{"id":246572,"date":"2025-07-06T10:19:20","date_gmt":"2025-07-06T10:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/246572\/"},"modified":"2025-07-06T10:19:20","modified_gmt":"2025-07-06T10:19:20","slug":"gespraech-mit-ulrich-hoerning-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/246572\/","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch mit Ulrich H\u00f6rning \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Kyjiw ist seit 1961 eine Partnerstadt von Leipzig. Russland griff 2014 die Ukraine an, mit der Besetzung der Krim, und seit 2022 tobt der gro\u00dffl\u00e4chige Krieg Russland gegen die Ukraine. Leipzig unterst\u00fctzt seine Partnerstadt, unter anderem mit technischen Mitteln, auch viele Leipzigerinnen und Leipziger engagieren sich in der Ukrainehilfe.\u00a0Erstmals seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat jetzt eine offizielle Delegation der Stadt Leipzig unsere Partnerstadt besucht. Wir sprachen mit Ulrich H\u00f6rning, Verwaltungsb\u00fcrgermeister der Stadt Leipzig und Leiter der Steuerungsgruppe Ukraine, \u00fcber seine Eindr\u00fccke, Erlebnisse und Erkenntnisse.<\/p>\n<p><b>Herr H\u00f6rning, Sie waren mit einer kleinen Delegation der Stadt Leipzig in Kyjiw. <\/b><b>I<\/b><b>n der Bev\u00f6lkerung, auch bis in den Stadtrat von Leipzig, gibt es Parteien oder Akteure, die meinen, es m\u00fcsse endlich Schluss sein mit dem Krieg, egal wie er ausgeht. Es geht oft nicht mehr darum, dass dieser Krieg eine Aggression Russlands ist. Diese <\/b><b>Menschen<\/b><b> haben es einfach satt, <\/b><b>s<\/b><b>ie wollen nicht mehr dar\u00fcber reden,<\/b><b>\u00a0nicht mehr damit konfrontiert werden, es st\u00f6rt sie in ihrer Komfortzone. Sie haben jetzt Kyjiw und die Menschen dort im Krieg erlebt. Wie lief das ab und was waren Ihre Eindr\u00fccke?<\/b><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/e72ce00e4aa44de1a260437e2471ca77.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/07\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Nach elf Jahren Krieg in der Ukraine \u2013 2014 war die Besetzung der Krim, seit drei Jahren Vollinvasion \u2013, egal wie man es z\u00e4hlt, es ist schlimm. Uns war es wichtig, uns aus unserer Perspektive zu l\u00f6sen, unserer Solidarit\u00e4t mit mehr als nur Worten Ausdruck zu geben, uns ein Bild zu machen und die Botschaften der Menschen aus Kyjiw mit in unsere Stadt zu bringen.<\/p>\n<p>Es ist Krieg in Europa, es ist menschliches Leid, was dort von Russland \u00fcber dieses Land gebracht wird, ein Land, welches sich als europ\u00e4isch empfindet, welches europ\u00e4isch lebt und welches auch politisch nach Europa will. Europ\u00e4isch hei\u00dft Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte. Das ist das, was die Ukrainerinnen und Ukrainer wollen und weshalb sie von Russland angegriffen wurden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Maidan-Ehrung-am-23.06.2025-Foto-Stadt-Leipzig.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-628654 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Maidan-Ehrung-am-23.06.2025-Foto-Stadt-Leipzig.png\" alt=\"Maidan Ehrung am 23.06.2025\" width=\"3971\" height=\"2647\"  \/><\/a>Maidan-Ehrung am 23.06.2025. Foto: Stadt Leipzig<\/p>\n<p>Wir haben uns als Stadt Leipzig entschieden, diese Reise unter einer gewissen Vertraulichkeit vorzubereiten. Wir haben das sehr genau geplant, mit der Botschaft, aber auch mit anderen Organisationen, die schon gereist sind und sind Samstag, dem 21.6. losgefahren und waren am Mittwoch, dem 25., also p\u00fcnktlich zum Stadtrat, wieder in Leipzig. Mit dem Nachtzug von Przemysl, das ist die polnische Grenzstadt, sind wir im Liegewagen gereist, also nicht so wie Herr Macron und Herr Merz, mit gro\u00dfem Schlafwagen und Konferenzabteil.