{"id":256010,"date":"2025-07-10T01:12:24","date_gmt":"2025-07-10T01:12:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/256010\/"},"modified":"2025-07-10T01:12:24","modified_gmt":"2025-07-10T01:12:24","slug":"kv-berlin-sieht-schuld-des-terminmangels-bei-patienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/256010\/","title":{"rendered":"KV Berlin sieht Schuld des Terminmangels bei Patienten"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das System der ambulanten medizinischen Versorgung in Berlin f\u00e4hrt vor die Wand. Davor hat die <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/kassenaerztliche-vereinigung\" rel=\"noopener\">Kassen\u00e4rztliche Vereinigung (KV)<\/a> jetzt gewarnt. Das System habe 30 Jahre lang funktioniert, sagte Vorstandsvorsitzender Burkhard Ruppert am Mittwoch. Doch: \u201eWir beobachten inzwischen die Entwicklung mit gro\u00dfer Sorge.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt tiefgreifende Probleme, mit denen niedergelassene \u00c4rzte in der Hauptstadt konfrontiert sind. Zu sp\u00fcren bekommen das ihre Patienten, die Berliner. Etwa wenn sie einen Termin bei einem Facharzt ben\u00f6tigen oder auf der Suche nach einer Hausarztpraxis sind, die sie aufnimmt. Dabei besteht den Daten der KV zufolge keine Unterversorgung. \u201eDie Zahlen bewegen sich noch in einem sehr komfortablen Bereich\u201c, sagt Ruppert.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die erlebte Wirklichkeit sieht vor allem in den Au\u00dfenbezirken anders aus. In <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/marzahn-hellersdorf\" rel=\"noopener\">Marzahn-Hellersdorf<\/a> etwa betr\u00e4gt der Versorgungsgrad bei Haus\u00e4rzten gerade einmal knapp 80 Prozent. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/treptow-koepenick\" rel=\"noopener\">Treptow-K\u00f6penick<\/a> erreicht bei den Hals-Nasen-Ohren-\u00c4rzten gerade einmal 77,7 Prozent. 74,4 Prozent sind es bei den Haut\u00e4rzten in <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/lichtenberg\" rel=\"noopener\">Lichtenberg<\/a>. Andere Bezirke sind dagegen reich mit Fach\u00e4rzten gesegnet, insbesondere in der Innenstadt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">\u00c4rzte, erkl\u00e4rt Christiane Wessel, stellvertretende KV-Vorsitzende, \u201em\u00f6chten m\u00f6glichst da arbeiten, wo sie wohnen\u201c. Eine wichtige Rolle spiele daher, wie gut Stadtviertel zu erreichen seien. In manchen Bezirken gebe es zudem sprachliche und kulturelle Barrieren, erl\u00e4utert die Fach\u00e4rztin f\u00fcr Frauenheilkunde, die in Mitte und Kreuzberg jeweils eine Praxis betreibt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wessel besch\u00e4ftigt angestellte \u00c4rzte. Eine Form von Arbeitsverh\u00e4ltnis, die sich vor allem unter jungen Medizinern im ambulanten Bereich immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit erfreut. Waren 2018 lediglich 18 Prozent angestellt, macht diese Gruppe inzwischen 29 Prozent aus. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das schl\u00e4gt sich auch in der Teilzeitquote nieder. W\u00e4hrend 54 Prozent in Vollzeit arbeiten, haben 34 Prozent ihr Arbeitspensum auf die H\u00e4lfte reduziert.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zwar sind in Berlin nach Aussage des KV-Vorstands so viele niedergelassene Mediziner t\u00e4tig wie noch nie, n\u00e4mlich insgesamt 10.747 \u00c4rzte und Psychotherapeuten. Doch gleichzeitig w\u00e4chst die Stadt, insbesondere an ihren R\u00e4ndern. Treptow-K\u00f6penick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg haben in den vergangenen f\u00fcnf Jahren die meisten Bewohner hinzugewonnen, zwischen gut sieben und knapp neun Prozent. F\u00fcr Pankow sagen Prognosen bis 2040 ein Wachstum von elf Prozent voraus.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Doch wie verh\u00e4lt es sich nun mit der Terminknappheit? F\u00fcr die KV Berlin ergibt sich ein paradoxes Bild. Denn: \u201eWir haben nicht zu wenige Termine\u201c, sagt Vorstand Ruppert. Seine Vereinigung vermittelt \u00fcber die Telefonnummer 116 117 Arzt-Patienten-Kontakte. Von ungef\u00e4hr 20.000 monatlich gemeldeten Hausarztterminen zum Beispiel w\u00fcrden weniger als die H\u00e4lfte nachgefragt, sagt Ruppert. In anderen Fachrichtungen verhalte es sich \u00e4hnlich. Engp\u00e4sse gibt es in Berlin allerdings nach Erkenntnissen der KV bei Haut\u00e4rzten, Augen\u00e4rzten, spezialisierten Internisten sowie Psychotherapeuten.