{"id":249957,"date":"2025-07-07T18:16:11","date_gmt":"2025-07-07T18:16:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249957\/"},"modified":"2025-07-07T18:16:11","modified_gmt":"2025-07-07T18:16:11","slug":"eine-reise-auf-den-spuren-der-vergangenheit-in-ostpreussen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249957\/","title":{"rendered":"Eine Reise auf den Spuren der Vergangenheit in Ostpreu\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">An einem Sommertag fahren wir \u00fcber kleine Waldwege entlang des Allebogens. Wir haben es im zweiten Anlauf, mit Hilfe eines spezialisierten Reiseb\u00fcros, in die Oblast <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Kaliningrad\" data-rtr-id=\"97b4b735938f15e0a5210989cb4fba437e681043\" data-rtr-score=\"11.046402343066969\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/kaliningrad\" title=\"Kaliningrad\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kaliningrad<\/a> geschafft. Gleich nach der Br\u00fccke links, hat man uns in der fr\u00fcheren Kreisstadt Friedland erkl\u00e4rt, wo die alte deutsche Karte meines Vaters, auf der noch \u201eKukehnen\u201c eingezeichnet war, verstanden und reibungslos in die russische Moderne \u00fcbersetzt wurde: Ladoschskoje!<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die h\u00fcbsch gewundene Stra\u00dfe endet vor einem Eisentor, das mit einem Schloss verriegelt ist. Ein Schild warnt in kyrillischer Schrift, dass das Betreten des Privatgel\u00e4ndes verboten sei, was in Oleg, unserem \u00dcbersetzer, nur m\u00e4\u00dfige Entt\u00e4uschung hervorruft. Wir haben schon einen langen Tag hinter uns, voller Irrfahrten und Gespr\u00e4che, und vor uns liegt noch der R\u00fcckweg nach Kaliningrad. \u201eDas war&#8217;s wohl\u201c, sagt Oleg mehr bestimmt als mitf\u00fchlend. Sollten wir am Ende unserer Reise angekommen sein?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Anton, mein Sohn, macht Oleg auf die Telefonnummer aufmerksam, die am Rand des Verbotsschildes steht, und schl\u00e4gt vor, einfach anzurufen. Wer w\u00fcrde schon ein paar harmlosen Heimwehtouristen die Bitte abschlagen, sich auf einem offenkundig verlassenen Grundst\u00fcck ein bisschen umzusehen?<\/p>\n<p>Ankunft im Niemandsland<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Bisher wurden wir freundlich empfangen in diesem Teil Russlands, der einmal Deutschland war. Die Menschen nickten uns zu oder ignorierten uns h\u00f6flich, als mein Vater in Friedland seine alte Grundschule inspizierte und vergeblich nach dem Stall des Kolonialwarenh\u00e4ndlers Friesel suchte, wo er vor dem Unterricht sein Pony abgegeben hatte. Im \u201eKunst- und Geschichtsmuseum\u201c, das in einer schmucklosen sowjetischen Baracke untergebracht ist, zeigte uns die Kuratorin Fundst\u00fccke, Karten und Fotos, die an die Schlacht von Friedland erinnern, wo die preu\u00dfisch-russischen Truppen vernichtend von Napoleon geschlagen wurden, aber auch an den Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945. Dann holte sie vergilbte Alben aus dem Magazin, in denen wir tats\u00e4chlich Bilder unserer Familieng\u00fcter entdeckten. Die Kuratorin war davon fast so begeistert wie wir.