<\/p>\n<p>Wir waren im Liegewagen mit vielen ukrainischen Frauen, Kindern und Familien. Wir haben dort Menschen getroffen in diesem Zug, aber auch an anderer Stelle sp\u00e4ter in der Stadt. Menschen, die von diesem Krieg ersch\u00f6pft sind, auch teilweise ermattet und ausgebrannt, sind durch die Bombenn\u00e4chte, durch pers\u00f6nliche Verluste in allen Familien, die aber ungebrochen sind, in ihrem Willen zum Widerstand und ihrem Willen zur Selbstbestimmung.<\/p>\n<p><b>Sie sagten gerade, die <\/b><b>Menschen <\/b><b>sind ungebrochen in ihrem Willen. Das ist ja genau das, was hier teilweise bestritten wird. <\/b><b>V<\/b><b>on Akteuren <\/b><b>wird <\/b><b>gesagt, <\/b><b>dass <\/b><b>die Menschen einfach Frieden <\/b><b>wollen<\/b><b>, egal wie.<\/b><\/p>\n<p>Ich glaube, das ist eine Position, die sich aus einer deutschen Sicherheit, bisher auch noch vom NATO-Schirm gesch\u00fctzt, sehr einfach formulieren l\u00e4sst, auch nat\u00fcrlich oft kombiniert mit dem Wunsch nach erneuten preiswerten Gaslieferungen. Das ist richtig, aber wir haben ja auch als Bundesrepublik viel getan, um uns von diesen Abh\u00e4ngigkeiten zu befreien.<\/p>\n<p>Bei dieser Reise ging es uns nicht so sehr um die gro\u00dfe Politik oder die Verteidigung der Ukraine, das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind eine Partnerstadt, wir leisten dort keine milit\u00e4rische Hilfe. Wir k\u00f6nnen dort unserer Solidarit\u00e4t Ausdruck verleihen und wir k\u00f6nnen dort auch unserer Trauer Ausdruck verleihen.<\/p>\n<p>Das haben wir getan, wir waren an zwei unmittelbaren Einschlagsorten, wo in zivile Wohnh\u00e4user russische Raketen eingeschlagen haben und bei denen \u00fcber 30 Personen get\u00f6tet, mehrere 100 verletzt wurden. Ich habe dar\u00fcber im Stadtrat berichtet, auch \u00fcber den Namen des get\u00f6teten Kindes in diesem zweiten Einschlagsort von Sonntag auf Montag, im Schewtschenko-Bezirk von Kyjiw. Wir waren dort vor Ort und konnten zusammen mit dem Leiter des Kyjiwer Zivilschutzes unmittelbar ein Gespr\u00e4ch zur Koordinierung von Hilfsleistungen f\u00fchren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bei-der-Feuerwehr-in-Kyjiw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-628655 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Bei-der-Feuerwehr-in-Kyjiw.jpg\" alt=\"Bei der Feuerwehr in Kyjiw\" width=\"4032\" height=\"2688\"  \/><\/a>Bei der Feuerwehr in Kyjiw. Foto: Stadt Leipzig<\/p>\n<p>In all dem Schrecken konnten wir aber auch feststellen, dass unsere Hilfslieferungen ankommen: Da waren Feuerwehrautos, die aus Bundesmitteln, aber auch aus Leipziger Stadtratsgeld bezahlt wurden, die wir geliefert haben und die aus dem n\u00e4chtlichen Einsatz zur\u00fcckkamen. Wir haben dort auch kleine Transporter gesehen, da war ein Team des Gr\u00fcnfl\u00e4chenamts des lokalen Stadtbezirks am Werk und hat weggesprengte B\u00e4ume abges\u00e4gt, die vor diesem Geb\u00e4ude im Schewtschenko-Bezirk standen.<\/p>\n<p>Die sind mit einem Leipziger Transporter gekommen. Das war in diesem Chaos und in diesem Drama dort ein ganz unmittelbarer Ort, wo man eben auch gesehen hat, was Leipziger Hilfe bewirken kann. Und das ist was, was uns auch wichtig war, unseren B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern sagen zu k\u00f6nnen: Diese Partnerschaft mit Kyjiw ist nicht nur etwas, was irgendwo auf einem Kulturpodium oder auf einer Konferenz in Br\u00fcssel stattfindet, wo man sich die H\u00e4nde sch\u00fcttelt und alles Gute w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Es ist auch ganz konkret durch einen Besuch vor Ort hinterlegt und wir haben auch verschiedene andere Strecken, ob das jetzt Kultur ist oder B\u00fcrgerbeteiligung oder Katastrophenschutz, wo wir nat\u00fcrlich jetzt auch weiter fachlich im Gespr\u00e4ch sein wollen.