{"id":249434,"date":"2025-07-07T13:28:16","date_gmt":"2025-07-07T13:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249434\/"},"modified":"2025-07-07T13:28:16","modified_gmt":"2025-07-07T13:28:16","slug":"einreisepolitik-forschende-schrecken-vor-usa-reisen-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249434\/","title":{"rendered":"Einreisepolitik: Forschende schrecken vor USA-Reisen zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Ein Forschungsaufenthalt an der Elite-Universit\u00e4t Harvard im US-Bundesstaat Massachusetts, davon haben schon viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler getr\u00e4umt. F\u00fcr Marlon Possard ging der Traum im Sommer des Vorjahres in Erf\u00fcllung: F\u00fcr drei Monate wechselte der Rechtsphilosoph von der FH Campus Wien an die Law School der Harvard University, um seine Recherchen zum Thema Desinformation und zur Staatsverweigererszene voranzutreiben.<\/p>\n<p>Einen bereits vereinbarten, neuerlichen Gastaufenthalt im kommenden Herbst hat Possard nun abgesagt: \u201eIch habe in der Vergangenheit kritisch zu Trump publiziert\u201c, erkl\u00e4rt er seinen Entschluss: \u201eUnd ich bin mir sicher, wenn ich jetzt in die USA einreisen m\u00f6chte, werde ich mit dem n\u00e4chsten Flieger wieder nach Wien-Schwechat zur\u00fcckgeschickt.\u201c Die Entscheidung zur Absage traf Possard in Absprache mit Professorenkollegen in Harvard: \u201eIch war erstaunt, dass die mir eigentlich auch geraten haben, nicht zu kommen.\u201c<\/p>\n<p>Auswirkungen auf Konferenzen in den USA<\/p>\n<p>Die Sorge vor Problemen bei der Einreise teilt Possard mit vielen anderen Forschenden rund um den Globus \u2013 vor allem mit jenen, die zu Themen recherchieren, die der Trump-Administration ein Dorn im Auge sind. Die Vertretung kanadischer Universit\u00e4tsprofessoren <a href=\"https:\/\/www.caut.ca\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">CAUT<\/a> hatte schon im April an ihre Mitglieder eine <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/canada-university-academic-warning-border-trump-492da3367ffc75ae163b4248698d849f\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">Reisewarnung<\/a> f\u00fcr die USA ausgegeben. Und in den USA wurden zuletzt wissenschaftliche Konferenzen in andere L\u00e4nder verlegt, in denen eine ungehinderte Anreise aller Teilnehmenden gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>\u201eEs werden auch laufend Konferenzen abgesagt, weil Forschende nicht in die USA einreisen wollen\u201c, beobachtet Alexandra Lieben, Pr\u00e4sidentin von <a href=\"https:\/\/ascina.at\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">ASCINA<\/a>, dem Netzwerk \u00f6sterreichischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Nordamerika. Berichte \u00fcber \u00f6sterreichische Forschende, die Probleme bei der Einreise in die USA hatten, h\u00e4tten sie noch nicht erreicht, sagt Lieben \u2013 sehr wohl aber von Wissenschaftlern aus anderen Herkunftsl\u00e4ndern. Ende M\u00e4rz hatte die Nachricht \u00fcber einen <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3388255\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">franz\u00f6sischen Forscher<\/a> f\u00fcr Aufsehen gesorgt, dem wegen kritischen \u00c4u\u00dferungen zur US-Forschungspolitik die Einreise in die USA verweigert worden war.<\/p>\n<p>Studierende m\u00fcssen Social-Media-Konten offenlegen<\/p>\n<p>Wer ein Studierendenvisum f\u00fcr die USA beantragen m\u00f6chte, wird neuerdings <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/releases\/office-of-the-spokesperson\/2025\/06\/announcement-of-expanded-screening-and-vetting-for-visa-applicants\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">vom US-Au\u00dfenministerium dazu angewiesen<\/a>, die eigenen Social-Media-Konten von \u201eprivat\u201c auf \u201e\u00f6ffentlich\u201c zu stellen, um die \u00dcberpr\u00fcfung zu erleichtern, wie es hei\u00dft.<\/p>\n<p>\u201eSocial Screening\u201c nennt sich diese Praktik, bei der die gesamte Onlinepr\u00e4senz einer Person auf unerw\u00fcnschte \u00c4u\u00dferungen gescannt wird.  \u201eInnerhalb weniger Minuten sieht man, ob sich jemand kritisch zu Trump \u00e4u\u00dfert oder nicht\u201c, sagt Possard. \u201eUnter fadenscheinigen Argumenten ist man dann pl\u00f6tzlich eine unliebsame Person.\u201c<\/p>\n<p>Repressionen gef\u00e4hrden Image von US-Eliteunis<\/p>\n<p>Als Possard im Vorjahr das erste Mal an der Uni Harvard forschte, war Donald Trump noch nicht als US-Pr\u00e4sident wiedergew\u00e4hlt. Den Unicampus erlebte der Rechtsphilosoph als internationalen Schmelztiegel an Ideen und Perspektiven: \u201eHarvard war eine Universit\u00e4t wie aus dem Bilderbuch\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>\u201eAls ich ankam, waren da Flaggen von allen Staaten der Welt, aus denen Menschen damals in Harvard zu studieren begonnen haben. Dieses Feeling werde ich nie vergessen.\u201c Doch seit jenem Tag, an dem Donald Trump ins Wei\u00dfe Haus einzog, ist die US-Forschungslandschaft nicht mehr dieselbe: K\u00fcrzungen in Millionenh\u00f6he zogen zuletzt K\u00fcndigungen und Projektstopps nach sich; Universit\u00e4ten und andere Forschungseinrichtungen stehen seit Monaten unter Druck.<\/p>\n<p>Ein Jahr nach seinem ersten Forschungsaufenthalt in Cambridge hat die Eliteuniversit\u00e4t Harvard f\u00fcr Possard \u2013 vorerst \u2013 an Reiz verloren. Abgesehen von etwaigen Problemen bei der Einreise schrecke ihn ab, dass man \u201enicht wei\u00df, ob die Wissenschaftsfreiheit morgen oder \u00fcbermorgen noch garantiert ist\u201c. Auch deshalb nehme er von einer neuerlichen Gastforschung Abstand: \u201eAls Wissenschaftler stehe ich zu meinen eigenen Prinzipien. Ich werde unter Umst\u00e4nden, wie sie aktuell unter Trump herrschen, nicht in Harvard forschen.\u201c Das Image der USA als Ort der unbegrenzten wissenschaftlichen M\u00f6glichkeiten hat l\u00e4ngt zu br\u00f6ckeln begonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Forschungsaufenthalt an der Elite-Universit\u00e4t Harvard im US-Bundesstaat Massachusetts, davon haben schon viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler getr\u00e4umt. 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