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Oleg w\u00e4hlt die Nummer in Kaliningrad, aber niemand hebt ab. Unschl\u00fcssig stehen wir eine Weile vor dem Verbotsschild und blicken auf das Gel\u00e4nde dahinter. Die Abendsonne wirft ein warmes Licht auf die Wiesen. Hinter dem Eisentor, das in einen weit gespannten Zaun eingelassen ist, f\u00fchrt der Weg in einer weich geschwungenen Kurve weiter und verliert sich in einem Waldst\u00fcck. Zwei Backsteingeb\u00e4ude sind hinter dem Tor zu sehen, Scheunen vermutlich, die \u00fcberraschend gepflegt wirken. Das Grundst\u00fcck sieht angelegt aus, ohne dass sich ein Sinn erschlie\u00dfen w\u00fcrde. Erst als mein Vater eine seiner alten Karten herauskramt, wird uns klar, dass wir am Beginn der fr\u00fcheren Auffahrt stehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"&quot;Das Haus hatte f\u00fcnf Eing\u00e4nge, die im Sommer immer offenstanden&quot;: Stich des Gutes in Ostpreu\u00dfen, Mehr als 300 Hektar geh\u00f6rten zum Gut.\" height=\"2092\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/das-haus-hatte-fuenf-eingaenge.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>&#8222;Das Haus hatte f\u00fcnf Eing\u00e4nge, die im Sommer immer offenstanden&#8220;: Stich des Gutes in Ostpreu\u00dfen, Mehr als 300 Hektar geh\u00f6rten zum Gut.Archiv Jochen Buchsteiner<\/p>\n<p>Die Auffahrt in die Erinnerung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Auffahrt ist viel beschrieben worden. \u201eEs war eine imposante Auffahrt mit gro\u00dfem Blumenrondell vor dem Eingang, das Haus selbst mit Efeu und Weinlaub bewachsen\u201c, erinnerte sich eine der Cousinen meines Gro\u00dfvaters, die in den Drei\u00dfigerjahren ihre Sommer in Kukehnen verbrachte. Sie sprach von dem \u201eparkartigen Garten, immer sehr gepflegt, mit alten B\u00e4umen und bequemen Wegen\u201c. Die Ansicht ist auf einem Stich festgehalten, der mich seit Kindertagen begleitet. Er hing im Esszimmer meiner Gro\u00dfmutter, eine Kopie schm\u00fcckt das Arbeitszimmer meines Vaters, der in Kukehnen geboren wurde.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Haus hatte f\u00fcnf Eing\u00e4nge, die im Sommer immer offenstanden, und z\u00e4hlte neun Wohn- und Arbeitsr\u00e4ume. Der Architekturhistoriker Wulf D. Wagner, der Fotos und Grundrisse vieler ostpreu\u00dfischer Gutsh\u00e4user ausgewertet hat, erw\u00e4hnte, dass in Kukehnen auch ein \u201eDamenzimmer\u201c dazugeh\u00f6rte. Im Zentrum lag der Saal, in den f\u00fcr Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern ein Altar geschoben wurde. Bis zu 40 Personen sollten an dem langen Eichentisch Platz gefunden haben. Der K\u00fcchentrakt bestand aus sechs R\u00e4umen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Geschichte Kukehnens geht ins 18. Jahrhundert zur\u00fcck und war lange mit dem Namen von Tettau verbunden. In den Besitz unserer Familie kam es erst sp\u00e4t. Mein Urgro\u00dfvater kaufte es als \u201eRittergut Adlig Kukehnen\u201c im Jahr 1929, nachdem er wegen einer unvorsichtigen B\u00fcrgschaft in Finanzn\u00f6te geraten war und das angestammte Familiengut Grudsh\u00f6fchen ver\u00e4u\u00dfern musste. Die Familie kam eigentlich aus dem Salzburgischen Land. Aus einem Dokument von 1756 geht hervor, dass Anfang der Drei\u00dfigerjahre des 18. Jahrhunderts acht Buchsteiners und f\u00fcnf \u201eBuchsteinerinnen\u201c nach <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Ostpreu\u00dfen\" data-rtr-id=\"d1199b7c231a2a3706547efbc96c12fd994b6212\" data-rtr-score=\"17.313341493268055\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/ostpreussen\" title=\"Ostpreu\u00dfen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ostpreu\u00dfen<\/a> eingewandert waren. Danach hatte sich die Familie verzweigt und verschiedene G\u00fcter im weiteren Einzugsbereich K\u00f6nigsbergs bewirtschaftet.