{"id":249959,"date":"2025-07-07T18:18:12","date_gmt":"2025-07-07T18:18:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249959\/"},"modified":"2025-07-07T18:18:12","modified_gmt":"2025-07-07T18:18:12","slug":"sommer-liebe-totschlag-laut-de-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/249959\/","title":{"rendered":"Sommer, Liebe, Totschlag \u2013 laut.de \u2013 News"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Live Undead! Slayer unterbrechen ihren Ruhestand f\u00fcr die ersten Europa-Gigs seit sechs Jahren. Live-Review.  <\/p>\n<p>London (<strong><a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/mailto:praktikant@laut.de\" class=\"vor\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gbi<\/a><\/strong>) &#8211; Irgendwann, mitten im Set, f\u00e4llt Tom Araya etwas auf. Etwas stimmt nicht, gestern, am Sonntagabend im Londoner Finsbury Park: Viele im Publikum bewegen sich zu wenig, findet der <a href=\"https:\/\/laut.de\/Slayer\" class=\"wort\" title=\"Slayer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Slayer<\/a>-Frontmann. Das sei schon in Ordnung, meint er mit breitem Grinsen, es k\u00f6nne ja \u00fcberw\u00e4ltigend sein, wenn einem jemand ununterbrochen eine Abreibung verpasse. So wie das seine Band da gerade macht. Doch, beteuert er: &#8222;We&#8217;re doing this with love.&#8220;<\/p>\n<p>Sommer, Liebe, Totschlag. Ob der makaberen Pointe muss der ergraute M\u00e4hnentr\u00e4ger laut auflachen. Aber Slayer waren noch nie f\u00fcr guten Geschmack oder gar Subtilit\u00e4t bekannt. Was auff\u00e4llt: Araya war derjenige, der Slayer 2019 zum vermeintlichen R\u00fccktritt zwang. Der Bassist und Schreihals hatte keine Energie mehr f\u00fcr das Touren, sehnte sich nach einem ruhigen Familienleben. Doch in London ist von M\u00fcdigkeit keine Spur: Der 64-J\u00e4hrige spuckt seine Botschaften \u00fcber Hass, Krieg, Satan und Serienm\u00f6rder mit sichtlicher Freude ins Publikum. Auch die Performance stimmt, selbst seine ikonischen hohen Schreie sitzen.<\/p>\n<p><b>Fuckin&#8216; Slayer are back!<\/b><\/p>\n<p>Nein, es ist kein Traum, die mighty fuckin&#8216; SLAAAAY\u00d6\u00d6\u00d6R sind tats\u00e4chlich wiederauferstanden und zocken sich da wuchtig und tight wie ein altes Schlachtschiff mit integrierter Atomuhr durch ihr Set. Ihren Ruhestand hatten die kalifornischen Thrash-Metal-Giganten erstmals 2024 f\u00fcr eine Handvoll <a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/Reunion-Slayer-spielen-Festivalgigs-22-02-2024-20250\" class=\"vor\" title=\"Reunion: Slayer spielen Festivalgigs\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Festival-Gigs<\/a> unterbrochen. Dieses Jahr standen gleich drei UK-Auftritte an, die sich aufgrund des mit immensem Staraufgebot begangenen <a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/Back-To-The-Beginning-Finaler-Vorhang-fuer-Black-Sabbath-07-07-2025-21206\" class=\"vor\" title=\"Back To The Beginning: &#039;Heavy metal summer camp&#039;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abschiedskonzerts von Black Sabbath<\/a> anboten: Erst spielten Slayer in Cardiff, danach gaben sie in Birmingham eine von zahllosen Vorbands f\u00fcr die noch gr\u00f6sseren Sabbath, die dort ihr wirklich alleralleraller- lufthol -allerletztes Konzert absolvierten. <\/p>\n<p>Und nun zum Finale also der Gig im Norden Londons. Der rund 45.000 Besuchende fassende Finsbury Park ist nicht ausverkauft, aber gut gef\u00fcllt mit Metalheads jeden Alters und Styles. Wenn Slayer rufen, kommen die Gothic-Kids