{"id":249581,"date":"2025-07-07T14:50:12","date_gmt":"2025-07-07T14:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249581\/"},"modified":"2025-07-07T14:50:12","modified_gmt":"2025-07-07T14:50:12","slug":"ist-diesmal-alles-anders-frankreich-der-sieg-gegen-england-und-was-er-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249581\/","title":{"rendered":"Ist diesmal alles anders, Frankreich? Der Sieg gegen England und was er bedeutet"},"content":{"rendered":"<p>Mit \u00fcberzeugenden Siegen in der Gruppenphase kennen sich die Franz\u00f6sinnen aus. Das machen die nun mal so. Und doch: Ist nach dem 2:1-Auftakterfolg gegen England diesmal, bei der EM in der Schweiz, alles anderes? Bringt es Frankreich diesmal zusammen? Was nach den Erkenntnissen des b\u00e4renstarken Auftritts in Z\u00fcrich daf\u00fcr spricht, was dagegen \u2013 und eine historische Einordnung.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"420\" height=\"590\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/D2-Fra-Eng-2-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-22090\"  \/><\/p>\n<p>R\u00fcckblende, vor zw\u00f6lf Jahren. Frankreich schnitt durch die Vorrunde der EM in Schweden und in einem ansonsten spielerisch recht schwachen Turnier stach die Truppe von Teamchef Bruno Bini in vielerlei Hinsicht heraus. Frankreich bewegte sich als Einheit ideal, war ann\u00e4hernd perfekt eingespielt, es war wie ein Wassertropfen: Das ganze Gebilde ver\u00e4nderte immer wieder seine Form, aber es riss nie, weil stets durch die immer passenden Laufwege die Gesamt-Stabilit\u00e4t gewahrt blieb.<\/p>\n<p>Frankreich presste an, sehr gezielt, sch\u00fcchterte die Gegner ein, erkannte Schwachstellen und bohrte sie erbarmungslos an. Und im Ballbesitz gab es immer eine offene Option, die Spielerinnen wussten stets schon vorher wo der n\u00e4chste Pass hin soll. Russland war komplett \u00fcberw\u00e4ltigt, die damals noch ziemlich gr\u00fcnen Spanierinnen recht kleinlaut, ein heilloses England zerfiel in die Einzelteile. Die Franz\u00f6sinnen waren das mit dramatischem Abstand beste Team des Turniers, bis sie im Viertelfinale gegen D\u00e4nemark in einen Konter liefen, danach gegen eine clevere Mauer anrennen mussten und schlie\u00dflich im Elfmeterschie\u00dfen ausschieden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"852\" height=\"590\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/FRA-VF-2013-und-2015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22091\"  \/><\/p>\n<p>Wie w\u00e4re die Geschichte anders verlaufen, wenn man damals weitergekommen w\u00e4re? Nicht gegen die geschickten D\u00e4nninnen, sondern gegen den anderen Gruppendritten Island ran gedurft h\u00e4tte? H\u00e4tte man das \u00fcberlegene WM-Viertelfinale zwei Jahre sp\u00e4ter gegen Deutschland r\u00fcbergebracht und, als erneut eigentlich klar bestes Team des Turniers in Kanada, den WM-Titel nachgelegt? So oder so: Diese beiden Spiele, das in Link\u00f6ping gegen D\u00e4nemark und das in Montr\u00e9al gegen Deutschland, festigten das Bild, das Frankreich im Frauenfu\u00dfball hat: \u201e<a href=\"https:\/\/ballverliebt.substack.com\/p\/frauen-em-2025-zwischen-normalitat\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der ewige Mitfavorit, der noch immer irgendwie auf halber Strecke eingef\u00e4delt hat, nicht selten mit klarer Zwischenbestzeit, mindestens genauso oft mit angespanntem zwischenmenschlichem Innenleben.<\/a>\u201e<\/p>\n<p>Frankreich vs. Lyon<\/p>\n<p>Die starke spielerische Note, die Frankreich unter Bini bis 2013 bzw. dann noch mit Bergeroo bis 2015 ausgezeichnet hatte, ist vor allem in den letzten Jahren einer etwas freudlosen, funktionalen Athletik gewichen. Das wurde nach der Amtszeit von Herv\u00e9 Renard (mit den Viertelfinals bei WM 2023 und Heim-Olympia 2024) durchaus mit monierndem Unterton konstatiert. Gleichzeitig sind seit Jahren die Spannungen da \u2013 zwischen dem Staff beim Verband und den Spielerinnen von Olympique Lyon bzw. aus deren Dunstkreis.