{"id":255862,"date":"2025-07-09T23:49:22","date_gmt":"2025-07-09T23:49:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/255862\/"},"modified":"2025-07-09T23:49:22","modified_gmt":"2025-07-09T23:49:22","slug":"der-unsichtbare-wiederholungstaeter-kierkegaard-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/255862\/","title":{"rendered":"Der unsichtbare Wiederholungst\u00e4ter: Kierkegaard in Berlin"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspAMht tspAMhu\">Mittelstra\u00dfe 61. Ein Ort, ein Nicht-Ort. Das Haus in Mitte, in dem S\u00f6ren Kierkegaard Ende Oktober 1841 wenige Jahre nach Karl Marx Quartier bezog, ist unter dieser Adresse nicht einmal mehr zu finden. Der Geist, den der frischgebackene, mit dem preu\u00dfischen Postschiff \u201eK\u00f6nigin Elisabeth\u201c aus Kiel eingetroffene Magister der Philosophie nach Berlin mitbrachte, h\u00e4tte ohnehin eher am Ausgangspunkt seiner Reise, in Kopenhagen, geweht. Kierkegaards Obsessionen hielten der Luftver\u00e4nderung m\u00fchelos stand, und seine Erfahrungen in der neuen Umgebung wurden von Echos und Spiegelbildern der alten \u00fcberlagert. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Was sind fremde St\u00e4dte und Stra\u00dfen, wenn einem die Seele den Blick verstellt. Kierkegaard wusste sogar, woran dies lag. \u201eMan sagt, Liebe macht blind\u201c, notierte er in seinen Tageb\u00fcchern. \u201eSie tut mehr als das, sie macht taub, sie macht lahm; wer an ihr leidet, er ist die Pflanze Mimosa; sie verschlie\u00dft sich, und kein Dietrich \u00f6ffnet sie.\u201c<\/p>\n<p> Sommerserie \u201eDie Spur der B\u00fccher\u201c <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Berlin als Kulisse literarischer Imaginationen: Unsere Sommerserie begibt sich auf die Spuren ber\u00fchmter B\u00fccher, die von den Stra\u00dfen, Pl\u00e4tzen und Atmosph\u00e4ren dieser Stadt leben. Zum Auftakt folgen wir dem d\u00e4nischen Phlosophen S\u00f6ren Kierkegaard nach Mitte, wo er \u201eDie Wiederholung\u201c schrieb.<strong> <\/strong>Das Buch ist in zahlreichen Ausgaben unter anderem beim Felix Meiner Verlag, bei dtv und in der Europ\u00e4ischen Verlagsanstalt erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Zwei Monate vor seinem Berlinaufenthalt war Kierkegaard aus der Verlobung mit der acht Jahre j\u00fcngeren B\u00fcrgerstochter Regine Olsen geflohen, um sich seinem damals noch ungeschriebenen Werk zu widmen. Krank vor Eifersucht auf die Leerstelle, die er selbst hinterlassen hatte, dr\u00e4ngte er seinen Kopenhagener Freund Emil Boesen, Regine zu beschatten. Brieflich instruierte er ihn bis ins Detail, wann und wo man ihr begegnen k\u00f6nne. <\/p>\n<p> Der Philosoph <\/p>\n<p class=\"tspAMht\"><strong>S\u00f6ren Kierkegaard<\/strong>, 1813 in Kopenhagen geboren, war das j\u00fcngste von sieben Kindern eines wohlhabenden Wollwarenh\u00e4ndlers. Ab 1830 studierte er Theologie, sp\u00e4ter auch \u00c4sthetik und Philosophie an der Universit\u00e4t Kopenhagen. Nach dem Tod des Vaters 1838 erbte Kierkegaard ein Verm\u00f6gen, das ihm ein Leben als freier Schriftsteller in D\u00e4nemarks Hauptstadt erm\u00f6glichte. Ab 1842 ver\u00f6ffentlichte in rascher Folge seine gr\u00f6\u00dftenteils pseudonym erschienenen Werke. Als seine bedeutendsten B\u00fccher gelten \u201eEntweder \u2013 Oder\u201c (1843) und \u201eDie Krankheit zum Tode\u201c (1849). Im Jahr 1855, das Erbe war aufgebracht, starb er 42-j\u00e4hrig an den Folgen eines Schlaganfalls.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/soren-kierkegaard-1813-1855-danish-philosopher-contemporary-pencil-drawing-publicationxnotxinxusaxca.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-13980857\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspA5jw\"\/> S\u00f6ren Kierkegaard (1813-1855).  <\/p>\n<p class=\"tspAPh6\"> \u00a9 IMAGO\/GRANGER Historical Picture Archive <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Zugleich entdeckte er in einer Sopranistin namens Hedwig Schulze, die in Mozarts \u201eDon Giovanni\u201c an der Berliner Oper die Elvira sang, eine \u201efrappante \u00c4hnlichkeit\u201c zu Regine: \u201eWenn meine wilde Laune \u00fcber mich kommt, so bin ich beinahe versucht, mich ihr zu n\u00e4hern, nicht eben mit den solidesten Absichten.