{"id":255161,"date":"2025-07-09T17:24:12","date_gmt":"2025-07-09T17:24:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/255161\/"},"modified":"2025-07-09T17:24:12","modified_gmt":"2025-07-09T17:24:12","slug":"pkk-chef-oecalan-ueberrascht-anhaenger-mit-video-aus-der-haft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/255161\/","title":{"rendered":"PKK-Chef \u00d6calan \u00fcberrascht Anh\u00e4nger mit Video aus der Haft"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 09.07.2025 17:47 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Nach 26 Jahren in Haft hat PKK-Chef \u00d6calan seine Anh\u00e4nger per Video erneut aufgerufen, die Waffen niederzulegen. Dieser Prozess soll schon in wenigen Tagen beginnen. Wie sehr wird das die T\u00fcrkei ver\u00e4ndern? <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/korrespondent-561.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Markus Rosch\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/markus-rosch-105.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs sind ungewohnte Bilder, die die T\u00fcrken in diesen Tagen erreichen. Erstmals seit 26 Jahren hat sich der Chef der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah \u00d6calan, mit einer Videobotschaft an seine Anh\u00e4nger gewandt &#8211; aus seiner Haft auf der Gef\u00e4ngnisinsel \u0130mral\u0131 nahe \u0130stanbul im Marmarameer heraus. Dort sitzt der 76-J\u00e4hrige seit 1999 eine lebenslange Haftstrafe wegen Hochverrats ab.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00d6calan bekr\u00e4ftigte erneut das Ziel einer Vers\u00f6hnung zwischen Kurden und T\u00fcrken, zwischen PKK und Staat, so wie er es bereits Anfang des Jahres getan hatte und zu der es in K\u00fcrze erste konkrete Schritte geben soll. Die ungew\u00f6hnliche Videobotschaft, die das Aufnahmedatum 19. Juni tr\u00e4gt, kn\u00fcpft an Bilder aus dem Pr\u00e4sidentenpalast in Ankara vom Montag an.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDort hatte Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan eine Delegation pro-kurdischer Parlamentsabgeordneter der DEM-Partei empfangen. Jahrelang war auch das kaum vorstellbar. Man sei mit Vorschl\u00e4gen zu einer Phase des Friedensprozesses gekommen und auch der gegenseitige Wille dazu sei da, sagte ein Vertreter der DEM nach dem Treffen. Einen Tag zuvor hatte die kurdische Delegation \u00d6calan im Gef\u00e4ngnis besucht.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Eine Beratung beim Pr\u00e4sidenten signalisierte am Montag, dass in die Frage der Auss\u00f6hnung mit der PKK wieder Bewegung gekommen ist.\n                    <\/p>\n<p>    Jahrzehntelanger Krieg im S\u00fcdosten des Landes<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00d6calan hatte die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 1978 gegr\u00fcndet. Seit 1984 k\u00e4mpfte sie auch mit Waffengewalt f\u00fcr mehr Rechte der kurdischen Bev\u00f6lkerungsgruppe und f\u00fcr mehr Autonomie. Im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei tobte zeitweise ein brutaler Guerillakrieg zwischen der t\u00fcrkischen Armee und PKK-K\u00e4mpfern, bei dem gesch\u00e4tzt 40.000 Menschen auf beiden Seiten ums Leben kamen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Deutschland und anderen Staaten wurde die PKK als Terrororganisation verboten. Dennoch hat die Organisation im Ausland weiter viele Sympathisanten.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Eines der wenigen Bilder von Abdullah \u00d6calan &#8211; aufgenommen im Jahr 1999, als der PKK-Chef vor Gericht stand. Nun hoffen seine Anh\u00e4nger auf eine Freilassung.\n                    <\/p>\n<p>    Jahr der Wende<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Februar dieses Jahres dann die gro\u00dfe \u00dcberraschung. \u00d6calan, f\u00fcr viele Kurden jahrzehntelang das Symbol und die Gallionsfigur, fordert die Bewegung auf, sich aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor dieser Ank\u00fcndigung hatte Erdo\u011fans Regierungspartner, der Chef der ultranationalen MHP-Partei, Devlet Bah\u00e7eli, Gespr\u00e4che mit prokurdischen Vertretern gef\u00fchrt. Das war um so \u00fcberraschender, als Bah\u00e7eli vorher immer wieder die Hinrichtung \u00d6calans gefordert und auch den ersten dann gescheiterten Friedensprozess von 2013 bis 2015 scharf kritisiert hatte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer milit\u00e4rische und gesellschaftliche Druck auf die PKK war zuletzt immer gr\u00f6\u00dfer geworden. Die kurdischen K\u00e4mpfer hatten sich in die Berge des Nordirak zur\u00fcckgezogen und waren immer wieder t\u00fcrkischen Luftangriffen ausgesetzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie PKK folgte am 12. Mai dieses Jahres der Aufforderung \u00d6calans. Sie gab die Aufl\u00f6sung bekannt und erkl\u00e4rte ihren jahrzehntelangen bewaffneten Kampf f\u00fcr die Rechte der Kurden f\u00fcr beendet.<\/p>\n<p>    Erdo\u011fans Ziele<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Kurswechsel des Pr\u00e4sidenten d\u00fcrfte innen- und geopolitisch motiviert sein. Innenpolitisch d\u00fcrfte der seit \u00fcber 20 Jahren zunehmend autorit\u00e4r regierende Erdo\u011fans eine weitere Amtszeit als Staatsoberhaupt anstreben. Die Verfassung sieht das eigentlich nicht vor. Um dieses Ziel legal zu erreichen, braucht er die Unterst\u00fctzung der kurdischen Abgeordneten der DEM.