<\/p>\n<p>Corinne Diacre hatte von 2017 bis 2022 auf offene Konfrontation gesetzt, damit auch die Stimmung im Team-Camp vergiftet. Herv\u00e9 Renard hat in der Folge Le Sommer und Henry schon eingebunden, aber nicht mehr als Stamm; Wendie Renard blieb gesetzt. Bonadei setzte Le Sommer wiederum vor die T\u00fcr, Amel Majri ebenso, er eliminierte vor der EM auch die S\u00e4ulenheilige Wendie Renard. \u201eIch will andere Ergebnisse als fr\u00fcher, also setze ich auf andere Spielerinnen.\u201c<\/p>\n<p>Rumms.<\/p>\n<p>Achter \u00fcberladen gegen Stanway<\/p>\n<p>Frankreich spazierte im Fr\u00fchjahr gegen unterlegene Konkurrenz \u2013 Norwegen, Island, Schweiz \u2013 ohne Punktverlust zum Gruppensieg in der Nations League, wurde dabei gegen den Ball kaum gefordert und konnte die Spiele nach Belieben diktieren. Das lie\u00df England nun in beider erstem EM-Auftritt zun\u00e4chst nicht zu, die Lionesses n\u00fctzten die fehlende Abstimmung in der Abwehr, in der die international noch sehr unerfahrene Sombath die angeschlagene Kapit\u00e4nin Mbock-Bathy ersetzten musste \u2013 die Defensive ist fraglos das gr\u00f6\u00dfte Fragezeichen, das bei Frankreich noch besteht.. Nach etwa 15 Minuten aber und nachdem das vermeintliche englische 1:0 wegen eines haarscharfen Abseits nicht z\u00e4hlte, drehte Frankreich auf.<\/p>\n<p>Drei Aspekte lie\u00dfen die Engl\u00e4nderinnen verzweifeln. Zum einen, dass die beiden Achter \u2013 Karchaoui und Geyoro \u2013 sich oftmals im selben Halbfeld aufhielten, n\u00e4mlich in jenem von Georgia Stanway, der es nach monatelanger Verletzungspause noch an Matchpraxis fehlt. Durch diese \u00dcberladungen nahm Frankreich Stanway aus dem Spiel und zwang Linksverteidigerin Jess Carter dazu, sich zunehmend aus der Position ziehen zu lassen \u2013 sehr zur Freude von Fl\u00fcgelst\u00fcrmerin Delphine Cascarino.<\/p>\n<p>Hinter ihnen stand Oriane Jean-Fran\u00e7ois auf der Sechs, sie ist spielerisch wesentlich limitierter als die \u00fcblicherweise dort aufgestellte Sandie Toletti, hat aber ein enormes Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wann sie in welchen Zweikampf gehen muss. Sie deckte hinter den beiden Achtern so gut ab, dass England keine Chance hatte, Drucksituationen \u00fcber die bewegliche Lauren James auf der Acht aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Extremes Gegenpressing im Angriffsdrittel<\/p>\n<p>Der zweite Aspekt, mit dem England \u00fcberhaupt nicht zurecht kam, war das franz\u00f6sische Gegenpressing \u2013 und hier kommt wiederum die funktionale Athletik ins Spiel. Es kommt auf dem TV-Bild gar nicht so extrem r\u00fcber, aber wer Sandy Baltimore oder die sp\u00e4ter eingewechselte Kadi Diani schon mal live im Stadion gesehen hat, wei\u00df: Das sind brutale Kanten, die rennen einen um, und das tut auch entsprechend weh.<\/p>\n<p>Die in der WSL gest\u00e4hlten Engl\u00e4nderinnen, sehr erstaunlich, wurden k\u00f6rperlich komplett dominiert, sie hatten dem aggressiven franz\u00f6sischen Zweikampfverhalten rein gar nichts entgegen zu setzen. Sogar Lucy Bronze, die auf hohem internationalen Niveau routinierste Engl\u00e4nderin, war so durch den Wind, dass sie im Zweikampf im F\u00fcnfmeterraum den Ball genau Baltimore vor die F\u00fc\u00dfe spitzelte, die die Kugel nur noch reinh\u00e4mmern musste.<\/p>\n<p>Rasche Auffassungsgabe<\/p>\n<p>Und letztlich, das spielt bei den ersten beiden Aspekten auch mit, waren die Franz\u00f6sinnen auch in puncto rascher Auffassungsgabe \u00fcberlegen. Das war nicht nur vor dem Tor zum 1:0 zu sehen, als \u00c9lisa de Almeida einen ungenauen Pass ins englische Angriffsdrittel abfing, sofort nach vorne dachte, den Ball kontrollierte und im exakt richtigen Moment den Steckpass in die Schnittstelle auf Cascarino spielte. Carter \u2013 die generell selten gut postiert war und nach einer Stunde auch ausgewechselt wurde \u2013 hechelte nur hinterher und Baltimore musste in der Mitte nur noch den Fu\u00df hinhalten.