{"id":255133,"date":"2025-07-09T17:09:14","date_gmt":"2025-07-09T17:09:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/255133\/"},"modified":"2025-07-09T17:09:14","modified_gmt":"2025-07-09T17:09:14","slug":"aufarbeitung-berlin-doch-keine-loesung-im-streit-um-trostfrauen-denkmal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/255133\/","title":{"rendered":"Aufarbeitung \u2013 Berlin: Doch keine L\u00f6sung im Streit um Trostfrauen-Denkmal"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img308373\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/308373.jpeg\" alt=\"Das Trostfrauen-Mahnmal in Moabit k\u00f6nnte bald umziehend m\u00fcssen.\"\/><\/p>\n<p>Das Trostfrauen-Mahnmal in Moabit k\u00f6nnte bald umziehend m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Foto: nd\/Peter Steiniger<\/p>\n<p>F\u00fcr kurze Zeit sah es so aus, als ob es in einem der aktuell gr\u00f6\u00dften erinnerungspolitischen Streite in der Hauptstadt zu einer L\u00f6sung gekommen sei. Die sogenannte Friedensstatue, ein privat errichtetes Denkmal, das an sexuelle Gewalt und japanische Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg erinnert, soll einen neuen Standort bekommen. \u00bbNach September kann sie auf eine \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Fl\u00e4che der Mietergenossenschaft Unionplatz Tiergarten eG (MUT eG) in der Unionsstra\u00dfe 8 umziehen\u00ab, hei\u00dft es in einer Pressemitteilung des Bezirksamts Mitte, die kurz darauf von zahlreichen Hauptstadtmedien weiterverbreitet wurde.<\/p>\n<p>Doch bei der Unionplatz-Genossenschaft, auf deren Grundst\u00fcck die Friedensstatue nach Bezirkswillen zuk\u00fcnftig stehen soll, widerspricht man der Darstellung. \u00bbWir waren \u00fcberrascht, das in den Medien zu lesen\u00ab, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Christian Palmer zu \u00bbnd\u00ab. Die Mitgliederversammlung der Genossenschaft habe sich zwar daf\u00fcr ausgesprochen, einen alternativen Standort f\u00fcr das Mahnmal anzubieten \u2013 doch grunds\u00e4tzlich pr\u00e4feriere man den aktuellen Standort direkt am Unionplatz. \u00bbSo lange wir keine konkrete Anfrage vom Korea-Verband erhalten, wird nichts passieren\u00ab, sagt er.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Umzug m\u00fcsste der vermeintlich neue Standort an einer Wohnanlage der Genossenschaft etwa 100 Meter vom aktuellen Standort entfernt zudem baulich umgestaltet werden. Das Bezirksamt habe zugesagt, daf\u00fcr die Kosten zu \u00fcbernehmen. Doch eine entsprechende Koordination mit dem Bezirksamt habe bislang nicht stattgefunden, so Palmer.<\/p>\n<p>Die Kontroverse um die Friedensstatue besch\u00e4ftigt die Berliner Landespolitik seit etwa einem Jahr. Das Mahnmal wurde 2020 auf Initiative des Korea-Verbands, einer Interessenvertretung koreanischer Migranten, errichtet. Die bronzene Statue \u2013 eine sitzende Frauenfigur, die \u00bbAri\u00ab getauft wurde \u2013 soll an das Leid koreanischer Zwangsprostituierter im Zweiten Weltkrieg erinnern und zugleich generell sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten anprangern. Die etwa 200\u2009000 Opfer des japanischen Feldbordellsystems werden h\u00e4ufig euphemistisch als \u00bbTrostfrauen\u00ab bezeichnet.<\/p>\n<p>Seit der Einweihung der Friedensstatue kam es immer wieder zu Versuchen der japanischen Regierung, Einfluss auf die Berliner Stadtpolitik zu nehmen, die Statue wieder zu entfernen. Im Jahr 2024 nahm die Diskussion an Fahrt auf. Recherchen von \u00bbnd\u00ab haben gezeigt, dass es zuvor zu Treffen von Vertretern der japanischen Botschaft <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1184277.kolonialismus-friedensstatue-arbeit-mit-ari-gecancelt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit einer Abteilungsleiterin der Senatskulturverwaltung sowie Bezirkspolitikern in Mitte kam<\/a>. Auch der Regierende B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) stand in der Kritik. Er lie\u00df sich im Mai 2024 damit zitieren, dass eine \u00bbeinseitige Darstellung\u00ab nicht mehr stattfinden d\u00fcrfe. Zuvor hatte er sich mit dem japanischen Botschafter und der damaligen japanischen Au\u00dfenministerin Yoko Kanikawa getroffen.<\/p>\n<p>Auch Stefanie Remlinger (Gr\u00fcne), Bezirksb\u00fcrgermeisterin von Mitte, sprach sich daf\u00fcr aus, die Statue zu entfernen. Sie verwies auf eine Richtlinie des Bezirks, laut der privat errichtete Kunstwerke nicht l\u00e4nger als zwei Jahre an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen verbleiben d\u00fcrfen. Ein Verein, dessen Vorstand ein ehemaliger R\u00fcstungslobbyist und ein prominenter Vertreter des Realo-Fl\u00fcgels der Gr\u00fcnen in Mitte angeh\u00f6ren, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1185265.erinnerungskultur-berliner-quereinstieg-ex-ruestungsprofi-plant-friedensstatue.