\u201c Es blieb beim stillen Begehren aus der Ferne.<\/p>\n<p> Mangel an \u00f6ffentlichen Toiletten <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Au\u00dfer den Wonnen der Konditorei Spargapani, die f\u00fcr ihn Kaffee, Schokolade und die neuesten Zeitungen bereithielt, konnte er Berlin wenig abgewinnen. Der lauthals beklagte Mangel an \u00f6ffentlichen Toiletten, schr\u00e4nkte seinen Spazierradius ungeb\u00fchrlich ein. Er zankte sich mit dem Wirt des Hotel de Saxe am Gendarmenmarkt herum, wohin er Anfang 1842 zog. Der eisige Ostwind tat ein \u00dcbriges. Er verkroch sich zum Arbeiten. Immerhin kam er so mit seinem ersten gro\u00dfen Buch \u201eEntweder \u2013 Oder\u201c, das im Februar 1843 unter dem sprechenden Pseudonym Victor Eremita erschien, ein entscheidendes St\u00fcck voran. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Vor allem erwies sich der urspr\u00fcngliche Anlass seiner Reise als Entt\u00e4uschung. Kierkegaard hatte <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/wo-nektar-und-ambrosia-fliessen-4026220.html?icid=in-text-link_13948534\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gro\u00dfe Erwartungen in Schelling gesetzt<\/a>, den Nachfolger des von ihm verachteten Hegel an der Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t. Zwei Drittel von Schellings 62 Antrittsvorlesungen \u201ePhilosophie der Offenbarung\u201c schrieb er sorgf\u00e4ltig mit, bevor er am 27. Februar 1842 w\u00fctend bilanzierte: \u201eSchelling salbadert grenzenlos, sowohl im extensiven wie im intensiven.\u201c \u00a0Am 6. M\u00e4rz 1842 lief er mit dem Dampfer Christian VIII. wieder in Kopenhagen ein. Hatte er die Stadt jemals verlassen?<\/p>\n<p> R\u00fcckkehr oder Ankunft? <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Was hei\u00dft es \u00fcberhaupt, an einen Ort zur\u00fcckzukehren, den man nie in Besitz genommen hat? Ist es nicht vielmehr eine erste Ankunft? Der franz\u00f6sische Literaturwissenschaftler Pierre Bayard hat, ausgehend von Lekt\u00fcren, Relekt\u00fcren und Lekt\u00fcrel\u00fccken, in zwei hochvergn\u00fcglichen Essays untersucht, \u201eWie man \u00fcber B\u00fccher spricht, die man nicht gelesen hat\u201c, und \u201eWie man \u00fcber Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist\u201c. \u00a0<\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Es geht um Fragen des Typs: Was bedeutet es, ein Buch gelesen zu haben, das man kaum mehr als durchgebl\u00e4ttert hat? Oder auf Orte bezogen: Was bedeutet es, sich ein Territorium zu erschlie\u00dfen, es aber wieder zu vergessen? Bayard fordert mit seinen \u00dcberlegungen keineswegs zu Bluff und Betrug auf. Er verteidigt Erfahrungen aus zweiter Hand, die Schriftsteller von Marco Polo bis zu Karl May anschlie\u00dfend erfindungsreich veredelten, weil ihnen nichts anderes \u00fcbrigblieb. Nicht jeder kann \u00fcberall gewesen sein. Aber wie weit, wie tief muss man sich einlassen? <\/p>\n<blockquote class=\"tspA4ju\">\n<p>Man sagt, Liebe macht blind. Sie tut mehr als das, sie macht taub, sie macht lahm; wer an ihr leidet, er ist die Pflanze Mimosa; sie verschlie\u00dft sich, und kein Dietrich \u00f6ffnet sie.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspA4jv\"><strong>S\u00f6ren Kierkegaard<\/strong> in seinen Tageb\u00fcchern<\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Schon Kierkegaard suchte Antworten auf solche Fragen. Die gro\u00dfe Stadt Berlin, notierte er, nachdem er sich Anfang Mai 1843 m\u00fcde und ersch\u00f6pft ein zweites Mal unter neuer Direktion im Hotel de Saxe einmietete, \u201el\u00e4sst sich wohl auch mit einem Buch und einem Kunstwerk vergleichen und ihnen an die Seite stellen. Insofern k\u00f6nnte bei der Wiederholung ebenso gut von einem gesteigerten Genuss die Rede sein, und wenn man ihn f\u00e4nde, so brauchte man sich in Anbetracht der Gr\u00f6\u00dfe der Stadt und der Vielfalt st\u00e4dtischen Lebens nicht versucht zu f\u00fchlen zu glauben, diese Steigerung habe ihren Grund darin, dass man beim ersten Mal unaufmerksam gelesen oder hingesehen habe.