{"id":244388,"date":"2025-07-05T13:28:12","date_gmt":"2025-07-05T13:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/244388\/"},"modified":"2025-07-05T13:28:12","modified_gmt":"2025-07-05T13:28:12","slug":"wikinger-mit-kreischender-e-gitarre-kein-metal-ohne-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/244388\/","title":{"rendered":"Wikinger mit kreischender E-Gitarre: Kein Metal ohne Mittelalter"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/feuerschwanz-100.webp\" alt=\"Ein Dudelsackspieler in R\u00fcstung auf einer B\u00fchne vor seiner Band. Im Hintergrund auf einer Leinwand speit ein Drache Feuer.\" title=\"Ein Dudelsackspieler in R\u00fcstung auf einer B\u00fchne vor seiner Band. Im Hintergrund auf einer Leinwand speit ein Drache Feuer. | picture alliance \/ PIC ONE | Ben Kriemann\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Das Mittelalter im Metal (65 Min)<\/p>\n<p>\n            Stand: 05.07.2025 12:58 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Lieder \u00fcber Krieger und Wikingerfahrten, garniert mit Sagengestalten, untermalt mit krachenden Gitarren: In der Metalszene werden viele Mittelalter-Klischees bedient, aber die Szene entwirft auch eigene epische Geschichten und malt sich ihr Mittelalterbild mit viel M\u00fche und Liebe selbst.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Henning Cordes<\/p>\n<p class=\"\">\nAlles dunkel, immer nur Schwertk\u00e4mpfe und Gebete. Lumpenheinis stapfen \u00fcber matschige Wege, irgendwann trabt ein Ritter ins Bild. So oder so \u00e4hnlich geht es, das Klischee vom Mittelalter. &#8222;Wir haben nat\u00fcrlich diese stereotypen Darstellungen&#8220;, sagt der Historiker und Metalexperte Kilian Baur. &#8222;Das finstere Mittelalter, das wir in der Popkultur oft in Filmen sehen: Man braucht immer so ein bisschen Schmutz im Gesicht, vielleicht faule Z\u00e4hne; alle sind ein bisschen gewaltt\u00e4tig, alle sind ein bisschen schr\u00e4g drauf, religi\u00f6s fanatisch &#8211; und das ist dann das Mittelalter.&#8220;<\/p>\n<p>    Durcheinander geratenes Mittelalterbild<\/p>\n<p class=\"\">\nGanz so war es nat\u00fcrlich nicht &#8211; zumindest nicht immer. Im Mittelalterbild des 21. Jahrhunderts ger\u00e4t zwar so einiges durcheinander, aber speziell in der Popkultur legen es viele gar nicht darauf an, die Vergangenheit besonders akkurat darzustellen. Auch Mittelalterrock und -metal bilden da keine Ausnahmen. Es gibt aber durchaus Bands, die sich ziemlich M\u00fche geben. Zu den bekanntesten z\u00e4hlen hierzulande etwa In Extremo und Subway to Sally. Sie verwenden unter anderem modern modifizierte Instrumente, die mittelalterliche Instrumente nachahmen: darunter Dudels\u00e4cke, Leiern, Harfen.\u00a0<\/p>\n<p>    Von Althochdeutsch \u00fcber G\u00e4lisch bis Okzitanisch<\/p>\n<p class=\"\">\n&#8222;Dann verarbeiten Bands des Mittelalterrocks auch ein paar der wenigen aus dem Mittelalter \u00fcberlieferten Melodien&#8220;, sagt Kilian Baur und betont: &#8222;Vor allem auch in den Texten haben wir diese Mittelalterlichkeit.&#8220; Verglichen mit anderen Genres zeigt sich dabei ein gro\u00dfer Sprachenreichtum. Die mittelalterlichen Sprachstufen so gut wie jeder europ\u00e4ischen Zunge sind innerhalb des Genres irgendwo auffindbar &#8211; manchmal sogar im Werk einer einzigen Band. Die eben erw\u00e4hnten In Extremo singen zum Beispiel Lieder auf Althochdeutsch, G\u00e4lisch, Okzitanisch, den altnordischen Sprachen und &#8211; unvermeidbar &#8211; auf Latein. Vorlage f\u00fcr In Extremos &#8222;Biersegen&#8220; ist die mittelalterliche Liedersammlung Carmina Burana.<\/p>\n<p class=\"\">\nDas ist das Mittelalter f\u00fcrs Ohr, aber man kann es auch sehen: auf Albumcovern, Merchandise-Produkten und B\u00fchnenoutfits. Besonders konsequent zieht es die Band Saltatio Mortis durch: Sie geht direkt auf Burgentour. Amon Amarth, eine der bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Melodic-Death-Metal-Bands, besch\u00e4ftigt sich fast ausschlie\u00dflich mit Wikingern und nordischer Mythologie in ihren Texten. Auf ihre B\u00fchne stellt sie gern mal ein Deko-Wikingerschiff &#8211; beziehungsweise das, was man sich unter einem Wikingerschiff so vorstellt, langgezogen mit Drachenkopf und wei\u00df-rotem Segel.<\/p>\n<p class=\"\">\nAlles hier ist irgendwie Rock und irgendwie Mittelalter, meistens auch Metal. Aber unter diesem Hut wird es schnell bunt. &#8222;Das Problem ist schon, dass man nicht von einer Szene sprechen kann&#8220;, sagt Kilian Baur. &#8222;Klar, wir haben diese Klammer: Metal, h\u00e4rtere Gitarrenmusik. Ich w\u00fcrde aber sagen, dass man da schon differenzieren muss zwischen dem Mittelalterrock und anderen Metalbands.&#8220; Etwa zum Power-Metal mit seinen vergleichsweise eing\u00e4ngigen St\u00fccken und melodi\u00f6sem Gesang, wo sich die Gruppen Verschiedenes aus der mittelalterlichen Geschichte herausgreifen. Dazu kommen die Bands des Viking-Metals &#8211; und der Name ist Programm. Sie besch\u00e4ftigen sie sich mit nichts anderem als Wikingern &#8211; im Death-Metal ist das teilweise auch der Fall. Wo das eine anf\u00e4ngt und das andere aufh\u00f6rt, ist manchmal nicht ganz so leicht auseinanderzuhalten.