{"id":256553,"date":"2025-07-10T06:21:13","date_gmt":"2025-07-10T06:21:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/256553\/"},"modified":"2025-07-10T06:21:13","modified_gmt":"2025-07-10T06:21:13","slug":"street-food-festival-in-berlin-sich-einmal-um-die-welt-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/256553\/","title":{"rendered":"Street Food Festival in Berlin: Sich einmal um die Welt essen"},"content":{"rendered":"<p>Die Sonne steht im Zenit, bunt kost\u00fcmierte Artisten staksen auf Stelzen durch den Innenhof hinter der Synagoge, Berliner Rummel wie gemalt. Vor der Lostrommel der Tombola rei\u00dft die Schlange nicht ab, und gegen 13 Uhr z\u00e4hlt der Sicherheitsdienst bereits 2400 Besucher. Unter dem sch\u00fctzenden Zeltdach ist nicht nur zur Mittagszeit selten ein Eckchen frei. Wer kann, speist an den Stehtischen \u2013 und freut sich dann und wann \u00fcber ein paar erfrischende Tr\u00f6pfchen aus der Sprinkleranlage \u00fcber dem Zelt.<\/p>\n<p>Wie eine r\u00f6mische Befestigung reiht sich das Angebot des 4. Kosher Street Food Festival auf Einladung der J\u00fcdischen Gemeinde rund um die Szenerie im Innenhof der Synagoge an der Oranienburger Stra\u00dfe: Schawarma und Babka, Tofu Bao und BBQ, Slushie, Hawaiian Pok\u00e9 Bowl, nigeria\u00adnische und indonesische Spezialit\u00e4ten, Borschtsch, Pargiot vom Grill oder israelische Weine. Man kann sich einmal um die Welt essen. Die meisten Standbetreiber sind schon alte Hasen, aber in diesem Jahr sind erstmals Alba Berlin mit einem hoch frequentierten Basketball-Parcours und Hertha BSC mit einem \u00bbSpeedkick\u00ab vertreten.<\/p>\n<p>Die Umstellung auf das Zertifikat koscher? \u00bbAch, gar kein Problem\u00ab<\/p>\n<p>Ebenfalls neu sind Florence und Ashley mit ihrem African-Food-Stand \u00bbMukase\u00ab: \u00bbWir konnten uns noch gar nicht richtig umschauen\u00ab, sagt Florence zwischen zwei Portionen. Und die Umstellung auf das Zertifikat koscher? \u00bbAch, gar kein Problem\u00ab, winkt Florence ab. \u00bbDas war ganz entspannt. Wir kochen sowieso nur vegan und alles frisch. Da kam der Rabbi und sagte: Passt perfekt.\u00ab<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbFrag den Rabbi\u00ab erweist sich als \u00e4u\u00dferst beliebt. Nichtjuden nehmen das seltene Angebot gern an.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auf der B\u00fchne wechseln Kindergruppen. Sie singen jiddische Lieder und das Schma Israel, viele Zuschauer singen mit. Das Magical Duo Roman &amp; Viki begeistert mit seiner Zaubershow, und von beiden Seiten her sind Kinderlachen und fr\u00f6hliches Quietschen zu h\u00f6ren, aus der H\u00fcpfburg oder vom Streichelzoo. Ein Karikaturist malt Besucher, die das Portr\u00e4t im Anschluss mitnehmen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>In der Schach-Laube des TuS-Makkabi ist der 20-j\u00e4hrige Aaron vom Jugendzentrum \u00bbOlam\u00ab in ein spannendes Match mit einem jungen Talent vertieft. \u00bbDas ist ein cooles Festival\u00ab, sagt Aaron. \u00bbEs sind sehr viele j\u00fcdische Leute hier, die sich versammeln, ohne Angst zu haben. Man kann mit Kippa oder Kettchen hier sein, ohne schr\u00e4g angesehen zu werden. Das gibt mir ein Gef\u00fchl der Hoffnung.\u00ab<\/p>\n<p>Gro\u00dfer Jubel und Beifall<\/p>\n<p>In silbergl\u00e4nzenden Outfits st\u00fcrmen die Kinder und Jugendlichen des Ensembles Tumbalalaika die B\u00fchne. Unter gro\u00dfem Jubel und Beifall vollf\u00fchren sie regelrecht Akrobatisches. Im Technikzelt wacht Juze-Leiterin Shelly Schlafstein \u00fcber den Ablauf. Die Show ist perfekt.<\/p>\n<p>Die unter der \u00c4gide des Juze Olam trainierende Tanz- und Gesangsgruppe trifft sich jeden Mittwoch. \u00bbDas hat eine gewisse Tradition\u00ab, sagt Shelly Schlafstein. \u00bbVor 20 Jahren hatte sich das Ensemble \u203aGita\u2039 gegr\u00fcndet. Deren Mitglieder sind heute Eltern, und sie regten an, vor drei Jahren das neue Ensemble zu gr\u00fcnden.\u00ab Nachwuchs sei stets willkommen, ab der ersten Klasse. \u00bbWir f\u00f6rdern j\u00fcdische T\u00e4nze und Lieder, wollen Tradition und Kultur weitergeben, aber modern und poppig verpackt.\u00ab<\/p>\n<p>Nur wenige Meter weiter herrscht Konzentration. Als \u00e4u\u00dferst beliebt erweist sich der Stand \u00bbFrag den Rabbi\u00ab. Elf Rabbinerinnen und Rabbiner von Elias Dray bis Jacob R\u00fcrup stehen Rede und Antwort. Vor allem nichtj\u00fcdische Besucherinnen und Besucher nutzen die seltene Gelegenheit. So steht Herrison in der Schlange \u2013 ein katholischer Pakistaner, der in Berlin Cybersecurity studiert. \u00bbIch m\u00f6chte der J\u00fcdischen Gemeinde meine Unterst\u00fctzung zeigen\u00ab, sagt er. \u00bbIch finde es unertr\u00e4glich, dass Juden in der ganzen Welt gehasst und bedroht werden, besonders von muslimischen Menschen. Ich w\u00fcrde mich gern mit Menschen aus der j\u00fcdischen Gemeinde anfreunden.