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bewarb sich um eine alternative Gestaltung<\/a>. Zuletzt entschied ein Gericht nach einer Klage des Korea-Verbands, dass die Statue zun\u00e4chst bis zum September stehen bleiben darf. Eine Entscheidung in der Hauptsache <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190627.gedenken-trostfrauen-denkmal-in-berlin-ari-darf-laenger-bleiben.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wurde vor Gericht noch nicht getroffen.<\/a><\/p>\n<p>\u00bbViele unserer Mitglieder unterst\u00fctzen den Gedenkort seit seiner Er\u00f6ffnung\u00ab, sagt Genossenschaftsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Christian Palmer. Ein Erinnern an die japanischen Kriegsverbrechen sei notwendig \u2013 gerade in Deutschland, das im Zweiten Weltkrieg mit Japan verb\u00fcndet war. \u00bbWenn dieses Gedenken in Japan nicht stattfinden kann, muss es an einem anderen Ort sichtbar sein\u00ab, sagt Palmer.<\/p>\n<p>Das Mahnmal sei im Kiez als Gedenkort anerkannt. \u00bbMan sieht immer wieder, wie Passanten vor der Friedensstatue innehalten\u00ab, berichtet Palmer. Daher habe man sich bereiterkl\u00e4rt, notfalls einen Alternativstandort anzubieten. Doch als Aufforderung sei das nicht zu verstehen. Vielmehr unterst\u00fctze man weiterhin einen Erhalt des urspr\u00fcnglichen Standorts.<\/p>\n<p>Denn der anvisierte neue Standort am Rande einer Wohnanlage der Genossenschaft sei nicht so exponiert. Er befinde sich am Rande einer weniger frequentierten Sackgasse. Derzeit versperre noch ein Zaun den Zugang. Er m\u00fcsste zun\u00e4chst verschoben werden.<\/p>\n<p>Auch beim Korea-Verband reagiert man irritiert auf die Mitteilung des Bezirksamts. \u00bbWir sind sehr w\u00fctend\u00ab, sagt Nataly Jung-Hwa Han, Vorstandsvorsitzende des Korea-Verbands. Eigentlich sei in der kommenden Woche ein Gespr\u00e4ch zwischen Bezirksvertretern und dem Verband geplant gewesen. Dem habe das Bezirksamt nun vorweggegriffen.<\/p>\n<p>\u00bbDas Thema soll auf ein privates Grundst\u00fcck abgeschoben werden\u00ab, kritisiert Han. \u00bbDie Verantwortung wird damit abgegeben.\u00ab Zwar sei man der Genossenschaft dankbar, dass sie einen neuen Standort bereitstellen w\u00fcrde, doch das Ziel des Verbands bleibe, den derzeitigen Standort zu erhalten. \u00bbDas Mahnmal ist in der Nachbarschaft akzeptiert\u00ab, sagt sie. Es sei absurd, dass das Bezirksamt mit Steuergeldern einen neuen Standort herrichten wolle, wenn es bereits einen bestehenden gebe. Der geplante neue Standort sei zudem zu klein, weil regelm\u00e4\u00dfig Veranstaltungen am Mahnmal stattf\u00e4nden.<\/p>\n<p>Han hofft darauf, dass das Bezirksamt noch einlenkt. \u00bbEs muss eine Ausnahmeregelung getroffen werden\u00ab, sagt sie. Das Mahnmal sei von besonderer erinnerungspolitischer Bedeutung f\u00fcr Berlin. Sollte es zu keiner Ausnahmeregelung kommen und auch das Verwaltungsgericht die Haltung des Bezirksamts best\u00e4tigen, werde man sich aber \u00bballe Optionen offenhalten\u00ab, so Han.<\/p>\n<p>\u00bbEin konkretes Einverst\u00e4ndnis des Korea-Verbands zur Annahme des Alternativstandorts liegt derzeit noch nicht vor\u00ab, gesteht das Bezirksamt auf nd-Anfrage ein und spricht nun deutlich zur\u00fcckhaltender davon, dass man \u00bbauf eine einvernehmliche L\u00f6sung hofft\u00ab. Die Mitteilung st\u00fctze sich auf einen \u00bbl\u00e4ngeren Gespr\u00e4chsprozess\u00ab mit der Unionplatz-Genossenschaft, der seit November 2024 andauere. Der Vorstand der Genossenschaft sei \u00bbfortlaufend \u00fcber den politischen, juristischen und verwaltungsrechtlichen Sachstand\u00ab informiert worden. Man plane weitere Gespr\u00e4che.<\/p>\n<p>Der neue Standort stelle eine \u00bbtragf\u00e4hige Alternative\u00ab dar, schreibt eine Sprecherin des Bezirksamt weiter. Das Bezirksamt pr\u00fcfe derzeit, ob die Kosten der Umsetzung \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen. \u00bbDie Kostenfrage soll nicht das entscheidende Hindernis sein\u00ab, wird Bezirksb\u00fcrgermeisterin Stefanie Remlinger zitiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Trostfrauen-Mahnmal in Moabit k\u00f6nnte bald umziehend m\u00fcssen. 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