{"id":245948,"date":"2025-07-06T04:18:11","date_gmt":"2025-07-06T04:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/245948\/"},"modified":"2025-07-06T04:18:11","modified_gmt":"2025-07-06T04:18:11","slug":"die-besten-sachbuecher-fuer-spannende-ferien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/245948\/","title":{"rendered":"Die besten Sachb\u00fccher f\u00fcr spannende Ferien"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-object-position=\"50% 50%\" alt=\"Verstehen, was in der Welt geschieht: Das sind die besten Sachb\u00fccher f\u00fcr die Sommerferien\" size=\"fullscreen\" data-object-fit=\"cover\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/6bd14c15-8254-45a1-bb0d-f090871370ca.jpeg\" width=\"2052\" height=\"3648\"\/>    <\/p>\n<p>Anastasija Vujic \/ Getty<\/p>\n<p class=\"headline__lead\">Wie begann der Nahostkonflikt? Sind Fl\u00fcsse Lebewesen? Wie wird ein ehemaliger Nazi zu Pinochets Folterknecht? Und wie f\u00fchrt man Krieg ohne Waffen? \u2013 Fragen gibt es viele. Und Lesen kann man \u00fcberall. Am Strand, im Flugzeug, in den Bergen, im Caf\u00e9. Und ein Buch geh\u00f6rt in jedes Reisegep\u00e4ck. Wir haben zw\u00f6lf neue Sachb\u00fccher f\u00fcr Sie ausgew\u00e4hlt, mit denen die Ferien noch interessanter werden.<\/p>\n<p>    Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Und doch ist den wenigsten klar, wo die Wurzeln dieser ewigen Auseinandersetzung liegen. Der in Tel Aviv lebende amerikanische Historiker Oren Kessler sieht den Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis im arabischen Aufstand von 1936. Um gegen die zunehmende Ausbreitung und Einflussnahme der j\u00fcdischen Einwanderer vorzugehen, rief der Grossmufti von Jerusalem zu einer Revolte und einem Generalstreik auf. Es kam zu einem blutigen Aufstand, der drei Jahre anhielt und 5000 Muslimen, 500 Juden und 250 britischen Kolonialkr\u00e4ften das Leben kostete. F\u00fcr die arabische Seite war das Resultat verheerend. Der Streik ruinierte die eigene Wirtschaft, die arabische Gesellschaft war danach geschw\u00e4cht, auch durch interne K\u00e4mpfe. Die Juden hingegen wussten die Notlage f\u00fcr sich zu nutzen: Sie bauten in Tel Aviv einen eigenen Hafen, weil jener von Jaffa bestreikt wurde, machten sich wirtschaftlich unabh\u00e4ngig und erschufen eine Gemeinschaft, die sich selbst ern\u00e4hren und mit Waffengewalt verteidigen konnte. Dies ebnete den Weg zur Staatsgr\u00fcndung 1948, aber nicht zum Frieden. Der Aufstand von 1936, so der Autor, sei \u00abf\u00fcr die Israelis und Pal\u00e4stinenser bis heute nicht vorbei\u00bb. Erhellend ist das Buch vor allem darum, weil Kessler auch die Vor- und Nachgeschichte des Aufstands anschaulich erkl\u00e4rt, ohne selber Stellung zu beziehen. Er zeigt zum Beispiel, wie sich die Juden durch Landk\u00e4ufe immer mehr Gebiete einverleibten und m\u00e4chtige Araber, die \u00f6ffentlich die Deals verdammten, heimlich selber das grosse Geld mit Landverk\u00e4ufen machten. Und er nimmt auch \u00fcberraschende menschliche Aspekte auf, etwa die langj\u00e4hrige Freundschaft zwischen dem Pal\u00e4stinenserf\u00fchrer Musa Alami und David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpr\u00e4sidenten Israels.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnk3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Oren Kessler: Pal\u00e4stina 1936. Der Grosse Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts. Hanser-Verlag, M\u00fcnchen 2025. 384\u00a0S., Fr. 39.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnk5\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abZeit der Magier\u00bb<br \/>von Hans Wisskirchen<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"520\" height=\"849\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnk7\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Thomas Ribi \u00b7 Auch Schriftsteller, die man kennt, kann man neu entdecken. Und Jubil\u00e4en bieten keine schlechte Gelegenheit dazu. Thomas Mann zum Beispiel. Dieses Jahr wird sein 150.