{"id":245109,"date":"2025-07-05T20:06:14","date_gmt":"2025-07-05T20:06:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/245109\/"},"modified":"2025-07-05T20:06:14","modified_gmt":"2025-07-05T20:06:14","slug":"yehudis-fletcher-ueber-ihre-autobiografie-ich-bin-die-verkoerperte-rebellion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/245109\/","title":{"rendered":"Yehudis Fletcher \u00fcber ihre Autobiografie: \u201eIch bin die verk\u00f6rperte Rebellion\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\n        An einem Vormittag im Juni empf\u00e4ngt Yehudis Fletcher in ihrem Haus im j\u00fcdisch-orthodoxen Viertel Manchesters. K\u00fcrzlich hat sie ihre Autobiografie ver\u00f6ffentlicht, deshalb sind wir zum Gespr\u00e4ch verabredet. Auf dem Esstisch steht ein Laptop, daneben stapeln sich Dokumente, sie scheint voll in der Arbeit zu stecken. Ihre Partnerin und zwei ihrer Kinder im Teenageralter sind auch zu Hause, sie schauen w\u00e4hrend des Interviews kurz herein.\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">\n        <strong>taz: Frau Fletcher. Sie leben als orthodox-j\u00fcdische Frau. Hat Ihr Tag heute mit Morgengebeten begonnen?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-3\" pos=\"3\"><strong>Yehudis Fletcher:<\/strong> Beten habe wir heute noch nicht geschafft. Normalerweise versuchen meine Lebenspartnerin und ich zusammen zu beten. Ich musste heute aber meinen \u00e4ltesten Sohn um 5.45 Uhr in die Schule fahren, weil er das Fr\u00fchst\u00fcck j\u00fcngerer Sch\u00fcler beaufsichtigt, die vor dem Unterricht Thora lernen wollen \u2026<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">\n        <strong>taz: \u2026 also das Alte Testament. Sie sprechen von Ihrem Sohn Noam, richtig?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ja, wobei die Namen im Buch nicht die echten meiner Kinder sind, sondern die Namen, die ich vor ihrer Geburt ausgesucht hatte. Es wurde mir nicht gestattet, die Kinder so zu nennen. Bei uns ist es so, dass der Rabbi einen Namen erlauben muss, und er hat meine Vorschl\u00e4ge abgelehnt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">\n        <strong>taz: Ein ziemlicher Eingriff.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ja, eigentlich ist die Namensgebung das Recht der Mutter, aber bei unserer Form der messianischen Tradition entscheidet der Rabbi.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">\n        <strong>taz: Wie ging Ihr Vormittag weiter?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\"><strong>Fletcher:<\/strong> Meine Partnerin hat mir Kaffee und Ei gekocht. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck habe ich mich mit einem Wissenschaftler ausgetauscht, der sich mit der ultraorthodoxen Gemeinschaft besch\u00e4ftigt, danach hatte ich ein Meeting mit einer gro\u00dfen Hilfsorganisation. Und jetzt sind Sie da.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">\n        <strong>taz: Sie haben vor Kurzem Ihre Autobiografie ver\u00f6ffentlicht. Ist es Ihr erstes Buch?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\"><strong>Fletcher:<\/strong> Nein, mein erstes Buch habe ich mit sechs Jahren geschrieben, ich habe es selbst illustriert. Ich kann mich noch an den Aufbau erinnern und dass ich die Seiten zusammenband. Mit 16 habe ich dann einen Blog geschrieben. Auf die Idee, meine Autobiografie zu schreiben, bin ich vor vier Jahren gekommen, nach einem wahnsinnigen Streit mit einem meiner Br\u00fcder.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">\n        <strong>taz: War das der Moment, als Sie ihm sagten, dass Sie lesbisch sind?