<\/p>\n<p><b>Sie sprachen gerade \u00fcber die humanit\u00e4re und technische Unterst\u00fctzung, die von Leipzig geleistet wird. Eine Frage an den Leiter der Steuerungsgruppe: Die Medien, besonders die sozialen Medien liefern <\/b><b>dazu<\/b><b> teilweise ein verzerrtes Bild. Wie ist aus Ihrer Sicht die Bereitschaft der Leipzigerinnen und Leipziger zu helfen?<\/b><\/p>\n<p>Kyjiw haben wir erlebt als eine lebendige, funktionierende, pulsierende europ\u00e4ische Stadt im Sommer. Die Hilfsbereitschaft der Leipzigerinnen und Leipziger ist, denke ich, weiterhin mehrheitlich sehr hoch. Noch immer gibt es ein breites Unterst\u00fctzungsnetzwerk in Leipzig, die sich direkt engagieren, aber auch die Bedeutung des Themas pr\u00e4sent halten.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen nat\u00fcrlich auch zur Kenntnis nehmen, dass wir mit AfD und BSW zwei Parteien im Stadtrat sehr prominent vertreten haben, die explizit die weitere Nicht-Unterst\u00fctzung der Ukraine zu ihrem Programm gemacht haben und daf\u00fcr auch im Rahmen der Europawahl und im Rahmen der Kommunalwahl entsprechende Stimmenanteile bekommen haben.<\/p>\n<p><b>Das dr\u00fcckt sich dann <\/b><b>wohl<\/b><b> auch in der Stadtratsarbeit aus?<\/b><\/p>\n<p>Es dr\u00fcckt sich durch teilweise sehr unsachliche Themen im Stadtrat aus. Dort werden jeden Monat, auch von anderen politischen Kr\u00e4ften, teilweise obskure Themen aus dem russischen Telegram-Universum gezogen und in Stadtratsanfragen verarbeitet. Ob das jetzt der Atomschlag auf Leipzig ist oder die NATO-Pipeline durch Leipzig oder die Polizeigewalt in der Ukraine. Auch die Wiederer\u00f6ffnung des russischen Generalkonsulats, welches heute an der Boris-Romantschenko-Stra\u00dfe liegt.<\/p>\n<p>Diese Stra\u00dfe wurde auf Initiative der Linksfraktion umbenannt, nach einem russischsprachigen Antifaschisten und Holocaust-\u00dcberlebenden aus Charkiw, der get\u00f6tet wurde. Unser Stadtrat hat allerdings, das muss man auch sagen, das seit 2022 gef\u00fchrte Ukraine-Budget auch f\u00fcr den Doppelhaushalt 2025\u20132026 unterst\u00fctzt. Das wurde von CDU bis Linkspartei getragen und auch einstimmig so im entsprechenden Vorbereitungsausschuss abgestimmt.<\/p>\n<p>Wir haben hier eine ganz klare Positionierung des Leipziger Stadtrats. Und das ist das, was am Ende z\u00e4hlt, n\u00e4mlich f\u00fcr dieses Hilfsbudget und f\u00fcr diese weitere humanit\u00e4re Hilfe, aber auch f\u00fcr die Hilfe der Gefl\u00fcchteten hier vor Ort.<\/p>\n<p><b>Sie sind ja nicht nur als B\u00fcrgermeister in Kyjiw gewesen, sondern auch als Mensch, als Ulrich H\u00f6rning. Was macht dieser Besuch mit Ihnen pers\u00f6nlich?<\/b><\/p>\n<p>Zuerst einmal war es beeindruckend, diese Stadt zu sehen, wenn Sie sich dort bewegen. Sie sehen erst mal keine Zerst\u00f6rung. Sie sehen nat\u00fcrlich an bestimmten Ecken uniformiertes Personal, Sie sehen aber nirgends erh\u00f6hte Milit\u00e4rpr\u00e4senz. Sie haben auf einem Platz russische Milit\u00e4rtechnik, die ist dort als Troph\u00e4e, als Symbol, ausgestellt.<\/p>\n<p>Es macht nat\u00fcrlich was mit einem, wenn man vor einer Wand von Toten, die ab 2014 dort auch an dieser Klostermauer abgebildet sind, steht. Und man sieht da viele tausend Bilder von M\u00e4nnern und Frauen, die dort h\u00e4ngen. Und man macht sich nat\u00fcrlich auch seine eigenen Gedanken \u00fcber sich selbst und \u00fcber diese M\u00e4nner, die dort gestorben sind.