\u00a0Geburtstag gefeiert, und mittlerweile ist man sich darin einig, dass man es mit einem Klassiker zu tun hat. Aber auch mit einem im Grunde unpolitischen Menschen. Das enervierend heftige Eintreten f\u00fcr den Obrigkeitsstaat, der sich \u00fcberlebt hat, in den \u00abBetrachtungen eines Unpolitischen\u00bb, die Ablehnung der Weimarer Republik, der z\u00f6gerliche Stellungsbezug gegen\u00fcber Nazi-Deutschland nach 1933 und die unklare Haltung im Kalten Krieg scheinen das Urteil zu best\u00e4tigen, das Joachim Fest in den achtziger Jahren gef\u00e4llt hat: Thomas Mann sei \u00abunrettbar fremd im Politischen\u00bb. Und sein Bruder Heinrich genauso. Was die Politik betrifft, hatte Thomas Manns Sohn Golo seinen Vater und den Onkel als \u00abunwissende Magier\u00bb bezeichnet: mit einem intuitiven Blick begabt, aber schlecht informiert und politisch naiv. Bei diesen Urteilen setzt Hans Wisskirchen ein und schreibt eine Doppelbiografie der ungleichen Br\u00fcder. Aus der \u00dcberzeugung heraus, dass man beide nur verstehen k\u00f6nne, wenn man sie gemeinsam in den Blick nehme. \u00abZeit der Magier\u00bb widerspricht dem Bild der unpolitischen Manns und zeigt, wie sich das Politische in ihren Werken unaufl\u00f6slich mit dem Literarischen verband. In den \u00abBuddenbrooks\u00bb, dem \u00abZauberberg\u00bb und dem \u00abDoktor Faustus\u00bb genauso wie in \u00abDer Untertan\u00bb oder \u00abDie Jugend des K\u00f6nigs Henri Quatre\u00bb. Tiefpunkte werden nicht verschwiegen. Weder Thomas Manns Kriegsbegeisterung ab 1914 noch Heinrich Manns Verkl\u00e4rung des Stalinismus. Und vor allem gelingt es Wisskirchen zu zeigen, wie sehr das selbstbezogene Milieu des L\u00fcbecker Grossb\u00fcrgertums die beiden Br\u00fcder politisch gepr\u00e4gt hat. Jeden auf seine Weise.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnk8\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Hans Wisskirchen: Zeit der Magier. Heinrich und Thomas Mann 1871\u20131955. Verlag S.\u00a0Fischer, Frankfurt am Main 2025. 464\u00a0S., Fr. 39.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abBriefe\u00bb<br \/>von Oliver Sacks<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1600\" height=\"2459\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Birgit Schmid \u00b7 Als der Neurologe Oliver Sacks sich in Amerika zum Arzt ausbilden l\u00e4sst, schreibt er seinen Eltern in England \u00abMammutbriefe\u00bb, wie er sie selber nennt: seitenlange Beschreibungen seines neuen Lebens, dessen Freiheit ihn euphorisiert. Er berichtet von Wettk\u00e4mpfen im Gewichtheben, die er bestreitet, und der Besessenheit, die Marke von 273 Kilos zu erreichen, \u00abdie M\u00e4nner von Jungs unterscheiden\u00bb. Er gibt Einblick in seine Klinikt\u00e4tigkeit, wo er \u00abGehirne zerschnippelt\u00bb, um Hirnerkrankungen wie Alzheimer zu erforschen. Sacks ist durch B\u00fccher wie \u00abDer Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte\u00bb oder \u00abZeit des Erwachens\u00bb ber\u00fchmt geworden, in denen er Geschichten \u00fcber seine Patienten und ihre neurologischen Probleme erz\u00e4hlt: humorvoll, einf\u00fchlsam und menschlich. Diese \u00abnarrative Wissenschaft\u00bb beherrscht er auch in seinen Briefen, die nun gesammelt auf Deutsch vorliegen. Sacks war ein manischer Briefeschreiber sein ganzes Leben lang, intensiv tauschte er sich so mit seiner Familie, Forscherkollegen und Freunden aus. In Briefen an seine Liebhaber feiert er den \u00abk\u00f6stlichen Wahnsinn\u00bb der Liebe. Nach dem Tod der Mutter bekundet er dem Bruder \u00abeine entsetzliche, fr\u00fchkindliche Trauer\u00bb. Er schrieb mit der Autorin Susan Sontag oder dem Schauspieler Robin Williams hin und her. Auch kurz vor seinem Krebstod 2015 h\u00f6rte der 82-J\u00e4hrige damit nicht auf. \u00abMit mir geht es zu Ende\u00bb, wiederholt er in diesen letzten Briefen oft, als wollte er bis zuletzt bezeugen, dass er am Leben sei.