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach der Vergangenheit werden mehrere Grenzen \u00fcberschritten<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">In den Drei\u00dfigern des 20. Jahrhunderts umfasste Kukehnen, mit dem Vorwerk Bammeln, zwischen 313 und 465 Hektar. Selbst f\u00fcr ostpreu\u00dfische Verh\u00e4ltnisse geh\u00f6rte Kukehnen zu den gr\u00f6\u00dferen Landbesitzen. Im heutigen Deutschland liegt die Gr\u00f6\u00dfe eines durchschnittlichen Landwirtschaftsbetriebs bei 63 Hektar; mit mehr als 100 Hektar wird er schon als \u201eGro\u00dfbetrieb\u201c registriert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Wir besprechen, wie es weitergehen soll. Anton sagt, dass wir drei den weiten Weg aus Bonn, Berlin und London nicht zum zweiten Mal angetreten h\u00e4tten, um uns so kurz vor dem Ziel von einem Tor und einem Schild abhalten zu lassen. Oleg wird unruhig und versucht, die weitere Dynamik der Unterredung abzusch\u00e4tzen. Wir haben in den vergangenen Tagen schon manche Grenze \u00fcberschritten. In Olegs Gesicht spiegelt sich die Frage wider, zu was diese merkw\u00fcrdigen Deutschen noch alles f\u00e4hig sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Er geht zur\u00fcck zum Auto und wartet. Als sich mein Vater anschickt, Oleg zu folgen, springt Anton beherzt \u00fcber den Zaun neben dem Eisentor und geht schnellen Schrittes in das verbotene Gel\u00e4nde hinein. Oleg hebt die Arme und l\u00e4sst sie wieder sinken. Es gibt weit und breit keinen Zeugen, auch eine Kamera ist nicht zu sehen. Wir sind einfach nur ein paar M\u00e4nner sehr unterschiedlichen Alters im Nichts einer einsamen Landschaft. Warum sollte dieses unwirkliche Tor nicht \u00fcberwunden werden? Ich fasse mir ein Herz und klettere ebenfalls \u00fcber den Zaun.<\/p>\n<p>Der letzte Winter von Kukehnen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Viel ist nicht mehr zu sehen auf dem Gel\u00e4nde, das einmal ein florierendes Gutsdorf war. Am 27. Januar 1945, mehr als drei Monate vor Kriegsende, ging Kukehnen unter. Am Abend zuvor hatte mein Urgro\u00dfvater die Flucht vor der Roten Armee abgebrochen und war mit den Arbeiterfamilien nach Kukehnen zur\u00fcckgekehrt; die Wehrmacht hatte die Br\u00fccke \u00fcber die Alle gesprengt und so den Weg abgeschnitten. Lotte, die Tochter des Gutsk\u00e4mmerers, berichtete sp\u00e4ter, was danach geschah.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Am Morgen des 27. Januar fuhren drei Russen mit einem Jeep vor und tauchten zun\u00e4chst in der Wohnung des K\u00e4mmerers auf. Sie taten der Familie nichts an, sondern gingen sofort zum Gutshaus weiter. \u201eDort fanden sie den Gutsbesitzer Buchsteiner, angezogen mit einem Pelzmantel, in einem Sessel\u201c, schrieb Lotte. \u201eSie haben ihn gleich erschossen. Als Tochter Doris ihrem Vater helfen wollte, wurde auch sie mit mehreren Sch\u00fcssen get\u00f6tet. Danach sind die drei Russen wieder verschwunden.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Als die Arbeiter den Gutsherrn bestatten wollten, r\u00fcckte eine russische Einheit an. \u201eDas Gutshaus wurde angesteckt und ist vollst\u00e4ndig ausgebrannt\u201c, berichtete Lotte, die dann mit anderen Arbeitern und Kindern noch mehr als ein Jahr nach dem Tod des Gutsherrn im Restdorf lebte. Im Fr\u00fchjahr 1946 wurde sie von den Russen in ein Lager bei Insterburg \u00fcberstellt. Von dort gingen die Z\u00fcge in die russischen Arbeitslager. Mindestens drei Kukehner Arbeiter wurden nach Sibirien deportiert, unter ihnen Kutscher Gro\u00dfmann, der dort auch gestorben sein soll. Vor seiner Deportation war Gro\u00dfmann noch eine elende Aufgabe \u00fcbertragen worden. Er musste auf den Feldern rund um Kukehnen \u201ealle russischen Gefallenen aufsammeln und mit Pferd und Ackerwagen nach Karschau bringen\u201c, wie Lotte berichtete. Dort seien die Gefallenen auf einem frisch angelegten Friedhof begraben worden; sp\u00e4ter entstand dort ein Denkmal. Lakonisch f\u00fcgte Lotte an: \u201eDie deutschen Gefallenen wurden nicht beerdigt und verwesten im Gel\u00e4nde.