{"id":247841,"date":"2025-07-06T22:05:13","date_gmt":"2025-07-06T22:05:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/247841\/"},"modified":"2025-07-06T22:05:13","modified_gmt":"2025-07-06T22:05:13","slug":"ein-grosskonzert-des-musikers-marko-perkovic-in-zagreb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/247841\/","title":{"rendered":"Ein Gro\u00dfkonzert des Musikers Marko Perkovi\u0107 in Zagreb"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Ginge es allein nach den Zahlen, war der Auftritt des nationalistischen kroatischen Musikers Marko Perkovi\u0107 am Samstag in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Zagreb\" data-rtr-id=\"8b5baa10428d2cc5b000a64852e532af3706cc34\" data-rtr-score=\"21.99952529499525\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/thema\/zagreb\" title=\"Zagreb\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zagreb<\/a> ein gl\u00e4nzender Erfolg: Das Management des K\u00fcnstlers setzte noch w\u00e4hrend des Konzerts die Zahl von 504.000 Besuchern in die Welt. Die Zagreber Zeitung \u201eJutarnji List\u201c, in der auch Perkovi\u0107 kritisch gesinnte Stimmen zu Wort kommen, berichtete unter Berufung auf inoffizielle Quellen ebenso wie die Nachrichtenagentur Reuters von etwa 450.000 anwesenden Fans.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Einige Tage vor dem Konzert hatte die f\u00fcr den Kartenverkauf zust\u00e4ndige Agentur mitgeteilt, innerhalb von 24 Stunden nach Er\u00f6ffnung des Verkaufs 281.774 Tickets f\u00fcr das Gro\u00dfereignis abgesetzt zu haben. Selbst wenn man die kleinste dieser drei Zahlen zugrunde legt, war Perkovi\u0107s Konzert damit nicht nur das gr\u00f6\u00dfte in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Kroatien\" data-rtr-id=\"f1ec6233309adee0384d1b82962c2a074babe7a2\" data-rtr-score=\"109.44629051946292\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/kroatien\" title=\"Kroatien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kroatiens<\/a> Geschichte, sondern von Benefizveranstaltungen und Auff\u00fchrungen mit freiem Eintritt abgesehen auch eines der gr\u00f6\u00dften in der europ\u00e4ischen Geschichte.<\/p>\n<p>Das Ustascha-Regime rehabilitieren<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Das sagt mehr \u00fcber Kroatien aus, als dem Land lieb sein kann. Denn Figur und Werk von Marko Perkovi\u0107, dessen B\u00fchnenname \u201eThompson\u201c sich auf eine amerikanische Maschinenpistole bezieht, sind mit dem Wort \u201eheikel\u201c noch zur\u00fcckhaltend beschrieben. Seit Dekaden ist es Perkovi\u0107s Gesch\u00e4ftsmodell, seinen Ruf als heimatliebender Patriot au\u00dfer zum Geldverdienen auch daf\u00fcr zu nutzen, das kroatische Ustascha-Regime zu rehabilitieren. Das war unter dem \u201ePoglavnik\u201c (F\u00fchrer) Ante Paveli\u0107 von 1941 bis 1945 Hitlers Juniorpartner auf dem Balkan.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">In seinem 2013 im Hamburger Institut f\u00fcr Sozialforschung erschienenen Buch \u201eIm Schatten des Weltkriegs\u201c macht der Historiker Alexander Korb die Dimensionen des Massenmords der Ustascha deutlich: Fast eine halbe Million Menschen \u2013 also in etwa so viele, wie zu Thompsons Konzert kamen \u2013 fielen dem f\u00fcnfj\u00e4hrigen Ustascha-Terror zum Opfer. Die meisten, mehr als 300.000, waren Serben. Aber auch 115.000 Kroaten, bosnische Muslime, Juden und Tausende Roma wurden ermordet. In Jasenovac wurde das gr\u00f6\u00dfte nicht von Deutschen betriebene Todeslager des Zweiten Weltkriegs errichtet. Dort wurden mehr als 80.000 Menschen get\u00f6tet. Eine der zen\u00adtralen Parolen der Ustascha lautete \u201eZa dom \u2013 spremni\u201c, zu Deutsch: \u201eF\u00fcr die Heimat \u2013 bereit\u201c. Es ist gleichsam die kroatische Version des \u201eHeil Hitler\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Fans bejubeln des rechtsextremen S\u00e4nger Marko Perkovi\u0107 im Hippodrom in Zagreb\" height=\"1893\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/fans-bejubeln-des.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Fans bejubeln des rechtsextremen S\u00e4nger Marko Perkovi\u0107 im Hippodrom in ZagrebAFP<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Perkovi\u0107s bis heute ber\u00fchmtestes Lied, \u201eDas Bataillon von \u010cavoglave\u201c, beginnt mit genau diesem Ausruf. Auf dem Zagreber Konzert wurde er im Duett zwischen K\u00fcnstler und Publikum aufgef\u00fchrt. Auf Perkovi\u0107s Vorgabe \u201eF\u00fcr die Heimat\u201c hallte es vieltausendfach zur\u00fcck: \u201eBereit!