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Oliver Sacks: Briefe. Herausgegeben von Kate Edgar. Aus dem Englischen von Hainer Kober. Rowohlt-Verlag, Hamburg 2025. 1008\u00a0S., Fr. 67.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1iv04g2ie0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abGef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten\u00bb<br \/>von Werner Plumpe<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1600\" height=\"2451\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iv04ftfe0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Thomas Ribi \u00b7 Seit dem \u00dcberfall auf die Ukraine setzt Russland Erdgaslieferungen als Druckmittel ein, um die EU-Staaten gef\u00fcgig zu machen, US-Pr\u00e4sident Trump droht mit Z\u00f6llen, um die eigene Wirtschaft zu st\u00e4rken, China k\u00fcndigt Gegenmassnahmen an: Der Wirtschaftskrieg ist wieder da. Aber vielleicht war er gar nie verschwunden. Weil jeder Krieg auch ein Wirtschaftskrieg ist. Und es immer schon war, wie Werner Plumpe in seinem Buch \u00abGef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten\u00bb zeigt: Um sich milit\u00e4risch durchzusetzen, konnte es f\u00fcr eine Kriegspartei in vielen F\u00e4llen entscheidend sein, dem Gegner auch wirtschaftlich zu schaden, indem sie ihm die Lebensgrundlagen zu entziehen versuchte. Oft eskalierten Kriege derart, dass die \u00f6konomischen Folgen ungeahnte Dimensionen annahmen. Plumpe f\u00fchrt den Dreissigj\u00e4hrigen Krieg als Beispiel an. 1648 war das Gebiet des heutigen Deutschland verw\u00fcstet, auch wenn dies nicht das prim\u00e4re Kriegsziel der gegnerischen Koalition war. Aber die deutschen Territorien verloren auf lange Zeit als wirtschaftlicher Faktor an Bedeutung, zum Teil bis in die Neuzeit. Wenn heute von Wirtschaftskrieg die Rede ist, geht es allerdings um anderes: um gezielte wirtschafts- oder handelspolitische Massnahmen, die andere Staaten als Konkurrenten schw\u00e4chen und dem eigenen Land einen Vorteil verschaffen sollen: Embargos, Z\u00f6lle, Handelshemmnisse. Plumpe schildert in seinem gl\u00e4nzend geschriebenen Buch anschaulich Beispiele von der fr\u00fchen Neuzeit bis in die Gegenwart. Er zeigt, dass Wirtschaftskriege in einzelnen F\u00e4llen erfolgreich waren. Und erkl\u00e4rt, warum sie in der Regel beiden Parteien schaden.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1iv04gu2l0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Werner Plumpe: Gef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten. Wirtschaftskriege \u2013 von den Anf\u00e4ngen der Globalisierung bis zu Trumps Deal-Politik. Rowohlt-Verlag, Berlin 2025. 320\u00a0S., Fr. 38.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abSind Fl\u00fcsse Lebewesen?\u00bb<br \/>von Robert Macfarlane<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1835\" height=\"3059\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Marion L\u00f6hndorf \u00b7 Robert Macfarlane war klar, dass die seltsam anmutende Frage im Titel seines Buchs nur schwer zu kl\u00e4ren w\u00e4re: Sind Fl\u00fcsse Lebewesen? Selbst wenn es Zeiten gab, in denen Fl\u00fcsse als G\u00f6tter galten und auch so benannt wurden: Dana (die sp\u00e4tere Donau), Deva (der Dee), Tamesa (die Themse), Sinnann (der Shannon). Macfarlane pl\u00e4diert daf\u00fcr, Fl\u00fcsse nicht mehr nur als nat\u00fcrliche Ressourcen anzusehen, sondern als lebendige Gebilde. Zur Spurensuche bereist er Ecuador, Indien und Kanada, erz\u00e4hlt aber auch von den Wasserwegen vor der eigenen Haust\u00fcr. Vor allem in England ist die Lage prek\u00e4r, in den Medien machen Skandale um seine verschmutzten Gew\u00e4sser fast t\u00e4glich die Runde. Einst sauberes Flusswasser wurde gesundheitsgef\u00e4hrdend, und sogar das Schwimmen darin machte krank: \u00abAls wir endlich die Augen \u00f6ffneten und die Katastrophe sahen, war es schon fast zu sp\u00e4t.