<\/p>\n<p>Man macht sich aber auch Gedanken \u00fcber die get\u00f6teten russischen Soldaten in den jetzt verrosteten Panzern. Auch das sind Menschen, die in diesem Krieg zu Tode gekommen sind. Und das ist erst einmal etwas ganz Ungewohntes und ganz Schlimmes. Aber nat\u00fcrlich ist es eine Realit\u00e4t, die hier in Europa stattfindet. Und man muss sich dieser Realit\u00e4t stellen. Kriege werden leider nicht einvernehmlich und in hoher Achtsamkeit, miteinander auf Augenh\u00f6he vereinbart. Sondern sie werden einseitig ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Diesen Krieg hat niemand in der Ukraine bestellt. Es hat auch niemand den Nazi-\u00dcberfall auf Polen, D\u00e4nemark und die Niederlande bestellt. Krieg ist etwas, was f\u00fcr unsere pazifizierte Zivilgesellschaft sehr schwierig zu fassen ist, weil wir ja gewohnt sind, dass alles achtsam und einvernehmlich miteinander vereinbart wird. Und, dass alles verhandelbar ist. Auf einmal ist dort eine Realit\u00e4t, die eben f\u00fcr die Ukrainer hei\u00dft: Menschen stehen im Vorgarten eines Hauses in Butscha und erschie\u00dfen Bewohner. Das wird nicht verhandelt, das ist real, das ist der Einbruch des Realen. Ich glaube, das ist etwas, was es uns in der bundesdeutschen Gesellschaft sehr schwer macht zu begreifen.<\/p>\n<p>Aber was hat es mit dem Ulrich H\u00f6rning gemacht? Ich habe mich an einen Besuch erinnert gef\u00fchlt, den ich beruflich 2011 mit der Weltbank hatte. Das war noch in der Zeit vor der Maidan-Revolution, also vor einem wirklich klaren Aufbruch der Ukraine nach Europa. Was wir heute dort haben, ist ein Land, welches sich seit 2014 auf ganz vielen Ebenen massiv reformiert.<\/p>\n<p>Mit einer Kommunalreform, f\u00fcr die ma\u00dfgeblich Georg Milbradt steht. Als Berater der Bundesregierung, als ehemaliger s\u00e4chsischer Ministerpr\u00e4sident, als ganz klarer Verfechter der kommunalen Selbstverwaltung. Das ist ein grundlegender Demokratiefortschritt in diesem Land.<\/p>\n<p>Dass dieses Land mit unabh\u00e4ngigen B\u00fcrgermeistern 2022 nicht als sowjetischer Zentralstaat verteidigungsf\u00e4hig war, sondern sich vor Ort verteidigt hat, vor Ort die Menschen erlebt haben, wie Demokratie, wie Mitbestimmung, wie auch Antikorruptionsarbeit konkret wirkt. Das sind ganz viele Dinge, in denen dieses Land seither auch noch im Krieg weiter auf dem Weg ist. Und das ist erstmal ein gro\u00dfer Unterschied zu dem, was ich 2011 erlebt habe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Chreschtschatyk-25-Haus-mit-Stern-in-Kyjiw-Foto-Stadt-Leipzig.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-628656 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Chreschtschatyk-25-Haus-mit-Stern-in-Kyjiw-Foto-Stadt-Leipzig.jpg\" alt=\"Chreschtschatyk 25 &quot;Haus mit Stern&quot; in Kyjiw\" width=\"4032\" height=\"2688\"  \/><\/a>Chreschtschatyk 25 \u201eHaus mit Stern\u201c in Kyjiw. Foto: Stadt Leipzig<\/p>\n<p>Ansonsten ist nat\u00fcrlich diese Stadt eine Dualit\u00e4t oder auch ein Widerspruch. Man erlebt eine europ\u00e4ische Stadt im Sommer mit vollen Caf\u00e9s, mit Stra\u00dfenmusik, mit Menschen auf den Boulevards. Pl\u00f6tzlich kippt die Stimmung, Luftalarm, die Menschen eilen in die Schutzr\u00e4ume. Man erlebt gleichzeitig an bestimmten Punkten zerst\u00f6rte H\u00e4user, herausgeschossene Scheiben an diesen H\u00e4usern.