\u00ab Ob ihm der Rabbi dabei helfen kann?<\/p>\n<p>\u00bb45 Minuten durchquatschen, das kann bei der W\u00e4rme ganz sch\u00f6n anstrengen\u00ab<\/p>\n<p>Verschwitzt hat Rabbiner Boris Ronis gerade seinen Part erf\u00fcllt und atmet vor dem Stand tief ein. \u00bb45 Minuten durchquatschen, das kann bei der W\u00e4rme ganz sch\u00f6n anstrengen. Ich wurde alles M\u00f6gliche gefragt: Christen wollten wissen, ob der Maschiach nicht auch ein Mensch sein kann, so wie Jesus. Viele fragten nach Eltern-Kind-Beziehungen, inwieweit sollten Kinder auch f\u00fcr Eltern da sein, und sollen Kinder ihre Eltern respektieren? Ja nat\u00fcrlich.\u00ab<\/p>\n<p>Das Interesse auch an religi\u00f6sen Fragen sei gro\u00df. \u00bbOb beide j\u00fcdisch sein sollten, wenn man heiratet? Aus meiner Sicht ja, weil es sonst Probleme gibt, wenn Kinder kommen.\u00ab Er wurde zu Kaschrut-Regeln gel\u00f6chert und mit einer komplizierten Frage konfrontiert: \u00bbKriegt man ein Alpaka koscher, um es zu essen? Hm. Dann m\u00fcsste man es ja sch\u00e4chten.\u00ab Darauf wisse er auch keine definitive Antwort. Wichtig sei es jedenfalls, \u00bbgerade in diesen Zeiten, dass Juden und Nichtjuden gemeinsam feiern und einen Austausch pflegen. Dass man Juden auch mal so begegnen kann und nicht nur hinter geschlossenen Synagogent\u00fcren\u00ab, sagt Ronis.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Um 16 Uhr kratzt Aviel Avidar den letzten Rest aus der Pfanne. Alles ausverkauft.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Chefpatissier und Chocolatier Yahel Michaeli vom Friedrichshainer Caf\u00e9 \u00bbYahelis\u00ab ist mit gro\u00dfer Truppe durchgehend an ihrem Stand besch\u00e4ftigt. Belgische Waffeln und Kaffee sind im Angebot, besonders Iced Cappuccino und Americano gehen heute gut. \u00bbJa, ich bin sehr zufrieden, wir haben sch\u00f6nes Wetter, die Stimmung ist toll \u2013 und ich kann vor lauter Arbeit noch gar nicht klar denken.\u00ab<\/p>\n<p>Pastrami, Pulled-Beef und Sandwiches<\/p>\n<p>Um 16 Uhr kratzt Aviel Avidar den letzten Rest aus der Pfanne. Alles ausverkauft. S\u00e4mtliches Pastrami, Pulled-Beef und Sandwiches, die sie am Morgen mitgebracht hatten. \u00bbDie zehnfache Menge dessen, was wir im Laden verkaufen w\u00fcrden\u00ab, sagt der Mann von der koscheren Fleischerei \u00bbGolcca\u00ab in Neuwestend. Mit einer derartigen Nachfrage hatte er nicht gerechnet.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich war der Israeli, der seit 25 Jahren in Berlin lebt, zum ersten Mal dabei und hatte sich kurzfristig entschieden. \u00bbWir wollten auch nicht \u00fcbertreiben und dann gezwungen sein, etwas wegzuwerfen. Als erste Erfahrung war das wunderbar.\u00ab Da klingelt sein Handy. \u00bbJetzt kommt meine Frau \u2026\u00ab, sagt er und h\u00e4lt eine Hand vor die Muschel. Die Kinder wollen wissen, ob es noch Eis gibt? \u00bbJa klar! Jede Menge.\u00ab<\/p>\n<p>Der Veranstalter ist zufrieden. \u00bbEs kamen noch mehr Besucher als im letzten Jahr \u2013 mehr als 12.000. Es war ein volles, erfolgreiches Event\u00ab, sagt Organisator Avi Toubiana. Und krempelt die \u00c4rmel hoch. \u00bbWir sind schon beim n\u00e4chsten Festival.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Sonne steht im Zenit, bunt kost\u00fcmierte Artisten staksen auf Stelzen durch den Innenhof hinter der Synagoge, Berliner&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":256554,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1834],"tags":[573,574,3364,29,3688,30,411,570,576,572,80,14,1209,16,575,571],"class_list":{"0":"post-256553","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-essen","8":"tag-berichte","9":"tag-blogs","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-essen","13":"tag-germany","14":"tag-israel","15":"tag-juedische-allgemeine","16":"tag-juedisches-leben","17":"tag-kommentare","18":"tag-kultur","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nordrhein-westfalen","21":"tag-politik","22":"tag-religion","23":"tag-wochenzeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114827498864951108","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=256553"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256553\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/256554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=256553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=256553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=256553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}