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\"><strong>Fletcher:<\/strong> Genau. Er beschimpfte mich als Schwein. Ich bin w\u00fctend aus seinem B\u00fcro in den Regen gest\u00fcrzt und landete v\u00f6llig durchn\u00e4sst im Park. In meiner Verzweiflung rief ich eine Freundin an, die Journalistin ist. Sie schlug vor, dass ich \u00fcber mein Leid, \u00fcber die Homophobie, die ich erlebte, schreiben sollte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"14\">\n        <strong>taz: Und das haben Sie getan.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"15\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ja. Ich wollte geh\u00f6rt werden, ich wollte nicht mehr im Verborgenen sein. In einer ultraorthodoxen Gemeinschaft zu leben bedeutet eine gro\u00dfe Einschr\u00e4nkung. In meiner Geschichte geht es aber nicht nur um verr\u00fcckte religi\u00f6se Fanatiker:innen, sondern generell darum, welchen Schaden Ideologien anrichten k\u00f6nnen. Wahrscheinlich k\u00f6nnen sich die Leute in Deutschland, die in der DDR die Stasi erlebt haben, am besten vorstellen, wie es in meiner Gemeinschaft zugeht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"16\">\n        <strong>taz: Es gibt eine starke Kontrolle?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"17\"><strong>Fletcher:<\/strong> Die Gemeinschaft ist hierarchisch organisiert. Es werden Druckmittel benutzt, damit die Normen eingehalten werden. Ich hatte zum Beispiel Schwierigkeiten, als offen lesbische Frau meine Kinder in j\u00fcdischen Schulen unterzubringen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"18\">\n        <strong>taz: Sie beginnen Ihr Buch mit dem Akt einer Rebellion. Sie sind sechs Jahre alt und waschen heimlich Ihre H\u00e4nde nicht nach dem traditionellen Ritus vor dem Schabbatmahl. Was war das f\u00fcr ein Moment?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"19\"><strong>Fletcher:<\/strong> Das rituelle H\u00e4ndewaschen bezieht sich auf das Wegwaschen von potenziellen D\u00e4monen, als w\u00e4re etwas mit meinem K\u00f6rper verkehrt. Ich wollte das testen. Dieser Moment spricht f\u00fcr mich, der unreinen Person per se, die ich in den Augen vieler orthodoxer Juden bin. Es ist der Faden, der sich durch mein ganzes Leben zieht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"20\">\n        <strong>taz: Ihre Eltern gingen mit Ihnen und Ihren Geschwistern nach Israel. Als Jugendliche f\u00fchlten Sie sich dort so isoliert, dass Sie versuchten, sich das Leben zu nehmen. Ihre Eltern schickten Sie daraufhin nach England zur\u00fcck, wo Sie als 15-J\u00e4hrige bei einem p\u00e4dophilen ultraorthodoxen Mann wohnten.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"21\"><strong>Fletcher:<\/strong> Er hat versucht mein Vertrauen zu erschleichen, um mich dann sexuell zu missbrauchen. Damals hatte ich noch nicht die Worte, um das auch so zu benennen. Ich glaubte, dass ich s\u00fcndige, weil ich nicht verhindern konnte, dass dieser Mann durch mich verf\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"22\">\n        <strong>taz: Rabbiner des Beit Din, des traditionellen religi\u00f6sen j\u00fcdischen Gerichts, konfiszierten daraufhin Ihr Beweismaterial und empfahlen dem T\u00e4ter eine Therapie.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-25\" pos=\"23\"><strong>Fletcher:<\/strong> Das Beit Din h\u00e4tte die Polizei verst\u00e4ndigen und den Missbrauch melden m\u00fcssen. Stattdessen haben sie versucht, ihn zu vertuschen. Sie schlugen auch vor, dass die T\u00f6chter des T\u00e4ters lange Morgenr\u00f6cke tragen sollten. Damit sagten sie nichts anderes, als dass junge M\u00e4dchen in Pyjamas zu verf\u00fchrerisch sind.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-27\" pos=\"24\">\n        <strong>taz: Die Verantwortung wurde den M\u00e4dchen zugeschoben.