{"id":248525,"date":"2025-07-07T04:50:12","date_gmt":"2025-07-07T04:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/248525\/"},"modified":"2025-07-07T04:50:12","modified_gmt":"2025-07-07T04:50:12","slug":"libanesische-geschichte-in-den-romanen-von-pierre-jarawan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/248525\/","title":{"rendered":"Libanesische Geschichte in den Romanen von Pierre Jarawan"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/pierrejarawan104.webp\" alt=\"Ein Mann mit schwarzem T-Shirt und dunklem, kurzen Haar lehnt an einer hellen Betonwand. \" title=\"Der Schriftsteller Pierre Jarawan im Portr\u00e4t. | Maximilian Heinrich\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Libanesische Geschichte in den Romanen von Pierre Jarawan (55 Min)<\/p>\n<p>\n            Stand: 07.07.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Pierre Jarawan erz\u00e4hlt in seinem Roman &#8222;Frau im Mond&#8220; von Flucht, Identit\u00e4t und entdeckt anhand von der Hauptfigur Lilit Familiengeheimnisse zwischen dem Libanon und Kanada und der Suche nach sich selbst.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/katja-weise,weise130.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Katja Weise<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\nFr\u00fcher war er mal deutscher Meister im Poetry Slam, heute schreibt er international erfolgreiche Romane. Pierre Jarawan tritt dennoch eher leise auf. Er lebt in M\u00fcnchen, der Vater stammt aus dem Libanon und dieses Land ist Flucht und Angelpunkt in seinen B\u00fcchern. Nach &#8222;Am Ende bleiben die Zedern&#8220; und &#8222;Ein Lied f\u00fcr die Vermissten&#8220; ist im Fr\u00fchjahr sein dritter Roman erschienen, &#8222;Frau im Mond&#8220; &#8211; von der Kritik hochgelobt, ist Jarawan jetzt mit dem Buch auf Lesereise, auch im Norden. Mit Katja Weise spricht Pierre Jarawan in <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/sendungen\/ndr_kultur_a_la_carte\" title=\"NDR Kultur \u00e0 la carte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NDR Kultur \u00e0 la carte<\/a> \u00fcber seine Recherchen, Inspirationen und erkl\u00e4rt, was &#8222;The Lebanese Rocket Society&#8220; mit dem Buch zu tun hat.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Teile des Romans spielen im Libanon, aber er beginnt in Kanada, und dass das so ist, h\u00e4ngt wiederum auch mit der &#8222;Lebanese Rocket Society&#8220; zusammen. Das ist eine Gruppe von Forschern an einer Universit\u00e4t in Beirut, die in den 1960er-Jahren an einem Raketenprogramm arbeiteten.<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Pierre<\/strong> <strong>Jarawan:<\/strong> Wenn man die Geschichte der Rocket Society chronologisch erz\u00e4hlen m\u00f6chte, dann m\u00fcsste man 1915 beginnen. Bei der Recherche habe ich schnell gemerkt, dass sich das am armenischen College in Beirut abgespielt hat, also die erste armenische Hochschule im Nahen Osten. Es ist eine Geschichte der Armenier im Libanon. Man kann diese Geschichte nicht erz\u00e4hlen, ohne zu sagen, warum Armenier im Libanon sind. Dann ist man schon bei der Ursache und die liegt 1915 im Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich. Viele Armenier sind damals in die Provinz Beirut gefl\u00fcchtet. Den heutigen Libanon gab es damals noch nicht. Dort lie\u00dfen sie sich nieder, wurden \u00fcber die Jahrzehnte Teil der libanesischen Gesellschaft, wurden Libanesen armenischer Herkunft und gr\u00fcndeten Ende der 1950er-Jahre dieses College und suchten Dozenten. Dort bewarb sich dann Manouc Manukyan &#8211; so geht die wahre Geschichte &#8211; und gr\u00fcndete dort mit den Enkeln von Genozid-\u00dcberlebenden diese &#8222;Lebanese Rocket Society&#8220;. Dass das so eine Erfolgsgeschichte wurde, war nicht abzusehen.<\/p>\n<p class=\"\">\nF\u00fcr mich war klar, ich muss, um irgendetwas greifbar zu machen, historisch bis 1915 zur\u00fcckgehen. Mir war auch klar, \u00fcber vier Generationen zu erz\u00e4hlen ist m\u00f6glicherweise ein bisschen viel f\u00fcr so einen Roman, bleiben wir bei drei, dann tricksen wir ein bisschen und machen einen hundertj\u00e4hrigen Gro\u00dfvater. Er ist 1920 geboren und 2020 ist die Zeit, in der Lilit, seine Enkeltochter, erz\u00e4hlt. Da ist er 100 Jahre alt. Dann war mir am Anfang gar nicht so klar, dass diese Geschichte nach Kanada geh\u00f6rt. Man zeichnet sich einen Lebenslauf oder einen Stammbaum auf und stellt fest, der muss Physik und Mathematik studieren, wie Manuk Manukyan auch. Das hei\u00dft, es war ungef\u00e4hr 1939. Da fiel mir auf, das kann nicht in Deutschland spielen. Denn du kannst 1939 keinen libanesischen Studenten in Deutschland haben, historisch ist das vielleicht m\u00f6glich, aber dann ist es ein v\u00f6llig anderer Roman. Dann war klar, ich muss mit der Geschichte nach \u00dcbersee. Dann schwankte ich ein bisschen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten, aber Kanada ist der deutlich interessantere und weniger erz\u00e4hlte Schauplatz. Auch das kanadische Kino spielt zu der Zeit eine Rolle, und es gibt auch viele libanesische Auswanderer, die 1915 schon nach Kanada ausgewandert sind. Es hat sich dann sehr schnell als genau der richtige Schauplatz ergeben.