\u00bb Zeitgem\u00e4sser k\u00f6nnte das Buch kaum erscheinen. Doch es ist kein \u00f6kologischer Essay. Macfarlane spannt seine Netze weit und verwebt wissenschaftliche, politische und soziologische Betrachtungen mit Zitaten aus Literatur und Philosophie und sehr pers\u00f6nlichen Reiseberichten. Hochelegant und leicht lesbar verbindet er Disparates. Sein Schreiben \u00fcber die Natur ist mitreissend, \u00fcberraschend und scharfsinnig und nur manchmal etwas esoterischer, als es dem Ganzen guttut. Ob im kurzen Abriss \u00fcber unseren Umgang mit Fl\u00fcssen oder in den Erz\u00e4hlungen \u00fcber Menschen, denen er auf seinen Wegen zu den Quellen und Gew\u00e4ssern begegnet \u2013 man sp\u00fcrt die lyrische Naturbegeisterung des Autors, der auch als Literaturprofessor in Cambridge lehrt und zu Englands bekanntesten Naturschriftstellern z\u00e4hlt.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl7\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Robert Macfarlane: Sind Fl\u00fcsse Lebewesen? Aus dem Englischen von Frank Sievers und Andreas Jandl. Ullstein-Verlag, Berlin 2025. 416\u00a0S., Fr. 44.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl9\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abSein oder Spielen\u00bb<br \/>von Dominik Graf<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1266\" height=\"1950\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl11\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Andreas Scheiner \u00b7 Wenn Dominik Graf \u00fcber die Schauspielerei nachdenkt, dann denkt er zum Beispiel an einen \u00abwirklich ganz grossen deutschen Schauspieler, der die seltsame Eigenart hat, nach jedem einzelnen Satz den Mund zu schliessen\u00bb. Graf st\u00f6rt das, weil dadurch jeder Satz \u00abetwas Endg\u00fcltiges, Abschliessendes\u00bb bekomme. Er will unbedingt mit dem Schauspieler zusammenarbeiten, aber nur, wenn dieser den Mund nicht immer schliesst. Wie kann er es dem Mann beibringen? Bei den Proben will er seinen Darsteller nicht verunsichern. Sonst zerfleische sich der Arme beim \u00dcben vor dem Spiegel: \u00abMein Gott, wie sehe ich aus, wenn ich diese Mundbewegung mache, ich muss mir das abgew\u00f6hnen, aber mein Gott, ich schaffe es nicht.\u00bb Besser sei es, den Schauspieler nach dem ersten Drehversuch darauf anzusprechen (\u00ableise\u00bb): \u00abDas war doch super, aber kannst du mal den Mund nicht so zumachen nach jedem Satz, weil das sieht so aus wie ein Poststempel, mit dem du jeden Text abschickst.\u00bb Klar, einem Schauspieler so \u00abmitten in den heissesten Arbeitsvorgang\u00bb zu gr\u00e4tschen, sei auch hart, gesteht Graf. Aber es wirke. Auf diese Art, sch\u00f6n salopp und unverbl\u00fcmt, erz\u00e4hlt der Regisseur \u2013 selber Sohn eines Schauspielers und einer Schauspielerin \u2013 von seinen Erfahrungen mit dem Berufsstand. Den Namen des Schauspielers mit dem Mundproblem verr\u00e4t er leider nicht. Daf\u00fcr gibt es vergn\u00fcgliche Exkurse. \u00dcber \u00abTrash-Schauspiel\u00bb in der Pornografie etwa. Oder der wirklich ganz grosse deutsche Filmemacher (\u00abIm Angesicht des Verbrechens\u00bb, \u00abFabian oder Der Gang vor die Hunde\u00bb) schw\u00e4rmt von Hollywoodstars wie Robert De Niro und Al Pacino, die in Michael Manns \u00abHeat\u00bb \u00abein komplettes Seminar \u00fcber Machtk\u00e4mpfe und Positionswechsel\u00bb in einer Szene ablieferten. Solchen Meistern muss keiner sagen, dass sie den Mund zumachen sollten.