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-28\" pos=\"25\"><strong>Fletcher:<\/strong> Man muss ausgebildet sein, um mit sexuellem Missbrauch richtig umzugehen. So eine Ausbildung fehlt Rabbinern. Missbrauch hat nichts mit Scheidungen, koscherem Essen oder finanziellem Streit zu tun, also all den Dingen, womit sie sich auskennen. Bei mir hatten sie vor allem im Hinterkopf, wie es aussieht. Man wollte das st\u00f6rende M\u00e4dchen, das unangenehme Sachen sagt, zum Schweigen bringen. Dabei wussten alle in der Gemeinschaft, dass er ein Kindersch\u00e4nder war. Trotzdem durfte er seine eigenen Sommerlager veranstalten und Mit\u00adbe\u00adwoh\u00adne\u00adr:in\u00adnen haben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-29\" pos=\"26\">\n        <strong>taz: Niemand hatte Sie oder Ihre Eltern gewarnt, besser nicht bei ihm einzuziehen?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-30\" pos=\"27\"><strong>Fletcher:<\/strong> Nein. Ich glaube, es mangelte am Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, was Missbrauch bei Kindern anrichtet. Die Leute sagten: Schaut euch das arme M\u00e4dchen an, ihre Eltern k\u00f6nnen sich nicht um sie k\u00fcmmern. So rechtfertigten sie das.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-31\" pos=\"28\">\n        <strong>taz: Jahre sp\u00e4ter wurde der Mann, der Sie missbraucht hatte, zu 13 Jahren Haft verurteilt.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-32\" pos=\"29\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ich sagte als Zeugin in dem Prozess gegen ihn aus. Dass er schuldig gesprochen wurde, war nat\u00fcrlich gut. Solange er hinter Gittern sa\u00df, war Manchester etwas sicherer. F\u00fcr mich war aber vor allem wichtig, Teil des Prozesses zu sein, denn es bedeutete, dass ich vor dem Gesetz als Person z\u00e4hle.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>\n            Mein erster Ehemann war sehr gewaltt\u00e4tig. Ich entkam ihm und musste dann beweisen, dass die Scheidung nicht meine Schuld war. Im orthodoxen Judentum kann eine Frau sich genauso wenig von einem Mann trennen wie ein Pferd sich von seiner Besitzer:in<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-34\" pos=\"30\">\n        <strong>taz: In Ihrem Buch schildern Sie den sexuellen Missbrauch schockierend konkret. War es schwer, das aufzuschreiben?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-35\" pos=\"31\"><strong>Fletcher:<\/strong> Es sind Einzelheiten, die ich nicht vergessen kann, und statt sie in meinem Kopf herumspuken zu lassen, habe ich sie auf Papier gebracht. So bekomme ich sie aus meinem K\u00f6rper. Der Prozess des Schreibens half mir auch bei der Einordnung. Manche Sachen habe ich erst da verstanden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-36\" pos=\"32\">\n        <strong>taz: Als junge Erwachsene blieben Sie zun\u00e4chst den traditionellen religi\u00f6sen Erwartungen an Sie treu.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-37\" pos=\"33\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ich wurde zweimal verheiratet und zweimal geschieden. Meine Familie arrangierte die Ehen nach traditionellem Brauch. Mein erster Ehemann war sehr gewaltt\u00e4tig. Ich entkam ihm und musste dann beweisen, dass die Scheidung nicht meine Schuld war. Im orthodoxen Judentum kann eine Frau sich genauso wenig von einem Mann trennen wie ein Pferd sich von seiner Besitzer:in. Ich hatte ihn im Ehebett mit einer Frau erwischt, das half mir. Ich unterschrieb ein Dokument, dass ich das nie gesehen h\u00e4tte, man gab mir 10.000 Pfund \u2026<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-38\" pos=\"34\">\n        <strong>taz: \u2026 umgerechnet 11.700 Euro.