genauso wie die Jeansjacken-Oldies. Nat\u00fcrlich wird im Gedr\u00e4nge hie und da auch Dsch\u00f6rman gesprochen, denn die weite Reise lohnt sich ja. Bei den Reunion-Gigs werden die Gr\u00fcndungsmitglieder Tom Araya und Gitarrist Kerry King wie gehabt durch Paul Bostaph an den Drums und Gary Holt (<a href=\"https:\/\/laut.de\/Exodus\" class=\"wort\" title=\"Exodus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Exodus<\/a>) an der zweiten Gitarre unterst\u00fctzt. <\/p>\n<p>Und Slayer haben nix verlernt, wirken frisch wie eine Sommerbrise aus der H\u00f6lle: Nach einem kurzen Video-Recap zur Bandkarriere steigen sie mit &#8222;South Of Heaven&#8220; erst mal spooky in den Abend ein. Doch bald schon startet der gewohnte rasant-aggressive Thrash-Galopp, den eben niemand so gut beherrscht wie Slayer: &#8222;Repentless&#8220;, &#8222;War Ensemble&#8220;, &#8222;Chemical Warfare&#8220;, &#8222;Jihad&#8220;: Die Band rifft, schreit und bollert sich durch ihr Quasi-Best-of-Set, das sich in den vergtangenen Jahren bew\u00e4hrt hat. Wer ein paar der besten Metal-Songs aller Zeiten im Angebot hat, muss die ja auch liefern. Fast alle Alben finden Beachtung, wenngleich die meisten nur mit einem einzigen Song.<\/p>\n<p><b>Pokerface und Pyro-Spektakel<\/b><\/p>\n<p>Kerry King, auch schon 61 Jahre alt, headbangt durch, flitzt mit seinen Fingern \u00fcber die Gitarrensaiten und schreit seine liebsten Lyrics lauthals mit. Alles wie gehabt also. Sollte er ger\u00fchrt gewesen sein, wieder vor gr\u00f6sserem Publikum zu spielen als zuletzt mit seiner Soloband, man hat es ihm nicht angemerkt: London, 19 Grad, Wind: Das Pokerface h\u00e4lt. Gary Holt gibt derweil sein Bestes, um den zu fr\u00fch verstorbenen <a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/Slayer-Gitarrist-Jeff-Hanneman-ist-tot-03-05-2013-9530\" class=\"vor\" title=\"Slayer: Gitarrist Jeff Hanneman ist tot\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jeff Hanneman<\/a> stolz zu machen, dessen Rolle er ausf\u00fcllt. Und Paul Bostaph wird nie einen <a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/Streit-um-Geld-Slayer-setzen-Dave-Lombardo-vor-die-Tuer-21-02-2013-9373\" class=\"vor\" title=\"Streit um Geld: Slayer setzen Dave Lombardo vor die T\u00fcr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dave Lombardo<\/a> ersetzen, verdrescht sein Drumkit aber gewohnt rasant, wuchtig und schn\u00f6rkellos.<\/p>\n<p>Woran sich Fans erst noch gew\u00f6hnen m\u00fcssen, ist das verdammte Pyro-Spektakel auf der B\u00fchne. War einst Synchron-Headbangen noch das h\u00f6chste aller B\u00fchnenshow-Gef\u00fchle, feuert die Pyrocrew heute aus allen Rohren. Auch die Begleitvideos zu den einzelnen Songs, die allerlei Horror- und Blasphemieszenarien auf die Gro\u00dfleinw\u00e4nde werfen, d\u00fcrfen mit gutem Gewissen als spektakul\u00e4r bezeichnet werden. Teils erweckt das ganze Brimborium fast den Eindruck, als m\u00fcsse da etwas kompensiert werden. Dabei h\u00e4tte auch die Musik gereicht.<\/p>\n<p><b>\u00dcberraschungen in der Setlist<\/b><\/p>\n<p>Die Setlist h\u00e4lt sogar einige \u00dcberraschungen bereit: Ihr am Vortag uraufgef\u00fchrtes Black-Sabbath-Cover &#8222;Wicked World&#8220; spielen Slayer erneut, was die ganze Doublebass- und Riffgeschnetzel-Orgie urpl\u00f6tzlich mit swingendem Groove und einem Araya, der richtig singen muss, unterbricht. Nach der H\u00e4lfte des Songs schieben Slayer aber &#8222;Postmortem&#8220;, einen dieser teuflisch fiesen Brecher ihres Meilensteinalbums &#8222;<a href=\"https:\/\/laut.de\/Slayer\/Alben\/Reign-In-Blood-18123\" class=\"stark\" title=\"Slayer - &#039;Reign In Blood&#039;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Reign In Blood<\/a>&#8222;, dazwischen \u2013 nur um danach den Sabbath-Faden wieder aufzunehmen. Die alten Herren halten es fresh. Dass sie mit &#8222;213&#8220; von ihrem 1995er-Album &#8222;Divine Intervention&#8220; auch noch einen Deep Cut aus dem eigenen Katalog entstauben, ist f\u00fcr langj\u00e4hrige Fans ein weiteres Schmankerl obendrauf.