{"id":243443,"date":"2025-07-05T04:42:10","date_gmt":"2025-07-05T04:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/243443\/"},"modified":"2025-07-05T04:42:10","modified_gmt":"2025-07-05T04:42:10","slug":"christopher-street-day-in-koeln-das-mulmige-gefuehl-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/243443\/","title":{"rendered":"Christopher Street Day in K\u00f6ln: Das mulmige Gef\u00fchl bleibt"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 05.07.2025 05:43 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Vermehrt greifen Rechtsextreme queere Veranstaltungen an. Der CSD in K\u00f6ln hat auch deshalb ein striktes Sicherheitskonzept erarbeitet. Die Teilnehmenden wollen sich nicht einsch\u00fcchtern lassen &#8211; das f\u00e4llt ihnen aber zunehmend schwerer.  <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Selome Abdulaziz, WDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nYvonne Fahrenholz wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine \u00e4ngstliche Person. Sie ist sportlich, t\u00e4towiert, wirkt selbstbewusst. Die 43-j\u00e4hrige queere Frau geht schon seit 17 Jahren zum Christopher Street Day, so viel Angst wie jetzt hatte sie allerdings noch nie. Mit ihrer Frau hat sie schon l\u00e4nger ein Codewort ausgemacht, um sich auf solchen Demonstrationen gegenseitig zu signalisieren, sollte sich eine von beiden unwohl f\u00fchlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Jetzt in dieser politischen Situation sprechen wir viel intensiver dar\u00fcber, was passieren k\u00f6nnte und wie wir damit umgehen&#8220;, sagt sie. &#8222;Das Gef\u00fchl, es k\u00f6nnte etwas Krasses passieren, ist st\u00e4ndig pr\u00e4sent.&#8220;<\/p>\n<p>    Rechtsextreme mobilisieren bundesweit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie politische Situation, von der Yvonne spricht: 55 Angriffe, Anfeindungen oder Bedrohungen aus der rechtsextremen Szene <a href=\"https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/pressemitteilungen\/55-angriffe-auf-csds-in-2024-amadeu-antonio-stiftung-fordert-zum-auftakt-der-csd-saison-schutz-und-bietet-unterstuetzung\/\" title=\"Angriffe auf CSD-Veranstaltungen\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">gegen\u00fcber CSD-Veranstaltungen hat die Amadeu-Antonio-Stiftung 2024<\/a> gez\u00e4hlt. Lorenz Blumenthaler, Pressesprecher der Stiftung, sieht darin eine Gefahr f\u00fcr die Demokratie: &#8222;Besonders im l\u00e4ndlichen Raum sind Pride-Veranstaltungen oft die zentralen R\u00e4ume, an denen Vielfalt und Demokratie \u00fcberhaupt erfahrbar sind.&#8220; Es handele sich nicht um Einzelf\u00e4lle, sondern um eine bundesweite Mobilisierung in der rechtsextremen Szene. Die T\u00e4ter seien oft junge M\u00e4nner, die sich online verabredeten.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Hundertprozentig sicher f\u00fchlt sich Yvonne Fahrenholz nicht, doch sie will sich nicht unterkriegen lassen.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/verfassungsschutzbericht-rechtsextremismus-compact-linksextremismus-islamismus-spionage-100.html\" title=\"Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stellt Bericht f\u00fcr 2024 vor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verfassungsschutzbericht f\u00fcr das Jahr 2024<\/a> stellt fest, dass Angriffe aus der rechtsextremen Szene gegen\u00fcber der queeren Community in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Sie beobachten seit Juli 2024 wiederholt rechtsextreme St\u00f6raktionen von CSD-Veranstaltungen. 2025 ging es mit negativen Schlagzeilen weiter: Der CSD in Gelsenkirchen wurde wegen einer &#8222;abstrakten Bedrohungslage&#8220; abgesagt. Auf dem Fest f\u00fcr Vielfalt in Bad Freienwalde in Brandenburg griffen vor zwei Wochen Vermummte Teilnehmende mit Schlagwaffen an. Brandenburgs Innenminister Ren\u00e9 Wilke sprach davon, dass es Hinweise auf Rechtsextremismus gibt.<\/p>\n<p>    K\u00f6lner Sicherheitskr\u00e4fte f\u00fchlen sich gut ger\u00fcstet<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiese erh\u00f6hte Bedrohungslage sehen auch die Veranstalter des CSD-Events in K\u00f6ln und haben die Zahl der Sicherheitskr\u00e4fte im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Sicherheitskosten w\u00e4ren im Vergleich zu 2017 zwanzigmal so hoch. &#8222;Das liegt einerseits daran, dass die Gefahrenlage sich ver\u00e4ndert hat, aber auch daran, dass die Pride viel gr\u00f6\u00dfer geworden ist&#8220;, erkl\u00e4rt Hugo Winkels, Pressesprecher des Veranstalters Cologne Pride.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nW\u00e4hrend der Pride in K\u00f6ln im vergangenen Jahr \u00e4u\u00dferten sich mehrere M\u00e4nner lautstark ausl\u00e4nderfeindlich und rissen Regenbogenfahnen ab. 13 M\u00e4nner zwischen 18 und 30 Jahren wurden vor Ort festgenommen. Laut der Polizei K\u00f6ln wurden Strafermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet. Mit Blick auf eine m\u00f6gliche rechtsextreme Bedrohung des diesj\u00e4hrigen CSDs teilte ein Pressesprecher mit: &#8222;Aktuell liegen keine Anhaltspunkte vor, die eine konkrete Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Versammlungen und\/oder Veranstaltungen rund um den CSD in K\u00f6ln sprechen.&#8220; Nat\u00fcrlich beobachte man die aktuellen Entwicklungen sehr genau und st\u00fcnde im st\u00e4ndigen Austausch mit anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch der Pressesprecher des K\u00f6lner CSD, Winkels, lobt die Zusammenarbeit mit Beh\u00f6rden wie dem Bundeskriminalamt und der Polizei, &#8222;sodass es wahrscheinlich in K\u00f6ln noch einmal schwieriger wird f\u00fcr St\u00f6raktionen. Und &#8211; toi, toi, toi &#8211; wird so etwas auch gar nicht passieren.