{"id":248631,"date":"2025-07-07T05:52:27","date_gmt":"2025-07-07T05:52:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/248631\/"},"modified":"2025-07-07T05:52:27","modified_gmt":"2025-07-07T05:52:27","slug":"rueckblick-auf-das-klangraeume-festival-in-duesseldorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/248631\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf das Klangr\u00e4ume-Festival in D\u00fcsseldorf"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nicht durch Putins \u00dcberfall auf die <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ukraine\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a>, sondern durch den Zerfall Jugoslawiens und die darauf folgenden Kriege auf dem <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/balkan\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Balkan<\/a> endete 1991 eine lange Friedenszeit in Europa. Daran erinnerte jetzt das Abschlusskonzert des zw\u00f6lften Klangr\u00e4ume-Festivals in D\u00fcsseldorf, das sich unter dem Motto \u201eIn tempore belli\u201c k\u00fcnstlerisch mit Konflikten nach 1945 befasste.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vor dem Beginn des Konzerts im Palais Wittgenstein erz\u00e4hlt der in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/zagreb\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zagreb<\/a> geborene Festival-Leiter Miro Dobrowolny vom Schock, den der Ausbruch der Jugoslawienkriege bei ihm ausl\u00f6ste. Dass Kunst nicht in einer weltfremden Sph\u00e4re stattfindet, sondern stets Spiegel der Zeit ist, zeigten die Festival-Konzerte der vergangenen Wochen, die der Komponist und Dirigent mit Umsicht entwickelt hat. Das von ihm gegr\u00fcndete und geleitete Art-Ensemble NRW warf Schlaglichter auf Paris (Charlie Hebdo) und <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/vietnam\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vietnam<\/a>, setzte aber auch einen politikfreien Gegenakzent \u2013 und zwar mit einem Festival-Klassiker, dem \u201eKanalkonzert\u201c in einem Tunnel des Stadtentw\u00e4sserungsbetriebs Golzheim.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Abschlusskonzert richtete den Blick auf <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kroatien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kroatien<\/a>. Zwei eigene Werke lie\u00df Dobrowolny mit St\u00fccken von J\u00f6rg Widmann und Igor Strawinsky korrespondieren. Sein \u201eRequiem et Invocatio\u201c, komponiert 1994 auf Gedichte von Zdravko Luburic, erinnert an den Tod von 24 Kindern, die durch die Bombardierung von Slavonski Brod starben. Geschickt bringt es der Bariton Gregor Finke fertig, gleichzeitig zu singen und eine Maultrommel zu bedienen \u2013 als habe das Metallst\u00fcck es letztlich nicht geschafft, ihm den Mund zu versperren. Das intensive St\u00fcck gipfelt in einen Trauermarsch, den der Pianist Theodor Pau\u00df mit einem Totengel\u00e4ut beschlie\u00dft. 24 Mal in Folge donnert er die gleichen T\u00f6ne in die Bassregion des Klaviers.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf den Klang der Posaune, die am Tag des J\u00fcngsten Gerichts ert\u00f6nt, bezieht sich Dobrowolnys St\u00fcck \u201eTuba mirum\u201c. J\u00e4he und laute Cluster-Akkorde ziehen den Vorhang f\u00fcr ein apokalyptisch gef\u00e4rbtes Klanggem\u00e4lde auf. Die Streicher des Art-Ensembles NRW klappern mit den B\u00f6gen auf die Saiten, entlocken ihren Instrumenten gespenstisch fiepende Flageolett-T\u00f6ne, fl\u00fcstern tonlos Teile des lateinischen Messetexts. Vier Posaunen stimmen qu\u00e4lende Vierteltonreibungen an und versuchen gegen Ende fast verzweifelt, mit einem Choral gegen die wachsende Kakophonie anzuspielen. Theodor Pau\u00df legt eine Kette auf die Klaviersaiten und sp\u00fcrt den sirrenden Resonanzen nach, die dadurch entstehen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Kompetenz des Art-Ensembles NRW steht bei alldem au\u00dfer Zweifel. Hier sind Spezialisten am Werk, die aufeinander eingeschworen sind. Martin Schminke (Violine), Kumi Litsuka (Klarinette) und Theodor Pau\u00df (Klavier) formen das St\u00fcck \u201eTr\u00e4nen der Musen\u201c von J\u00f6rg Widmann zu einer intensiven Klage, durch die sie Balkankl\u00e4nge schimmern lassen. Der damals 20-j\u00e4hrige Komponist reagierte mit diesem Trio auf die Kriege in Kroatien und Bosnien. Igor Strawinskys St\u00fcck \u201eIn memoriam Dylan Thomas\u201c schafft eine bedr\u00fcckende Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bewusst beschlie\u00dft Miro Dobrowolny den Abend mit alter Musik. Das achtstimmige \u201eJubilate Deo\u201c von Andrea Gabrieli, im 16. Jahrhundert Organist der Kirche San Marco in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/venedig\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Venedig<\/a>, entl\u00e4sst das Publikum mit einem Hoffnungsschimmer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nicht durch Putins \u00dcberfall auf die Ukraine, sondern durch den Zerfall Jugoslawiens und die darauf folgenden Kriege auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":248632,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[13052,3364,29,76631,3405,76634,29137,5561,30,31628,76632,27240,1209,176,76633,49346],"class_list":{"0":"post-248631","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-art","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-dobrowolny","12":"tag-duesseldorf","13":"tag-endete","14":"tag-ensemble","15":"tag-festival","16":"tag-germany","17":"tag-klang","18":"tag-klangraeume","19":"tag-miro","20":"tag-nordrhein-westfalen","21":"tag-nrw","22":"tag-palais","23":"tag-wittgenstein"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114810397934404932","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=248631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248631\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/248632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=248631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=248631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=248631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}