{"id":2532,"date":"2025-04-02T14:40:10","date_gmt":"2025-04-02T14:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/2532\/"},"modified":"2025-04-02T14:40:10","modified_gmt":"2025-04-02T14:40:10","slug":"gregor-gysi-die-buecher-seines-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/2532\/","title":{"rendered":"Gregor Gysi &#8211; Die B\u00fccher seines Lebens"},"content":{"rendered":"<p>\tLesezeit:   3 Minuten<\/p>\n<p><strong>Es ist ein warmer Fr\u00fchlingsabend am 19. M\u00e4rz. Ich stehe vor der Stadthalle in K\u00f6ln-M\u00fclheim. Nach und nach fahren Autos auf den Parkplatz, eine bunte Traube an  Menschen steht hier beisammen. Es ist lit.COLOGNE. Gregor Gysi wird \u00fcber die B\u00fccher seines Lebens sprechen. Ich gehe in das Geb\u00e4ude, vorbei an Schildern, die auf das 25-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des internationalen Literaturfests K\u00f6ln hinweisen. Wie der Abend abgelaufen ist?<\/strong><\/p>\n<p>Die Autorin Marion Brasch f\u00fchrt durch den Abend, fragt Gysi gleich zu Beginn, ob er denn \u2013 wie heute \u2013 immer auf den letzten Dr\u00fccker sei. Das leitet die leicht s\u00fcffisante Stimmung des ganzen Abends ein. Beide stammen geb\u00fcrtig aus der DDR \u2013 das soll auch ein zentrales Thema des Abends sein.<\/p>\n<p>\u201eWomit hat es bei Ihnen angefangen, Herr Gysi?\u201c<\/p>\n<p>Das fragt Marion Brasch direkt zu Beginn. Es wird ein langer Bogen zu Gysis Kindheit und Jugend gespannt. \u201ePaul allein auf der Welt\u201c, antwortet er. In Paul allein auf der Welt strandet der Junge Paul nach einer Katastrophe als einzig \u00dcberlebender auf einer einsamen Insel. Er muss lernen, alleine zu \u00fcberleben und sich mit der Natur und seinen eigenen \u00c4ngsten auseinanderzusetzen. Das Gespr\u00e4ch springt zur\u00fcck zu ihm. <\/p>\n<p>Dieses Buch habe ihn zwar gepr\u00e4gt, Gysi sei aber generell einfach mit vielen B\u00fcchern aufgewachsen. \u00dcber 1000 B\u00fccher habe es zu Hause gegeben \u2013 das war alles andere als normal zu dieser Zeit in der DDR, und vermutlich auch heute noch. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Abends hat sich Brasch anhand von vielen B\u00fcchern entlang gehangelt, die gysi als pr\u00e4gend erkannt hat, und die ihn pers\u00f6nlich besonders gepr\u00e4gt haben. Der wirkliche pers\u00f6nliche Bezug war dabei aber nicht immer so ganz klar.  Was allerdings klar geworden ist: Gysi wuchs mit vielen B\u00fcchern auf. Sein Vater war Chef des \u201eAufbau-Verlags\u201c in der DDR.<\/p>\n<p>Die Themen seines Lebens<\/p>\n<p>Das erste Buch des Abends soll Das kommunistische Manifest sein. Marion Brasch leitet es ein. Das habe er jedoch erst im Studium gelesen \u2013 noch nicht als Kind. Aber es bleibt ein thematisch wichtiges und entscheidendes Werk f\u00fcr ihn. Das sei allerdings in der DDR oft falsch verstanden worden. Die Darstellung der Ideen in der Sekund\u00e4rliteratur sei schlicht falsch gewesen. Dann macht Gysi seine Entt\u00e4uschung \u00fcber die Darstellung von Marx deutlich. Marx und Engels seien ja eigentlich Befreiungstheoretiker gewesen.<\/p>\n<p>\u201eWir sind derartig kleinkariert, das geht mir auf die Nerven.\u201c<\/p>\n<p>Damit meint er die aus seiner Sicht fehlende W\u00fcrdigung von Marx aber auch anderen historischer Personen, die nach Gysi \u2018falsch\u2019 gedeutet und propagandistisch Verwendung fanden (beispielsweise unter der DDR F\u00fchrung).