&#8220; Trotzdem gibt es zus\u00e4tzliches Sicherheitspersonal und ein sogenanntes &#8222;Awareness-Zelt&#8220; &#8211; also ein sicherer Ort mit geschultem Personal und weitere Stellen, wo sich Menschen bei Problemen, Angst oder Anfeindungen hinwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    Einige Gruppen haben eigene Sicherheitskonzepte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEinige der Gruppen, die bei der Demonstration am Sonntag mitlaufen, haben zus\u00e4tzlich eigene Sicherheitskonzepte. Die K\u00f6lner Organisation &#8222;Woman Life Freedom Unity&#8220; l\u00e4uft unter dem Motto &#8222;Nie Wieder Leise&#8220; zum dritten Mal auf dem K\u00f6lner CSD mit. Sie will Menschen in den Fokus stellen, die mehrfach diskriminiert werden, zum Beispiel weil sie queer und eine Behinderung haben oder queer und einen Migrationshintergrund haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWeil die Gruppe dadurch besonders gef\u00e4hrdet ist und einige der Teilnehmenden auch schon Anfeindungen und Gewalt erlebt haben, gibt es ein eigenes Sicherheitskonzept, erkl\u00e4rt Initiator Bonyad Bastanfar. &#8222;Wir haben eigene &#8218;Awareness&#8216;-Personen, ein Codewort und zwei Not\u00e4rztinnen, die auf unserem Wagen mitfahren.&#8220;<\/p>\n<p>    Hemmschwelle ist offenbar gesunken<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAnfeindungen erleben queere Menschen nicht nur auf den CSDs: Zahlen des Bundesinnenministeriums zu politisch motivierter Hasskriminalit\u00e4t zeigen, dass Anfeindungen und Gewalt gegen\u00fcber LGBTQ-Personen gestiegen sind. 2022 gab es 480 F\u00e4lle rechter Hasskriminalit\u00e4t in den Bereichen sexuelle Orientierung und geschlechtsbezogene Diversit\u00e4t, 2024 stiegen die F\u00e4lle auf 1.285.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nYvonne Fahrenholz berichtet von einem Alltag, in dem sie und ihre Ehefrau t\u00e4glich bel\u00e4stigt werden. Als junge Frau Anfang der 2000er-Jahre wurde sie auch schon auf der Stra\u00dfe beleidigt, aber die aktuelle Lage empfindet sie als bedrohlicher. Die Hemmungen der Menschen, Grenzen zu \u00fcberschreiten, seien geringer geworden. &#8222;Das, was alles an queeren Rechten erk\u00e4mpft wurde, wird wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht&#8220;, sagt Fahrenholz. Den Grund daf\u00fcr sieht sie auch in der Stimmungsmache der AfD gegen\u00fcber queeren Personen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFahrenholz w\u00fcnscht sich mehr Unterst\u00fctzung aus der Politik. Sie kritisiert die Entscheidung von Bundestagspr\u00e4sidentin Julia Kl\u00f6ckner, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/portraet-kloeckner-102.html\" title=\"Bundestagspr\u00e4sidentin Kl\u00f6ckner und die Frage der Neutralit\u00e4t\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Regenbogenflagge anl\u00e4sslich des Berliner CSDs nicht auf dem Reichstagsgeb\u00e4ude zu hissen<\/a>.<\/p>\n<p>    &#8222;Wir sind stolz, wir waren stolz und wir bleiben stolz&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAllen Drohungen zuwider erwarten die Veranstalter \u00e4hnlich viele Besucherinnen und Besucher wie im vergangenen Jahr. 240 Wagen und Gruppen mit mehr als 60.000 Teilnehmenden haben sich zur Parade angemeldet. Man lasse sich nicht einsch\u00fcchtern, betont Winkels: &#8222;In der Pride-Bewegung haben wir in den letzten 50 Jahren so viel bewegt, weil wir keine Angst hatten, sondern weil wir stolz sind, stolz waren und stolz bleiben.&#8220; Mit der Gr\u00f6\u00dfe, der Farbenpracht und der Strahlkraft des CSDs in K\u00f6ln m\u00f6chte er ein Zeichen daf\u00fcr setzen, dass mit friedlichen Demonstrationen viel erreicht werden kann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nYvonne Fahrenholz zeigt, dass man gleichzeitig Angst haben und stolz sein kann. Trotz ihrer Sorge wird sie am Sonntag auf dem Wagen von &#8222;Woman Life Freedom Unity&#8220; mitfahren. Der CSD K\u00f6ln habe sie als lesbische junge Frau sehr gepr\u00e4gt. Darauf k\u00f6nne und m\u00f6chte sie nicht verzichten. &#8222;Auch wenn ich mich nicht hundertprozentig sicher f\u00fchle, ist das meine M\u00f6glichkeit zu zeigen: Ich lasse mich nicht kleinkriegen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 05.07.2025 05:43 Uhr Vermehrt greifen Rechtsextreme queere Veranstaltungen an. Der CSD in K\u00f6ln hat auch deshalb ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":243444,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[30546,331,332,30485,3364,29,30,13,1646,14,15,12],"class_list":{"0":"post-243443","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-csd","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-christopher-street-day","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-lgbtq","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114798798100230671","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243443","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=243443"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243443\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/243444"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=243443"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=243443"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=243443"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}