<\/p>\n<p>    Mittelalterrock beim Mainstream ankommt<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/feuerschwanz-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/feuerschwanz-100.webp\" alt=\"Ein Dudelsackspieler in R\u00fcstung auf einer B\u00fchne vor seiner Band. Im Hintergrund auf einer Leinwand speit ein Drache Feuer.\" title=\"Hauptmann Feuerschwanz, S\u00e4nger der Band &quot;Feuerschwanz&quot;, mit Dudelsack beim Wacken Open Air. Die Band verbindet Mittelalterrock mit Comedy. | picture alliance \/ PIC ONE | Ben Kriemann\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Hauptmann Feuerschwanz, S\u00e4nger der Band &#8222;Feuerschwanz&#8220;, mit Dudelsack beim Wacken Open Air. Die Band verbindet Mittelalterrock mit Comedy.<\/p>\n<p class=\"\">\nDie Szenen sind auch nicht v\u00f6llig exklusiv. Man trifft sich: hier im Norden zum Beispiel auf Festivals wie dem M&#8217;era Luna in Hildesheim, in dessen Line-ups Mittelalterrock zwar immer wieder stattfindet, aber eben auch noch sehr viel Andersartiges. \u00dcberhaupt: Die Genres rund um den Mittelalterrock sind keine Nischendinger, die unbeachtet im Abseits aufgef\u00fchrt werden. Vieles ist kommerziell sehr erfolgreich, es findet auf gro\u00dfen Festivals statt und kann durchaus Menschen mobilisieren. Feuerschwanz, eine Band, die Mittelalterock mit Comedy-Elementen verbindet, ist wiederholt im ZDF-Fernsehgarten aufgetreten. Das Mittelalter ist im Mainstream angekommen.<\/p>\n<p>    Historische Rekonstruktion oder Flucht aus dem Alltag<\/p>\n<p class=\"\">\nRichtige Nerds &#8211; im positiven Sinn &#8211; gibt es trotzdem noch. \u00dcberall dort, wo viele mittelalterlich angehauchte Bands auftreten, sind auch Reenactment-Gruppen nicht weit. Sie stellen zum Beispiel K\u00e4mpfe nach und sind nicht selten recht detailverliebt unterwegs; sie orientieren sich auch an arch\u00e4ologischen Funden und an Rekonstruktionen, die aus dem wissenschaftlichen Bereich stammen. In ihnen verschmilzt Popkultur und Wissenschaft.\u00a0<\/p>\n<p class=\"\">\nDas Mittelalter im Metal ist mehr als das Finsterklischee mit Helden in H\u00f6rnerhelmen. Auch wenn sich die Szene nicht immer am Stand der Forschung orientiert: Sie entwirft eigene epische Geschichten und malt sich ihre Mittelalterbilder mit viel M\u00fche und Liebe selbst. &#8222;F\u00fcr viele ist das Mittelalter einfach Bestandteil einer Flucht oder einer Auszeit aus dem Alltag, um mal abzuschalten und in andere Zeiten abzutauchen&#8220;, stellt Kilian Baur fest. &#8222;Da ist es dann eigentlich egal, ob das irgendwie authentisch ist oder auch nicht.&#8220;<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/meraluna2118.webp\" alt=\"Kost\u00fcmierter Fan auf dem M'era Luna 2024\" title=\"Kost\u00fcmierter Fan auf dem M'era Luna 2024 | NDR.de\/Benjamin H\u00fcllenkremer, Benjamin H\u00fcllenkremer\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Immer am zweiten August-Wochenende trifft sich in Hildesheim die Schwarze Szene &#8211; dieses Jahr zum 25-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um!<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/wacken6176.webp\" alt=\"Ein Festivalbesucher des W.O.A. (Wacken Open Air) zeigt am 01.08.2015 in Wacken (Schleswig-Holstein) den Metal-Gru\u00df, die Pommesgabel, vor Beginn eines Konzerts.\" title=\"Ein Festivalbesucher des W.O.A. (Wacken Open Air) zeigt am 01.08.2015 in Wacken (Schleswig-Holstein) den Metal-Gru\u00df, die Pommesgabel, vor Beginn eines Konzerts. | picture alliance \/ dpa , Axel Heimken\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Mit 800 Besuchern beginnt 1990 das, was heute als bekanntestes Heavy-Metal-Festival der Welt gilt: das Wacken Open Air.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Das Mittelalter im Metal (65 Min) Stand: 05.07.2025 12:58 Uhr Lieder \u00fcber Krieger und Wikingerfahrten, garniert mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":244389,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,5561,30,75909,1779,810,1703,1901,215],"class_list":{"0":"post-244388","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-festival","11":"tag-germany","12":"tag-m","13":"tag-music","14":"tag-musik","15":"tag-pop","16":"tag-rock-und-pop","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114800867374417610","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/244388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=244388"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/244388\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/244389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=244388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=244388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=244388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}