\u201c Entstanden ist Perkovi\u0107s Song 1991, als Kroatien sich der serbischen Aggression und der Angriffe durch die serbisch kontrollierte \u201eJugoslawische Volksarmee\u201c erwehren musste. Ein Drittel des Landes war besetzt, Kroatien stand vor dem Untergang. Es war in einer \u00e4hnlichen Lage wie heute die Ukraine. Auch Perkovi\u0107s Heimatdorf \u010cavoglave war bedroht, er k\u00e4mpfte dort als Freiwilliger mit seiner Thompson-Pistole. In dieser Lage entstand sein erstes Lied und verbreitete sich unter den kroatischen Verteidigern rasch als Mutmacher-Song in schwerer Stunde. Doch Perkovi\u0107s sp\u00e4ter nachgereichte Behauptung, \u201eF\u00fcr die Heimat \u2013 bereit\u201c sei eine historische Losung, deren Urspr\u00fcnge weit vor der faschistischen Macht\u00fcbernahme liegen, ist nur vorgeschoben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Zwar sind tats\u00e4chlich \u00e4ltere Verwendungen nachweisbar, doch \u00e4ndert sich dadurch nichts daran, dass sich der Kontext der Jahre 1941 bis 1945 von der Parole nicht mehr l\u00f6sen l\u00e4sst. Auch den Satz \u201eJedem das Seine\u201c gab es, bevor er im KZ Buchenwald prangte, und er ist heute nur in diesem Kontext denkbar \u2013 es sei denn, niemand interessiert sich daf\u00fcr. Das Portal \u201eBalkan Insight\u201c erw\u00e4hnte dazu unl\u00e4ngst eine Studie des Zagreber Instituts f\u00fcr Sozialforschung, die schon vor Jahren Beunruhigendes nachgewiesen habe: Ein Drittel der jungen Menschen in Kroatien glaubt demnach, der faschistische kroatische Staat habe nur \u201edie Interessen der Kroaten\u201c verteidigt.<\/p>\n<p>Neuerliche Geschichtsklitterungen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Das h\u00e4tte auch Perkovi\u0107 sagen k\u00f6nnen. Im Jahr 2019 gab der Musiker der F.A.Z. ein Interview, das er sp\u00e4ter bitter bereut hat und durch Anw\u00e4lte vergeblich bek\u00e4mpfen lie\u00df. Seither hat er kein Interview mehr gegeben. Auf die Frage, was er von Ante Paveli\u0107 halte, sagte Perkovi\u0107 damals nur: \u201eDas m\u00f6chte ich f\u00fcr mich behalten.\u201c Was hielte man von einem im Ruch des Rechtsextremismus stehenden deutschen K\u00fcnstler, der beteuert, was er \u00fcber Hitler denke, sei seine Privatsache?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Perkovi\u0107s Methode ist simpel: Er sagt etwas, will es dann aber so nicht gemeint haben. Insinuiert, was sein Publikum sich zu Ende denken kann. Verwendet Ustascha-Parolen, um danach zu beteuern, von deren Geschichte nichts gewusst zu haben, oder zu behaupten, sie seien zwar von den kroatischen Faschisten verwendet worden, h\u00e4tten mit diesen aber nichts zu tun. Dabei kommt ihm zugute, dass es in Kroatien tats\u00e4chlich Gro\u00dfthemen gibt, die \u00fcber Jahrzehnte hinweg tabuisiert waren, vor allem das von den kommunistischen Partisanen begangene Massaker von Bleiburg im Jahr 1945. Nur ersetzt Perkovi\u0107 solche L\u00fccken in der Debatte lediglich durch neuerliche Geschichtsklitterungen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Au\u00dfenseiter, als der er sich gern darstellt, ist er dabei allerdings keineswegs. \u201eIn einem Land, in dem die Akademie der Wissenschaften und K\u00fcnste die Ustascha-Ikonographie reinw\u00e4scht, sind die Ustascha-Symbole bei Thompsons Konzerten kein Skandal, sondern Teil des Prozesses der institutionellen Normalisierung von Geschichtsrevisionismus\u201c, sagte die kroatische Musikwissenschaftlerin Lada Durakovi\u0107 dieser Tage in einem Interview mit der \u201eDeutschen Welle\u201c. Sie bezeichnete Perkovi\u0107 als \u201eTeil einer vom Staat genehmigten Kulturpolitik\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Tats\u00e4chlich sind die Verbindungen offenkundig. Ministerpr\u00e4sident Andrej Plenkovi\u0107 von der konservativen Regierungspartei HDZ will nicht riskieren, Thompson gegen sich zu haben. Er erschien zur Generalprobe von Perkovi\u0107s Konzert, lie\u00df sich mit dem Volkshelden fotografieren. Auch Innenminister Davor Bo\u017einovi\u0107 und der Verteidigungsminister erschienen zu den Proben. Bo\u017einovi\u0107 lobte das Konzert sp\u00e4ter unter anderem als \u201eFest der Gemeinschaft und der Heimatliebe\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Eine zentrale Rolle kommt in den Inszenierungen Perkovi\u0107s, der selbst alles andere als bibelfest ist, der katholischen Kirche zu. Zu seinem Konzert lie\u00df er einen Bischof im Ruhestand zuschalten, der von Gro\u00dfbildleinw\u00e4nden ein Gebet verlas. In Kroatien stehen den Hunderttausendschaften von Perkovi\u0107s Anh\u00e4ngern allerdings \u00e4hnlich viele Menschen gegen\u00fcber, die seine Melange aus Kitsch, Kriegsromantik, Katholizismus und Faschismusrehabilitierung entschieden ablehnen. Die Debatte \u00fcber Perkovi\u0107s Zagreber Rekordkonzert wird Kroatien auch deshalb noch eine ganze Weile besch\u00e4ftigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ginge es allein nach den Zahlen, war der Auftritt des nationalistischen kroatischen Musikers Marko Perkovi\u0107 am Samstag in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":247842,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[13,14,15,12,10,8,9,11,103,104],"class_list":{"0":"post-247841","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-headlines","9":"tag-nachrichten","10":"tag-news","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-top-news","13":"tag-top-meldungen","14":"tag-topmeldungen","15":"tag-topnews","16":"tag-welt","17":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114808561712573397","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247841","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=247841"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247841\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/247842"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=247841"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=247841"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=247841"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}