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnl12\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Dominik Graf: Sein oder Spielen. \u00dcber Filmschauspielerei. Verlag C.\u00a0H. Beck, M\u00fcnchen 2025. 391\u00a0S., Fr. 39.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abDie Verschwundenen von Londres 38\u00bb<br \/>von Philippe Sands<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"520\" height=\"797\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Thomas Ribi \u00b7 Am 16.\u00a0Oktober 1998 wurde Augusto Pinochet verhaftet. Er hatte sich in einer Londoner Klinik einer Operation unterzogen und schlief, als die Polizei sein Zimmer betrat. Die Verhaftung des chilenischen Ex-Diktators l\u00f6ste weltweit Reaktionen aus. Freude, aber auch Unglauben dar\u00fcber, dass es tats\u00e4chlich gelungen sein sollte, den Unfassbaren zu fassen. Vor allem aber stellten sich Fragen: W\u00fcrde es gelingen, Pinochet f\u00fcr die Menschenrechtsverletzungen, die man ihm zur Last legte, zur Verantwortung zu ziehen? Unter welchem Titel? Und vor welchem Gericht? Die chilenische Regierung protestierte, Pinochets Sohn sprach von einem Verstoss gegen internationale Normen. Als ehemaliger Staatspr\u00e4sident und Senator auf Lebenszeit genoss der Generalissimo ihrer Ansicht nach Immunit\u00e4t. Drei Jahre sp\u00e4ter stand Pinochet vor Gericht. Der britisch-franz\u00f6sische Schriftsteller und Jurist Philippe Sands war am Prozess beteiligt. Er fing an zu recherchieren. Und stiess auf die Geschichte hinter der Geschichte. Im Zusammenhang mit einem anderen Buch war Sands auf Walther Rauff gestossen: den SS-Sturmbannf\u00fchrer und Gruppenleiter in Hitlers Reichssicherheitshauptamt, der f\u00fcr die Nazis mobile Gaskammern entwickelt hatte. 1949 war er nach S\u00fcdamerika gefl\u00fcchtet, hatte auf Feuerland eine Krabbenfarm betrieben und war Pinochets Experte f\u00fcr Verh\u00f6r- und Foltermethoden geworden. Die Wege von Rauff und Pinochet kreuzten sich in Londres 38, einem unscheinbaren Haus in Santiago, das ab 1973 als Sitz der Geheimpolizei diente. Hier wurden Menschen verh\u00f6rt, gefoltert, get\u00f6tet. Philippe Sands rollt in seinem gl\u00e4nzend erz\u00e4hlten Buch das Verfahren gegen Augusto Pinochet auf. Und erz\u00e4hlt vor seinem Hintergrund eine Geschichte von Gewalt und Mord, die sich \u00fcber ein halbes Jahrhundert hinzieht.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Philippe Sands: Die Verschwundenen von Londres 38. \u00dcber Pinochet in England und einen Nazi in Patagonien. Verlag S.\u00a0Fischer, Frankfurt am Main 2025. 624\u00a0S., Fr. 43.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abMy Next Breath\u00bb<br \/>von Jeremy Renner<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1594\" height=\"2539\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm8\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Andreas Scheiner \u00b7 An Neujahr 2023 wird der Hollywood-Star Jeremy Renner von einer sechs Tonnen schweren Pistenraupe \u00fcberfahren. Es geschieht, als er die Auffahrt zu seinem Haus \u00fcber Lake Tahoe, Nevada, freizur\u00e4umen versucht. Auf dem vereisten Asphalt beginnt das Raupenfahrzeug zu rutschen. Renner tritt aus dem F\u00fchrerstand, um besser sehen zu k\u00f6nnen. Dabei verliert er das Gleichgewicht und wird in den Schnee geworfen. F\u00fchrerlos steuert das Gef\u00e4hrt geradewegs auf seinen 27-j\u00e4hrigen Neffen zu. Der Schauspieler muss handeln. Hechtet zur\u00fcck in Richtung Kabine. Doch der Sprung misslingt. Er st\u00fcrzt vorn \u00fcber das Kettenfahrwerk, schl\u00e4gt zun\u00e4chst heftig mit dem Kopf auf dem Boden auf. Dann \u00fcberrollt ihn die Maschine. Sechs R\u00e4der hat die Raupe, jedes, so schreibt Renner, \u00abumgeben von einer gerippten Kette aus 76 tropfenf\u00f6rmigen Stahlschwellen mit scharfen Enden\u00bb. Er sp\u00fcrt, wie sich das Gef\u00e4hrt in seinen auf dem vereisten Asphalt liegenden K\u00f6rper gr\u00e4bt: \u00abSch\u00e4del, Kiefer, Wangenknochen, Backenz\u00e4hne: Wadenbein, Schienbein, Lunge, Augenh\u00f6hlen, Hirnschale, H\u00fcfte, Elle, Beine, Arme, Haut, krach, knack, krach, quetsch, krach.