<\/p>\n<p>HNO-\u00c4rztin in Charlottenburg: Viele Patienten sagen Termine nicht ab<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zum Arbeitsalltag vieler \u00c4rzte scheinen diese Zahlen nicht zu passen. Kerstin Zeise hat eine HNO-Praxis in Charlottenburg. Zu den Akutsprechstunden, sagt sie, k\u00e4men so viele Patienten, dass sich im Treppenhaus eine Warteschlange bilde.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zeise f\u00fcrchtet, dass sich die Lage weiter zuspitzt, denn in absehbarer Zeit gehen Hunderte niedergelassene \u00c4rzte in den Ruhestand. Allein 30 Prozent der Haus\u00e4rzte fehlen dann f\u00fcr die Versorgung. Und das bei einer \u00fcberbordenden B\u00fcrokratie, die Mediziner von ihren Patienten fernh\u00e4lt. \u201eJede Regierung spricht von Entb\u00fcrokratisierung, aber jedes Mal kommt mehr B\u00fcrokratie hinzu\u201c, sagt Zeise. Ihre Kollegin Wessel w\u00fcrde sich Entlastung durch Digitalisierung w\u00fcnschen. Eine Digitalisierung, die funktioniert. \u201eDie ePA k\u00f6nnte uns zum Beispiel sehr helfen, aber sie ist technisch nicht ausgereift.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wessel, Zeise und Ruppert macht noch ein weiteres Problem zu schaffen. Es hat mit der Mentalit\u00e4t der Patienten zu tun, wie sie sagen. Viele w\u00fcrden parallel Termine bei verschiedenen Praxen buchen, den ersten freien nehmen, die anderen jedoch nicht absagen. \u201eWir k\u00f6nnen die freien Termine dann kurzfristig nicht mehr besetzen\u201c, sagt Kerstin Zeise.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Fast noch schlimmer findet die HNO-\u00c4rztin, dass viele Berliner in Fragen der Gesundheit schlecht informiert seien. Beschwerden, die sie als behandlungsw\u00fcrdig ansehen, sind es am Ende gar nicht. Dennoch bev\u00f6lkern die Menschen die Wartezimmer der Hauptstadt. Zu Zeise kommen immer wieder Patienten, die zuvor bereits drei andere HNO-Praxen aufgesucht haben und nun von ihr eine Diagnose haben wollen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Vielleicht ist es der Andrang, vielleicht ein gewisses Anspruchsdenken der Krankenversicherten \u2013 Frauen\u00e4rztin Wessel jedenfalls beobachtet eine zunehmende Aggression unter den Patientinnen. Das belaste das Personal der Berliner Praxen, vor allem die Medizinischen Fachangestellten (MFA). Das f\u00fchre zu einer Flucht aus dem Beruf, der ohnehin mit chronischem Mangel an Fachkr\u00e4ften zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Berlins KV-Chef Ruppert beklagt einen Kardinalfehler: \u201eDas Gesundheitssystem l\u00e4uft komplett ungesteuert.\u201c\u00a0Das m\u00fcsse dringend ge\u00e4ndert werden. Eine zentrale Steuerung sei n\u00f6tig, so wie es die KV f\u00fcr ihren Bereich \u00fcber die Telefonnummer 116 117 anstrebt. Die Bundesregierung will den Besuch beim Prim\u00e4rarzt verpflichtend einf\u00fchren, der den Behandlungsweg festlegt. Wie das jedoch mit der momentanen Verg\u00fctung gehen soll, kann sich Ruppert nicht vorstellen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Es gibt Budgetgrenzen f\u00fcr Praxen, eingef\u00fchrt, als die Zahl der \u00c4rzte den Bedarf \u00fcbertraf, vor 30 Jahren. F\u00fcr Haus\u00e4rzte sollen sie abgeschafft werden. Ob es wirklich so weit kommt, ist offen. F\u00fcr Fach\u00e4rzte bleiben die Grenzen ohnehin bestehen. Durchschnittlich bekommen sie nur 85 Prozent ihrer Leistungen bezahlt, sagt Ruppert. \u201eDie Budgetierung muss abgeschafft werden.\u201c\u00a0Was w\u00e4re der n\u00e4chste Schritt? \u201eWir brauchen eine v\u00f6llig neue Bedarfsplanung.\u201c\u00a0Ruppert fordert: \u201eWir brauchen politische Ehrlichkeit.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das System der ambulanten medizinischen Versorgung in Berlin f\u00e4hrt vor die Wand. 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