\u201c<\/p>\n<p> Auf Abstand zur Stadt <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Gegen\u00fcber Boesen bekannte er, er habe seine Spazierg\u00e4nge Unter den Linden \u201eauf und nieder\u201c von Neuem aufgenommen, machte aber kein Hehl daraus, dass er, wie immer, wenn er reise, \u201eein stummer Buchstabe\u201c sei, \u201eden niemand aussprechen kann und der auch zu niemandem spricht.\u201c Abgesehen von diesen Ausfl\u00fcgen an die frische Luft grub er sich, von einem nachmitt\u00e4glichen Gang ins Hotelrestaurant unterbrochen, am Schreibtisch ein. Kurz: Er erlebte in seinen drei Wochen Berlin noch weniger als im Jahr zuvor und hielt die Stadt im selben Ma\u00df auf Abstand wie sie ihn. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Die Ideen flogen ihm dennoch nur so zu. Im Angesicht der eigenen Misere reflektierte er seine Isoliertheit in \u201eDie Wiederholung\u201c. Der pseudonyme Erz\u00e4hler dieser philosophischen Novelle, ein Psychologe namens Constantin Constantius, der gerade zum zweiten Mal nach Berlin reist, nimmt sich der Probleme eines liebesgesch\u00e4digten \u201ejungen Menschen\u201c an, der zweiten Aufspaltung von Kierkegaards Persona. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Berlin selbst ger\u00e4t nur in einer kurzen Beschreibung des vertrauten Wohnungsinterieurs mit n\u00e4chtlicher Aussicht aufs Schauspielhaus in den Blick \u2013 und in der ausf\u00fchrlichen Erinnerung an eine Auff\u00fchrung von Nestroys Verwandlungsposse \u201eDer Talisman\u201c im K\u00f6nigst\u00e4dter Theater ein Jahr zuvor. <\/p>\n<p> Sich nach vorw\u00e4rts erinnern <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Wie Kierkegaard alles Tats\u00e4chliche ins Existenzphilosophische transponiert, das Wiederholung nicht als etwas nur Erlittenes, sondern als etwas zu Gestaltendes begreift, bildet ein denkerisches Virtuosenst\u00fcck mit der ber\u00fchmten Formulierung: \u201eWiederholung und Erinnerung sind dieselbe Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung, denn was da erinnert wird, ist gewesen, wird nach r\u00fcckw\u00e4rts wiederholt, w\u00e4hrend hingegen die eigentliche Wiederholung nach vorw\u00e4rts erinnert.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Die Wiederholung ist eigentlich kein philosophischer Begriff. Kierkegaards Biograf Joakim Garff, der diese Darstellung wertvolle Hinweise verdankt, verweist mit Recht darauf, wie sehr dieses Thema mit Variationen, das vielmehr die Variation zu ihrem Thema gemacht habe, vom Erz\u00e4hlerischen getragen wird. Generationen von Philosophen und Kunsttheoretikern haben sich dennoch nicht abhalten lassen, mal mehr, mal weniger akademisch \u00fcber das Verh\u00e4ltnis des Prim\u00e4ren zum Sekund\u00e4rem, des Selben zum Anderen, des Akts zum Reenactment nachzudenken.<\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Die religi\u00f6se Dimension, die sich hinter Kierkegaards Verst\u00e4ndnis von Wiederholung verbirgt, wird einen Hauch von Erdenschwere gleichwohl nicht los. Denn der hinter den Mauern des Hotel de Saxe unsichtbare Wiederholungst\u00e4ter kam sowohl 1845 wie 1846 erneut f\u00fcr jeweils eine, d\u00fcrftig dokumentierte Woche nach Berlin. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Was ihn trieb, war wohl weniger die Sehnsucht nach der Stadt und ihren Farben als deren selige Abwesenheit. Er zog sich in die Atmosph\u00e4re zur\u00fcck, die ihm schon zuvor konzentriertes Arbeiten erm\u00f6glicht hatte. Dies war der Teil der Wiederholung, an den er praktisch ankn\u00fcpfte. <\/p>\n<blockquote class=\"tspA4ju\">\n<p>Wiederholung und Erinnerung sind dieselbe Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung, denn was da erinnert wird, ist gewesen, wird nach r\u00fcckw\u00e4rts wiederholt, w\u00e4hrend hingegen die eigentliche Wiederholung nach vorw\u00e4rts erinnert.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspA4jv\"><strong>S\u00f6ren Kierkegaard<\/strong> in \u201eDie Wiederholung\u201c<\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Wonach sucht man also, wenn man sich auf Kierkegaards Spuren begibt? Nach einer Wiederholung, die sich nicht wiederholen l\u00e4sst? Der halb vergessene Essayist und Lyriker Kurt Ihlenfeld schreibt in \u201eStadtmitte\u201c, seinen Spazierg\u00e4ngen durch die geteilte Stadt Anfang der 1960er Jahre: \u201eKierkegaard in Berlin \u2013 ein mich dunkel besch\u00e4ftigendes Thema.