{"id":250389,"date":"2025-07-07T22:12:22","date_gmt":"2025-07-07T22:12:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/250389\/"},"modified":"2025-07-07T22:12:22","modified_gmt":"2025-07-07T22:12:22","slug":"konzert-staatskapelle-berlin-christian-thielemann-erin-morley-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/250389\/","title":{"rendered":"Konzert Staatskapelle Berlin &#8211; Christian Thielemann\/Erin Morley \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/konzert-staatskapelle-berlin-christian-thielemann-erin-morley\/25-07-05staatsoper_konzert0772\/\" rel=\"attachment wp-att-30797 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-30797\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/25-07-05Staatsoper_Konzert0772-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Staatskapelle Berlin\/Konzert 5.7.2025\/C. Thielemann, E. Morley \/Fotocredits: Andreas Labes<\/p>\n<p><strong>Es ist eine dankbare Aufgabe, Musik an ein Publikum zu bringen, die es selten oder vielleicht noch nie geh\u00f6rt hat. In Berlin ist das generell en vogue \u2013 nicht immer zur gro\u00dfen Freude, zeugt doch nur wenig von dem, was landl\u00e4ufig an Rarit\u00e4ten und Urauff\u00fchrungen aufgeboten wird von gro\u00dfer Meisterschaft. Vieles verschwindet schon bald wieder in der Versenkung. (Rezension des Konzerts v. 5. Juli 2025)<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bei allem Interesse an Programmen jenseits ausgetretener Pfade erstaunt es, dass bislang noch niemand auf die Idee kam, sich dem F\u00fcllhorn an Liedern anzunehmen, die der geniale Richard Strauss hinterlassen hat. Der schrieb sage und schreibe an die 220 Lieder, zahlreiche darunter alternativ f\u00fcr Klavier oder Orchester, von denen sich aber gerade einmal ein Bruchteil im Konzertleben etabliert hat, allen voran die sp\u00e4ten Vier letzten Lieder. Nun gibt es allerdings auch keinen Zweiten, bei dem ein Zyklus dieser Lieder so gut aufgehoben w\u00e4re wie bei dem genialen Strauss-Dirigenten <strong>Christian Thielemann<\/strong>.<\/p>\n<p>Die dramaturgische Idee, ihn mit einem weiteren Zyklus, den sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt zu verzahnen, erscheint dabei reizvoller als ich es erwartet h\u00e4tte, sind diese doch durchsetzt von Elementen einer recht \u00e4hnlichen Tonsprache.<\/p>\n<p>F\u00fcr die erste Folge mit der <strong>Berliner Staatskapelle<\/strong> hat Christian Thielemann sieben Lieder ausgew\u00e4hlt, die seitens der Tessitura besonders gut mit einem Koloratursopran harmonieren. Allen voran der Amor, der seitens technisch h\u00f6chst anspruchsvoller Koloraturen im Spitzenregister an die gro\u00dfe Szene der Zerbinetta in Ariadne auf Naxos erinnert, hat es in sich. Die Amerikanerin <strong>Erin Morley<\/strong>, Solistin dieses Abends, singt all die aberwitzigen Tonketten virtuos mit schlafwandlerischer Sicherheit und erntet daf\u00fcr spontan emphatischen Zwischenbeifall.<\/p>\n<p>Seitens der musikalischen Gestaltung stellte die intime filigrane Miniatur Meinem Kinde \u2013 mit nur wenigen Streichinstrumenten begleitet reinste Kammermusik- einen ebenso hohen Anspruch. Morley sang dieses entz\u00fcckende Schlaflied, kongenial mitempfunden von ihren Partnern, mit der gebotenen Z\u00e4rtlichkeit, kultiviert und schlicht dazu, nur der Text lie\u00df sich trotz pflegsamer Behandlung der Konsonanten nur partiell verstehen. Das ist nat\u00fcrlich ein bisschen das Los der hohen Soprane, die \u2013 und erst recht in extrem hoher Lage \u2013 kaum eine Chance haben, die Worte klar zu deklamieren. Da haben es die tiefen Stimmen bekanntlich leichter.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/konzert-staatskapelle-berlin-christian-thielemann-erin-morley\/25-07-05staatsoper_konzert0446\/\" rel=\"attachment wp-att-30796 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-30796\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/25-07-05Staatsoper_Konzert0446-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Staatskapelle Berlin\/Konzert 5.7.2025\/C. Thielemann, E. Morley \/Fotocredits: Andreas Labes<\/p>\n<p>Mit Mein Auge op.37\/4, Das B\u00e4chlein op.88\/1 und die Freundliche Vision op.48\/1 schlie\u00dfen sich weitere hinrei\u00dfende Petitessen an, die Morley, passend grundiert vom Orchester und unter den sensiblen Antennen Thielemanns, in ihrer K\u00fcrze von nur wenigen Minuten farbreich gestaltet, dass sie nicht achtlos am Ohr der Zuh\u00f6renden vorbeiziehen. Vielmehr verstr\u00f6men sie schiere Poesie. Das gilt letztlich auch f\u00fcr Das St\u00e4ndchen op.17\/2, in einer Orchesterfassung von Felix Mottl.