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Am Ende des Weges, hinter den Scheunen, \u00f6ffnet sich in einem Waldst\u00fcck eine tiefe Grube. Ganz unten, am Boden, steht Anton und scheint in eine Suche vertieft. Ich klettere den steilen Abhang hinunter. Als ich den Boden erreiche, staune ich: Er ist \u00fcbers\u00e4t von Scherben aus Porzellan, Glas und alten Steinkacheln.<\/p>\n<p>Die Grube der Scherben<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eHier hat das Gutshaus gestanden\u201c, sagt Anton. Wir scharren mit unseren F\u00fc\u00dfen in dem riesigen Mosaikhaufen. Alles andere muss verbrannt oder irgendwann wegger\u00e4umt worden sein. Wir sehen keine M\u00f6belteile mehr, keine Ger\u00e4te, keine Textilien, keine Holzbohlen. Nur unverkohlte Scherben und Kachelreste, die hier unber\u00fchrt seit mehr als sieben Jahrzehnten liegen. Ich hebe eine halb zerbrochene Kachel mit einem geometrischen Relief auf und stelle mir vor, dass der Letzte, der einen Fu\u00df auf sie gesetzt hat, mein Urgro\u00dfvater in seinem Pelzmantel gewesen sein k\u00f6nnte. Anton sammelt Porzellanscherben zusammen, an denen noch der Goldrand und florale Motive zu erkennen sind. Langsam verlieren wir uns in der zerborstenen Vergangenheit, jeder geht seinen Gedanken nach, bis uns die M\u00fccken daran erinnern, dass die Sonne untergeht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Schweigend und sonderbar ergriffen von diesem historischen M\u00fcllhaufen laufen wir zur\u00fcck zum Tor. Es ist das erste Mal, dass ich die Vergangenheit meiner Familie angefasst habe. Ich hatte viel von Kukehnen geh\u00f6rt, ich hatte Fotos gesehen, ich bildete mir ein, die Atmosph\u00e4re zu kennen. Aber wie merkw\u00fcrdig ber\u00fchrend ist es, pl\u00f6tzlich Material in den H\u00e4nden zu halten, das in Gebrauch gewesen ist. Und es war ja nicht einfach nur in Gebrauch gewesen \u2013 es war gewisserma\u00dfen gerade in Gebrauch gewesen. All die Jahrzehnte, die es auf dem Boden der Erdgrube gelegen hatte, hatte es auf uns gewartet. In der langen Zwischenzeit war es durch niemandes H\u00e4nde gegangen; die Letzten, die es angefasst, geputzt, abgetrocknet hatten, waren meine Vorfahren gewesen. Ein privates, v\u00f6llig unerwartetes Pompeji!<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Mein Vater steht auf der anderen Seite des Tores und erwartet uns mit schwer fassbarer Miene. Anton greift in seine Tasche und reicht ihm durch die Gitterst\u00e4be wortlos eine Porzellanscherbe. Mein Vater blickt sie eine Weile an, dann stammelt er: \u201eDas gibt es nicht.&#8220; Und nach einem l\u00e4ngeren Moment: \u201eIch erkenne das Service wieder!\u201c Um Fassung ringend nimmt er die Scherbe an, dreht uns den R\u00fccken zu und geht sehr langsam in Richtung Auto. Dabei h\u00e4lt er die Scherbe aus seinem Geburtshaus vor sich, als transportiere er eine zerbrechliche Kostbarkeit. Wir klettern \u00fcber den Zaun zur\u00fcck, und noch bevor wir am Auto sind, l\u00e4sst Oleg so ungeduldig wie erleichtert den Motor an.<\/p>\n<p>Zum Buch<\/p>\n<p class=\"p2 sm:p2-medium items-start pb-[30px]\">Der Text ist ein Auszug\u00a0aus Jochen Buchsteiners Buch \u201eWir Ostpreu\u00dfen: Eine ganz gew\u00f6hnliche deutsche Familiengeschichte\u201c\u00a0(dtv, 288 Seiten, 26 Euro), das in diesen Tagen erscheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An einem Sommertag fahren wir \u00fcber kleine Waldwege entlang des Allebogens. 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