\u00bb 38 Knochen (mindestens) werden gebrochen, wenn nicht zermalmt. \u00abTatsache: Ich kann mein linkes Auge mit meinem rechten Auge sehen\u00bb, so schildert er, wie ihm ein Augapfel aus dem Sch\u00e4del gedr\u00fcckt wird. Wenn Jeremy Renner in \u00abMy Next Breath \u2013 Die Geschichte meines \u00dcberlebens\u00bb den Unfall beschreibt, w\u00e4hnt man sich in einem Splatter-Horrorfilm. Und dann zunehmend in einem r\u00fchrenden Drama. Denn der Mann, der als Marvel-Superheld Hawkeye zu heldenhaften Taten f\u00e4hig ist, rekapituliert nicht nur den fatalen Neujahrsmorgen. Vor allem erz\u00e4hlt er die saftige, sch\u00f6n dick aufgetragene Survivor-Story von einem, der sich heroisch ins Leben zur\u00fcckgek\u00e4mpft hat. Das Buch h\u00e4tte eigentlich auch das Zeug zum Film.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm9\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Jeremy Renner: My Next Breath \u2013 Die Geschichte meines \u00dcberlebens. Aus dem Amerikanischen von Johannes Sabinski. Penguin-Verlag, M\u00fcnchen 2025. 288\u00a0S., Fr. 37.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1iuma7o1q0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abAnanas\u00bb<br \/>von Kaori O\u2019Connor<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"443\" height=\"700\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iuma7mab0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Claudia M\u00e4der \u00b7 Es gibt kein Gericht, wirklich keines, das mit ihr nicht an Reiz gew\u00e4nne. Steak? Saftiger mit Ananas. Hackbraten, K\u00e4se-Toast, Baked Beans? Alles besser mit s\u00fcssen Scheiben! Vor gut hundert Jahren rieten Rezepthefte wie \u00ab99 leckere Ananas-Versuchungen\u00bb zum \u00fcppigen Gebrauch der Fr\u00fcchte. Ersonnen wurden sie von hawaiianischen Industriellen. Sie hatten um 1900 begonnen, Ananas in Dosen abzupacken, doch viele Konsumenten be\u00e4ugten B\u00fcchsenware skeptisch \u2013 kostenlos mitgereichte Rezepttipps sollten helfen, sie auf den Geschmack zu bringen. Der Erfolg war durchschlagend, die Ananas ist heute nach der Banane die am zweith\u00e4ufigsten verzehrte Tropenfrucht. Das ist bemerkenswert, denn lange war sie ein absolutes Luxusgut: Die Anthropologin Kaori O\u2019Connor zeichnet die Karriere nach, die die Frucht durchlief, nachdem die Europ\u00e4er sie im 15.\u00a0Jahrhundert in der Karibik entdeckt hatten. Ihr zauberhaft gestaltetes Buch f\u00fchrt weit \u00fcber den Tellerrand hinaus, mitten in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Die Geschicke der Ananas sind eng mit der europ\u00e4ischen Expansion verkn\u00fcpft: Auf Schiffen der Spanier und Portugiesen gelangte sie in der Fr\u00fchen Neuzeit nach S\u00fcdamerika, Asien und Afrika \u2013 nur daheim auf dem alten Kontinent wollte sie nicht gedeihen. Kluge K\u00f6pfe erfanden hier zwar erste Treibh\u00e4user, um Ananas zu z\u00fcchten, doch das gelang so selten, dass eine Frucht bis zu 2000 Franken kostete. Folglich kam Ananas nur beim Adel auf den Tisch. Erst als Dampfschiffe im 19.\u00a0Jahrhundert die Einfuhr erleichterten, sanken die Preise \u2013 und als die Importe mit den Konserven schliesslich explodierten, verlor die Ananas, auf Steaks, Toasts und Baked Beans gelandet, jede Noblesse.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1iumaaejr0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Kaori O\u2019Connor: Ananas. Die Geschichte eines Aufstiegs. Aus dem Englischen von Andrea Kunstmann. Verlag Harper Collins, Hamburg 2025. 