<\/p>\n<p>Weitgehend schlank f\u00fchrt Morley ihren Sopran durch die Register, ihr sch\u00f6nes Timbre verstr\u00f6mt W\u00e4rme und eine gewisse Noblesse, auch wenn so mancher Ton noch eine Spur kristalliner und klarer h\u00e4tte t\u00f6nen d\u00fcrfen. Am sch\u00f6nsten t\u00f6nt Morleys Stimme, nun glockenklar, in einer zugegebenen Rarit\u00e4t, dem Lied Die Nacht, das, wenn ich Christian Thielemann richtig verstanden habe, der dazu eine Ansage machte, bislang nur als Klavierskizze existierte. Es ist ein weiteres vertr\u00e4umtes, versonnenes, bezauberndes Juwel, in dem an einer Stelle ein vertrautes Violinsolo aufkommt, auf das Strauss sp\u00e4ter noch einmal in seinem Lied Beim Schlafengehen der Vier letzten Lieder zur\u00fcckkam.<\/p>\n<p>Und wie alle diese Impressionen einschlie\u00dflich der wohl am bekanntesten Zueignung op.10\/1, h\u00e4ufig als Zugabe zu erleben, um die Liebe oder die Sch\u00f6nheit der Natur kreisen, ergibt sich der thematische Bezug zu der ersten sinfonischen Dichtung von Liszt, der inspiriert von dem Dichter Victor Hugo, Natur und Menschheit kontrastierend gegen\u00fcberstellt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/konzert-staatskapelle-berlin-christian-thielemann-erin-morley\/25-07-05staatsoper_konzert0938\/\" rel=\"attachment wp-att-30800 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-30800\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/25-07-05Staatsoper_Konzert0938-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Berliner Staatskapelle\/Konzert 5.7.2025\/Wolfram Brandl\/Fotocredits: Andreas Labes<\/p>\n<p>Mit einem geheimnisvoll-d\u00fcsteren Tremolo in den tiefen Streichern beginnt die von Hugos Ode Ce qu\u2019ond entend sur la montagne inspirierte Berg-Symphonie, 1850 in Weimar uraufgef\u00fchrt, die Liszt mit ihrer philosophischen Gedankenwelt faszinierte. Zwar gepriesen mit feierlichem Gotteslob sieht sich die Natur mit einer Menschheit in ihrem Elend konfrontiert, bestimmt von Schmerzen und Fl\u00fcchen. Ein bisschen faustisch kommt einem das vor: Feierliche, altehrw\u00fcrdige Posaunench\u00f6re, die an Bruckner oder Wagner erinnern, prallen auf mephistophelisches Dr\u00e4uen. Und mittendrin tut sich eine paradiesische Idylle auf, ein magisches, zartes, lebensfrohes Violinsolo, wunderbar filigran musiziert von Konzertmeister <strong>Wolfram Brandl<\/strong>, das mit leicht zuckrigem Glitzern aus einer sehr \u00e4hnlichen klangalchemistischen K\u00fcche stammt wie einige Wendungen in Strauss\u2018 Liedern und Opern (Rosenkavalier, Capriccio).<\/p>\n<p>Die zweite sinfonische Dichtung Tasso, Lamento e Trionfo, urspr\u00fcnglich als Ouvert\u00fcre zu Goethes Schauspiel Torquato Tasso gedacht, zu Beginn etwas spr\u00f6der, entfaltet seinen Reiz seitens der Wechsel von gro\u00dfen melodischen Unisoni und vielfachen aparten Bl\u00e4sersoli. Nicht nur die \u00fcblichen Holzbl\u00e4ser Klarinette, Oboe und Fl\u00f6te wurden da reich vom Komponisten mit einfallsreichen, beredten Soli bedacht, sondern auch Bassklarinette, Fagotte und Trompete haben einen besonderen Aufritt.<\/p>\n<p>Und Thielemann? Er lebt beim Musizieren mit seinem neuen Orchester sichtlich gl\u00fccklich auf, dynamisiert aufs Feinste, f\u00e4hrt seine sensiblen Antennen aus, sorgt daf\u00fcr, dass jeder Solist und jede Solistin bestens hervortreten kann, l\u00e4sst es aber auch ordentlich krachen, wo es die Musik einfordert. Den hoch motivierten Musikerinnen und Musikern steht ihre Dankbarkeit, sich mit ihrem neuen Chef auf diese Entdeckungsreise begeben zu d\u00fcrfen, ebenfalls ins Gesicht geschrieben. Alle bis hin zu Harfen und Pauke sind mit Feuereifer dabei. Es ist ein herrliches Geben und Nehmen. Er und die Kapelle seien aus einem Holz geschnitzt, hatte Thielemann nach seiner Ernennung zum Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper gesagt. Und das best\u00e4tigte sich an diesem Abend einmal mehr.<\/p>\n<p>Das kraftvolle Finale der zweiten Dichtung erinnert mit seinem heroischen Einschlag an Liszts Orchesterst\u00fcck Les Pr\u00e9ludes, das wohl nur deshalb ungleich bekannter ist, weil die Nationalsozialisten es f\u00fcr ihre Siegesmeldungen missbrauchten, was aber die sogkr\u00e4ftige Musik nicht schm\u00e4lert. Hierf\u00fcr ein neues H\u00f6rverst\u00e4ndnis zu wecken, ist wahrlich eine Pioniertat! Jedenfalls half dieser echte Rausschmei\u00dfer auf elektrisierende Weise hinweg \u00fcber all die an diesem Abend angestaute Nachdenklichkeit angesichts der leidenden, zerst\u00f6rerischen Menschheit. Und entlie\u00df das Publikum mit dem ermutigenden Gedanken, dass sich die Natur mit starker Willenskraft vielleicht doch noch retten l\u00e4sst. Gro\u00dfer Jubel.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rezension von Kirsten Liese \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<\/strong><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.staatskapelle-berlin.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Staatskapelle Berlin<\/a><\/li>\n<li>Titelfoto: Staatskapelle Berlin\/Konzert 5.7.2025\/C. Thielemann, E. Morley \/Fotocredits: Andreas Labes<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\n\t\u00c4hnliche Beitr\u00e4ge<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Staatskapelle Berlin\/Konzert 5.7.2025\/C. Thielemann, E. 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