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-39\" pos=\"35\"><strong>Fletcher:<\/strong> Die Scheidung war eine Art Tauschgesch\u00e4ft. Ich besitze das Dokument bis heute, eine Kopie davon liegt im J\u00fcdischen Museum in Manchester. Es soll zeigen, in was f\u00fcr unm\u00f6gliche Situationen Frauen gebracht werden k\u00f6nnen. Mit 19 war ich also bereits einmal geschieden und heiratete wieder.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-40\" pos=\"36\">\n        <strong>taz: Sie lebten in der zweiten Ehe, hatten drei Kinder, als Sie sich zu Ihrer Homosexualit\u00e4t bekannten. Wie kam es dazu?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-41\" pos=\"37\"><strong>Fletcher:<\/strong> Schon als ich 17 Jahre alt war, wurde mir klar, dass ich lesbisch bin. Mein Rabbiner sagte mir, dass dieses Gef\u00fchl f\u00fcr Frauen mit meiner Ehe verschwinden w\u00fcrde. Heute wei\u00df ich, dass das nicht wahr ist, aber damals wollte ich, dass der Rabbiner recht hat. Ich glaubte, dass ein liebender Ehemann mich hetero machen k\u00f6nnte. Es klappte nicht. Eines Tages stand ich in einer Bar f\u00fcr Lesben in London und wurde leidenschaftlich von einer Frau abgeknutscht. Von da an gab es kein Zur\u00fcck mehr. Ich trennte mich von meinem zweiten Ehemann. Er stand der Scheidung nicht im Wege. Meine drei Kinder leben heute bei mir.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-42\" pos=\"38\">\n        <strong>taz: Als lesbische geschiedene Frau wagten Sie den Bruch mit der Tradition. Wie hat Ihr Umfeld, mal abgesehen von Ihrem Bruder, reagiert?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-43\" pos=\"39\"><strong>Fletcher:<\/strong> Einige haben das akzeptiert. F\u00fcr andere ist es wichtiger, Teil unserer Community und ihres Gedankenguts zu bleiben, etwa f\u00fcr meine Mutter. Sie hat selbst keinen ultraorthodoxen Hintergrund, sie hat Literatur studiert und ist ausgebildete Lehrerin, aber sie heiratete meinen Vater. Sie will vor allem keinen Streit. Sie rennt durchs Leben, ist immer besch\u00e4ftigt, geht auf Hochzeiten, da bleibt wenig Platz f\u00fcr eine Reflexion der Gef\u00fchle, wie ich sie von ihr erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>\nIm Interview:\u00a0Yehudis Fletcher\n<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">\n              <strong>Die Person<\/strong>\n            <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph\">Yehudis Fletcher, geboren 1987 in Glasgow, ist Wissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin. Sie hat unter anderem f\u00fcr Ha\u2019aretz, The Forward und The Times geschrieben. Sie lebt und liebt in einer ultraorthodoxen j\u00fcdischen Gemeinde in Manchester und hat drei Kinder.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph\">\n              <strong>Das Buch<\/strong>\n            <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">Yehudis Fletcher: \u201e(K)eine von euch. Mein Leben als Rebellin in der orthodoxen Welt\u201c. Aus dem Englischen von Erica Fischer. Piper, M\u00fcnchen 2025, 288 Seiten, 22 Euro.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-45\" pos=\"40\">\n        <strong>taz: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie es sich erlauben, in der ultraorthodoxen Gemeinschaft zu bleiben. Was hei\u00dft das genau?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-46\" pos=\"41\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ja, das Bleiben ist mir pers\u00f6nlich sehr wichtig. Die Leute sagen: Wenn es dir nicht gef\u00e4llt, dann geh. Aber wieso sollte ich gehen? Es ist nicht richtig, dass ich nur Teil der Gemeinschaft sein kann, wenn ich mich in meinen individuellen Rechten einschr\u00e4nke. Der Schutz der Menschenrechte sollte \u00fcberall gelten. Leider sehen das nicht alle so. Mein Bruder sagte mir, dass die Leute hier im orthodoxen Viertel Menschen wie mich nicht um sich haben wollten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-47\" pos=\"42\">\n        <strong>taz: Sie bleiben, trotz aller Widerst\u00e4nde.