{"id":246866,"date":"2025-07-06T13:04:10","date_gmt":"2025-07-06T13:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/246866\/"},"modified":"2025-07-06T13:04:10","modified_gmt":"2025-07-06T13:04:10","slug":"trumps-frist-fuer-importzoelle-endet-noch-bis-mittwoch-kann-die-eu-ein-abkommen-aushandeln-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/246866\/","title":{"rendered":"Trumps Frist f\u00fcr Importz\u00f6lle endet: Noch bis Mittwoch kann die EU ein Abkommen aushandeln &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Wenn Historiker einmal auf Donald Trumps zweite Amtszeit blicken, d\u00fcrften sie mit ziemlicher Sicherheit den 2. April 2025 hervorheben. An diesem angeblichen \u201eTag der Befreiung\u201c lud der US-Pr\u00e4sident seine Unterst\u00fctzer in den Rosengarten des Wei\u00dfen Haus. Erst durfte ein Gewerkschafter aus der Automobilindustrie ein paar Worte sagen. Dann lie\u00df Trump seinen Handelsminister Howard Lutnick mit einer Papptafel nach vorn treten. Darauf hatten seine Berater die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Z%C3%B6lle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Z\u00f6lle<\/a> skizziert, die fast alle L\u00e4nder der Welt zahlen sollten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Auch in der Europ\u00e4ischen Union trauten damals viele ihre Augen kaum, als sie auf der Tafel die 20 Prozent sahen. So viel sollten europ\u00e4ische Unternehmen k\u00fcnftig an Einfuhrgeb\u00fchren zahlen, wenn sie Waren in die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/USA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a> importieren wollten. Nicht nur in Europa machte sich daraufhin Panik breit. Weltweit taumelten die B\u00f6rsenkurse.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Eine Woche sp\u00e4ter war das meiste davon: verpufft. Trump k\u00fcndigte an, eine neunzigt\u00e4tige Zollpause zu verh\u00e4ngen. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/boerse-aktien-trump-crash-strafzoelle-li.3276020\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die B\u00f6rsenturbulenzen hatten offenbar Eindruck auf ihn gemacht<\/a>. Vor allem aber wollte er nach eigener Aussage Zeit gewinnen, um mit den Handelspartnern der USA Deals zu verhandeln. Die Frist, die er daf\u00fcr nannte, war der der 9. Juli.<\/p>\n<p>\u201eIch werde ihnen Briefe schreiben\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Sie l\u00e4uft also in wenigen Tagen\u00a0ab. Ob danach das Chaos zur\u00fcckkehrt, ist unklar. Aus der Trump-Regierung gab es dazu in den letzten Tagen widerspr\u00fcchliche Signale. Trump erkl\u00e4rte am Mittwoch, dass er die Deadline nicht verl\u00e4ngern werde. \u201eIch werde ihnen Briefe schreiben\u201c, sagte er an Bord der Air Force One. Damit meinte er wohl, den Handelspartnern nach Ablauf der Deadline per Schreiben neue Z\u00f6lle aufzudr\u00fccken. Sein Finanzminister Scott Bessent signalisierte dagegen einige Tage zuvor, dass er <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/digitalsteuer-kanada-trump-handelsstreit-li.3277149\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erst zum 1. September mit mehr Deals rechne<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die Gespr\u00e4che erweisen sich als komplexer und langwieriger als Trump und seine Berater es erwartet haben. Das hat der Pr\u00e4sident inzwischen einger\u00e4umt. Er schob die Schuld daran den Handelspartnern zu. Diese seien \u201eso verw\u00f6hnt davon, dass sie uns 30, 40 Jahre lang \u00fcber den Tisch gezogen haben. Es wird sehr schwer f\u00fcr sie werden, Deals zu schlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Abkommen mit Gro\u00dfbritannien und Vietnam stehen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Am Mittwoch gab Trump eine Einigung mit Vietnam bekannt. Sie sieht vor, dass die USA die Z\u00f6lle auf vietnamesische Importe auf 20 Prozent festsetzen. F\u00fcr Waren, die urspr\u00fcnglich aus China kommen und \u00fcber Vietnam nach Amerika verschifft werden, gelten Einfuhrgeb\u00fchren von 40 Prozent. Im Gegenzug verspricht Vietnam, seinen Markt f\u00fcr die USA zu \u00f6ffnen. Amerikanische Firmen d\u00fcrfen ihre Produkte bald zollfrei in das Land importieren. Vietnam hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Produktionsstandort f\u00fcr den US-Markt entwickelt. Dort werden beispielsweise viele Sportartikel und Sportschuhe hergestellt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/zoelle-deal-usa-grossbritannien-handelsabkommen-starmer-li.3249274\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schon im Mai verk\u00fcndete Trump ein Abkommen mit Gro\u00dfbritannien<\/a>. Vor einigen Wochen gelang es seinen Wirtschaftsberatern, im Handelskrieg mit China in einem der heikelsten Streitpunkte eine Einigung zu erwirken. Die chinesische Regierung stimmte zu, wieder Seltene Erden in die USA zu liefern, ein Rohstoff, von dem viele Schl\u00fcsselindustrien abh\u00e4ngig sind. Eine endg\u00fcltige Eskalation des Konflikts ist das aber noch lange nicht.