\u00fcll herum. Das bisschen mehr macht keinen Unterschied.\u201c Die Stadt verspricht bei dieser Frage noch einmal ausdr\u00fccklich, die Antworten nat\u00fcrlich nur anonymisiert auszuwerten. <\/p>\n<p>Man darf gespannt sein, wie die Umfrage wohl ausgehen wird. Die Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen. Im Winter gibt es wenigstens die theoretische Chance, dass eine d\u00fcnne Schneeschicht gn\u00e4dig den schlimmsten Dreck am Stra\u00dfenrand zudeckt. Aber Vorsicht: Es ist auch die Zeit der getarnten Hundekot-Tretminen.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/philipp-vetter\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/philipp-vetter\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Philipp Vetter<\/b><\/a><b> ist Teamleiter im Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und BUSINESS INSIDER. Er lebt seit f\u00fcnf Jahren in Berlin und hat davor im deutlich saubereren M\u00fcnchen gewohnt.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin ist dreckig. Das wei\u00df jeder Berliner. 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