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-48\" pos=\"43\"><strong>Fletcher:<\/strong> Die Tatsache, dass ich lesbisch bin, sollte nicht bedeuten, dass ich meine Sachen packen und die Gemeinschaft verlassen muss. Ich muss auch deshalb bleiben, weil ich Synagogen, j\u00fcdische Schulen und koschere Lebensmittelgesch\u00e4fte in meiner Nachbarschaft ben\u00f6tige. Ich will auch in der N\u00e4he meiner Freun\u00add:in\u00adnen leben, weil ich am Schabbat kein Fahrzeug benutze. Aber ja, ich bin sozial isoliert. Jeder Akt ist politisch, selbst wenn ich nur rausgehe, um den M\u00fcll vor die Haust\u00fcr zu tragen. Ich bin f\u00fcr alle sichtbar. Einfach weil ich da bin, als lesbische orthodoxe J\u00fcdin. Immer beobachtet zu werden ist anstrengend.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7790868\/1200\/38589974-2.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/38589974-2.jpeg\" alt=\"Portr\u00e4t von Yehudis Fletcher in ihrer K\u00fcche, ihr Shirt mit Aufdruck von hinten fotografiert.\" title=\"Portr\u00e4t von Yehudis Fletcher in ihrer K\u00fcche, ihr Shirt mit Aufdruck von hinten fotografiert.\" height=\"997\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>\u201eDer gro\u00dfe j\u00fcdische Gelehrte Maimonides \u2013 auch Rambam genannt \u2013 hat gesagt, dass wir nach den Geboten leben, aber nicht an ihnen zugrunde gehen sollen\u201c<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nSteve Forrest<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-50\" pos=\"44\">\n        <strong>taz: Machen Sie es sich nicht unn\u00f6tig schwer? In anderen j\u00fcdischen Gemeinden sind queere Menschen willkommen.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-51\" pos=\"45\"><strong>Fletcher:<\/strong> Es geht mir weniger um meine religi\u00f6se Praxis, sondern um das, was ich in meinem sozialen und wirtschaftlichen Rucksack mit mir herumtrage. Ich habe eine andere Geschichte als liberale J\u00fcdinnen und Juden. Zum Beispiel durfte ich keine richtige Schule besuchen. Meine erste Hochschulausbildung begann ich, nachdem ich drei Kinder in die Welt gesetzt hatte. Im dritten Studienjahr stand ich aufgrund meiner Scheidung als Alleinerziehende ohne Dach \u00fcber dem Kopf da. Das sind andere Lebensumst\u00e4nde als sie die meisten J\u00fcdinnen und Juden kennen. Wenn ich mich der ultraorthodoxen Gruppe entziehe, fehlt zudem mein Widerspruch gegen Frauenverachtung und Homophobie. Wenn niemand widerspricht, werden unsere M\u00e4dchen weiter in arrangierte Ehen gezwungen und k\u00f6nnen nicht selbst \u00fcber ihre Sexualit\u00e4t bestimmen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-52\" pos=\"46\">\n        <strong>taz: Sie tragen heute eine Hose, ein T-Shirt und offene Haare. Sie rebellieren auch gegen Kleidungsvorschriften?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-53\" pos=\"47\"><strong>Fletcher:<\/strong> Wer eine lange Bluse mit Rock tragen will, soll das tun. Aber wenn eine Frau sie nur tr\u00e4gt, um nicht aus der Gemeinschaft geworfen zu werden, dann fehlt die eigene Wahl.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-54\" pos=\"48\">\n        <strong>taz: Welche Synagoge besuchen Sie?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-55\" pos=\"49\"><strong>Fletcher:<\/strong> In Manchester gibt es keine Synagoge, in die ich gehen kann. Ich werde schlecht behandelt. Deshalb halte ich w\u00f6chentliche Feiern wie Schabbat und j\u00e4hrliche Feste wie Purim bei mir zu Hause ab, gemeinsam mit anderen, gr\u00f6\u00dftenteils lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans Menschen, die entweder noch in der Gemeinschaft leben oder gezwungen waren zu gehen. Manchmal gehe ich in eine orthodoxe Synagoge in London. Obwohl die noch strikter in ihrer Interpretation sind als hier, ist meine Anwesenheit dort kein Thema.