{"id":254353,"date":"2025-07-09T10:10:10","date_gmt":"2025-07-09T10:10:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/254353\/"},"modified":"2025-07-09T10:10:10","modified_gmt":"2025-07-09T10:10:10","slug":"menschen-koennen-biodiversitaet-sehr-gut-wahrnehmen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/254353\/","title":{"rendered":"Menschen k\u00f6nnen Biodiversit\u00e4t sehr gut wahrnehmen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Der Mensch sp\u00fcrt, wenn ein St\u00fcck Natur noch artenreich und lebendig oder schon regelrecht verarmt ist. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Forscher des Deutschen Zentrums f\u00fcr integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDiv) mit der Frage besch\u00e4ftigt haben, wie Menschen eigentlich auf eine intakte Natur reagieren und welchen Einfluss das auf ihr Wohlbefinden hat. Eine neue Studie, ver\u00f6ffentlicht in \u201ePeople and Nature\u201c, zeigt, dass sowohl visuelle als auch akustische Reize unsere Wahrnehmung von Biodiversit\u00e4t beeinflussen.<\/p>\n<p>Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sogar etwas treffsicherer, wenn sie die Biodiversit\u00e4t in W\u00e4ldern \u00fcber Tonaufnahmen einsch\u00e4tzen. Die Untersuchung wurde von Forschenden des <a href=\"http:\/\/idiv.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschen Zentrums f\u00fcr integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDiv),<\/a> der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena, dem <a href=\"http:\/\/www.ufz.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung \u2013 UFZ<\/a> sowie der Universit\u00e4t Leipzig durchgef\u00fchrt. Sie vereint Methoden der Umweltpsychologie mit Ans\u00e4tzen aus der Wald- und Umweltakustik.<\/p>\n<p>In der Studie beurteilten zwei Gruppen von je 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern entweder Fotografien oder Tonaufnahmen aus W\u00e4ldern mit unterschiedlich hoher Biodiversit\u00e4t. Sie sollten diese nach dem wahrgenommenen Grad an Vielfalt einordnen. Die Auswertung ergab, dass visuelle Vielfalt vor allem mit Farbgebung, Vegetationsdichte, Lichtstimmung und Waldstruktur assoziiert wurde. Akustische Vielfalt hingegen wurde durch Aspekte wie Vogelgesang, Lautst\u00e4rke und saisonale Faktoren \u2013 beispielsweise Fr\u00fchlingsges\u00e4nge \u2013 gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse kn\u00fcpfen an eine fr\u00fchere Studie des Erstautors an, die den Zusammenhang zwischen Wald-Biodiversit\u00e4t und psychischem Wohlbefinden beleuchtete. Damals zeigte sich, dass die subjektiv wahrgenommene Artenvielfalt \u2013 nicht die tats\u00e4chliche Baumartenanzahl \u2013 statistisch signifikant verbunden war mit kurzfristigen positiven Effekten auf die mentale Gesundheit.<\/p>\n<p>Biodiversit\u00e4t mit allen Sinnen erleben<\/p>\n<p>In beiden Experimenten stimmte die wahrgenommene eng mit der tats\u00e4chlichen Biodiversit\u00e4t \u00fcberein. Dies deutet darauf hin, dass Menschen Unterschiede in Artenreichtum und Waldstruktur durchaus erkennen k\u00f6nnen \u2013 besonders dann, wenn sie Vergleichsmaterial wie weitere Bilder oder Tonaufnahmen zur Verf\u00fcgung haben. Zudem schnitten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Einsch\u00e4tzung akustischer Vielfalt leicht besser ab als bei der Einsch\u00e4tzung visueller Vielfalt. Ein m\u00f6glicher Grund: Die Tonaufnahmen enthielten weniger ablenkende Elemente als die Bilder.<\/p>\n<p>\u201eDie Teilnehmenden konnten Unterschiede in der Biodiversit\u00e4t wahrnehmen, wenn sie Waldaufnahmen visuell oder akustisch miteinander verglichen und sortierten\u201c, erkl\u00e4rt Kevin Rozario, Koautor der Studie. \u201eUnsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die mit den Augen wahrgenommene Wald-Biodiversit\u00e4t von der Dichte und Struktur des Waldes, den Lichtverh\u00e4ltnissen und den Farben abh\u00e4ngt, w\u00e4hrend beim Anh\u00f6ren der Aufnahmen die Melodie der Vogelstimmen, sowie physikalische Eigenschaften wie die subjektive Lautst\u00e4rke und die wahrgenommenen jahreszeitlichen Merkmale eine Rolle spielten.\u201c<\/p>\n<p>Der Mensch braucht Naturr\u00e4ume mit hoher Vielfalt<\/p>\n<p>Dieses Wissen k\u00f6nnte k\u00fcnftig helfen, naturnahe Lebensr\u00e4ume mit hoher Vielfalt zu schaffen, die von Menschen auch wahrgenommen wird. Effektive Naturschutz- und Begr\u00fcnungsma\u00dfnahmen sollten laut den Autorinnen und Autoren auch ber\u00fccksichtigen, wie Biodiversit\u00e4t sinnlich wahrgenommen wird. Elemente wie vielf\u00e4ltiger Vogelgesang oder abwechslungsreiche Vegetationsstrukturen k\u00f6nnten sowohl die Naturverbundenheit als auch den Naturschutz f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>\u201eWenn St\u00e4dte wachsen und sich nat\u00fcrliche R\u00e4ume ver\u00e4ndern, bietet die Gestaltung von urbanen Umwelten mit hoher visueller und akustischer Vielfalt eine Chance, die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu st\u00e4rken \u2013 zugunsten von Artenvielfalt und Wohlbefinden\u201c, erg\u00e4nzt Prof. Dr. Aletta Bonn, Leiterin der Forschungsgruppe \u201eBiodiversit\u00e4t und Mensch\u201c bei UFZ, iDiv und der Universit\u00e4t Jena.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Studie aufschlussreiche Einblicke darin bietet, wie Menschen Biodiversit\u00e4t wahrnehmen, weisen die Forschenden auch auf wichtige Einschr\u00e4nkungen hin \u2013 etwa darauf, dass k\u00fcnftige Untersuchungen mit einer breiteren demografischen Streuung notwendig sind, um diese ersten Erkenntnisse weiter zu untermauern und zu pr\u00e4zisieren.<\/p>\n<p><strong>Originalpublikation:<\/strong> Rozario K., Shaw T., Marselle M., Oh R. R. Y., Schr\u00f6ger E., Giraldo Botero M., Frey J., \u0218tefan V., M\u00fcller S., Scherer-Lorenzen M., Jaroszewicz B., Verheyen K., Bonn A. (2025).<a href=\"http:\/\/besjournals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/pan3.70087\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Perceived biodiversity: is what we measure also what we see and hear?, People and Nature.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Mensch sp\u00fcrt, wenn ein St\u00fcck Natur noch artenreich und lebendig oder schon regelrecht verarmt ist. 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