{"id":248253,"date":"2025-07-07T02:03:17","date_gmt":"2025-07-07T02:03:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/248253\/"},"modified":"2025-07-07T02:03:17","modified_gmt":"2025-07-07T02:03:17","slug":"sybille-steinbachers-hitler-buch-eignet-sich-bestens-als-einfuehrung-in-die-ns-zeit-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/248253\/","title":{"rendered":"Sybille Steinbachers Hitler-Buch eignet sich bestens als Einf\u00fchrung in die NS-Zeit &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Neue B\u00fccher \u00fcber Hitler haben stets die Frage im Schlepptau, ob weitere Titel zum Thema n\u00f6tig sind. Weil das auch die Autorinnen und Autoren wissen, f\u00fchren viele aus, warum gerade ihr Werk noch notwendig ist; das R\u00e4tsel sei ungel\u00f6st und das Interesse an Hitler an kein Ende gekommen. Die in Frankfurt am Main lehrende Historikerin Sybille Steinbacher spart sich solche Rechtfertigungen, was damit zu tun haben mag, dass ihr Hitler-Buch als eine Einf\u00fchrung in der Reihe \u201eC. H. Beck Wissen\u201c erscheint, die laut Verlag \u201eanspruchsvoll, knapp und kompetent\u201c \u00fcber die \u201ewichtigsten Gebiete\u201c informieren soll. Auf 128 Seiten f\u00fchrt Steinbacher durch Hitlers Leben und durch die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Geschichte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Geschichte<\/a> des Nationalsozialismus. Das Buch gliedert sich in die drei Teile: \u201eAufstieg\u201c, \u201eMacht\u201c, \u201eHybris\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Bereits als Sch\u00fcler neigte Hitler der Alldeutschen Bewegung in \u00d6sterreich zu. \u00dcber Linz gelangte er <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/oesterreichs-anschluss-1938-verdraengte-wahrheiten-1.706966\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nach Wien und entwickelt dort ein politisches Bewusstsein<\/a>. Entscheidend dann der Umzug nach M\u00fcnchen 1913 und der Erste Weltkrieg, der, wie Steinbacher schreibt, \u201eviele seiner Probleme gel\u00f6st\u201c hat. Dass er \u2013 als Schulabbrecher mit geplatzten Studientr\u00e4umen, vom m\u00fctterlichen Erbe und einer Waisenrente lebend \u2013 zuvor nichts zuwege gebracht habe, wurde so \u00fcberdeckt. Schlie\u00dflich der Beitritt zur Deutschen Arbeiterpartei, die bald zur <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/NSDAP\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NSDAP<\/a> wurde, die Zeit im Gef\u00e4ngnis nach dem Putschversuch, 1925 die Wiederzulassung der NSDAP nach dem Verbot 1923; 1929 der Durchbruch zur Massenbewegung. F\u00fcr Hitler sei die Partei eine \u201eWeltanschauungs- und Kampfgemeinschaft\u201c gewesen, die \u201eAntwort auf die Herausforderung von Marxismus und Revolution\u201c.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlicher Ansatz wie Ian Kershaw<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Wer \u00fcber Hitler schreibt, ist immer auch mit den Fragen befasst, wie viel Raum man seiner Pers\u00f6nlichkeit geben soll. Steinbacher verzichtet auf unn\u00f6tige Psychologisierungen oder allzu detailreiche Schilderungen, blendet pers\u00f6nliche Eigenschaften aber nicht aus: \u201eRechthaberisch, wie Hitler war, entwickelte er zu allem, was er beobachtete, eine feste Meinung.\u201c Die Frage nach der historischen Bedeutung Hitlers und eine Diskussion des biografischen Ansatzes geh\u00f6ren ebenfalls zum Standardrepertoire der Hitler-Literatur. Steinbacher geht dabei \u00e4hnlich vor wie der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ian-kershaw-historiker-achterbahn-1.4361361\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">britische Historiker Ian Kershaw<\/a>, dessen Ziel es war, \u201edie personalisierte biographische Methode\u201c und die \u201eVerfahren zum Studium der Gesellschaftsgeschichte und der Strukturen der politischen Herrschaft\u201c miteinander zu vers\u00f6hnen. Sp\u00e4testens im zweiten Drittel entwickelt sich Steinbachers Buch zu einer Gesellschaftsgeschichte. Dass dieser Band von einer Historikerin verfasst wurde, deren Forschungsschwerpunkt der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Holocaust\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Holocaust<\/a> und die