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-56\" pos=\"50\">\n        <strong>taz: Sie schrieben, dass bei der Bar-Mizwa Ihres ersten Sohnes, die mit 13 gefeiert wird, die ultraorthodoxe Synagoge in Manchester halb leer war.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-57\" pos=\"51\"><strong>Fletcher:<\/strong> Halbleer w\u00e4re sch\u00f6n gewesen, fast ganz leer! Eine Zeitlang bin ich noch weiter dorthin gegangen, weil es Verbindungen gab zu meiner Familie. Aber irgendwann h\u00f6rte ich auf, nicht zuletzt, weil sie Whiskey ausschenkten, der von jenem Mann gesponsert wurde, der mich als 15-J\u00e4hrige sexuell misshandelt hatte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-58\" pos=\"52\">\n        <strong>taz: Wie halten Sie es als ultraorthodoxe lesbische Person mit dem, was die heiligen Schriften \u00fcber gleichgeschlechtliche Beziehungen sagen?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-59\" pos=\"53\"><strong>Fletcher:<\/strong> Die Thora verlangt f\u00fcr schwule M\u00e4nner die Todesstrafe. Lesben gelten als angeblich ungez\u00fcgelt. Wissen Sie, es h\u00e4ngt davon ab, wie man die Gesetze auslegt. Der gro\u00dfe j\u00fcdische Gelehrte Maimonides hat gesagt, dass wir zwar nach den Geboten leben, aber nicht an ihnen zugrunde gehen sollen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-60\" pos=\"54\">\n        <strong>taz: Woran h\u00e4ngen Sie in dieser Welt des orthodoxen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Judentum\/!t5008523\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Judentums<\/a>?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-61\" pos=\"55\"><strong>Fletcher:<\/strong> Dieses Leben ist mein Zuhause, es ist meins. Ich kann den Geschmack meiner Seele nicht von mir sto\u00dfen. Es ist der Lebens-, Tages-, Wochen- und Monatszyklus. Die ganze Woche geht es um die Frage, was ich am Schabbat machen werde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-62\" pos=\"56\">\n        <strong>taz: Gilt das nicht f\u00fcr das Judentum generell?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-63\" pos=\"57\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ich glaube, es gibt Unterschiede. Die Art, wie wir uns etwa auf die hohen Feiertage im September vorbereiten, ist vollkommen anders, viel intensiver, glaube ich. Nichtorthodoxe J\u00fcdinnen und Juden sehen uns als die \u00e4rmeren, weniger kulturell ausgereiften Cousin:innen. Wir werden als altmodisch abgeschrieben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-64\" pos=\"58\">\n        <strong>taz: Sie kritisieren die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Orthodoxie\/!t5067570\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">orthodoxe Gemeinschaft<\/a> auf der einen Seite, auf der anderen stehen Sie f\u00fcr sie ein.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-65\" pos=\"59\"><strong>Fletcher:<\/strong> Weil ich selbst dazugeh\u00f6re und deshalb das Recht habe, mich kritisch zu \u00e4u\u00dfern. Es ist meine Gemeinschaft, ich lebe nach vielen ihrer Regeln und Gebote, vor allem nach dem Gebot, dass wir einander lieben sollen. Deshalb habe ich auch ein Problem damit, dass Menschen uns verurteilen, wenn ich mit meiner Lebenspartnerin auf die Stra\u00dfe gehe.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-66\" pos=\"60\">\n        <strong>taz: Um Ver\u00e4nderungen zu bewirken, haben Sie vor einigen Jahren mit anderen die Organisation Nahamu gegr\u00fcndet.