\u201c Wie dunkel, zeigt der Versuch, seinem topografischen Vorstellungsverm\u00f6gen mit Wohnungsfotos der Gebr\u00fcder Grimm in der Tiergartener Lenn\u00e9stra\u00dfe aus derselben Zeit aufzuhelfen. Die fremde Wohnung &#8211; ein Surrogat, um Kierkegaards Domizil im Hotel de Saxe auferstehen zu lassen. <\/p>\n<p> Mehr zu Kierkegaards \u201eWiederholung\u201c <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/landwehrkanal-ist-auch-nur-ein-wort-851179.html?icid=topic-list_13948534___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBJk9\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alain Robbe-Grillet im Interview \u201eDer Romancier kann nicht l\u00fcgen, weil es keine Wahrheit gibt\u201c <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/der-anti-wagner-8589064.html?icid=topic-list_13948534___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBJk9\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Heiner Goebbels zum 70. Geburtstag Der Anti-Wagner <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/vigdis-hjorths-roman-wiederholung-mit-dem-erinnern-wird-man-nie-fertig-13348870.html?icid=topic-list_13948534___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBJk9\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vigdis Hjorths Roman \u201eWiederholung\u201c Mit dem Erinnern wird man nie fertig <\/a><\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Die Einbildungskraft sucht sich eben am liebsten konkrete Orte, und seien diese so fragw\u00fcrdig wie die Gedenktafel in der heutigen J\u00e4gerstra\u00dfe 57, die nicht einmal die Koordinaten von Kierkegaards Aufenthalten in der architektonisch mehrfach \u00fcberschriebenen Stadt trifft. Alain Robbe-Grillet, seit jeher ein gro\u00dfer Kierkegaard-Leser, wusste genau, warum er im Vorspruch zu seinem 2001 erschienenen Roman \u201eDie Wiederholung\u201c warnte: \u201eUnd dann soll man mir mit dem ewigen Aufzeigen von unrichtigen oder widerspr\u00fcchlichen Einzelheiten wegbleiben. Es geht in diesem Bericht um die objektive Wirklichkeit und nicht um irgendeine sogenannte historische Wahrheit.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Das Tr\u00fcmmerberlin des Jahres 1949, durch das sein Protagonist, ein franz\u00f6sischer Agent namens Henri Robin, irrt, ist in der Akribie, mit der er es schildert, so kenntlich wie unkenntlich. So erfindet er einen auf keinem Stadtplan verzeichneten toten Seitenarm des Landwehrkanals. \u201eDie Wiederholung\u201c variiert den Kierkegaard\u2018schen Topos in raffinierten Verdopplungen und \u00dcberlagerungen ein weiteres Mal und hat das Privileg, mit dem franz\u00f6sischen Begriff der \u201eReprise\u201c auch die Wiederaufnahme zu meinen.. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Heiner Goebbels, wiederum ein gro\u00dfer Leser von Alain Robbe-Grillet, widmete ihm, noch ohne Kenntnis dieses Romans, ein raffiniertes St\u00fcck Musiktheater und, in einer weiteren Verwandlung, ein H\u00f6rspiel. Die Erinnerungsschleifen, in denen Robbe-Grillets <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/zwischen-tag-und-traum-3548869.html?icid=in-text-link_13948534\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Filmskript zu \u201eLetztes Jahr in Marienbad\u201c<\/a> schwelgt, der <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/prince-hat-zeitgeist-geschaffen-3715471.html?icid=in-text-link_13948534\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Prince-Song \u201eJoy in Repetition\u201c<\/a> und Kierkegaards Originaltext finden hier in einem die Jahrhunderte \u00fcberspannenden Stimmentheater zusammen. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">\u201eNur keine endg\u00fcltige Schrift!\u201c, hei\u00dft es in den Notizb\u00fcchern von Peter Handke, der in seinem von Kierkegaard zumindest inspirierten Roman \u201eDie Wiederholung\u201c das Lied der fortw\u00e4hrenden Erneuerung singt: \u201eImmer nur Nachschrift um Nachschrift.\u201c\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mittelstra\u00dfe 61. 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