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch bei dem zunehmenden brutaleren Vorgehen gegen die gr\u00f6\u00dfte t\u00fcrkische Oppositionspartei CHP ist Erdo\u011fan auf jede Unterst\u00fctzung angewiesen. Falls die DEM hier die F\u00fc\u00dfe still h\u00e4lt, k\u00f6nnte es dem Pr\u00e4sidenten gelingen, die Opposition zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZugleich wolle Erdo\u011fan damit auch eine strategische Neuausrichtung der T\u00fcrkei in einer Region schaffen, in der sich die Machtverh\u00e4ltnisse verschieben und Allianzen wandeln, analysiert die T\u00fcrkei-Expertin G\u00fclistan G\u00fcrbey von der FU Berlin. Denn die Kurden in der Region seien in dem geopolitisch dynamischen Umfeld unverzichtbare Akteure.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine Frage bleibt aber bisher ungel\u00f6st: die Rolle der syrischen Kurden im Norden des Nachbarlandes. Die Erdo\u011fan-Regierung will dort ihren Einfluss ausbauen und betrachtet die kurdische YPG-Miliz als Ableger der PKK. Immer wieder geht sie mit Luftangriffen und Bodenoperationenen gegen die YPG vor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie PKK hingegen betrachtet die kurdischen Einheiten dort als ihr ideologisches und strategisches Projekt. Eine L\u00f6sung hier durfte nur schwer und nur durch weitreichende Zugest\u00e4ndnisse von beiden Seiten zu erreichen sein.<\/p>\n<p>    Die Erwartung: konkrete Schritte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie kurdische Politik erwartet nun von der t\u00fcrkischen Regierung konkrete Schritte, um einen Auss\u00f6hnungsprozess zu unterst\u00fctzen: vor allem die Freilassung von politischen Gefangenen, die Aufhebung der Zwangsverwaltungen im kurdisch dominierten S\u00fcdosten des Landes, die F\u00f6rderung der kurdischen Sprache und eine faire Umsetzung des geplanten Entwaffnungsprozesses der PKK.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00d6calan selbst hat sich in einem Schreiben gegen eine Autonomiel\u00f6sung und f\u00fcr eine demokratische T\u00fcrkei mit Gleichberechtigung der Kurden ausgesprochen. Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung dieser Forderungen d\u00fcrfte die kurdische DEM-Partei spielen, die bei den letzten Wahlen in zehn Provinzen und 65 Landkreisen die Mehrheit gewonnen hatte und viele B\u00fcrgermeister stellt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer politische Druck auf sie ist aber gro\u00df &#8211; in vielen Provinzen wurden in den vergangenen Wochen oppositionelle Politiker abgesetzt und inhaftiert, oft mit unbewiesenen Anschuldigungen.<\/p>\n<p>    Kommt \u00d6calan frei?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nViele kurdischen Politiker hoffen auch auf eine Freilassung \u00d6calans. Denn er kann ihrer Ansicht nach mit seinem Ansehen und seiner Autorit\u00e4t den Kurs der Integration und Gleichberechtigung am besten umsetzen. Ob die t\u00fcrkische F\u00fchrung aber eine aktive Rolle des ehemaligen Staatsfeindes zul\u00e4sst, ist zweifelhaft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00d6calan k\u00fcndigte in seiner heutigen Videobotschaft an, dass die Entwaffnung der PKK rasch umgesetzt werde. Offenbar wollen die PKK-K\u00e4mpfer im kurdischen dominierten Teil des Irak Ende der Woche in einem zeremoniellen Akt einen ersten Teil ihrer Waffen zerst\u00f6ren. Wie es dann weitergehen soll, ist zurzeit unklar &#8211; auch ob es eine internationale Kontrolle geben wird. Der Entwaffnungsprozess k\u00f6nnte mehrere Monate dauern.<\/p>\n<p>    Eine andere T\u00fcrkei?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Selbstaufl\u00f6sung der PKK nach 40 Jahren bewaffneten Kampfes k\u00f6nnte Chancen, aber auch Risiken bringen. Die t\u00fcrkische Politik k\u00f6nnte sich mit der Entstigmatisierung der DEM ver\u00e4ndern, auch wenn die Gefahr besteht, dass Erdo\u011fan versucht, damit die Opposition zu spalten<strong>.<\/strong><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd auch das weitere Schicksal der PKK-Mitglieder ist unklar,\u00a0sowohl der K\u00e4mpfer in den Bergen als auch der Aktivisten in den St\u00e4dten. Ob eine Generalamnestie denkbar ist, wird kontrovers diskutiert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nW\u00e4hrend \u00fcber m\u00f6gliche Integrationsprogramme diskutiert wird, gilt eine pauschale Begnadigung durch Erdo\u011fan als unwahrscheinlich. Zu\u00a0gro\u00df w\u00e4re\u00a0das\u00a0Risiko gesellschaftlicher Spannungen. Nach wie vor gibt es gegenseitig ein gro\u00dfes Misstrauen. Die Narben, die der jahrelange Kampf auf beiden Seiten hinterlassen hat, sie schmerzen noch immer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 09.07.2025 17:47 Uhr Nach 26 Jahren in Haft hat PKK-Chef \u00d6calan seine Anh\u00e4nger per Video erneut aufgerufen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":255162,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[457,13,14,15,63599,41168,12,10,8,9,11,143],"class_list":{"0":"post-255161","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-erdogan","9":"tag-headlines","10":"tag-nachrichten","11":"tag-news","12":"tag-oecalan","13":"tag-pkk","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-top-news","16":"tag-top-meldungen","17":"tag-topmeldungen","18":"tag-topnews","19":"tag-tuerkei"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114824443909095846","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255161","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=255161"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255161\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/255162"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=255161"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=255161"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=255161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}