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/coverjarawan100.webp\" alt=\"Cover des Buches Pierre Jarawan, &quot;Frau im Mond&quot;\" title=\"Cover des Buches Pierre Jarawan, &quot;Frau im Mond&quot; | Piper\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Pierre Jarawans Roman verwebt politische Themen, famili\u00e4re Pr\u00e4gungen und die Bedeutung von Identit\u00e4t spannend miteinander.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Warum haben Sie sich entschieden, die Geschichte aus der Perspektive der Enkeltochter Lilit zu erz\u00e4hlen? Sie hat noch eine Zwillingsschwester Lina. Aber Lilit ist diejenige, die uns als Leserinnen und Leser an die Hand nimmt und mit der wir zusammen in die Geschichte zur\u00fcckgehen.<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Jarawan: <\/strong>Mich interessiert diese Perspektive der &#8222;Ich-geh\u00f6re-der-zweiten-Generation-Einwanderern-an&#8220; und Lilit der dritten Generation. F\u00fcr die zweite Generation ist vor allem in den Jugendjahren, glaube ich, ganz typisch eine Identit\u00e4tsfrage. Man f\u00fchlt sich ein bisschen zwischen zwei St\u00fchlen. Was ist jetzt die Heimat? Ist es das Land, in dem ich aufgewachsen bin, also Deutschland, oder ist das die Heimat der Eltern oder des Vaters? Ich h\u00f6re das oft von t\u00fcrkischen Jugendlichen, die sagen: &#8218;In Deutschland bin ich immer der T\u00fcrke, auch wenn ich hier geboren bin, aber in der T\u00fcrkei bin ich immer der Deutsche.&#8216; Was mich an Lilit, also der dritten Generation interessiert hat, ist, f\u00fcr sie liegt der Libanon wirklich schon 100 Jahre zur\u00fcck. Die Geschichte der Familie entfaltet sich ab 1920 mit der Ankunft des Gro\u00dfvaters als Baby in Montreal und der Libanon ist f\u00fcr sie \u00fcberhaupt keine Heimat mehr. Das hat mich interessiert, wie sie sich diesem Land n\u00e4hert, nicht mit einem Heimatgef\u00fchl, sondern sie reist nach Beirut, weil ihr Gro\u00dfvater davon erz\u00e4hlt hat. Er beginnt seine Lebensgeschichte auszuweiten, er selbst war Teil der &#8222;Lebanese Rocket Society&#8220;. Lilit erkennt in dieser Erz\u00e4hlung, dass es da noch mindestens eine weitere wichtige Hauptfigur gibt, ihre ihr unbekannte armenische Gro\u00dfmutter. Weil sie in sich selbst eine Art Dunkelheit und eine Verlorenheit sp\u00fcrt, vermutet sie, dass das vielleicht von ihrer Gro\u00dfmutter, die den Genozid als Kind \u00fcberlebt hat, auf sie \u00fcbergegangen sein k\u00f6nnte. Das ist ihr Grund f\u00fcr das Aufbrechen nach Beirut. Die Suche zu sich selbst und gar nicht so sehr nach etwas in diesem Land per se. Das hat mich interessiert, weil es auch f\u00fcr mein Erz\u00e4hlen neu war. Damit weiche ich sehr deutlich von den ersten beiden Romanen ab. Das hat Spa\u00df gemacht, das so zu erkunden.<\/p>\n<p class=\"\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/katja-weise,weise130.html\" title=\"Katja Weise\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Katja Weise<\/a>. Einen Ausschnitt davon lesen Sie hier, das ganze Gespr\u00e4ch k\u00f6nnen Sie oben auf dieser Seite und in der <a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/sendung\/ndr-kultur-la-carte\/20246234\/\" title=\"NDR Kultur \u00e0 la carte in der ARD Audiothek\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ARD Audiothek<\/a> h\u00f6ren.<\/p>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Romane<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Libanesische Geschichte in den Romanen von Pierre Jarawan (55 Min) Stand: 07.07.2025 06:00 Uhr Pierre Jarawan erz\u00e4hlt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":248526,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,1800,215],"class_list":{"0":"post-248525","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-romane","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114810154427788177","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=248525"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248525\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/248526"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=248525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=248525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=248525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}