{"id":252836,"date":"2025-07-08T20:22:11","date_gmt":"2025-07-08T20:22:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/252836\/"},"modified":"2025-07-08T20:22:11","modified_gmt":"2025-07-08T20:22:11","slug":"tschernobyl-beschaedigte-akw-schutzhuelle-was-ist-zu-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/252836\/","title":{"rendered":"Tschernobyl: Besch\u00e4digte AKW-Schutzh\u00fclle &#8211; was ist zu retten?"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 08.07.2025 18:46 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Im Winter besch\u00e4digte eine russische Drohne die Schutzh\u00fclle am stillgelegten AKW Tschernobyl. Experten haben nun ein Konzept erarbeitet, wie das hochkomplexe System zumindest teilweise wiederhergestellt werden kann. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Florian Kellermann, ARD Kiew\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Februar schockte eine Nachricht aus der Ukraine ganz Europa: Eine russische Kamikazedrohne iranischer Bauart war in Tschernobyl explodiert. Genauer gesagt: unmittelbar am Reaktorblock 4 des stillgelegten Kernkraftwerks.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErinnerungen wurden wach an das Jahr 1986, als sich in jenem Reaktor der bisher gravierendste Atomunfall der Menschheitsgeschichte ereignete. Die Drohne hatte die Schutzh\u00fclle durchbrochen, die den Reaktor seit 2019 sch\u00fctzt und es unm\u00f6glich machen soll, dass Radioaktivit\u00e4t austritt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSchnell geriet diese Nachricht wieder in Vergessenheit, denn die Expertinnen und Experten konnten keine erh\u00f6hte Radioaktivit\u00e4t am Ungl\u00fccksreaktor messen. Und doch hat der Drohneneinschlag gravierende Folgen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Fachleute vor Ort gehen inzwischen davon aus, dass die Schutzh\u00fclle, deren Bau \u00fcber zwei Milliarden Euro kostete, wohl nie mehr so funktionieren wird wie einst geplant. Eine vollst\u00e4ndige Reparatur w\u00e4re zwar wahrscheinlich m\u00f6glich, sagte Artem Siryj, Betriebsleiter an der Schutzh\u00fclle, gegen\u00fcber tagesschau.de. Doch die finanziellen Mittel daf\u00fcr d\u00fcrften kaum aufzubringen sein.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Karte der Ukraine und Russlands, hell schraffiert: von Russland besetzte Gebiete\n                    <\/p>\n<p>    Drohne durchschlug \u00e4u\u00dfere Stahlwand<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm das zu verstehen, erkl\u00e4rt Artem Siryj, was im Februar genau passierte. Die Drohne habe die \u00e4u\u00dfere Stahlwand der Schutzh\u00fclle durchschlagen, die im Fachjargon als &#8222;New Safe Confinement&#8220; bezeichnet wird.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEtwa neun Meter unterhalb befindet sich eine innere Wand &#8211; Teile der Drohne durchschlugen auch sie. Vor allem der Raum zwischen den beiden W\u00e4nden spielte aber eine entscheidende Rolle f\u00fcr das Sicherheitskonzept.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Luft dort wurde verdichtet, es herrschte \u00dcberdruck. So wurde sichergestellt, dass hochradioaktive Partikel nicht bis an die Au\u00dfenwand der Schutzh\u00fclle dringen und diese kontaminieren konnten.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDieser \u00dcberdruck k\u00f6nne bis auf weiteres nicht mehr hergestellt werden, so Siryj. Denn hei\u00dfe Elemente der Drohne setzten eine Kunststoffmembran in Brand, die sich an der Au\u00dfenwand befand &#8211; zwischen Schichten anderer Materialien. &#8222;Diese Membran war das einzige brennbare Element, sie begann zu schwelen&#8220;, sagt Siryj.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Schwelbrand breitete sich aus, trotz der damals frostigen Temperaturen. Ihn durch das Loch zu l\u00f6schen, das die Drohne gerissen hatte, erwies sich als unm\u00f6glich.\u00a0<\/p>\n<p>    L\u00f6cher geschnitten, Wasser verteilt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Folge: Spezialisten des ukrainischen Katastrophenschutzes ermittelten mit kleinen Beobachtungsdrohnen, ausgestattet mit W\u00e4rmebildkameras, die Brandherde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIndustriekletterer schnitten an den jeweiligen Stellen weitere L\u00f6cher in die Stahlwand &#8211; von einer Gr\u00f6\u00dfe von etwa 30 mal 30 Zentimetern. Erst das Wasser, das \u00fcber diese L\u00f6cher verteilt wurde und zur Kunststoffmembran durchsickerte, l\u00f6schte letztlich den Schwelbrand.<\/p>\n<p>    Experte: Weitgehender Schutz f\u00fcr Au\u00dfenwelt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nInzwischen h\u00e4tten ukrainische und internationale Spezialisten ein Konzept erarbeitet, wie die L\u00f6cher verschlossen und zumindest die Innenwand wieder hermetisch abgedichtet werden kann, so Siryj. Das werde einen weitgehenden Schutz der Au\u00dfenwelt bieten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEr hofft, dass die entsprechenden Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen k\u00f6nnen. Die aktuelle Schutzh\u00fclle wurde von einem Fonds, in den Geberl\u00e4nder einzahlten, und von der Europ\u00e4ischen Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) finanziert. Von dort hoffen die Verantwortlichen in der Ukraine auf weitere Unterst\u00fctzung.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00a0<\/p>\n<p>    Urspr\u00fcngliche Funktion nicht mehr vollumf\u00e4nglich m\u00f6glich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm den \u00dcberdruck zwischen Au\u00dfen- und Innenwand wieder herzustellen, m\u00fcsste aber unter anderem die Membran erneuert werden, so Betriebsleiter Siryj.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas sei an Ort und Stelle, in unmittelbarer N\u00e4he des Ungl\u00fccksreaktors, kaum m\u00f6glich. Und die 110 Meter hohe und \u00fcber 160 Meter lange Schutzh\u00fclle wieder zu verschieben, w\u00e4re extrem aufw\u00e4ndig.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDamit wird die Schutzh\u00fclle ihre urspr\u00fcnglich angedachte Funktion nicht mehr voll erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Sie sollte die Umgebung n\u00e4mlich so gut vor der Strahlung aus dem Reaktorblock 4 sch\u00fctzen, dass eine alte Schutzh\u00fclle, die sich direkt am Reaktor befindet, teilweise demontiert werden kann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiesen sogenannten Sarkophag hatten ukrainische Arbeiterinnen und Arbeiter 1986 im Eiltempo gebaut, viele von ihnen erkrankten durch hohe Strahlenbelastung unheilbar. Inzwischen ist der alte Sarkophag zunehmend bauf\u00e4llig. Teile k\u00f6nnten einst\u00fcrzen und unkontrolliert eine hochradioaktive Staubwolke freisetzen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine einzelne russische Kampfdrohne hat damit eine Milliarden-Investition, die Europa sicherer machen sollte, teilweise zunichte gemacht. Die Schutzh\u00fclle sei gegen s\u00e4mtliche m\u00f6glichen Umwelteinfl\u00fcsse abgesichert gewesen, so Betriebsleiter Siryj, &#8222;aber mit einer Kampfdrohne hat bei der Konstruktion einfach niemand gerechnet&#8220;.\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 08.07.2025 18:46 Uhr Im Winter besch\u00e4digte eine russische Drohne die Schutzh\u00fclle am stillgelegten AKW Tschernobyl. 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