192\u00a0S., Fr. 34.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1iv3c9dln0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abUnerw\u00fcnscht\u00bb<br \/>von Stefanie Sch\u00fcler-Springorum<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"520\" height=\"849\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iv3c9if00\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Thomas Ribi \u00b7 Am 8.\u00a0Mai 1945 trat die Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende. Offiziell. Doch es war nicht so, dass sich auf einmal alles ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Noch einige Wochen lang fanden am letzten Sitz der deutschen Reichsregierung in Flensburg Kabinettssitzungen statt. Und bei vielen Deutschen \u00fcberlebten die alten \u00dcberzeugungen. Antisemitismus und Rassismus gab es nach dem Krieg genauso wie w\u00e4hrend des \u00abDritten Reichs\u00bb. Das versucht Stefanie Sch\u00fcler-Springorum, Direktorin des Zentrums f\u00fcr Antisemitismusforschung an der TU Berlin, zu zeigen. Die Zahlen scheinen ihr recht zu geben. Noch 1950 waren knapp vierzig Prozent der Deutschen der Auffassung, es sei besser, \u00abkeine Juden im Land zu haben\u00bb. Das gab man ihnen auch zu verstehen. Man war freundlich, unterst\u00fctzte sie. Doch den Holocaust wollte man so rasch wie m\u00f6glich vergessen. Und dabei waren die Juden im Weg. Allerdings nicht nur sie. Am Beispiel von Sinti und Roma sowie Homosexuellen, die von den Nazis ebenso verfolgt wurden, zeigt Sch\u00fcler-Springorum, wie hartn\u00e4ckig sich Vorurteile in der Bev\u00f6lkerung hielten. Und bei den Beh\u00f6rden. Noch in den f\u00fcnfziger Jahren bezeichnete der Bundesgerichtshof \u00abZigeuner\u00bb als \u00abprimitive Urmenschen\u00bb. Das Buch fokussiert auf die Perspektive der Opfer. Das ist legitim, und die Autorin r\u00e4umt selbst ein, dass es \u00abeinseitig\u00bb sei. Antisemitismus gab es nicht nur in Deutschland, aber hier war er mit der Shoah auf apokalyptische Weise Realit\u00e4t geworden. Um Fahrende und Homosexuelle zu diskriminieren, muss man kein Nazi sein. Deutschland hat sich nach dem Krieg gewandelt. Aber f\u00fcr die von den Nationalsozialisten Verfolgten war es noch lange ein kaltes Land. Das zeigt Sch\u00fcler-Springorum eindringlich.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1iv3cabeq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Stefanie Sch\u00fcler-Springorum: Unerw\u00fcnscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes. Verlag S.\u00a0Fischer, Frankfurt am Main 2025. 256\u00a0S., Fr. 37.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm16\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abDer Urknall unserer Sprache\u00bb<br \/>von Laura Spinney<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1600\" height=\"2451\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm18\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Paul Jandl \u00b7 Wenn es in der Entwicklung von Sprachen so etwas wie Erfolgsgeschichten gibt, dann w\u00e4re das eine. Drei von f\u00fcnf Menschen weltweit sprechen heute eine indoeurop\u00e4ische Sprache. \u00dcber die griechischen Trag\u00f6dien, den \u00abBeowulf\u00bb bis zu den indischen Veden spannt sich ein Kulturkreis, dessen erste Urspr\u00fcnge bis vor kurzer Zeit nicht klar verortet werden konnten. Die britische Wissenschaftsjournalistin und Schriftstellerin Laura Spinney bringt jetzt in ihrem bewusst erz\u00e4hlerisch geschriebenen Buch \u00abDer Urknall unserer Sprache\u00bb Licht ins Dunkel. Es ist eine Abenteuergeschichte, die zeigt, auf welchen komplexen Wegen das forschende Miteinander von Genetik, Arch\u00e4ologie und Linguistik neue Erkenntnisse bringt. Den \u00abUrknall\u00bb, der sich wahrscheinlich weniger pl\u00f6tzlich ereignet hat, als es der Titel suggeriert, verortet Spinney auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Vor ungef\u00e4hr sechstausend Jahren vermischten sich dort alteurop\u00e4ische St\u00e4mme mit Nomadenv\u00f6lkern aus der Kaukasus-Wolga-Region, und es entstand die sogenannte Jamnaja-Kultur. Ein revolution\u00e4res, alte Ordnungen umst\u00fcrzendes und sich rasch nach Westen und Osten ausbreitendes Ph\u00e4nomen. Die Sprache der neuen Nomaden war ein Teil dieses Siegeszugs. Das Indoeurop\u00e4ische hatte hier seine Anf\u00e4nge und verzweigte sich im Lauf der Jahrtausende weiter. Laura Spinneys flamboyantes Buch bem\u00fcht sich um die Aufbereitung von Sachwissen gleichermassen wie um Lesbarkeit. Ein politisches Fazit aus sechstausend Jahren indoeurop\u00e4ischer Kultur gibt es auch: Sprache braucht Ver\u00e4nderung, sie braucht Durchl\u00e4ssigkeit, sonst stirbt sie einen grausamen Tod.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm19\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Laura Spinney: Der Urknall unserer Sprache. Aus dem Englischen von Stephanie Singh. Hanser-Verlag, M\u00fcnchen 2025. 336\u00a0S., Fr. 39.90.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnm21\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>\u00abAtlas der Kunstverbrechen\u00bb<br \/>von Laura Evans<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1607\" height=\"1984\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnn1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Philipp Meier \u00b7 Leonardo, Monet, C\u00e9zanne: Grosse Kunst fasziniert. Noch mehr aber sind viele fasziniert von den grossen Kunstverbrechen. Wobei weniger der Vandalismus von Klimaaktivisten gemeint ist, die bedeutende Bilder mit Farbe besch\u00fctten oder sich an Leinw\u00e4nde kleben. Bei Kunst und Kriminalit\u00e4t denkt man eher an den Diebstahl der \u00abMona Lisa\u00bb. Die Dame mit dem r\u00e4tselhaften L\u00e4cheln gilt als das ber\u00fchmteste Kunstwerk \u00fcberhaupt. Das aber war nicht immer so. Zu ihrem Ruhm kam sie n\u00e4mlich durch einen Diebstahl. Im August 1911 wurde sie von drei italienischen Br\u00fcdern aus dem Pariser Louvre entwendet. Erst dadurch wurde sie weltber\u00fchmt. Wie es zur dreisten Entf\u00fchrung der Gioconda kam, wie dieses Meisterwerk von Leonardo da Vinci auch genannt wird, aber vor allem auch, wie sie mit grossem Tamtam wieder in den Louvre zur\u00fcckkehrte \u2013 als erste Ikone der Massenkunst sozusagen \u2013, diese spannende Story erz\u00e4hlt die amerikanische Kunsthistorikerin Laura Evans. Selber in den Bann der filmreifen Raub\u00fcberf\u00e4lle oder unverfrorenen F\u00e4lschungen geschlagen, l\u00e4sst sie es in ihrem \u00abAtlas der Kunstverbrechen\u00bb aber l\u00e4ngst nicht bei dieser Geschichte bewenden. So stellt sie in dem gut bebilderten Band zahlreiche haarstr\u00e4ubende F\u00e4lle vor, darunter etwa auch jenen des wohl gr\u00f6ssten Kunstf\u00e4lschers: Beim Namen Elmyr de Hory, der schon Gegenstand von Romanen, Filmen und selbst eines Musicals wurde, bekommen Kunstsammler und Museumsdirektoren G\u00e4nsehaut. In den f\u00fcnfziger und sechziger Jahren schuf de Hory F\u00e4lschungen von \u00fcber tausend Werken, darunter zahllose Modiglianis. Viele befinden sich heute noch in namhaften Museen.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1ium36mnn2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Laura Evans: Atlas der Kunstverbrechen. Diebstahl, F\u00e4lschung, Vandalismus. Prestel-Verlag, M\u00fcnchen 2025. 224\u00a0S., Fr. 49.90.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Anastasija Vujic \/ Getty Wie begann der Nahostkonflikt? Sind Fl\u00fcsse Lebewesen? 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