{"id":250168,"date":"2025-07-07T20:09:15","date_gmt":"2025-07-07T20:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/250168\/"},"modified":"2025-07-07T20:09:15","modified_gmt":"2025-07-07T20:09:15","slug":"wie-russland-auf-osteuropa-blickt-erst-die-ukraine-dann-das-baltikum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/250168\/","title":{"rendered":"Wie Russland auf Osteuropa blickt: Erst die Ukraine, dann das Baltikum"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Moskau taz | H\u00e4fen, eine \u00d6lpipeline, Flughafen \u2013 was nur habe die Sowjetunion in Lettland nicht alles bauen lassen! So viele Investitionen wie nie zuvor und nie danach! Das Land sei erbl\u00fcht, die Bev\u00f6lkerung gl\u00fccklich. Litauen: ein \u00e4hnliches Bild. Eine 300 Kilometer lange Stra\u00dfe habe die Sowjetunion da entstehen lassen, eine der Vorzeigestra\u00dfen im riesigen sowjetischen Reich. Die Litauer seien geachtete Menschen in sowjetischer Kultur, Kunst, Wissenschaft und Sport gewesen. Estland? Nur unter sowjetischer Herrschaft sei es \u00fcberhaupt souver\u00e4n gewesen. Ein Spitzenreiter in allen Bereichen des Lebens sei Estland gewesen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Ohnehin habe das Baltikum stets an vorderster Stelle in der Sowjetunion gestanden. Ein idealer Ort. Und jetzt: stagnierende Wirtschaft, schrumpfende Bev\u00f6lkerung, die Beh\u00f6rden glichen der Gestapo. \u201eBald ist das Baltikum eine menschenleere, von Unkraut \u00fcberwuchernde Tr\u00fcmmerlandschaft\u201c, steht auf einer der Tafeln, die sich entlang des Gogol-Boulevards im Moskauer Zentrum aneinanderreihen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Hier will die Russische Milit\u00e4rhistorische Gesellschaft \u00fcber \u201eQuellen und Sinn des baltischen Neonazismus\u201c informieren. So hat die vor 13 Jahren per Erlass des russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin geschaffene Organisation, um Rus\u00ads*in\u00adnen Stolz auf die milit\u00e4rische Vergangenheit ihres Landes einzufl\u00f6\u00dfen, die Ausstellung genannt, die nichts anderes tut, als <a href=\"https:\/\/taz.de\/Autor-Lebedew-ueber-russische-Opposition\/!6087618\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das bekannte russische Narrativ<\/a> zu verbreiten: Russland sei von Feinden umgeben, die schlimmsten dabei seien die, denen die Sowjetunion \u00fcberhaupt erst zum Leben verholfen habe.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>\n            Die Wohltaten der Sowjetunion werden glorifiziert und die sowjetische Gewaltherrschaft schlicht beiseite gelassen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"4\">Nun aber m\u00fcssten sich diese an die Nato und die EU heranpirschen, denn ohne die Unterst\u00fctzung Russlands als rechtm\u00e4\u00dfiger Nachfolger der untergegangenen Sowjetunion seien diese L\u00e4nder lediglich \u201earmselige Schmarotzer\u201c, die vom Geld und den Befehlen aus Br\u00fcssel abhingen. Lettlands Visitenkarte sei Russophobie, Litauen sei eine Marionette Europas, Estland pflege gar eine manische Russophobie. \u201eDas Hobby des Baltikums ist die Vernichtung alles Russischen\u201c, l\u00e4sst die Milit\u00e4rhistorische Gesellschaft die Vorbeieilenden wissen.<\/p>\n<p>      Eine verdrehte Darstellung der Geschichte<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Nur selten bleibt an diesem tr\u00fcben Juli-Vormittag jemand an den Tafeln stehen. Ein \u00e4lterer Herr emp\u00f6rt sich \u00fcber die heruntergefallene Beleuchtung einer Tafel, ein Mann mit Rucksack bleibt l\u00e4nger vor der Passage \u00fcber Kaja Kallas stehen, im wirklichen Leben fr\u00fchere estnische Premierministerin und heute au\u00dfenpolitische Beauftragte der EU-Kommission, am Gogol-Boulevard eine \u201ean vielf\u00e4ltigen psychischen Erkrankungen leidende baltische Promenadenmischung der europ\u00e4ischen Russophobie\u201c. Reden will hier niemand.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Auf jeder der 16 Tafeln der Prachtstra\u00dfe, die sich von der Touristen-Meile Arbat bis hin zur Christi-Erl\u00f6serkathedrale zieht und den sechs Tafeln vor der lettischen Botschaft einige Stra\u00dfen weiter weg geht es um Diffamierung der Staaten des Baltikums \u2013 mittels verzerrter und verdrehter Darstellung der Geschichte. Seit Jahren treibt die russische Regierung eine Geschichtspolitik voran, die ein selektives Narrativ der russischen Geschichte vermittelt und auch vor historischen L\u00fcgen nicht zur\u00fcckschreckt. Die Wohltaten der Sowjetunion werden glorifiziert und die sowjetische Gewaltherrschaft sowie die Folgen dieser schlicht beiseite gelassen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Die Ausstellung am Gogol-Boulevard ist ein in Russland g\u00e4ngiger Ausdruck einer gro\u00dfen Entt\u00e4uschung, in primitiver Form und einer Sprache voller Hass. Jede Tafel ist eine Art lautstarkes Verlangen nach Dankbarkeit. Aber diese Dankbarkeit kommt nicht: von den Balten nicht, aber auch nicht von Schweden,<a href=\"https:\/\/taz.de\/Nato-Ostflanke\/!6089412\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Finnen<\/a>, Deutschen.<\/p>\n<p>      \u201eRussophobie\u201c als Propaganda-Figur<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden tauchen solche Tafeln vor den Botschaften der EU- und Nato-Staaten in Moskau auf. Im M\u00e4rz 2023 platzierte das russische Verteidigungsministerium etliche St\u00e4nde \u201ezur Erinnerung\u201c an die Nazizeit vor der Deutschen Botschaft. Im November 2023 hatte die Milit\u00e4rhistorische Gesellschaft die schwedische Botschaft mit einer \u201ekurzen Geschichte der schwedischen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Lettischer-Pastor-ueber-Krieg\/!5936128\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russophobie<\/a>\u201c im Blick. Im Mai 2024 hat sie die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Meduza-Auswahl-19---25-Juni\/!6096534\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">finnische<\/a> Botschaft \u00fcber \u201eEpisoden finnischer Russophobie\u201c informiert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Stets ist der Ton \u00e4hnlich: Ohne die Sowjetunion w\u00e4ren all diese L\u00e4nder nichts. Und nun, so hei\u00dft es, wollten sie \u201ealles Russische vernichten\u201c. Das mache man nun doch wirklich nicht, wenn einem so vieles gegeben worden sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Moskau taz | H\u00e4fen, eine \u00d6lpipeline, Flughafen \u2013 was nur habe die Sowjetunion in Lettland nicht alles bauen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":250169,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-250168","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114813767750980106","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/250168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=250168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/250168\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/250169"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=250168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=250168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=250168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}