NS-Herrschaft bilden, hat zahllose Vorz\u00fcge, und hier kommen sie besonders zur Geltung. Steinbacher geht nicht in die Falle, eine mit Spekulationen angereicherte Charakterstudie zu verfassen. So zeigt sie in wenigen S\u00e4tzen, wie es zum <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ns-zeit-das-system-der-mordmaschine-1.3020668\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Massenmord an den europ\u00e4ischen Juden<\/a> kam. Es geht in ihrem Buch eben nicht nur um einen \u201eskrupellosen Gewaltpolitiker\u201c, sondern sie rekapituliert den Kontext, den \u201estillen Verfassungswandel\u201c, die Kriegsvorbereitungen, den Umgang mit Polen als erstem \u201eKolonialgebiet\u201c des Deutschen Reichs, den \u201ekolonialen Raubkrieg\u201c gegen die Sowjetunion, die Judenverfolgung, den Holocaust.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Sybille Steinbacher: Hitler. Geschichte eines Diktators. C.H. Beck Wissen, M\u00fcnchen 2025. 128 Seiten, 12 Euro. E-Book: 9,99 Euro.\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/53c4dd26-69e3-49cc-8f92-51a1fb5b6782.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Sybille Steinbacher: Hitler. Geschichte eines Diktators. C.H. Beck Wissen, M\u00fcnchen 2025. 128 Seiten, 12 Euro. E-Book: 9,99 Euro. (Foto: C.H. Beck Wissen)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Seit je gelangt fast jedes Buch \u00fcber Hitler fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu der Frage, wie seine Rolle zu bewerten sei, wie gro\u00df sein Spielraum war und ob ohne Hitler alles anders gelaufen w\u00e4re. Das ist m\u00fc\u00dfig. Es gab ihn nun einmal. Aber er war nicht allein. So schreibt die Autorin mit gro\u00dfer Klarheit: \u201eHitlers Fanatismus ist eine notwendige, aber keine hinreichende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Entfesselung des V\u00f6lkermordes an den Juden und die exzessive Gewalt auch gegen andere Gruppen. Ideologische, wirtschaftliche und politische Faktoren spielten ebenfalls eine zentrale Rolle. Eine auf Hitler konzentrierte Perspektive erschlie\u00dft das nicht und liefert auch keine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Verbreitung des Antisemitismus in der deutschen Bev\u00f6lkerung.\u201c Auf dieser Linie beschreibt sie die Macht\u00fcbergabe: Es sei kein Staatsstreich, kein B\u00fcrgerkrieg, keine Revolution, keine Machtergreifung gewesen, \u201edie Macht wurde Hitler buchst\u00e4blich \u00fcbertragen, und dies nicht aus Zufall: Es war gewollt\u201c.<\/p>\n<p>Ja, man kann was aus dieser Geschichte lernen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Ob man nun aus der Geschichte lernen kann oder nicht, f\u00fcr den Umgang mit Rechtsextremismus kann man aus diesem Buch schlie\u00dfen: anbiedern, einhegen wollen, kooperieren, Zugest\u00e4ndnisse machen bringt nichts. Das zeigt Steinbacher einmal mehr und in aller Deutlichkeit. Das kann man nun einfach wissen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Steinbachers Buch ist ausgezeichnet geschrieben, mit Tempo, ohne zu dicht zu sein; kurze S\u00e4tze scheut sie nicht. Nat\u00fcrlich gibt es eine gro\u00dfe Vielzahl von Hitler-Biografien. Sie haben ihre jeweiligen Vorz\u00fcge und Schw\u00e4chen. Steinbacher reiht sich hier nicht ein; das d\u00fcrfte auch gar nicht ihre Ambition sein. Genre und Format sind andere, und die Kunst, auf wenigen Seiten ein gro\u00dfes Thema so \u00fcberzeugend zu bearbeiten, kann man gar nicht hoch genug sch\u00e4tzen. Vielleicht ist der schmale Band sogar die bessere Lekt\u00fcre, um einen zuverl\u00e4ssigen \u00dcberblick \u00fcber die \u201eGeschichte eines Diktators\u201c und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ns-geschichte-praezisionswerk-1.3206842\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00fcber den Forschungsstand zur Geschichte des Nationalsozialismus<\/a> zu bekommen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Isabell Trommer ist Politikwissenschaftlerin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Hamburger Edition.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Neue B\u00fccher \u00fcber Hitler haben stets die Frage im Schlepptau, ob weitere Titel zum Thema n\u00f6tig sind. 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