<\/p>\n<p>Z\u00f6lle gegen einzelne Industrien erschweren die Gespr\u00e4che<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Als besonders schwierig erweisen sich auch die Verhandlungen mit Japan. Trump beklagte sich auf seiner Plattform Truth Social, dass sich Japan weigere, amerikanischen Reis zu importieren. Das ist falsch. Nach seiner Zollpause hatte Trump Japan als eines der L\u00e4nder genannt, mit denen seine Regierung als erstes einen Deal schlie\u00dfen werde. Vertreter der japanischen Regierungen sollen in den vergangenen Wochen viele Male nach Washington gereist sein. Trotzdem gerieten die Verhandlungen ins Stocken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Was die Gespr\u00e4che aus Sicht von Japan und anderen L\u00e4ndern schwierig macht, ist die Doppelstrategie der USA. Neben den Gegenz\u00f6llen, die Trump an seinem \u201eTag der Befreiung\u201c ank\u00fcndigte, hat seine Regierung Z\u00f6lle gegen einzelne Industrien verh\u00e4ngt. Aktuell gelten sie f\u00fcr Autos, Stahl und Aluminium. Einfuhrgeb\u00fchren auf Halbleiter, pharmazeutische Produkte, Kupfer und Holz sollen nach Trumps Willen wom\u00f6glich bald folgen. Japan, aber auch die Europ\u00e4ische Union haben gro\u00dfes Interesse daran, dass Trump diese Z\u00f6lle wieder zur\u00fccknimmt oder sie gar nicht erst verh\u00e4ngt. Der US-Pr\u00e4sident signalisierte aber bislang wenig Bereitschaft dazu.<\/p>\n<p>Zuletzt waren die Folgen kaum sp\u00fcrbar<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Er h\u00e4lt an seinem Plan fest, Industriejobs in die USA zur\u00fcckzuholen. Daneben kann Trump die Einnahmen aus den Z\u00f6llen gut gebrauchen. Der US-Kongress hat sein Haushaltsgesetz inklusive der milliardenschweren Steuererleichterungen am Donnerstagabend durchgewunken. Die Verschuldung der USA wird damit Sch\u00e4tzungen zufolge in den n\u00e4chsten zehn Jahren um mehr als drei Billionen Dollar steigen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Dennoch w\u00fcrde Trump ein gro\u00dfes innenpolitisches Risiko eingehen, sollte er die Z\u00f6lle nach Ablauf der Frist am 9. Juli wieder hochsetzen. <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/politics\/policy\/wall-street-starts-to-speak-out-against-trumps-tariffs-c747f806\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Kritik an seinen heftigen Gegenz\u00f6llen war im Fr\u00fchjahr \u00fcberw\u00e4ltigend<\/a>. Sie kam nicht nur von \u00d6konomen, sondern auch von einer konservativen Zeitung wie dem Wall Street Journal. Sie f\u00fcrchteten, dass Trump die amerikanische Konjunktur abw\u00fcrgen w\u00fcrde. Irgendwann wollte sogar Trump selbst eine Rezession nicht mehr ausschlie\u00dfen. In ungew\u00f6hnlicher Demut bat er die Amerikaner um Geduld \u2013 und lenkte schlie\u00dflich ein.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Damit wendete er die schlimmsten Folgen wohl ab. Im amerikanischen Alltag sind die Z\u00f6lle \u2013 sie betragen aktuell zehn Prozent auf nahezu alle weltweiten Importe \u2013 bislang kaum sp\u00fcrbar. Es gibt anders als bef\u00fcrchtet kaum leere Regale bei Walmart oder Target. Ebenso wenig sind die Preise merklich angestiegen. Viele Unternehmen haben die Einfuhrgeb\u00fchren absorbiert oder ihre Produzenten gedr\u00e4ngt, die Preise zu senken. Auch die \u00f6konomischen Kennzahlen deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft weiterhin solide l\u00e4uft. Im Juni entstanden sogar noch einmal 147.000 neue Jobs, wie am Donnerstag bekannt wurde.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Dennoch haben die Monate der von Trump gesch\u00fcrten Unsicherheit Spuren hinterlassen. Manche Unternehmen haben lange geplante Investitionen aufgeschoben oder abgesagt. Die Automobilbranche und metallverarbeitende Betriebe leiden unter den Z\u00f6llen in ihren Industrien. Sie und die gesamte Wirtschaft wollen nichts weniger als eine R\u00fcckkehr des Chaos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn Historiker einmal auf Donald Trumps zweite Amtszeit blicken, d\u00fcrften sie mit ziemlicher Sicherheit den 2. April 2025&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":246867,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,147,7177,13,148,14,15,16,12,149,4017,4018,4016,64,4019,4020,211],"class_list":{"0":"post-246866","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-ausland","11":"tag-handelspolitik","12":"tag-headlines","13":"tag-leserdiskussion","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-politik","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-sueddeutsche-zeitung","19":"tag-united-states","20":"tag-united-states-of-america","21":"tag-us","22":"tag-usa","23":"tag-vereinigte-staaten","24":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika","25":"tag-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114806434373044339","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/246866","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=246866"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/246866\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/246867"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=246866"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=246866"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=246866"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}