<br \/>Gysi spricht offen auch \u00fcber die politischen Dinge die ihn aktuell bewegen. Zum Beispiel den Stolz auf das Wahlergebnis der Linken bei der Bundestagswahl oder die Leistung von Heidi Reichinnek. Dann werden auch andere politische Felder gestreift \u2013 etwa im Zuge anstehender Ver\u00e4nderungen im Bereich Bildungsgerechtigkeit, unter anderem die Gleichwertigkeit von Zeugnissen. All das zeigt wie stark die Politik auch sein Wirken gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube nicht an Gott und habe nie an ihn geglaubt.\u201c<\/p>\n<p>Brasch leitet \u00fcber in ein neues Kapitel des Abends, ein Neues Buch: \u201cDas Alte Testament\u201d. F\u00fcr Gysi war die gr\u00f6\u00dfte Leistung von Religion die Erzeugung von Moral und Wahrheit.<br \/>Zum Alten Testament fragt Brasch: \u201eLesen Sie das auch, oder wissen Sie, worum es geht?\u201c<br \/>Gysis Antwort: \u201eHin und wieder.\u201c <\/p>\n<p>Ein Muster zeigt sich: Bei der Veranstaltung geht es weniger um die blo\u00dfe Auflistung von B\u00fcchern, sondern vielmehr um die Bez\u00fcge zwischen den wichtigsten Ideen, die in Gysis Leben eine Rolle eingenommen haben.<\/p>\n<p>\u201eWas ist Ihr Lieblingsbuch, Herr Gysi?\u201c<\/p>\n<p>Ohne es besonders in den Fokus zu r\u00fccken, wirkt der Abend wie eine spontane Lesung aus seiner Biografie. Vielleicht habe ich am Ende deswegen auch noch am B\u00fcchertisch gestanden \u2013 und ich war nicht allein. Teilweise mit vier Ausgaben in der Hand.<br \/>Eine letzte Frage wollte ich Gysi aber noch stellen, direkt am B\u00fcchertisch: \u201eWas ist denn Ihr Lieblingsbuch \u2013 vielleicht auch ohne politischen Bezug?\u201c<\/p>\n<p>Gysi grinst, sagt, nat\u00fcrlich lese er auch Romane, und z\u00e4hlt eine Reihe auf. H\u00e4ngen bleibt bei mir: Der Spieler von Dostojewski \u2013 \u201ewegen dem Witz\u201c.<br \/>Es geht um einen Spieler, der versucht, sich immer weiter aus der Spielsucht zu befreien, aber immer tiefer hineinrutscht. Gysi f\u00fchrt weiter aus \u2013 ich m\u00f6chte die Schlange nicht aufhalten, erkenne jedoch: Dieser Mensch hat so viel gesehen, so viel erlebt und ist derart genau \u2013 in solchen Kategorien macht eine Frage keinen Sinn.<\/p>\n<p>Die Geschichten seines Lebens<\/p>\n<p>Gregor Gysi hat gemeinsam mit Marion Brasch die Themen seines Lebens verarbeitet. F\u00fcr ihn sind B\u00fccher und Ideen tief verkn\u00fcpft mit Politik und Biografie. Das erkennt man an den unz\u00e4hligen Ankn\u00fcpfungspunkten und Anekdoten, die Gysi zu jeder Frage von Brasch, oder jedem Buch was besprochen wird parat hat. Es war ein Abend, an dem viele begeisterte und unterschiedliche Menschen im Publikum zusammengekommen sind \u2013 die aber scheinbar in mindestens zwei Dingen \u00e4hnlich waren: in der Liebe zur Literatur und in der Sympathie f\u00fcr die Person Gregor Gysi.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/85ccec1d-63df-4de9-b72a-9849509c4cce-scaled.jpeg\" width=\"100\" height=\"100\" alt=\"\" itemprop=\"image\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lesezeit: 3 Minuten Es ist ein warmer Fr\u00fchlingsabend am 19. M\u00e4rz. 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