<\/p>\n<p>Das war die 36. Minute, das 1:0 war l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig und das 2:0 sollte keine drei weitere Minuten auf sich warten lassen. Auch nach dem Seitenwechsel blieb es dabei, dass Frankreich im Kopf schneller war, in den Beinen rascher war und mit dem K\u00f6rper robuster \u2013 auch, wenn man sich im Block etwas weiter hinten postierte. England kam nicht zur Geltung und die Gefahr, dass das Spiel kippt, war bis zur 87. Minute gleich null. Erst nach dem aus dem Nichts fallenden Anschlusstreffer (nach einem Eckball) schnupperte England noch am Remis.<\/p>\n<p>\u201eNur Gott wei\u00df, warum ich nicht dabei bin!\u201c<\/p>\n<p>Herv\u00e9 Renard hat nach den toxischen Diacre-Jahren das Gift aus dem Verhaltnis zwischen Verband und Spielerinnen herausgenommen, das Problem des endg\u00fcltigen Aussortierens der gro\u00dfen Lyon-Generation aber seinem Assistenten und Nachfolger Laurent Bonadei \u00fcberlassen. Wendie Renard nahm die Ausbootung nicht gut auf. \u201eNut Gott wei\u00df, warum ich nicht im Aufgebot bin\u201c, lie\u00df sie sich von einer Zeitung in ihrer Heimat Martinique zitieren.<\/p>\n<p>Lyon hat in den Zehner-Jahren den europ\u00e4ischen Klub-Frauenfu\u00dfball dominiert. Als OL im Jahr 2011 erstmals die Champions League gewann, waren Torh\u00fcterin Bouhaddi (die im Krach mit Diacre zur\u00fcckgetreten ist), Renard, Henry und Le Sommer schon dabei. Beim achten Titel 2022 waren Renard, Henry und Le Sommer immer noch auf dem Feld. Gemeinsam mit Camille Abily, Louisa N\u00e9cib und Laura Georges f\u00fcr ein dominantes Spiel mit dem Ball am Fu\u00df.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"849\" height=\"590\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Lyon-Finals-2011-und-2022.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22093\"  \/>Die Finals zum ersten und zum achten UWCL-Titel von Lyon. Eug\u00e9nie Le Sommer ist 2022 eingewechselt worden.<\/p>\n<p>Die Geburtsstunde eines neuen Frankreich?<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurde durch die gezielte Ausbildung in Clairfontaine \u2013 wie bei den M\u00e4nnern \u2013 aber eine athletisch robuste Spielerin nach der anderen herausgebracht. In diesem Umfeld waren die Wortf\u00fchrerinnen von Lyon zwar mit einer gewichtigen Stimme ausgestattet, vor allem dank ihrer Kontakte zu den Medien, die um jede kontroverse Story dankbar sind. In einem immer mehr auf Athletik und immer weniger auf Spielkunst ausgelegten Nationalteam wurden sie gleichzeitig aber immer mehr zum inkompatiblen Anachronismus.<\/p>\n<p>Dieser Sieg gegen England kann die Geburtsstunde eines neuen Frankreich sein. Jener Moment, jener Tag, an dem die alten Lyoner Z\u00f6pfe endg\u00fcltig abgeschnitten wurden und ein Zeitalter des gro\u00dfen Potenzials und des noch gr\u00f6\u00dferen Under-Achievements auf Nationalteam-Ebene beendet werden konnte. Dann w\u00fcrden auch die Drohungen von Kenza Dali, die ebenfalls von Bonadei aussortiert wurde, ins Leere laufen: \u201eEs wurde viel gelogen und nach der EM werde ich meine Seite der Geschichte erz\u00e4hlen!\u201c Wortmeldungen wie jene von Dali und Renard k\u00f6nnten aber auch klar machen, warum sie nicht im Kader aufscheinen.<\/p>\n<p>Es kann aber eben nat\u00fcrlich auch sein, dass Frankreich, weil es eben Frankreich ist, einer starken Vorrunde eine wackelige K.o.-Runde folgen l\u00e4sst, sp\u00e4testens in einem programmierten Semifinale gegen Spanien wieder eingeht wie die Primeln und man \u00e4hnlich chancenlos w\u00e4re wie im Nations-League-Finale gegen Spanien vor anderhalb Jahren. Damals war Frankreich eingesch\u00fcchtert wie das Kaninchen vor der Schlage.<\/p>\n<p>Genau so wie es in Z\u00fcrich nun England war \u2013 von Frankreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit \u00fcberzeugenden Siegen in der Gruppenphase kennen sich die Franz\u00f6sinnen aus. 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