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-67\" pos=\"61\"><strong>Fletcher:<\/strong> \u201eNahamu\u201c bedeutet auf Hebr\u00e4isch \u201etr\u00f6sten\u201c. Wir sind da, um ein anderes Modell f\u00fcr das Leben der Ultraorthodoxen anzubieten, in dem Traditionen bewahrt werden, aber das schutzbed\u00fcrftige Menschen auch ein Leben in W\u00fcrde erm\u00f6glicht. Wir m\u00fcssen keine P\u00e4dophilen sch\u00fctzen oder Menschen zur Heirat zwingen, damit unsere Kultur erhalten bleibt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/!112039\/#matomo:pk_campaign=standard_wot-only&amp;pk_source=Online&amp;pk_medium=taz.de&amp;pk_kwd=textbox-wot-texte\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.png\" loading=\"lazy\" height=\"363\" type=\"image\/png\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>wochentaz<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\">Dieser Text stammt aus der <strong>wochentaz<\/strong>. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist \u2013 und wie sie sein k\u00f6nnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <a href=\"https:\/\/taz.de\/!112039\/#matomo:pk_campaign=standard_wot-only&amp;pk_source=Online&amp;pk_medium=taz.de&amp;pk_kwd=textbox-wot-texte\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">nat\u00fcrlich im Abo<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-69\" pos=\"62\">\n        <strong>taz: Gibt es Leute, die Ihnen zur Seite stehen?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-70\" pos=\"63\"><strong>Fletcher:<\/strong> Viele meiner Freunde sind aus der orthodoxen Community. Wir haben zudem gro\u00dfartige Allianzen mit Menschen verschiedenster Herkunft, deren Familientraditionen auch sehr restriktiv sind, etwa aus S\u00fcdostasien. Aber ich muss Ihnen sagen, unter all denen sind wir die extremsten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-71\" pos=\"64\">\n        <strong>taz: Tats\u00e4chlich?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-72\" pos=\"65\"><strong>Fletcher:<\/strong> Die Hilfsorganisationen f\u00fcr s\u00fcdostasiatische und Schwarze Frauen haben teils noch nie von den Dingen geh\u00f6rt, die ich beschreibe. Etwa das Abrasieren der Haare von Frauen nach ihrem Menstruationszyklus. Oder dass Kinder, deren M\u00fctter Auto fahren, aus den Schulen geworfen werden. Ich m\u00f6chte langfristige Ver\u00e4nderungen, damit wir das bewahren k\u00f6nnen, was f\u00fcr uns wertvoll ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-73\" pos=\"66\">\n        <strong>taz: Sie sagen auch, Sie helfen anderen, indem Sie in der Community bleiben. Haben Sie daf\u00fcr ein Beispiel?<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-74\" pos=\"67\"><strong>Fletcher:<\/strong> Auf dem Spielplatz und vor der Schule werde ich von anderen Eltern immer gemieden. Eine Frau, die ihre Kinder auf dieselbe Schule wie meine schickt, war Teil dieser Leute. In der B\u00e4ckerei h\u00f6rte ich eines Tages, wie jemand meinen Namen rief. Hinter einem der Regale versteckte sie sich. Als ich n\u00e4her kam, fl\u00fcsterte sie: \u201eBitte, Yehudis, kannst du mir sagen, wo ich abtreiben kann?\u201c Und das tat ich.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-75\" pos=\"68\">\n        <strong>taz: So etwas geht nur, wenn Sie in der Gemeinschaft sind.<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-76\" pos=\"69\"><strong>Fletcher:<\/strong> Ich bin die verk\u00f6rperte Rebellion und sende damit eine Botschaft an andere Menschen: Wenn sie etwas brauchen, das in der Community nicht erlaubt ist, k\u00f6nnen sie mich fragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An einem Vormittag im Juni empf\u00e4ngt Yehudis Fletcher in ihrem Haus im j\u00fcdisch-orthodoxen Viertel Manchesters. 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