<\/p>\n<p>Der Geist des Sabbath-Abschiedskonzerts vom Vorabend weht ohnehin den ganzen Tag durch den Finsbury Park. Nicht wenige Besucher:innen tragen ihr Fanshirt von der Sabbath-Derni\u00e8re in Birmingham zur Schau \u2013 selten so viele nigelnagelneue Shirts an einem Festival gesehen. Wobei, pardon, eigentlich ist es ja gar kein Festival, sondern nur ein Slayer-Gig mit gleich f\u00fcnf (!) Vorbands:<b> Neckbreakker<\/b> (mit jugendlichem Elan), <a href=\"https:\/\/laut.de\/Hatebreed\" class=\"wort\" title=\"Hatebreed\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hatebreed<\/a> (mit etwas Regenpech), <a href=\"https:\/\/laut.de\/Mastodon\" class=\"wort\" title=\"Mastodon\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mastodon<\/a> (mit neuem <a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/Mastodon-Brent-Hinds-tritt-gegen-beschissene-Band-nach-26-06-2025-21189\" class=\"vor\" title=\"Mastodon: Brent Hinds tritt gegen &#039;beschissene Band&#039; nach\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Live-Mitglied<\/a>), <a href=\"https:\/\/laut.de\/Anthrax\" class=\"wort\" title=\"Anthrax\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anthrax<\/a> (mit routiniertem Thrash) und <a href=\"https:\/\/laut.de\/Amon-Amarth\" class=\"wort\" title=\"Amon Amarth\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Amon Amarth<\/a> (mit der gr\u00f6ssten Publikumsbeteiligung des Vorprogramms) \u2013 kein Wunder, Mister Araya, ging einigen Fans bei Slayer die Puste aus.<\/p>\n<p><b>Und jetzt?<\/b><\/p>\n<p>Die vorderen Zehntausend vor der B\u00fchne bieten w\u00e4hrend des ganzen, 20 Songs umspannenden Slayer-Sets ordentlich Gemoshe und Gegr\u00f6le. Wer h\u00fcftsteif ist oder schon immer den Wunsch hatte, zu &#8222;Mandatory Suicide&#8220; eine pappige Pizza im Stehen zu mampfen (ja, gesichtet), stellt sich weiter hinten rein. Dort f\u00e4llt der Applaus brav, aber nicht \u00fcberschw\u00e4nglich aus. Als die Totschl\u00e4ger sich mit dem monumentalen Doppelschlag &#8222;Raining Blood&#8220;https:\/\/laut.de\/&#8220;Angel Of Death&#8220; verabschieden, kann man die Tragweite dieses Moments gar nicht richtig einordnen \u2013 aber wer kann beim Headbangen schon klar denken? War es das jetzt definitiv, der letzte Akt? <\/p>\n<p>Slayer haben f\u00fcr dieses Jahr noch drei weitere Konzerte in Nordamerika im Kalender stehen, und danach? Bleiben sie semi-aktiv? Kommen sie wieder einmal nach Europa? Das wissen die G\u00f6tter. Nach dem Ende des Sets scheint Araya den Beifall jedenfalls richtiggehend aufzusaugen, bedankt sich ausgiebig beim Publikum. Seine Abschiedsworte w\u00e4hlt er dennoch bewusst omin\u00f6s: &#8222;You guys have a great life!&#8220;&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns in London: Gil Bieler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Live Undead! Slayer unterbrechen ihren Ruhestand f\u00fcr die ersten Europa-Gigs seit sechs Jahren. Live-Review. 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