<\/p>\n<p>Alles, was es dort an strukturellen Sch\u00e4den gibt, ist aber innerhalb von zwei, drei Tagen beseitigt. Wir haben dort an der einen Einschlagstelle Helfer getroffen, die mit Holz und mit Plastik und anderen Hilfsmitteln, mit der Kreiss\u00e4ge, mit Helmen, die sie dabei haben, den Bewohnern, soweit die H\u00e4user noch strukturell standf\u00e4hig sind, ihre Wohnungen sofort wieder so zurechtzumachen, dass man dort weiter wohnen kann. Und das hat man beides erlebt.<\/p>\n<p><b>Kommen wir zum Schluss: Was ist das Fazit der Reise?<\/b><\/p>\n<p>Wichtig ist, es war keine Trauerreise, sondern es war eine Solidarit\u00e4tsreise mit vielen fachlichen Aspekten. Wir kamen ins Museum der Geschichte Kyjiws-Museum und die Leiterin arbeitet schon mit dem Leiter des stadtgeschichtlichen Museums Leipzig zusammen. Wir kamen zur Feuerwehr, die Kollegen sind mit unserer Feuerwehr in Kontakt.<\/p>\n<p>Wir kamen zum B\u00fcrgerbeteiligungs-Hub, den wir dort besichtigt haben. Die Kollegen arbeiten mit unserem Quartiersmanagement. Das hei\u00dft, wir haben an ganz vielen Stellen auch schon einfach nur Dinge besucht, gesehen, besprochen, zu denen wir laufend als Gegenstand der Partnerschaftsarbeit im Gespr\u00e4ch sind.<\/p>\n<p><b>Man kann also sagen: Trotz Krieg l\u00e4uft die Demokratisierung und die Demokratiearbeit in der Ukraine weiter?<\/b><\/p>\n<p>Das war unser Eindruck, das ist deren Ansporn. Gerade im Krieg, die Zivilgesellschaft zu mobilisieren, gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter zu organisieren, die Spaltung nicht zuzulassen, den Menschen eine Aufgabe zu geben. Je breiter Verantwortung geteilt, je mehr beteiligt wird, desto st\u00e4rker ist die Gesellschaft. Jeder hat seinen Platz. Die Lehrerin, die unterrichten geht, die Rathausperson, die zur Arbeit geht, der Bauarbeiter, der dort ein neues Geb\u00e4ude errichtet. Auch das passiert, es werden neue Geb\u00e4ude gebaut.<\/p>\n<p>Es werden Stra\u00dfen errichtet, es werden Br\u00fccken errichtet, es wird \u00fcberall gebaut. Und der Soldat. Ja, jeder hat seine Rolle in diesem Kampf. Und ich glaube, das ist das, was wir dort gesehen haben. Und deshalb gehen nat\u00fcrlich auch Demokratisierung, Digitalisierung, Reformen weiter, vielleicht auch manchmal mit einem R\u00fcckschritt. Aber es wird \u00fcberall etwas getan.<\/p>\n<p>Das war ein sehr bewegendes Erlebnis und man wird dann sehr bescheiden, weil man sich denkt: Was machen wir in unserer Sicherheit, in unserem Wohlstand, was bewegen wir eigentlich?<\/p>\n<p><b>Herr H\u00f6rning, das nehmen wir als Schlusswort. Ich bedanke mich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kyjiw ist seit 1961 eine Partnerstadt von Leipzig. Russland griff 2014 die Ukraine an, mit der Besetzung der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":246573,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,76232,13,2134,4046,1437,14,15,307,12,1108,317,76233,76234],"class_list":{"0":"post-246572","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-auslandsdelegation","11":"tag-headlines","12":"tag-interview","13":"tag-krieg","14":"tag-kyjiw","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-russland","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-stadtrat","20":"tag-ukraine","21":"tag-ukraine-hilfe","22":"tag-ulrich-hoerning"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114805785654104424","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/246572","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=246572"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/246572\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/246573"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=246572"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=246572"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=246572"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}